Vorberichte

Le, Maia, Mendes und Menjivar im Hauptprogramm

UFC 148

Auch mit dem Verlust von Kämpfen wie der Begegnung um den Interimstitel im Bantamgewicht zwischen Urijah Faber und Renan Barao sowie zwischen Michael Bisping und Tim Boetsch und dem Abzug von Rich Franklin ist für UFC 148 immer noch ein sehr ansehnliches Programm zustandegekommen, das die Fans mit ganzen sechs auf PPV bzw. in Deutschland per ufc.tv übertragenen Kämpfen bestens unterhalten sollte.

Für Fans in Las Vegas hat das Wochenende sogar noch mehr zu bieten, denn die UFC wird auf dem Gelände des Mandalay Bay ihre bisher siebte Fan Expo veranstalten, auf der neben Fragestunden, Seminaren und Meet & Greets am Samstag auch die Aufnahme von Tito Ortiz in die Hall of Fame der Ultimate Fighting Championship stattfinden wird, bevor er am Abend gegen Griffin zum letzten Mal ins Octagon steigen wird. Das Wochenende des Unabhängigkeitstages wird also ein äußerst wichtiges für das MMA werden – man darf sich darauf freuen.

Cung Le vs. Patrick Côté
Für diese beiden Mittelgewichtler geht es am Samstag aus unterschiedlichen Gründen um einiges. Cung Le (7-2) ist ein Kickboxer, der dort eine Statistik von 17 Siegen ohne eine einzige Niederlage vorweisen kann. Im MMA hatte der gebürtige Vietnamese bereits acht Kämpfe bestritten, bevor er im November letzten Jahres in der UFC debütierte und in seiner Heimatstadt, San Jose, von Wanderlei Silva in Runde zwei TKO geschlagen wurde.

In Anbetracht seines Alters von 40 Jahren und einer schon länger verfolgten Filmkarriere könnte dieser Kampf für Le also die letzte Chance sein, noch einmal einen Angriff auf die höheren Gegenden der Mittelgewichtsklasse zu starten: Eine weitere Niederlage, und der für seine unorthodoxen Kicks bekannte ehemalige Strikeforce-Champion könnte sich seinen Entlassungspapieren gegenübersehen oder bestenfalls dann in seinem nächsten Kampf mit dem Rücken zur Wand stehen. Andererseits ist die kommende Begegnung für ihn auch eine Chance, den lautstarken Kritikern entgegenzuwirken, die ihm vorwerfen, er würde sich eh hauptsächlich auf seine Karriere beim Film konzentrieren und das Kämpfen nicht mehr wirklich ernst nehmen.

Für den Franko-Kanadier Patrick Côté  (17-7) ist dieser Kampf nicht minder wichtig, allerdings aus einem anderen Grund – für ihn ist er ein hart erarbeitetes Comeback, das großen Einfluss auf den zukünftigen Verlauf seiner Karriere haben könnte.

Côté war vor einigen Jahren bereits in der UFC zu sehen und hatte dort sogar ansehnlichen Erfolg: Nach Siegen gegen Kendall Grove, Drew McFedries, Ricardo Almeida und andere bekam er im Oktober 2008 einen Titelkampf gegen Anderson Silva. Diesen verlor er jedoch durch technischen Knockout in der dritten Runde, da er sich sehr unglücklich am Knie verletzte und nicht mehr weiterkämpfen konnte.

Einer längeren Erholungsphase, die bis 2010 andauerte, folgten in jenem Jahr außerdem Niederlagen gegen Alan Belcher und Tom Lawlor, was die Entlassung des ehemaligen Herausforderers nach sich zog.

Seitdem brachte der mittlerweile 32-Jährige sich mit Erfolgen in lokalen Organisationen wieder ins Gespräch, u.a. gegen die UFC-Veteranen Kalib Starnes und Todd Brown, sowie mit einem KO-Sieg auf einer im Amazonas-Gebiet abgehaltenen Freilicht-Veranstaltung.

Vier erfolgreiche Kämpfe waren jedenfalls genug, um von der UFC als Ersatzkämpfer für Cung Les eigentlichen Gegner, Rich Franklin, verpflichtet zu werden, der stattdessen in den Hauptkampf von UFC 147 rückte. Das Comeback des vom Pech gebeutelten Côté ist für ihn deshalb enorm wichtig: Ein Sieg könnte ihn auf einen Schlag wieder in der UFC etablieren, während eine Niederlage einen zweiten Anlauf im Octagon extrem schwierig machen könnte.

Dong Hyun Kim vs. Demian Maia
Auch diese Begegnung birgt eine Besonderheit, denn der jahrelang im Mittelgewicht vorzufindende BJJ-Spezialist Demian Maia wird hier sein Debüt in der Gewichtsklasse bis 77 Kilo, dem Weltergewicht, geben. Gegenüberstehen wird ihm dabei UFC-Veteran Dong Hyum Kim (15-1-1(1)).

Kim ist aus seinen bisher 18 professionellen MMA-Kämpfen nur drei Mal nicht als Sieger hervorgegangen. Mit Ausnahme eines nichtgewerteten Kampfes gegen Karo Parisyan und einem Unentschieden gegen Hidehiko Hasegawa kann nur die niederschmetternde KO-Niederlage gegen den aktuellen Interimsweltmeister Carlos Condit aus dem Juli 2011 als wirklicher Misserfolg von "Stun Gun" gewertet werden.

Auf der anderen Seite kann der fast nur in Las Vegas antretende Koreaner seinerseits Siege über Gegner wie Amir Sadollah, Matt Brown, TJ Grant und Nate Diaz vorweisen und falls der gelernte Judoka am Samstag auch Demian Maia  hinter sich lassen kann und sich den zweiten Sieg nach dem Condit-KO sichert, dürfte er damit wieder in die oberen Regionen der Weltergewichtsklasse aufsteigen. Ein solcher Erfolg auf einer der meistbeworbenen Veranstaltungen des Jahres würde ihm möglicherweise auch etwas mehr Medieninteresse bescheren, denn trotz insgesamt sechs Siegen innerhalb des Octagons ist Kim in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch nicht existent, was u.a. daran liegen dürfte, dass von ihm gewonnene Kämpfe dazu neigen, über die volle Distanz zu gehen.

Das gleiche Problem hat in letzter Zeit Demian Maia (15-4). Dieser wurde jahrelang als bester BJJ-Kämpfer der Mittelgewichtsklasse der UFC und möglicherweise innerhalb der gesamten Organisation angesehen: Aufgabesiegen über Ed Herman und Jason MacDonald folgten weitere gegen Nate Quarry und Chael Sonnen, was einiges an Hype um die Submissionkünste des Brasilianers entstehen ließ.

Seitdem Maia im August 2009 allerdings nach nur 21 Sekunden von einer harten Rechten Nate Marquardts niedergestreckt wurde, war im Octagon nicht mehr annähernd so viel Bodenarbeit seinerseits zu sehen, wie man es sich über die Zeit angewöhnt hatte.
Ob freiwillig, wie z.B. Gegen Dan Miller, oder gezwungenermaßen – wie in seinem Titelkampf bei UFC 112 – Maia ist seit dem Marquardt-Kampf die meiste Zeit über im Stand zu sehen. Ob das nun daran liegt, dass der Schwarzgurt dritten Grades sich auch in den anderen Disziplinen des MMA beweisen will, oder dass seine Gegner sich mittlerweile einfach zu gut auf die Bodenkampfertigkeiten Maias eingestellt haben – trotz merklich verbesserten (Thai-) Boxens konnte er nur einen seiner letzten drei Kämpfe gewinnen und versucht sich nicht zuletzt deswegen nun eine Gewichtsklasse weiter unten.

Chad Mendes vs. Cody McKenzie
An diesem Samstag wird der letzte Herausforderer auf José Aldos Federgewichtsgürtel zum ersten Mal nach seiner Erstrundenniederlage gegen den Brasilianer wieder im Octagon stehen. Chad "Money" Mendes (11-1) hatte, bevor er im Januar am Weltmeister scheiterte, eine makellose Bilanz von elf aufeinanderfolgenden Siegen aufgebaut: Seine ersten fünf Siege erkämpfte er sich dabei in kleineren Organisationen, wo er u.a. Steven Siler KO schlagen konnte; die letzten sechs kamen in der WEC und der UFC zustande. Erich Koch, Cub Swanson und Michihiro Omigawa sind nur einige der Namen, die sich dem Ringer aus Urijah Fabers Team Alpha Male im Laufe dieser Zeit geschlagen geben mussten.

Der einzige größere Kritikpunkt, mit dem sich Mendes seit seiner Präsenz in den höherklassigen Organisationen immer wieder auseinandersetzen muss, ist der Vorwurf, ein Punktkämpfer ohne nennenswerte Fähigkeiten bei der Beendigung eines Kampfes zu sein. Schaut man sich Mendes Statistik einmal an, so fällt dann auch gleich auf, dass sein einziger vorzeitig beendeter Kampf seit fünf Auftritten sein letzter war – und in diesem war es José Aldo, der das frühe Ende durch einen gewaltigen Kniestoß auf Mendes' Kinn herbeiführte.

McKenzie (13-2) brachte es mit einer ziemlich beeindruckenden Serie von neun aufeinanderfolgenden Siegen per Guillotine Choke sowie zwei weiteren durch Triangle Choke bzw. TKO mit einer tadellosen Statistik in die "Ultimate Fighter"-Sendung. Dort schaffte er es bis in die zweite Runde des Staffel-Turniers und sicherte sich somit einen Platz auf der Finalveranstaltung im Dezember 2010. Auch Aaron Wilkinson fiel an jenem Abend McKenzie's Guillotine Choke zum Opfer und wurde damit zu Opfer Nummer zehn dieses Würgegriffes – in Folge, wohlgemerkt.

Seitdem lief es weniger gut für den mittlerweile 24-Jährigen aus Alaska: Sowohl Yves Edwards als auch Vagner Rocha bezwangen McKenzie im Jahr 2011 per Aufgabe, weshalb dieser das neue Jahr mit einigem Druck im Rücken startete. Diesen konnte er im Mai jedoch bei UFC on Fuel TV 3 vorerst ablegen: McKenzie machte da weiter, wo er im Jahr 2010 aufgehört hatte und bezwang Marcus LeVesseur in Runde eins – mit einem Guillotine Choke.

Sollte er, ob mithilfe seiner Lieblingstechnik oder anderweitig, in seiner neuen Gewichtsklasse auch gegen den stark favorisierten Mendes gewinnen können, würde das für McKenzie einen gigantischen Erfolg und eine riesige Karrierechance bedeuten. Im Falle einer Niederlage dagegen sähe er sich im Kontrast dazu möglicherweise einer Entlassung gegenüber, der nächste Samstag wird also ein entscheidender Moment für die Karriere des "AK Kid" sein.

Ivan Menjivar vs. Mike Easton
Dieser Bantamgewichtskampf könnte signifikante Bedeutung für die mittelfristige Entwicklung der Gewichtsklasse haben, denn Ivan Menjivar und Mike Easton sind zwei der zurzeit erfolgreichsten Kämpfer im Limit bis 61 Kilogramm.

Menjivar (24-8), der vor Jahren bereits gegen seinen jetzigen Teamkollegen Georges St. Pierre angetreten ist (!), kann hier seinen vierten UFC-Sieg in Folge einfahren. Nach einer fünf Jahre andauernden Karriere und bereits 29 Kämpfen auf dem Buckel legte Menjivar Ende des Jahres 2006 eine längere Pause ein – neben dem Job als Profikämpfer arbeitet der aus El Salvador stammende Menjivar in Vollzeit als Sicherheitskraft am Montrealer Flughafen.

Erst im Sommer 2010 nahm er seine MMA-Karriere wieder auf und beendete seine dreieinhalb Jahre alte Negativserie von zwei aufeinanderfolgend verlorenen Kämpfen mit einem Triangle Choke in einer kleineren Organisation in Kanada.

Kein halbes Jahr später folgte dann der Sprung in eine große Organisation – Menjivar gab bei der finalen WEC-Veranstaltung im Dezember 2010 sein Debüt in der ehemaligen Schwesterorganisation der UFC und verlor eine Punktentscheidung gegen Brad Pickett. Als Teil der WEC wurde in der Folge allerdings mit in die UFC übernommen, und bei der 55.000 Zuschauer umfassenden Mega-Veranstaltung UFC 129 in Toronto heizte der in Kanada eingebürgerte "Pride of El Salvador" den einheimischen Fans mit einem Erstrunden-TKO-Sieg gegen Charlie Valencia gehörig ein. Auf diesen Triumph folgten seitdem weitere Siege gegen Nick Pace und John Albert und sollte Menjivar auch Mike "The Hulk" Easton bezwingen können, könnte ihn das in greifbarer Titelnähe platzieren, sofern das Chaos um die Knieverletzung des aktuellen Champions Dominick Cruz sich nicht noch allzu lange hinzieht.

Für Easton (12-1) ist diese Möglichkeit im Falle eines Sieges ebenfalls realistisch, allerdings gestaltet sie sich für ihn aus persönlichen Gründen etwas komplizierter, denn der 28-Jährige trainiert mit Cruz zusammen bei Alliance MMA in San Diego.

Bisher kann Easton zwar nur zwei Kämpfe in der UFC vorweisen und sah sich aus diesem Grund bisher noch keinen Interviews bezüglich dieser Problematik gegenüber, falls er innerhalb des Octagons aber so weitermacht, wie bisher, könnte er eher früher als später dazu gezwungen sein, sich öffentlich mit dieser Frage auseinanderzusetzen.

Andererseits wird sich Easton an diesem Wochenende nach Siegen gegen Byron Bloodworth und John Albert erst einmal seiner größten bisherigen Herausforderung stellen müssen, und die ist in Form des Veteranen Ivan Menjivar auf keinen Fall zu unterschätzen.

Anbei das gesamte Programm für den 7. Juli:

UFC 148: Silva vs. Sonnen II
7. Juli 2012
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Anderson Silva (c) vs. Chael Sonnnen
Forrest Griffin vs. Tito Ortiz
Cung Le vs. Patrick Coté
Dong Hyun Kim vs. Demian Maia
Chad Mendes vs. Cody McKenzie
Ivan Menjivar vs. Mike Easton

Vorkämpfe (ufc.tv)
Gleison Tibau vs. Khabib Nurmagomedov
Melvin Guillard vs. Fabricio Camoes
Constantinos Philippou vs. Riki Fukuda
John Alessio vs. Shane Roller

Vorkämpfe (Facebook)
Rafaello Oliveira vs. Yoislandy Izquierdo