Vorberichte

Hernandez vs. Cunningham II

Es sollte einer der besten Fights des letzten Jahres werden, letztlich wurde es zumindest einer der dramatischsten. Der IBF-Weltmeisterschaftskampf zwischen Yoan Pablo Hernandez und Steve Cunningham. Am Samstag kommt es zum heiß erwarteten Rückkampf.

Spätestens seit Marco Hucks Wechsel ins Schwergewicht, sind Yoan Pablo Hernandez (25-1-0, 13 KO) und Steve Cunningham (24-3-0, 12 KO) die beiden besten Cruisergewichte der Welt. Als beide im vergangenen Oktober in Neubrandenburg aufeinandertrafen, waren die Erwartungen dementsprechend hoch. Sie sollten nicht enttäuscht werden.

Wie im Skript eines Rocky-Films, wurde Weltmeister Cunningham schon in der ersten Runde mit einem krachenden Haken auf die Bretter geschickt. Nur langsam kam er wieder auf die Beine, wirkte wackelig, aber schaffte es in die Pause. Referee Mickey Vann warf man in Amerika anschließend vor, zu langsam gezählt zu haben.

Der Champion kam stark zurück und nahm das Heft Runde um Runde mehr in die Hand. Er verteilte dabei allerdings auch einige Kopfstöße, ob absichtlich oder nicht, weiß bis heute nur er selbst. Aufgrund der daraus resultierten Platzwunde am Kopf von Hernandez, wurde der Kampf wurde in Runde sechs gestoppt.

„Das war ungerechtfertigt, er hat nicht mal geblutet“, wettert Cunningham noch heute. Doch so ist der Boxsport, das Duell war vorüber, die Punktzettel ausgewertet. Es lag nun in den Händen der Punktrichter, ob die Aufholjagd des Amerikaners von Erfolg gekrönt war - oder nicht.

Die entschieden mit 58-55, 59-54 und 57-56 für den Herausforderer, und damit neuen Champion, Yoan Pablo Hernandez. Cunningham war entthront – und außer sich. Noch im Ring verweigerte er Hernandez den Handschlag nach dem Kampf.

Eine Szene, die sich auf der Eröffnungspresskonferenz am Mittwoch wiederholte. „Ich habe keine Zeit für so was, ich schüttele deine Hand nicht“, schrie Cunningham den frischgebackenen Champion an. „Ich bin Weltmeister, nicht du. Dieses Mal kann dir keiner helfen. Du hältst den Gürtel heute Nacht besser ganz fest, du hast ihn nicht mehr lange. Samstag hole ich ihn mir zurück!“

„Das ist typisch amerikanisch, dort wird immer viel geredet“, zeigte sich Hernandez unbeeindruckt. „Das darf man nicht zu ernst nehmen. Ich habe Cunningham im ersten Kampf besiegt. Wenn es nun noch Zweifel gibt, dass ich der Bessere bin, werde ich sie Samstag ausräumen.“

Die Tatsache, dass der prestigeträchtige Gürtel der US-Boxzeitschrift The Ring zusätzlich zum Titel des Weltverbandes IBF auf dem Spiel stehen wird, setzt dem sowieso hochbrisanten Duell noch die Krone auf.

„Der Gürtel des Ring-Magazins belegt den hohen Stellenwert und das große internationale Interesse an unserem Kampf“, so Hernandez überzeugt. „Ich habe Cunningham im ersten Duell besiegt. Nun werde ich ihn noch einmal schlagen.“

Ob ihm das tatsächlich gelingen wird, ist bei dem Leistungsniveau beider Boxer kaum vorherzusagen. Sicher ist nur, dass hier einer der hochklassigsten Kämpfe auf deutschem Boden 2012 wartet.

Flankiert wird der Hauptkampf von zwei Europameisterschaften. Während Eduard Gutknecht (22-1-0, 9 KO) seinen im Mai vergangenen Jahres gewonnenen Halbschwergewichtsgürtel in einer Pflichtverteidigung gegen den Ukrainer Vyacheslav Uzelkov (25-1-0, 16 KO) auf Spiel setzt, will sein Stallkollege Enad Licina (21-3-0, 11 KO) das EBU-Gold erst noch gewinnen. Der Gürtel im Cruisergewicht ist vakant, Licina trifft auf den Wahlhamburger Alexander Alexeev (22-2-0, 20 KO).

„Er hat einen harten Punch und ist sehr robust, ein starker Boxer“, verriet uns Eduard Gutknecht im exklusiven Interview (GroundandPound Journal Nr. 15, Anm. d. Red.) über seinen Pflichtgegner. „Ich kenne ihn gut aus Amateurzeiten. [...] Für uns beide geht es um eine WM-Chance. Darum wird der Kampf auch spannend und sehr hart. Ich möchte mich mit einem Sieg für eine neue WM-Chance bewerben.“

Licina steht derweil nach eigener Aussage vor dem härtesten Fight seiner Karriere. Der Russe Alexeev war bereits Militär- und Amateurweltmeister, „das ist ein starker Mann“, weiß Licina. „Er ist technisch gut, hat einen starken Punch und ist dazu noch Rechtsausleger. Doch jeder Gegner ist schlagbar.“

Licina hat bereits drei Niederlagen auf seinem Konto, zwei davon kamen allerdings gegen die zwei besten Cruisergewichte der Welt – Yoan Pablo Hernandez und Steve Cunningham. Alexeev musste sich bislang zweimal geschlagen geben, mit Denis Lebedev und Victor Ramirez hatte auch er dabei aber nicht gerade Fallobst vor den Fäusten. 

Zwei explosive Titelkämpfe, die für alle vier Beteiligten mittelfristig das Ticket für einen begehrten WM-Kampf sein könnten. Das Vorprogramm bestückte Sauerland, passend zum Hauptkampf, durchweg mit Cruisergewichtsduellen. Die komplette Fightcard sieht wie folgt aus:

Yoan Pablo Hernandez vs. Steve Cunningham II
04. Februar 2012
Fraport Arena in Frankfurt, Hessen

IBF Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Yoan Pablo Hernandez vs. Steve Cunningham

EBU Europameisterschaft im Halbschwergewicht
Eduard Gutknecht vs. Vyacheslav Uzelkov

EBU Europameisterschaft im Cruisergewicht
Enad Licina vs. Alexander Alexeev

Vorprogramm
Mateusz Masternak vs. Michael Simms   
Troy Ross vs. Lukasz Rusiewicz
David Graf vs. Paul Morris