Vorberichte

Die Rückkehr von Maynard und Guida

UFC on FX 4

UFC on FX 4 ist nach der letzten auf Fox gezeigten Kampfnacht der zweite Besuch der Organisation im "Garden State" New Jersey innerhalb von knapp sechs Wochen. Dieses Mal wird das Octagon im Revel Casino in Atlantic City aufgebaut, einer gerade erste eröffneten Nobel-Spielhölle direkt am Atlantik. Vor dieser Kulisse werden zwölf Kämpfe – fast ausschließlich in den leichteren Gewichtsklassen - stattfinden, die hierzulande auf ufc.tv beziehungsweise auf Facebook zu sehen sein werden.

Gleichzeitig ist es das erste Mal, dass die UFC zwei Events an zwei aufeinanderfolgenden Tagen veranstaltet – bevor die Diskussionen über die Nachwirkungen der Kämpfe in Atlantic City so richtig beginnen, werden in Belo Horizonte schon Rich Franklin und Wanderlei Silva zum zweiten Mal nach ihrem Kampf aus dem Jahr 2009 in Köln aufeinandertreffen.

Gray Maynard vs. Clay Guida
Der Hauptkampf dieser Veranstaltung wird am Wochenende von zwei Kämpfern bestritten, die in ihren jeweils letzten Auftritten nicht erfolgreich waren. An der Klasse beider Athleten kann gleichzeitig kaum gezweifelt werden, denn sowohl "The Bully" als auch "The Carpenter" hatten sich vor ihren jeweiligen Niederlagen ziemlich beeindruckende Siegesserien aufgebaut.

Maynard war, bevor er vom damaligen Champion Frankie Edgar ausgeknockt wurde, sogar ungeschlagen. Siege gegen Kämpfer wie Jim Miller, Nate Diaz, Dennis Siver und Kenny Florian brachten ihm im Januar 2011 seinen ersten Titelkampf ein.
In einem vielbeachteten, spektakulären Kampf über fünf Runden gelang es Maynard nach nur wenigen Minuten mehrmals, den Champion so zu treffen, dass dieser eine Rückwärtsrolle nach der anderen hinlegte und stellenweise kurz vor dem KO zu sein schien. Dennoch gelang es Edgar, fünf Runden zu überstehen und sogar einige davon zu gewinnen, was letztendlich in einem Unentschieden resultierte, sodass der Kampf neu angesetzt wurde.

Im Oktober 2011 war es dann, verzögert durch beiderseitige Verletzungen, endlich soweit. Maynard konnte Edgar bei UFC 136 in Runde eins wieder böse anklingeln, doch der erholte sich auch in diesem Kampf und konnte seinen Gegner letztendlich in der vierten Runde überraschenderweise TKO schlagen.

Seitdem stand Maynard nicht mehr im Käfig, hat die längere Pause aber damit verbracht, in Brasilien mit dem Nova Uniao-Team zu trainieren, wo Kämpfer wie Jose Aldo und Renan Barao seine Fähigkeiten im Stand gehörig aufpoliert haben dürften. Das könnte sich gegen Guida als wichtig erweisen, da dieser, wie Maynard, ringerische Stärken hat und daher selbst kleine Vorteile in den anderen Bereichen möglicherweise über Sieg und Niederlage entscheiden werden.

"The Carpenter" hatte vor einer Punktniederlage gegen Ben Henderson aus dem letzten November, die ihn einen Titelkampf kostete, ebenfalls eine beeindruckende Serie hingelegt: Nach einer Durststrecke von zwei verlorenen Kämpfen, gegen Diego Sanchez und Kenny Florian, erfand Guida sich nach eigener Aussage neu, gestaltete sein Training um und konnte seit Anfang 2010 nacheinander Shannon Gugerty, Rafael dos Anjos, Takanori Gomi und Anthony Pettis besiegen.

Der 30-Jährige Fan-Liebling mit der ausladenden Haarpracht und der scheinbar nicht enden wollenden Kondition verlor danach zwar den angesprochenen Kampf gegen Henderson, findet sich hier aber, wohl nicht zuletzt wegen seines guten Rufes bei den Fans, im Hauptkampf der vierten UFC on FX-Veranstaltung wieder. Sollte er diesen gewinnen, wäre er möglicherweise mit einem Schlag wieder relativ weit oben im Ranking der Leichtgewichtklasse angekommen, was ebenso für Maynard gilt.

Sam Stout vs. Spencer Fisher
Der Co-Hauptkampf ist das Rematch eines Remachtes zwischen den Leichtgewichtlern Sam "Hands of Stone" Stout  (17-7-1) und Spencer "The King" Fisher (24-8). Die beiden standen sich bereits zwei Mal im Käfig gegenüber und lieferten erinnerungswürdige Schlachten ab, von denen beide je eine nach Punkten gewinnen konnten.

Ihren letzten Kampf bestritten beide gegen den Brasilianer Thiago Tavares, gegen den Stout knapp nach Punkten und Fisher durch TKO in der zweiten Runde verlor. Fisher verlor davor ebenfalls drei seiner letzten vier Kämpfe und könnte somit am Freitag mit dem Rücken zur Wand stehen.

Stout hingegen konnte mit einer Punktentscheidung über Paul Taylor und einem brutalen One-Punch-Knockout gegen Yves Edwards eine solide, kleine Serie starten, bevor der Tod seines Mentors und Trainers, Shawn Tompkins, einen nicht unerheblichen Einschnitt in seine Karriere und auch sein Privatleben bedeutete. Einen geplanten Kampf gegen Dennis Siver musste er aus diesem Grund absagen und verlor außerdem den Kampf gegen Tavares.

Brian Ebersole vs. T.J. Waldburger
Brian "Bad Boy" Ebersole (49-14-1(1)) und T.J. Waldburger (15-6) sind zwei Weltergewichtler, die in letzter Zeit einigen unerwarteten Erfolg in der UFC verbuchen konnten.

Ebersole hatte bereits unglaubliche 63 Kämpfe auf dem Buckel, als er im Februar 2011 durch den Ausfall von Carlos Condit kurzfristig eine Gelegenheit erhielt, in der UFC gegen Chris Lytle anzutreten. In diesem Kampf konnte der bis dato weitgehend unbekannte Veteran dem ebenfalls sehr erfahrenen Lytle eine einstimmige Punktentscheidung abnehmen und damit ein sehr beeindruckendes UFC-Debüt hinlegen. In seinen beiden weiteren Octagon-Auftritten schlug er außerdem Dennis Hallman in der ersten Runde TKO und schob sich per geteiltem Punktentscheid an Claude Patrick vorbei.

T.J. Waldburger ist sieben Jahre jünger als Ebersole und ein Jiu Jitsu-Spezialist. Mit einem Kampfrekord von 12 Siegen und fünf Niederlagen kam er im Jahr 2010 in die UFC, wo er gegen David Mitchell erfolgreich debütierte und sich damit einen Kampf gegen den aktuell sehr hochgehandelten Johny Hendricks verdiente. Diese Begegnung endete für Waldburger allerdings nach 95 Sekunden auf dem Ringboden, was Hendricks den Bonus für den Knockout des Abends einbrachte.

Im Anschluss an diesen niederschmetternden Kampf konnte Waldburger jedoch eindrucksvoll seine Versiertheit auf dem Boden beweisen und sich zwei aufeinanderfolgende Siege durch Aufgabe sichern, im Jahr 2011 gegen Mike Stumpf und zuletzt gegen Jake Hecht – gerade letzterer Kampf brachte ihm einige Aufmerksamkeit als exzellenter Bodenkämpfer ein.

Wer immer auch von beiden ihren Kampf am Freitag gewinnen kann, wird in der dichtbesetzten Weltergewichtsklasse einen weiteren, wichtigen Schritt nach vorn gehen und langsam in die stärker beachteten Regionen der Division vorrücken, während der Verlierer wohl noch etwas länger ohne größere mediale Beachtung auskommen müssen wird.

Cub Swanson vs. Ross Pearson
Diese beiden Federgewichtler werden am Wochenende versuchen, die Position auf dem Hauptprogramm zu nutzen, auf ihren letzten Kämpfen aufzubauen und einen weiteren Sieg in der UFC einzufahren.

Swanson ist ein Veteran der WEC und konnte dort fünf Siege einfahren, u.a. gegen Mackens Semerzier, Donny Walker und Micah Miller. Sein UFC-Debüt verlief dagegen nicht so, wie er es geplant hatte: Bei der ersten auf Fox übertragenen UFC-Veranstaltung musste er sich Ricardo Lamas durch Aufgabe geschlagen geben. Einige Monate später, bei UFC on Fox 2, sicherte er sich dafür seinen ersten UFC-Sieg mit einem KO über George Roop, nachdem die beiden sich zuvor verbal über Twitter bekriegt hatten.

Pearson hingegen ist ein TUF-Produkt aus der neunten Staffel. Der aus Sunderland, England stammende Kickboxer konnte dort gegen seinen Teamkollegen Andre Winner im Jahr 2009 nach einer Karriere mit acht Siegen und drei Niederlagen den Leichtgewichtstitel des Formats gewinnen und seitdem einige wichtige Siege in der UFC einfahren, u.a. gegen Aaron Riley, Spencer Fisher und Dennis Siver. Diesen Erfolgen stehen lediglich zwei Niederlagen entgegen, wobei eine davon eine sehr knappe, geteilte Punktentscheidung gegen Edson Barboza war, die außerdem als Kampf des Abends ausgezeichnet wurde.

Vorprogramm
Den letzten auf Fuel TV beziehungsweise ufc.tv übertragene Begegnung werden zwei Kämpfer untereinander austragen, die viele Fans eigentlich auf dem Hauptprogramm erwartet hätten. Hatsu Hioki (26-4-2), dem von der UFC nach Siegen gegen George Roop und Bart Palaszewski ein Titelkampf gegen Jose Aldo angeboten wurde, und Ricardo "The Bully" Lamas (11-2), der in seinen beiden bisherigen UFC-Kämpfen Matt Grice und Cub Swanson vorzeitig besiegen konnte.
Hioki nahm die Möglichkeit auf einen Titelkampf nicht an und bat stattdessen um einen weiteren Kampf, den er nun mit dem Match gegen Lamas bekommen hat. Sollte er diesen allerdings verlieren, dürfte die Möglichkeit auf einen Kampf gegen Aldo erst einmal verstrichen sein, während Lamas in diesem Fall in höhere Regionen der Federgewichtsklasse aufsteigen würde.

Zuvor wird im Leichtgewicht TUF-Finalist Ramsey Nijem (5-2) zum ersten Mal seit seinem Sieg über Danny Downes bei UFC 137 wieder zu sehen sein und in Atlantic City auf den UFC-Neuling C.J. Keith (8-0) treffen. In der Federgewichtsklasse wird außerdem Steven Siler (20-9) versuchen, auf seine überraschenden Siege gegen die Miller-Brüder Micah und Cole aufzubauen und dem aus George St. Pierres Tristar Gym kommenden UFC-Debütanten Joey Gambino (9-0) seine erste Niederlage zuzufügen.

Noch vor Siler und Gambino wird mit Rick "The Horror" Story (13-5) jemand antreten, der vor etwa einem Jahr noch als potentieller Herausforderer auf den Titel angesehen wurde: Story konnte sich mit Siegen gegen  Brian Foster, Dustin Hazelett, Johny Hendricks und Thiago Alves den Respekt der UFC-Weltergewichtler, der Fans und der Medien sichern, rutschte dann allerdings mit aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen Charlie Brenneman und Martin Kampmann in der Rangordnung der Weltergewichtsdivision stark ab und findet sich nun im Vorprogramm einer kleineren Fight Night wieder.

Brock Jardine (9-1) wird dabei der dritte Gegner sein, den Story für den 22. Juli vorgesetzt bekommen hat, nachdem sowohl Rich Attonito als auch Papy Abedi absagen mussten. Der im bekannten Team Pit trainierende 26-Jährige hat sieben seiner Kämpfe vorzeitig beendet und musste sich bisher lediglich TUF-Gewinner Tony Ferguson geschlagen geben.

Zuvor kämpft in der Mittelgewichtsklasse der Ringer Nick Catone (9-2) gegen Chris Camozzi (16-5), nachdem im Weltergewicht Matt Brown (14-11) die Gelegenheit hatte, seinem überraschenden Sieg gegen Stephen Thompson einen weiteren folgen zu lassen, indem er den Brasilianer Luis "Beicao" Ramos (19-7) bezwingt.

Die ersten beiden Begegnungen werden im Welter- bzw. Bantamgewicht stattfinden und via Facebook zu sehen sein: Dan Miller (13-6-0(1)) wird dabei gegen Ricardo Funch (8-3) sein Debüt bis 77 Kilo geben und nach fünf Niederlagen in seinen letzten sieben Kämpfen möglicherweise – wie auch Funch - um seinen Job kämpfen, während Dustin Pague (11-5) nach seinem ersten UFC-Sieg Anfang des Monats kurzfristig gegen ATT-Kämpfer Ken Stone (10-3) eingesprungen ist.


UFC on FX 4: Maynard vs. Guida
22 Juni 2012
Revel Casino in Atlantic City, New Jersey, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Gray Maynard vs. Clay Guida
Sam Stout vs. Spencer Fisher
Brian Ebersole vs. T.J. Waldburger
Cub Swanson vs. Ross Pearson

Vorprogramm (ufc.tv)
Hatsu Hioki vs. Ricardo Lamas
Ramsy Nijem vs. C.J. Keith
Rick Story vs. Brock Jardine 
Steven Siler vs. Joey Gambino
Matt Brown vs. Luis Ramos
Nick Catone vs. Chris Camozzi

Vorprogramm (Facebook)
Dan Miller vs. Ricardo Funch
Dustin Pague vs. Ken Stone