Vorberichte

Hapa und Bigfoot kollidieren in den Twin Cities

Nach der ungewohnt langen Sommerpause ist die UFC wieder völlig in ihrem hektischen Event-Rythmus angekommen: Nach UFC 152 und dem Abstecher nach England am vergangenen Samstag  steht nun bereits die dritte Veranstaltung in drei Wochen vor der Tür: Für die fünfte Auflage des UFC on FX-Formats kehrt das Octagon ins Target Center von Minneapolis in Minnesota zurück, wo vor vier Jahren bereits Georges St. Pierre seine Weltergewichtskrone gegen Jon Fitch verteidigte.

Auf dem Programm steht neben dem Hauptkampf zwischen den Schwergewichtlern Travis Browne und Antonio "Bigfoot" Silva der von UFC 151 herübergeholte Kampf zwischen Jake Ellenberger und Jay Hieron im Weltergewicht sowie ein Herausforderer-Kampf zwischen John Dodson und UFC-Neuling Jussier Formiga, dessen Gewinner im nächsten Jahr gegen Demetrius Johnson um den Fliegengewichtstitel ran darf.

Teils bedingt durch die Absage von UFC 151 ist allerdings auch das Vorprogramm mit bekannten Gesichtern gefüllt: Angeführt von den Veteranen Jeremy Stephens und Yves Edwards, wird man am Freitag u.a. auch Aaron Simpson, Dennis Hallman, Thiago Tavares und Diego Nunes in den Vorkämpfen zu sehen bekommen.

Wie üblich, kann das Vor- und Hauptprogramm in Deutschland kostenlos, live und in HD auf ufc.tv und Facebook verfolgt werden.

Travis Browne vs. Antonio Silva
Normalerweise hält die UFC sich damit zurück, Kämpfer mit unterschiedlichen Ergebnissen in ihren letzten Kämpfen gegeneinander anzusetzen, in diesem Fall dürfte das Gatekeeper-Szenario allerdings neben den meist unterhaltsamen Kämpfen der zwei der ausschlaggebende Grund gewesen sein, diese beiden schweren Jungs aufeinander loszulassen – letztendlich wird das Ergebnis am Freitag aller Wahrscheinlichkeit nach eine recht deutliche Aussage auf den Stand der beiden in den Ranglisten zulassen: Gewinnt Browne (13-0-1), kann man ihn wohl endgültig als an der Spitze der Gewichtsklasse angekommen bezeichnen, während eine Niederlage ihn für unbestimmte Zeit aus dem Titelrennen heraushalten würde. Silva (16-4) dagegen braucht definitiv einen klaren Sieg, um nach der eindeutigen Niederlage gegen Cain Velasquez noch als Top-Schwergewichtler zu gelten, während eine Niederlage ihn für längere Zeit aus der oberen Region der Gewichtsklasse verbannen würde.

Browne kam im Jahr 2010 in die UFC und debütierte mit einem krachenden K.o.-Sieg gegen James McSweeney, bevor mit einem Unentschieden gegen Cheick Kongo der bisher größte "Misserfolg" seiner Laufbahn folgte. Seitdem hat der hawaiianische Zwei-Meter-Mann sowohl Stefan Struve als auch Rob Broughton und zuletzt Chad Griggs scheinbar mühelos abgefertigt und steht gegen "Bigfoot" Silva  nun vor der zweifellos größten Chance seiner bisherigen Karriere. Silva dagegen hat zwar seine letzten beiden Kämpfe – gegen Daniel Cormier und Cain Velasquez – verloren, konnte davor allerdings einige gute Siege einfahren. Neben Mike Kyle, Ricco Rodriguez und Andrei Arlovski sticht natürlich besonders Fedor Emelianenko heraus, den Silva im Jahr 2011 nach zwei Runden durch TKO gestoppt hat. 

Jake Ellenberger vs. Jay Hieron
Der wichtigste der nach UFC 151 auf Eis gelegten Kämpfe hat es gleich in den Co-Hauptkampf der Veranstaltung in Minneapolis geschafft. Nachdem Jake Ellenbergers (27-6) ursprünglich eingeplanter Gegner, Josh Koscheck, sich im Vorfeld verletzte, wird nun UFC-Veteran Jay Hieron (23-5) mit einem Rückkampf gegen den "Juggernaut" ins Octagon zurückkehren. Hieron fügte Ellenberger im Jahre 2006 dessen erste Niederlage zu. Zuvor stand der heute 36-Jährige bereits zwei Mal im Octagon – bei UFC 48 unterlag er dem aktuellen Weltergewichtschampion Georges St. Pierre nach Punkten und war nach einer weiteren Niederlage gegen Jonathan Goulet nicht mehr in der Organisation zu sehen. Nichtsdestotrotz war Hieron in der Zwischenzeit ein ganzes Stück erfolgreicher als die meisten Kämpfer, die nach längerer Zeit wieder in die UFC zurückkommen: Ganze 16 Siege hat "Thoroughbred" seitdem eingefahren, und ein Sieg im Co-Main Event bei seiner UFC-Rückkehr würde seiner Karriere zweifellos guttun.

Großen Anteil an der Bedeutung eines Sieges hätte dabei das Kaliber seines Gegners, Jake Ellenberger hat sich in den vergangenen drei Jahren nämlich einen Namen in der UFC gemacht. Mit sechs Siegen am Stück, gegen bekannte Gegner wie Jake Shields oder Diego Sanchez stand Ellenberger im Juni dieses Jahres kurz vor einer Titelchance. Beim Finale der The Ultimate Fighter Live-Staffel gelang es Martin Kampmann jedoch, einen frühen Niederschlag zu überstehen und den "Juggernaut" eine Runde später mit Kniestößen auszuknocken. Mit einem Sieg über Hieron könnte Ellenberger am Freitag einerseits seine Revange für den verlorenen ersten Kampf bekommen und sich außerdem wieder in der Weltergewichtsklasse ins Gespräch bringen.

Josh Neer vs. Justin Edwards
Auch dieser Kampf wird im Weltergewichtslimit von 77 Kilo ausgetragen: Mit Josh "The Dentist" Neer (33-11-1) und Justin "Fast Eddy" Edwards (7-2) stehen sich hier zwar zwei Kämpfer gegenüber, die zuletzt verloren haben, dafür aber meist für einige unterhaltsame Minuten sorgen.

Neer, der bereits von 2008 und 2009 bei der UFC unter Vertrag stand und nach einer 2-3-Bilanz die Tür gezeigt bekam, erkämpfte sich in der Folge sechs Siege und bekam vor etwa einem Jahr eine zweite Chance im Octagon. Keith Wisniewski und Duane Ludwig räumte Neer seitdem vorzeitig aus dem Weg, bevor Mike Pyle im vergangenen Juni den Spieß umdrehte und den "Dentist" vier Sekunden vor Ende der ersten Runde K.o. schlug.

Justin Edwards bringt deutlich weniger Erfahrung in den Kampf als sein Gegner. Der 29-Jährige sicherte sich über die "Ultimate Fighter"-Sendung seinen Platz in der UFC, wo er im Finale der 13. TUF-Staffel zunächst Clay Harvison geteilt nach Punkten unterlag, einige Monate später jedoch mit einem Sieg gegen Jorge Lopez zurückkam. Nur wenige Wochen später sprang Edwards jedoch für einen Kampf gegen John Maguire ein, und obwohl er diesen in Runde eins hart zu Boden schlagen konnte, gelang es dem Engländer, Edwards mit seinem mittlerweile berühmt-berüchtigten "Gipsy-Jiu-Jitsu" die restliche Zeit über im Grappling zu kontrollieren und ihm die zweite Punktniederlage in drei Kämpfen zuzufügen.

Dieser Kampf wird also für beide die Marschrichtung für die nähere Zukunft festlegen – mit einem Sieg hätten beide wieder etwas Oberwasser, während eine Niederlage für Edwards sogar die Entlassung und für Neer möglicherweise den endgültigen Abschied vom Traum eines Titelkampfes in der UFC bedeuten könnte. 

John Dodson vs. Jussier da Silva
Dieser Fliegengewichtskampf, der am Freitag das Hauptprogramm eröffnen wird, hat vor kurzem eine neue Bedeutung bekommen, denn der Sieger wird aller Voraussicht nach zum ersten Pflichtherausforderer auf den gerade vergebenen Fliegengewichtstitel werden, den Demetrius Johnson sich im September sichern konnte.

John Dodson (13-5) könnte im Target Center in Minnesota also nach längerer Zeit der erste TUF-Sieger werden, der die Chance bekommt, nach dem "Ultimate Fighter" auch noch Weltmeister in der MMA-Königsklasse zu werden. Diese Errungenschaft ist zwar angesichts der noch sehr dünn besetzten Gewichtsklasse vielleicht nicht so groß, wie sie sich anhört, für den ohnehin schon energiegeladenen "Magician" dürfte die Aussicht aber trotzdem Ansporn genug sein, ein noch größeres Feuerwerk abzuliefern, als beispielsweise in seinem TKO-Sieg gegen T.J. Dillashaw, der im Finalkampf der 14. TUF-Staffel vom nur 1,60 Meter großen Dodson in weniger als zwei Minuten gefressen und wieder ausgespuckt wurde.

Dieses Schicksal möchte Jussier Formiga (14-1) selbstverständlich nicht teilen, stattdessen will der 27-jährige Brasilianer aus dem Nova-Uniao-Team direkt von null auf hundert schießen und sich in seinem UFC-Debüt ohne Verzug den Platz als Herausforderer auf den Fliegengewichtstitel erkämpfen.

Dass Formiga, der jahrelang auch als Jussier da Silva in den Programmheften auftauchte, bevor er seinen Spitznamen zu seinem Nachnamen gemacht hat, dabei nicht unterschätzt werden sollte, zeigt allein schon ein kurzer Blick auf seine Statistik: Abgesehen von Ian McCall, der gegen Formiga vor eineinhalb Jahren eine Punktentscheidung gewann, hatte keiner seiner restlichen 14 Gegner ein Rezept gegen die Fähigkeiten des Shooto- und Tachi Palace-Fight-Veterans. Besonders am Boden ist Formiga gefährlich, seine letzten vier Kämpfe beendete der BJJ-Schwarzgurt allesamt auf der Matte.

Vorkämpfe
Ganze acht Begegnungen werden das Hauptprogramm einleiten, angeführt von einem Leichtgewichtsduell zwischen Jeremy Stephens (20-8) und Yves Edwards (41-18-1), die zusammen auf 29 UFC-Kämpfe kommen und von Main Event-Positionen über triumphale Siege bis zu brutalen Niederlagen und anderen Rückschlägen schon alles gesehen haben. Zuletzt wurden beide nach Punkten besiegt und können sich mit einem Sieg wieder im oberen Drittel der dichtbesetzten Gewichtsklasse einfinden, während eine Niederlage ihnen auf längere Sicht wohl den "Gatekeeper"-Stempel verpassen würde.

Zuvor stehen nacheinander ganze drei weitere Begegnungen bis 70 Kilo an: Michael "The Menace" Johnson (11-6) kann mit einem Sieg über den konstant erfolgreichen Ringer Danny Castillo (14-4) auf den überraschenden Erfolg gegen Tony Ferguson aufbauen, während Castillo sich im Erfolgsfall den fünften UFC-Skalp in sechs Kämpfen sichern würde.

Ebenfalls im Leichtgewicht unterwegs ist der zuvor langjährige Weltergewichtler Dennis "Superman" Hallman (51-14-2(1)), der in seinem ersten Kampf bis 70 Kilo prompt das Limit verpasste und seinen Job wahrscheinlich nur deshalb behalten hat, weil er John Makdessi innerhalb weniger Minuten zum Abklopfen brachte. Gegen Thiago Tavares (11-6) bekommt er nun die Gelegenheit, sich bei den UFC-Verantwortlichen wieder beliebt zu machen. Tavares ist ebenfalls ein bekanntes Gesicht im Octagon: Der Brasilianer liefert immer wieder gute Leistungen ab und ist in keinem Bereich zu unterschätzen. Was ihn allerdings bisher desöfteren zurückgeworfen hat, ist sein Kinn. Gegen Shane Roller beispielsweise dominierte Tavares für beinahe zwei Runden, bevor er schlussendlich wie aus dem Nichts bewusstlos geschlagen wurde – eine wenige Sekunden sorgten womöglich dafür, dass Tavares zur Zeit lediglich zwei und nicht vier Siege in Folge vorzuweisen hat.

Das Leichtgewichtsquartett im Vorprogramm wird komplettiert durch Jacob "Christmas" Volkmann (14-3) und Shane Roller (11-6). Volkmann musste im Mai gegen Paul Sass die erste Niederlage seit langem hinnehmen, während Roller im Juli eine Durststrecke von drei Misserfolgen in Folge mit einem Punktsieg über John Alessio beenden konnte.

Eine Gewichtsklasse tiefer werden zuvor zwei hochklassige Kämpfer aufeinandertreffen, wenn Bart Palaszewski (36-15) und Diego Nunes (17-3) nach Niederlagen in ihren letzten Kämpfen wieder ins Octagon steigen. Palaszewski knockte in seinem UFC-Debüt Tyson Griffin aus, wurde aber später von Hatsu Hioki besiegt, während Nunes nach Siegen gegen Mike Brown und Manny Gamburyan im April von Dennis Siver bezwungen wurde.
Den Eröffnungskampf der Fuel TV-Kämpfe werden die Fliegengewichtler Darren Uyenoyama (7-3), der nach einem Sieg über "Kid" Yamamoto die Gewichtsklasse gewechselt hat, und dem englischen Neuling Phil Harris (21-9-0(1)) bestritten, der seit langem als einer der Europäer mit dem größten Potential gilt.

Vorprogramm (Facebook)
Bevor es auf ufc.tv zur Sache geht, werden außerdem zwei Kämpfe auf der offiziellen Facebookpräsenz der UFC gestreamt. Im Leichtgewicht werden Carlo Prater (30-11-1) und Marcus LeVesseur (21-6) aufeinandertreffen – zwei recht neue Mitglieder der UFC, die sich nach Misserfolgen in ihren letzten Kämpfen langfristig im Octagon etablieren wollen. Ein Sieg am Freitag wäre der notwendige erste Schritt, man darf also einiges an Willen von den beiden erwarten.

Zuvor wird der Abend im Weltergewicht von Aaron Simpson (12-3) und Mike Pierce (14-5) eröffnet. Die Position am unteren Ende des Programms ist etwas überraschend, da beide zuletzt häufiger auf dem Hauptprogramm zu sehen waren und ihre letzten Kämpfe gewonnen haben. Da diese aber meist über die volle Distanz gingen und von vielen Fans als nicht allzu spannend bewertet wurden, wurde die Position auf dem Programm von Simpson bereits als Botschaft gedeutet, dass seine Art zu kämpfen nicht besonders gern gesehen wird. Ob das die beiden zu einem fanfreundlicheren Ansatz motiviert hat? Am Freitagabend wird man es sehen.

Anbei das gesamte Kampfprogramm:

UFC on FX 5: Browne vs. Bigfoot
5. September 2012
Target Center in Minneapolis, Minesotta, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Travis Browne vs. Antonio Silva
Jake Ellenberger vs. Jay Hieron
Josh Neer vs. Justin Edwards
John Dodson vs. Jussier da Silva

Vorprogramm (ufc.tv)
Jeremy Stephens vs. Yves Edwards
Michael Johnson vs. Danny Castillo
Dennis Hallman vs. Thiago Tavares
Jacob Volkmann vs. Shane Roller
Bart Palaszewski vs. Diego Nunes
Darren Uyenoyama vs. Phil Harris

Vorprogramm (Facebook)
Carlo Prater vs. Marcus LeVesseur
Aaron Simpson vs. Mike Pierce