Vorberichte

„King“ Arthur ist bereit für sein Comeback

Am kommenden Samstag wird „King“ Arthur Abraham in der ausverkauften Baden-Arena in Offenburg sein Comeback in den Boxring feiern. Im zweiten Hauptkampf des Abends verteidigt WBO-Supermittelgewichtsweltmeister Robert Stieglitz seinen Titel gegen den jungen Henry Weber.

Für den 23-jährigen Weber (15-0-1, 3 KO) ist dieser Titelkampf eine wahrgewordene Aschenputtel-Story. Der junge Stralsunder ist die Nummer 14 der WBO-Weltrangliste und enstspricht somit knapp den Kriterien eines WM-Herausforderers. Die oberen Gefilde der Fightcard sind für ihn allerdings Neuland, bislang musste sich Weber ausschließlich im Vorprogramm von Sauerland-Veranstaltungen beweisen. Er sprang als Ersatz für den verletzten Mikkel Kessler ein, der ursprünglich am 05. November gegen Stieglitz antreten sollte. Das Duell gegen Kessler soll im April nachgeholt werden. Aber natürlich nur, wenn Stieglitz Samstag am Sauerland-Nachwuchs vorbeikommt.

„Ich freue mich auf diesen Kampf“, verrät Weber. „Ich kann alles gewinnen, habe aber nichts zu verlieren.“

Gegen den ungleich erfahreneren Stieglitz (40-2-0, 23 KO) wird er es aber nicht leicht haben. Mit 42 Kämpfen hat der fast dreimal so oft im Ring gestanden, wie sein norddeutscher Herausforderer. Sechs dieser Kämpfe waren WM-Duelle, viele weitere Haupt- und TV-Kämpfe kommen hinzu. Stieglitz ist das Scheinwerferlicht gewohnt.

Im Vergleich zu Kessler ist Weber natürlich ein deutlich angenehmerer Gegner für den SES-Boxer – wenn auch kein ungefährlicher: „Ich bin der Champion und muss gewinnen“, so Stieglitz. „Ich unterschätze Henry Weber nicht und will meine Stellung als Weltmeister weiter untermauern.“

Seit fast einem Jahr befindet sich Stieglitz nun bereits im Trainingslager, ist topfit für seine fünfte Titelverteidigung. Hinzu kommt, dass sich beide Boxer bereits von einer gemeinsamen Sparringsphase her kennen.

Überraschungen passieren im Kampfsport immer wieder und machen ihn so interessant, ob man am Samstag eine solche Überraschung erleben wird, bleibt aber fraglich.

Im zweiten Hauptkampf des Abends kehrt Arthur Abraham (32-3-0, 26 KO) nach achtmonatiger Abstinenz in den Ring zurück. Nach einem enttäuschenden Ausflug ins Supermittelgewicht und der zuletzt erfolglosen Teilnahme am prestigeträchtigen Super Six World Boxing Classic-Turnier wollte der ehemalige IBF-Weltmeister nun wieder ins Mittelgewicht abkochen, wo er seine größten Erfolge feiern konnte.

Daraus wird jedoch nichts, sein Gegner am Samstag wird das argentinische Supermittelgewicht Pablo Oscar Natalio Farias (19-1-0, 11 KO). Abrahams Trainer Wegner machte im Vorfeld des Kampfes noch einmal deutlich: „Arthur wird im Super-Mittelgewicht kämpfen, das steht für uns fest.“

Pablo Oscar Natalio Farias (l.) und Arthur Abraham. (Foto: Sauerland)

Nach Niederlagen gegen Spitzenleute wie Andre Dirrell, Carl Froch und Andre Ward will Abraham sich nun schnellstmöglich nach oben zurückarbeiten. „Arthur muss gewinnen und sich mit einer starken Leistung zurückmelden“, so Wegner weiter.

Und auch wenn Wegner versichert, man boxe „kein Fallobst“ und für seinen Schützling kämen „nur starke Gegner in Frage“, ist klar, dass man Abraham hier mit dem unerfahreneren Argentinier wieder langsam auf den rechten Weg verhelfen möchte.

Doch das Kämpferherz argentinischer Boxer ist bekannt. Ebenso, dass Abraham im Supermittelgewicht zuletzt Probleme hatte, seine angestammte Taktik auszuspielen; nämlich hinter der sicheren Doppeldeckung auf Lücken für seine harte Rechte zu warten.

Am Samstag wird er selbst über Wohl und Wehe seiner eigenen Karriere entscheiden.

Multi-Championesse Ramona Kühne (18-1-0, 5 KO) setzt ihre drei Gürtel gegen die Ungarin Renata Domsodi (7-1-0, 3 KO) aufs Spiel. Die 32-jährige Domsodi gewann bis auf ihr Profi-Debüt jeden ihrer Kämpfe, stand aber natürlich noch nie einer Gegnerin wie Kühne gegenüber. Die hat auch nur eine Niederlage vorzuweisen, im Januar 2010 unterlag sie Ina Menzer durch TKO in Runde sechs.

Kühne sollte ursprünglich auf Domsodis Landsfrau Agota Ilko treffen. Die verletzte sich jedoch und wurde von ihrer Trainingspartnerin ersetzt. Beide kommen aus dem gleichen Team und besitzen sogar die gleiche Bilanz – die Umstellung dürfte für Kühne also nicht zu groß gewesen sein.

Robert Stieglitz (l.), Ramona Kühne (m.) und Henry Weber. (Foto: Sauerland)

Im Vorprogramm wird der Bulgare Kubrat Pulev zum ersten Mal seinen IBF-International-Titel verteidigen. Sein Gegner wird der Brite Michael Sprott (36-17-0, 17 KO). Der verlor seine letzten beiden Kämpfe, zuletzt ein EM-Duell gegen Alexander Dimitrenko. Pulev war 2008 Europameister bei den Amateuren und gilt als große Schwergewichtshoffnung im Sauerland-Stall. Er gewann den vakanten Titel im Mai, mit einem Punktsieg über Travis Walker.

Österreichs Vorzeigeboxer Marcos Nader (13-0-0, 2 KO) will einen weiteren Schritt in Richtung EM-Titel gehen und auf den niederländischen Rechtsausleger Farouk Daku (13-3-0, 7 KO) treffen. Nader ist ein vielversprechendes Mittelgewicht aus dem Hause Sauerland, das seine mangelnde Schlagkraft mit technischer Finesse wettmacht.

An Schlagkraft mangelt es Halbschwergewicht Dustin Dirks (22-0-0, 16 KO) nicht. Er trifft auf den Briten Sam Couzens (8-6-0, 2 KO), der deutschen Fans vielleicht noch von einer Niederlage gegen Robert Woge, im vergangenen Juli, bekannt sein könnte.

Die komplette Fightcard im Überblick:

The Comeback
14. Januar 2012
Baden-Arena in Offenburg, Baden-Württemberg

WBO Continental Meisterschaft im Supermittelgewicht
Arthur Abraham vs. Pablo Oscar Natalio Farias

WBO Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht
Robert Stieglitz vs. Henry Weber

WBO / WBF / WIBF Weltmeisterschaft im Superfedergewicht
Ramona Kühne vs. Renata Domsodi

Vorprogramm
Kubrat Pulev vs. Michael Sprott
Marcos Nader vs. Farouk Daku
Dustin Dirks vs. Sam Couzens
Willbeforce Shihepo vs. Janos Olah