Vorberichte

"Mayhem" Miller und Dan Hardy kämpfen um ihren Job

Bevor diesen Samstag im Hauptprogramm von UFC 146 die Schwergewichte die MGM Grand Garden Arena in Las Vegas übernehmen, werden ganze sieben Vorkämpfe in niedrigeren Gewichtsklassen den Abend gebührend einleiten.

Für genügend Abwechslung ist dabei gesorgt, denn neben aufstrebenden jungen Wilden, wie dem TUF-Sieger Diego Brandao oder dem Muay Thai-Experten Edson Barboza, werden auch Kämpfer zu sehen sein, die nichts dringender als einen möglichst überzeugenden Sieg brauchen, um ihren Job in der weltgrößten MMA-Organisation zu behalten. Neben "Bully Beatdown"-Moderator Jason "Mayhem" Miller, der in seinem letzten Kampf von Michal Bisping mehr als deutlich besiegt wurde, ist in diesem Zusammenhang vor allem Dan Hardy zu nennen. Der ehemalige Titelherausforderer konnte seit dem November 2009 keinen Kampf mehr gewinnen und bekommt an diesem Wochenende die letzte Gelegenheit, nach dem wohl extremsten Aufstieg und Fall in der Geschichte der UFC den ersten Schritt zurück in Richtung früherer Erfolge zu gehen.

Die ersten drei Kämpfe des Abends, die nach deutscher Zeit um ca. 01:00 Uhr beginnen werden, können weltweit kostenfrei auf der Facebook-Seite der UFC verfolgt werden. Die übrigen vier werden in den USA auf dem Fernsehsender FX und hierzulange ab ca. 02:00 Uhr auf ufc.tv zu sehen sein, bevor dort um 04:00 Uhr das Hauptprogramm beginnt.

Diego Brandao vs. Darren Elkins

Der letzte Nicht-Schwergewichtskampf von UFC 146 wird zwischen Diego Brandao (14-7) und Darren Elkins (13-2) im Limit bis 66 Kilo ausgetragen. Brandao wird hier versuchen, seine "richtige" UFC-Karriere mit einem weiteren vorzeitigen Sieg zu starten, nachdem er sich im letzten Dezember mit einem Armbar gegen Dennis Bermudez den Titel des "Ultimate Fighter" sichern konnte.

Zusätzlich zu seiner regulären Statistik konnte der junge Brasilianer sich während seiner TUF-Zeit drei Siege im Octagon sichern, die jedoch von der Kommission in Nevada nicht als offizielle Profi-Kämpfe angesehen werden. Sowohl Jesse Newell, als auch Steven Siler und Brian Caraway schlug Brandao jeweils in der ersten Runde, zusätzlich zu seinen acht regulären Knockouts, bewusstlos.

Darren Elkins hat bereits vier UFC-Kämpfe hinter sich und kann bisher gemischte Ergebnisse vorweisen. Seine Statistik beträgt zwar 3-1, allerdings sind zwei dieser Siege kontrovers zustande gekommen. Sein Debüt in der Organisation gewann Elkins in unter einer Minute, nur resultierte dieser Sieg aus einer Verletzung, die sich Elkins Gegner Duane Ludwig während des Kampfes zugezogen hatte. Auch über den Punktsieg gegen Michihiro Omigawa aus dem Juni 2011 wurde heftig diskutiert, da sowohl der Großteil der Zuschauer, als auch Dana White den Kampf an Omigawa gegeben hatten, der im Nachhinein auch seinen Sieg-Bonus ausgezahlt bekam.

Bei UFC 136 dagegen konnte Elkins gegen Zhang Tiequan vollends überzeugen und seinen Gegner drei Runden lang dominieren. Im Hinblick auf die beiden anderen Siege sowie eine schnelle Niederlage gegen Charles Oliveira sollte Elkins gegen Brandao allerdings einen weiteren unzweifelhaften Sieg liefern, wenn er sich langfristig in der Federgewichtsklasse etablieren will.

Edson Barboza vs. Jamie Varner

Dieser Kampf sollte eigentlich nicht in dieser Form stattfinden. Ursprünglich sollte Edson Barboza (10-0) hier mit Evan Dunham auf einen weiteren aufstrebenden Neuling treffen, Dunham verletzte sich jedoch und wurde vom ehemaligen WEC Leichtgewichtschampion Jamie Varner (19-6-1(2)) ersetzt.

Barboza ist ein 26-jähriger Thaiboxer, der seit Oktober 2010 in der UFC kämpft. Bei UFC 123 zwang er in seinem Debüt Mike Lullo mit zahllosen brutalen Low Kicks buchstäblich in die Knie, bis der Ringrichter am Anfang der dritten Runde Gnade zeigte und den stark demolierten Lullo aus dem Kampf nahm.

Im Jahr 2011 ließ Barboza auf diesen Sieg zwei weitere folgen und generierte damit eine nicht unerhebliche Menge an Hype um seine Fähigkeiten. Er konnte zwar weder Anthony Njokuani, noch Ross Pearson vorzeitig aus dem Käfig schicken, beide jedoch im "Fight of the Night" der jeweiligen Veranstaltungen nach Punkten besiegen.

Für dieses Jahr hat Barboza die Latte schon im Januar noch ein ganzes Stück höher gelegt: Obwohl sein Kampf gegen Terry Etim bei UFC 142 in Rio de Janeiro erneut als Kampf des Abends ausgezeichnet wurde, wird sich an den Verlauf dieser Begegnung kaum jemand genau erinnern, da sie von einem Spinning Heel Kick Barbozas in der dritten Runde völlig überschattet wurde, der Etim genau am Kinn traf und ihn, wie eingefroren, längs nach hinten umfallen ließ.

Barboza verließ die HSBC Arena in Rio an diesem Tag mit zwei Bonuszahlungen, dem bisherigen Knockout des Jahres und einer Menge an neugewonnenem Respekt in der Tasche. Die undankbare Aufgabe, nach diesem Kampf gegen Barboza anzutreten, hat für diesen Samstag Jamie Varner angenommen.

Varner ist ein langjähriger Veteran, der bei UFC 62 und UFC 68 schon im Octagon stand und danach in die WEC gewechselt ist. Dort konnte er sich in seinem zweiten Kampf für die Organisation den Leichtgewichtstitel sichern und diesen zweimal verteidigen, u.a. gegen Donald Cerrone. Gegen den aktuellen UFC-Champion Ben Henderson verlor er den Gurt allerdings wieder.

Seine nächsten drei Kämpfe in der WEC konnte er ebenfalls nicht gewinnen, was dazu führte, dass er im Zuge der Schließung der Organisation und der Übernahme der meisten Kämpfer durch die UFC vor die Tür gesetzt wurde. Varner steckte jedoch den Kopf nicht in den Sand und erkämpfte sich in kleineren Organisationen eine Statisik von 3-1. Die verletzungsbedingte Absage Evan Dunhams hat sich dann als Glücksfall für Varner herausgestellt, da er nun als Ersatz für diesen in die UFC zurückkehren darf.

Der perfekte Gegner für einen Comeback-Kampf ist Edson Barboza dabei allerdings mit Sicherheit nicht, weshalb Varner aus Sicht der Öffentlichkeit als starker Underdog in die Begegnung geht. Sollte er allerdings Barbozas Aufstieg stoppen können, wäre er mit einem Schlag wieder ganz in der UFC angekommen.

Jason Miller vs. C.B. Dollaway

Bevor sich zeigen wird, ob die Fans in Bezug auf Barboza und Varner Recht behalten haben, wird sich für zwei andere Männer ihre kämpferische Zukunft entscheiden.
Nachdem man erfahren durfte, ob Dan Hardy seine vermutlich letzte Chance auf einen weiteren UFC-Sieg genutzt hat oder nicht, ist Mittelgewichtler Jason "Mayhem" Miller (27-8-0(1)) an der Reihe, der sich am Samstag unbedingt gegen C.B. Dollaway durchsetzen sollte. 

Miller bestritt seinen ersten Kampf im Octagon bereits im Jahr 2005. Gegen den heutigen Weltergewichtschampion Georges St. Pierre musste Miller eine einstimmige Punktentscheidung abgeben, konnte sich mit seiner Leistung jedoch den Respekt der Fans erarbeiten: Niemand hatte ihm im Vorfeld des Kampfes zugetraut, überhaupt alle drei Runden gegen St. Pierre zu überstehen.

Nachdem er mit Kämpfen in anderen Organisationen wie Dream oder Strikeforce sowie seiner Rolle als Moderator der populären MTV-Sendung "Bully Beatdown" jahrelang außerhalb des Octagons seine Brötchen verdiente, wurde er im letzten Jahr von der UFC zurückgeholt, um gegen Michael Bisping die 14. Staffel von "The Ultimate Fighter" zu coachen. Am Ende der Staffel traten beide gegeneinander an und Bisping dominierte einen schon nach kurzer Zeit schwer atmenden Miller zwei Runden lang, bevor er den Ringrichter in der dritten mit Schlägen und Kniestößen zum Abbruch des Kampfes nötigte.

Dana White äußerte sich im Anschluss extrem kritisch über die Leistung Millers und spielte öffentlich mit dem Gedanken, ihn basierend auf diesem Kampf zu entlassen. Lediglich Millers große Fangemeinde, die den UFC-Präsidenten per Twitter bombardierte, rettete "Mayhem" vor diesem Schicksal.

Sollte Miller gegen C.B. "The Doberman" Dollaway (11-4) am Samstag allerdings noch einmal klar verlieren, könnte das das endgültige Ende seiner UFC-Karriere bedeuten. Das gleiche gilt allerdings auch für den Ringer Dollaway, der seine letzten beiden Kämpfe in der Organisation verlor.

Nachdem er nach seiner Zeit im TUF-Haus eine UFC-Bilanz von 5-2 aufbauen konnte, wurde Dollaway im letzten Jahr sowohl von Mark Muñoz als auch von Jared Hamman in der ersten bzw. zweiten Runde KO geschlagen. Sollte er am Wochenende auch gegen Miller den kürzeren ziehen, würde das höchstwahrscheinlich das vorläufige Ende seiner Karriere in der Organisation bedeuten.

Dan Hardy vs. Duane Ludwig

Neben "Mayhem" Miller ist der Engländer Dan "The Outlaw" Hardy (23-10-0(1)) das zweite sehr bekannte Gesicht, das sich im Falle einer Niederlage einen neuen Job suchen müsste.
Hardy kam im Oktober 2008 in die UFC und konnte sich innerhalb eines Jahres mit Siegen u.a. gegen Marcus Davis und Mike Swick zum Herausforderer auf den Weltergewichtstitel machen.

Diesem extremen Aufstieg – in seinem zweiten UFC-Kampf stand Hardy bereits im Co-Main Event – folgte jedoch ein noch dramatischerer Fall. Nachdem er gegen Champion Georges St.Pierre zwar alle fünf Runden durchhalten konnte, die Punktentscheidung aber nicht deutlicher hätte ausfallen können, sollte gegen den damals noch nicht so hoch gehandelten Carlos Condit bei UFC 120 in London ein Sieg her. Der Kampf verlief etwa viereinhalb Minuten lang ausgeglichen, bis beide gleichzeitig einen linken Haken schlugen, Condit seinen zuerst ins Ziel brachte und damit der erste Mann wurde, der den "Outlaw" mit Schlägen stoppen konnte.

Dieser bitteren Niederlage folgten 2011 noch zwei weitere, gegen Anthony Johnson und Chris Lytle. UFC-Mitbesitzer Lorenzo Fertitta machte direkt nach dem Lytle-Kampf jedoch zum Erstaunen der Öffentlichkeit die Bekanntgabe, dass Hardy wegen seines spektakulären Kampfstils trotz vier aufeinanderfolgenden Misserfolgen nicht entlassen werden würde.Hardy erbat sich außerdem eine längere Pause, um an seinen Schwächen im Ringen und im Bodenkampf zu arbeiten und den Kopf von der langen Negativserie freizubekommen.

An diesem Wochenende wird Hardys Auszeit vorbei sein, denn dann wird er in Las Vegas auf Duane "Bang" Ludwig (21-12) treffen und sollte er gegen diesen nicht den ersten Sieg seit zweieinhalb Jahren einfahren können, würde das wohl unumgänglich seine Entlassung zur Folge haben.

Ludwig selbt steht zur Zeit ebenfalls nicht allzu gut da; er verlor drei seiner letzten fünf Kämpfe. Stilistisch ist der 33-jährige Veteran ähnlich wie Hardy ein Spezialist im Stand, der ungern am Boden kämpft. In den Kämpfen, die Ludwig im Stand halten konnte, sah er üblicherweise sehr gut aus, so konnte er beispielsweise den ebenfalls gerne auf den Beinen kämpfenden Amir Sadollah im August letzten Jahres auf dem Weg zu einer einstimmigen Punktentscheidung in einem quasi Muay Thai-Kampf technisch auseinandernehmen und mehrfach anklingeln. Sein letzter Auftritt, im Januar dieses Jahres gegen Josh Neer, endete dagegen weniger beeindruckend: Neer konnte den mehrfachen Muay Thai-Champion nach nur etwa drei Minuten in einem Guillotine Choke fangen, Schlafen schicken und "Bang" damit die sechste Niederlage durch Aufgabe zufügen.

Vorkämpfe (Facebook)

Die ersten drei Kämpfe des Abends werden wie gewohnt auf der offiziellen Facebookseite der UFC übertragen.

In der Leichtgewichtsklasse wird Jaocb "Christmas" Volkmann (14-2) auf einen der vier europäischen Kämpfer dieser Veranstaltung, den Engländer Paul Sass (12-0) treffen. Sass ist dabei besonders für seine Bodenkampffertigkeiten bekannt, mit denen er bereits elf Kämpfe beenden konnte, Volkmann dagegen für seine Kritik an US-Präsident Obama und seine von vielen Fans als langweilig empfundenden Kämpfe. Volkmann kann sich hier seinen sechsten Sieg in Folge sichern, während der noch unbesiegte Sass das dritte Mal im Octagon zu sehen sein wird.

Vor dieser Begegnung wird im Halbschwergewicht außerdem Kyle Kingsbury (11-3-0 (1)) versuchen, seine Niederlage gegen Stephan Bonnar aus dem letzten November wiedergutzumachen, indem er den hochgehandelten brasilianischen Neuling Glover Teixeira (17-2) besiegt.

Der erste Kampf des Abends findet in der Federgewichtsklasse statt. Der ehemalige WEC-Champion Mike Brown (25-8) bekommt hier die Chance, seinen zweiten Sieg in der UFC einzufahren. Sein Gegner wird der Texaner Daniel "The Pit" Pineda (17-7) sein, der seine UFC-Karriere Anfang dieses Jahres mit zwei vorzeitigen Siegen innerhalb von sechs Wochen sehr vielversprechend einleitete. Sollte er auch den Veteranen Brown besiegen können, würde ihm dies den Weg in die höheren Regionen der Gewichtsklasse freiräumen.

Das komplette Programm ist wie folgt aufgestellt:

UFC 146: Dos Santos vs. Mir
26.Mai 2012
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Hauptkämpfe (ufc.tv)
Junior dos Santos vs. Frank Mir
Cain Velasquez vs. Antonio Silva
Roy Nelson vs. Dave Herman
Stipe Miocic vs. Shane del Rosario
Stefan Struve vs. Lavar Johnson

Vorkämpfe (ufc.tv)
Diego Brandao vs. Darren Elkins
Edson Barboza vs. Jamie Varner
Jason Miller vs. C.B. Dollaway
Dan Hardy vs. Duane Ludwig

Vorkämpfe (Facebook)
Jacob Volkmann vs. Paul Sass
Kyle Kingsbury vs. Glover Teixeira
Mike Brown vs. Daniel Pineda