Vorberichte

Die Titelvereinigung

Felix Sturm gilt als bestes Mittelgewicht Deutschlands, hält den “Super”-Titel der WBA. Doch seine Gegnerauswahl wurde in den vergangenen Jahren eher belächelt. Nun hat er mit Daniel Geale einen vor den Fäusten, der ebenfalls Weltmeister ist, und möchte dessen IBF-Titel mit seinem vereinigen. Ob ihm das gelingt?

Felix Sturm (37-2-2, 16 K.o.) ist eines der Gesichter der deutschen Box-Szene und neben den Klitschkos und Arthur Abraham sicher einer der bekanntesten Namen, den der Sport hierzulande zu bieten hat. Und zu Recht: Der 33-Jährige hat sich seinen Erfolg hart erarbeitet. Doch weit oben, wo die Luft für viele zu dünn wird, gerät man leicht in Versuchung, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Ein Vorwurf, den sich Felix Sturm seit seinem Weggang von Universum und der Gründung der eigenen Promotion Sturm Boxing vermehrt gefallen lassen musste.

Titelverteidigungen gegen unglaubwürdige Herausforderer wie Ronald Hearns oder Giovanni Lorenzo und fragwürdige Urteile gegen die vermutlich unterschätzten Matthew Macklin und Martin Murray ließen das einst so geliebte Wunderkind Sturm nun in einem weniger guten Licht dastehen. Was Sturm braucht sind große Kämpfe - und große Siege.

Der erste Schritt wurde im April gemacht, mit dem deutsch-deutschen Duell gegen Ex-Weltmeister Sebastian Zbik. Der Kampf überzeugte, das Ende weniger. Zbik gab in der Pause zu Runde neun auf. Dennoch: ein deutlicher Sieg für Sturm. Doch was nun?

Der schmale Grat zwischen glaubwürdigen aber relativ sicheren Duellen ist schwer zu finden. Kämpfen gegen die Creme de la Creme im Mittelgewicht, wie den seit Jahren auf seine Pflicht-Chance wartenden Gennady Golovkin, den unothodoxen Grzegorz Proksa, der, ebenfalls am Samstag, auf Golovkin treffen wird, oder den derzeit vermutlich weltbesten Mittelgewichtler Sergio Martinez, geht Sturm systematisch aus dem Weg.

Einer wie Daniel Geale (27-1-0, 15 K.o.) scheint da auf den ersten Blick keine schlechte Lösung zu sein. Ein echter Weltmeister, einer, der im vergangenen Jahr den deutschen “Hurrikan” Sebastian Sylvester vor heimischem Publikum in Neubrandenburg entthront hatte. Einer, der aber schlagbar ist?

Geales Stil ist nicht außergewöhnlich, er ist kein K.o.-Puncher, es gibt kaum Besonderheiten, die zum Stolperstein für Sturm werden könnten. Geale ist technischer Durchschnitt. Aber was er macht, macht er gut. Das musste auch ein Sylvester merken, der im Mai letzten Jahres nach 12 zähen Runden seinen Gürtel abgeben musste. Der Sieg über Sylvester war ein knapper, seitdem verteidigte Geale seinen Gürtel zweimal.

Es liegt an Sturm, wie dieser Kampf ablaufen wird. Geale wird sein Programm abspielen, nach vorn marschieren, den Infight suchen. Sturm muss das tun, was er am besten kann: Sich viel bewegen, draußen bleiben, Führhände schlagen. Er darf sich nicht immer wieder in den Infight ziehen lassen, wie seinerzeit gegen Macklin. Macht Sturm seinen Gegner stark, kann es eng werden. Fährt Sturm seine Linie, wird dies eine lange Nacht für den Australier.

Beim offiziellen Wiegen am Freitag brachten beide Champions je 72 Kilogramm auf die Waage.

Im Co-Hauptkampf des Abends wird Fliegengewichtschampioness Nadia Raoui (14-1-1, 3 K.o.) ihren WIBA-Gürtel gegen die Thailänderin Samson Tor Buamas (26-2-0, 11 K.o.) verteidigen. Zudem wird Ruslan Chagaev (29-2-1, 18 K.o.) sein Debüt für Sturms Promotion geben und auf den früheren I.K.B.O. Kickbox-Weltmeister Werner Kreiskott (12-18-1, 8 K.o.) treffen.

Die gesamte Fightcard im Überblick:

Die Titelvereinigung: Sturm vs. Geale
01. September 2012
König Pilsener Arena in Oberhausen, Nordrhein-Westfalen

WBA Super-Weltmeisterschaft & IBF Weltmeisterschaft im Mittelgewicht
Felix Sturm vs. Daniel Geale

WIBA Weltmeisterschaft im Fliegengewicht
Nadia Raoui vs. Samson Tor Buamas

Vorprogramm
Ruslan Chagaev vs. Werner Kreiskott
Mauricio Reynoso vs. Uladzimir Kharkevich