Vorberichte

Hucks schwerste Prüfung

Am kommenden Samstag wird WBO Cruisergewichtschampion Marco Huck seinen Titel in der Berliner Max-Schmeling-Halle gegen den KO-gefährlichen Russen Denis Lebedev aufs Spiel setzen. Es wird die wohl schwerste Prüfung in seiner bisherigen Karriere als Weltmeister.

Marco Huck (30-1-0, 23 KO) ist ein extrem aggressiver Boxer, dessen kompromissloser Stil, gepaart mit seinen starken Nehmerfähigkeiten, ihm jede Menge Fans und einen nun schon 16 Monate währenden Lauf als Champion beschert hat. Bislang ist es niemandem gelungen, Huck auch nur einmal auf den Boden zu schicken – trotz der teils grotesken Lücken in seiner Deckung. Einzig IBF Champion Steve Cunningham konnte Huck vor drei Jahren in die Schranken weisen. Seitdem scheint er jedoch unantastbar, seine letzten drei Fights beendete er vorzeitig und ist einer der populärsten Boxer Deutschlands. Lebedev ist der Mann, der dies ändern könnte.

Denis Lebedev (21-0-0, 16 KO) ist ehemaliges Mitglied einer militärischen Spezialeinheit, bislang ungeschlagen und besitzt enorme KO-Power in beiden Fäusten. Keiner seiner letzten acht Kämpfe ging über die volle Distanz. „Nur in Top-Form ist Marco in der Lage, ihn zu besiegen“, weiß Hucks Trainer Ulli Wegner, dem nach eigener Aussage angesichts der Titelverteidigung seines Schützlings gegen einen so starken Gegner schon „ein wenig mulmig“ zumute ist. Lebedev wird Huck studiert haben und es ausnutzen, wenn der zu offen in den Mann geht. Hucks KO-Quote liegt mit 74 Prozent bereits sehr hoch, Lebedev kann mit 76 Prozent jedoch noch einmal einen drauf setzen.

„Lebedev gilt als äußerst stark, vielleicht ist er sogar im Moment mit mir zusammen der Beste, auf den man in meiner Gewichtsklasse treffen kann“, so der 26-jährige Universum-Boxer. „Aber vielleicht wird es auch ein ganz leichter Kampf für mich. Wer kann das schon vorher genau sagen?“

Leicht wird diese Verteidigung bestimmt nicht. Huck muss hier konzentriert boxen und leichtisinnige Schlagabtausche tunlichst vermeiden, andernfalls kann der Abend für ihn schnell vorüber sein. Fakt ist, dass dieser Kampf einer der actiongeladensten deutschen Kämpfe des Jahres werden könnte – aber auch der ein schwarzer Tag für Huck und seinen Box-Stall Sauerland Event. Denn Lebedev ist fokussiert: „Für mich gibt es nur ein Ziel und das ist der Sieg“, so der Sparringspartner von MMA-Schwergewicht Fedor Emelianenko. Und sein Ruf eilt ihm voraus. Auch Huck ist Lebedevs brutaler KO vim WM-Eliminator gegen Alexander Alexeev sicher noch gut im Gedächtnis. Der Russe ist sich dessen bewusst, zählt auf den psychologischen Aspekt der Einschüchterung. Huck bezeichnete er in Interviews bereits mehrfach als „nervös".

„Nervös? Ja, das stimmt definitiv“, so der Weltmeister aus dem Sauerland-Stall. „Und das ist auch gut so. Das zeigt, dass ich den Kampf sehr ernst nehme und sorgt für die nötige Vorsicht bei mir.“ Die wird er auch brauchen.

Der Co-Hauptkampf des Abends ist der WM-Eliminator zwischen Yoan Pablo Hernandez (22-1-0, 1 KO) und Ali Ismailov. Der Gewinner bekommt eine Chance auf den WBA Cruisergewichtstitel von Guillermo Jones, der seinen Gürtel zuvor jedoch noch gegen Interimschampion Steve Herelius verteidigen muss. „Das ist der bislang wichtigste Kampf meiner Profilaufbahn“, so der 26-jährige Hernandez. Der frühere Junioren-Weltmeister und Olympiateilnehmer hatte sich im Jahr 2005 nach dem Chemiepokal in Halle/Saale von der kubanischen Amateur-Nationalstaffel abgesetzt, um in Deutschland zu bleiben. Nach fünf Jahren als Berufsboxer ist er nun die Nummer zwei der WBA-Rangliste.

Der 36-jährige Ali Ismailov (18-3-1, 13 KO) kommt aus Aserbaidschan und ist die aktuelle Nummer drei der WBA-Rankings. Im Mai 2009 kämpfte er bereits schon einmal um die WBO Weltmeisterschaft. Gegen den damaligen Victor Emilio Ramirez verlor er nach Punkten.

Yoan Pablo Hernandez

Ebenso auf der Card ist ein Schwergewichtskampf zwischen Alexander Povetkin (20-0-0, 15 KO) und Nicolai Firtha (19-1-1, 8 KO). Povetkin soll hier wohl weiter als bedrohlicher KO-Puncher aufgebaut werden und bekommt erneut nur Kanonenfutter vor die Fäuste. Drei von Firthas sieben Niederlagen kamen vorzeitig. Nach Povetkins undurchsichtiger Absage, vor dem WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko, mitte dieses Jahres, ist nun die Frage, wohin die Reise des „Russian Warrior" gehen soll.

Sein Trainer Teddy Atlas hatte zuletzt geäußert, dass sein Schützling noch ein bisschen Zeit bis zu einem Fight gegen Wladimir Klitschko benötige. Gänzlich aus den Augen verloren hat man dieses Duell in Russland aber offenbar noch nicht. „Firtha hat von der Kampfführung und Größe her eine gewisse Ähnlichkeit mit Wladimir Klitschko. Insofern ist das in Berlin ein guter Test“, so Povetkin.

In weiteren Vorkämpfen messen sich unter anderem der 29-jährige Bulgare Kubrat Pulev und Ex-Europameister Paolo Vidoz, sowie Francesco Pianeta, der nach einer Hodenkrebs-Erkrankung nun gegen  Amerikaner Mike Middleton in den Ring zurückkehrt.

Kubrat Pulev (9-0-0, 5 KO) wechselte 2008 zum Berufsboxen und bestritt seitdem neun Kämpfe, die er allesamt gewann. Sauerland versucht ihn als echten Titelherausforderer aufzubauen, was angesichts seiner noch recht jungen Profikarriere aber noch einige Zeit dauern dürfte. "Im Moment kennt man Kubrat Pulev noch nicht so. In den Ranglisten der bedeutenden Boxweltverbände ist er noch nicht zu finden, da er noch zu wenige Kämpfe hat“, so Sauerland Event-Sportdirektor Hagen Doering. Gegner Paolo Vidoz (26-9-0, 15 KO) dürfte deutschen Boxfans  da schon eher ein Begriff sein. Der 40-jährige Italiener ist Dauergast in Deutschland und besiegte hier vor einigen Jahren unter anderem Timo Hoffmann und Michael Sprott. Mittlerweile ist er allerdings längst über den Berg. Von seinen letzten sechs Fights gewann er lediglich einen und ist somit der perfekte Aufbaugegener für ein aufstrebendes Schwergewicht wie Pulev.

Kubrat Pulev

Francesco Pianeta (20-0-1, 12 KO) stand seit über einem Jahr nicht mehr Ring, und wurde im vergangenen Februar mit der Diagnose Hodenkrebs konfrontiert. Nach erfolgreicher Operation, mehrwöchiger Chemotherapie und einer langwierigen Auszeit will er nun wieder ins aktive Geschehen eingreifen. Auch er ist ein recht vielversprechendes Schwergewicht, dass nun erst einmal wieder behutsam an den Sport herangeführt wird. Ein Gegner wie Mike Middleton ist da genau richtig (13-19-1, 5 KO).

Francesco Pianeta

Marco Huck vs. Denis Lebedev
18. Dezember 2010
Max Schmeling Halle in Berlin


WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Marco Huck vs. Denis Lebedev

Yoan Pablo Hernandez bes. Ali Ismailov  
Alexander Povetkinvs vs. Nicolai Firtha

Vorkämpfe
Kubrat Pulev vs. Paolo Vidoz
Francesco Pianeta vs. Mike Middleton
Dustin Dirks vs. Alpay Kobal
Erik Skoglund vs. Mile Nikolic