Vorberichte

Derrick Lewis trifft auf Travis Browne, plus Johny Hendricks Mittelgewichtsdebüt

Intensiv: Freunde werden Derrick Lewis (l.) und Travis Browne wohl nicht mehr (Foto: Florian Sädler).

Manchmal, man mag es kaum glauben, da macht eine Verletzung eine UFC-Veranstaltung stärker anstatt schwächer. So in den letzten Wochen geschehen mit der UFC Fight Night Halifax, für die das Octagon am Sonntag an die kanadische Atlantikküste zurückkehrt. Nachdem Stefan Struve den Hauptkampf gegen Junior dos Santos verletzt absagen musste, wurde kurzerhand das relevantere Schwergewichtsduell zwischen Travis Browne und Derrick Lewis nach Kanada geschoben. Außerdem mit von der Partie: Johny Hendricks, Hector Lombard und Carla Esparza.

UFC Halifax wird in Deutschland vom UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Montag, 20. Februar, 0:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Montag, 20. Februar, 1 Uhr
Hauptprogramm (UFC Fight Pass): Montag, 20. Februar, 3 Uhr

Hauptkampf: Derrick Lewis vs. Travis Browne

Ob eine Woche mehr Vorbereitungszeit gereicht hat? Nachdem das Duell zwischen Derrick „The Black Beast“ Lewis (17-4) und Travis „Hapa“ Browne (18-5-1) von UFC 208 nach UFC Halifax verschoben wurde, werden die beiden Schwergewichte sich statt über 15 ganze 25 Minuten lang die Köpfe einschlagen. Andererseits: Ob die zwei zusätzlichen Runden überhaupt gebraucht werden, dürfte ohnehin fraglich sein. 

Browne, seit 2010 Teil der UFC, musste sich in den letzten Jahren massive Kritik dafür gefallen lassen, unter Edmond Tarverdyan zu trainieren. Nach drei Niederlagen in vier Kämpfen hat Browne sich nun in Las Vegas auf Derrick Lewis vorbereitet, Tarverdyan war dort nur einmal pro Woche zu Gast. Jetzt muss „Hapa“ nur noch zu alter Form zurückkehren – nicht einfach, auch, weil seine Form zeitweise bestechend gut war.

In seinen ersten neun UFC-Kämpfen musste Browne nur eine Niederlage einstecken – Knockouts gegen Alistair Overeem, Josh Barnett und Gabriel Gonzaga brachten ihn zwischenzeitlich kurz vor einen Titelkampf. Stattdessen ging es von da an jedoch mit Niederlagen gegen Andrei Arlovski, Fabricio Werdum und Cain Velasquez bergab, während Derrick Lewis sich zur gleichen Zeit mit einem Knockout nach dem anderen einen Namen machte.

Lewis hat sich in der UFC mit einer Mischung aus brutaler Kraft, einem aggressiven Kampfstil und einer hauptsächlich auf schwarzem Humor basierenden Social Media-Strategie hochgearbeitet. Browne allerdings, bei aller Kritik ihm gegenüber, ist der beste Kämpfer, dem Lewis je gegenüberstand und diesem in vielen technischen Aspekten haushoch überlegen. Die Frage dürfte sein, ob der Hawaiianer in Halifax sein Potential abrufen kann, wachsam bleibt und Lewis systematisch zerlegt oder ähnlich inspirationslos an die Sache herangeht wie zuletzt gegen Fabricio Werdum.

Gefährlich bleibt Lewis so oder so, und außerhalb seiner Bestform könnte es in Halifax die dritte Niederlage in Folge für Browne hageln. Das Risiko, sich jemandem wie dem „Black Beast“ zu stellen, könnte sich aber auszahlen: Mit einem überzeugenden Sieg würde Browne wohl das von Lewis aufgebaute Momentum klauen und die Kritiker daran erinnern, was ihn vor Jahren an die Spitze gebracht hat.

Co-Hauptkampf: Johny Hendricks vs. Hector Lombard

Erfolgsdruck herrschst am Sonntag auch im Mittelgewicht. Johny „Bigg Rigg“ Hendricks (17-6) und Hector „Lightning“ Lombard (34-6-1) standen beide zeitweise weit oben im Sport, sind dann aber aus verschiedensten Gründen im Ansehen der Öffentlichkeit abgesackt.

Neben seiner zerstörerischen Linken ist Johny Hendricks ist noch immer am bekanntesten dafür, 2013 um ein Haar Georges St. Pierre entthront zu haben. Den Kampf bei UFC 167 verlor „Bigg Rigg“ zwar kontrovers nach Punkten, dafür holte Hendricks sich den Weltergewichtsgürtel wenige Monate später, nachdem St. Pierre zurücktrat. Lange hielt das Glück nicht, in seiner ersten Titelverteidigung gab Hendricks das Gold gleich wieder an Robbie Lawler ab.

Seitdem läuft es nicht gut für Hendricks. Lediglich einen Punktsieg gegen Matt Brown kann er seit seinem Titelverlust vorweisen. Darüber hinaus verpasste er in seinen letzten beiden Kämpfen, gegen Kelvin Gastelum und Neil Magny, das 77-Kilo-Limit, was den Neustart im Mittelgewicht veranlasst hat.

Ob der Wechsel für Aufwind sorgt? Den könnte auch Hector Lombard dringend gebrauchen, der 2012 als Judo-Olympionike und Bellator-Champion mit einigem Brimborium im Octagon debütierte und prompt einen Langeweiler gegen Tim Boetsch verlor. Zwar ist Lombards gefürchtete Explosivität zwischenzeitlich in K.o.-Siegen gegen Nate Marquardt und Rousimar Palhares aufgeblitzt, drei Siege in acht UFC-Kämpfen sind trotzdem nicht das, was man sich von Lombard im Octagon erhofft hat.

Einer der beiden wird sich am Montag also weiter Gedanken über den weiteren Karriereverlauf machen müssen, während der andere fürs Erste aufatmen kann.

Die restlichen Kämpfe von UFC Halifax

Wenig überraschend, stehen im kleinen Halifax nicht viele große Namen auf dem Programm, dafür hat beinahe jeder Kampf der 105. UFC Fight Night das Potential, spannend und/oder spektakulär zu werden.

So wird auf dem Hauptprogramm der ungeschlagene Newcomer Gavin „“ Tucker (9-0) sein Debüt geben, ein hoch gehandeltes Federgewichtstalent, das nahe Halifax lebt und nun vor quasi-heimischer Kulisse sein UFC-Debüt bestreiten wird. Tuckers Gegner ist Sam „Sampage“ Sicilia (15-7) – der Veteran der 15. „The Ultimate Fighter“-Staffel verliert hin und wieder mal, liefert aber stets einen guten Kampf und dürfte mit harten Fäusten und viel Kämpferherz einen guten Test für den vielversprechenden Newcomer bieten.

Im ersten Kampf des Hauptprogramms werden Alessandro „“ Ricci (10-4) und Paul „The Irish Dragon“ Felder (12-3) aufeinandertreffen, nachdem ihre eigentlichen Gegner sich jeweils verletzt haben. Felder wird am Wochenende an den Ort seines UFC-Debüts zurückkehren – 2014 startete der Thaiboxer seine Octagon-Karriere in Halifax mit einem Punktsieg gegen Jason Saggo. Sieben Kämpfe und vier Siege später kehrt er zurück an den Atlantik, wo er nicht weniger als eine Schlacht erwartet, wie er uns im exklusiven Interview verriet.

Auf dem Vorprogramm wird außerdem ein bekannter Name sein UFC-Debüt geben. Aiemann Zahabi (6-0) allerdings ist aktuell nicht wegen eigener Leistungen ein Begriff, sondern wegen seines großen Bruders – Firas Zahabi ist seit Jahren regelmäßig als Headcoach von Kämpfern wie Georges St. Pierre oder Rory MacDonald auf UFC-Events zu sehen.

Jetzt bekommt der kleine Bruder seine Chance im Rampenlicht – mit sechs Erstrundensiegen ohne Niederlage ist Zahabi ein legitimes Talent, Name hin oder her. Den Leistungsdruck, den dieser Name wohl oder übel verursacht, heißt Zahabi mit offenen Armen willkommen, wie er uns im exklusiven Interview vor seinem Kampf gegen Reginaldo Vieira (13-4) verriet.

Knallen könnte es außerdem mit zwei südamerikanischen Freunden, die in Halifax ins Octagon steigen werden. Santiago „Gente Boa“ Ponzinibbio (23-3) trainiert mit Thiago „Marreta“ Santos (13-5) in Rio de Janeiro, jetzt sind beide nach Kanada gereist, um sich ihre nächsten Siege zu holen. Während Ponzinibbio auf Nordine Taleb (12-3) treffen wird, der zuletzt Erick Silva ausknocken konnte, wird Santos sich mit dem Waliser Jack Marshman (21-5) messen, der im November sein UFC-Debüt durch Knockout gegen Magnus Cedenblad gewann.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC Fight Night 105: Lewis vs. Browne
Sonntag, 19. Februar 2016
Scotiabank Centre in Halifax, Nova Scotia, Kanada


Hauptprogramm (ran Fighting)
Derrick Lewis vs. Travis Browne
Johny Hendricks vs. Hector Lombard
Sam Sicilia vs. Gavin Tucker
Elias Theodorou vs. Cezar Ferreira
Sara McMann vs. Gina Mazany
Paul Felder vs. Alessandro Ricci

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Nordine Taleb vs. Santiago Ponzinibbio
Carla Esparza vs. Randa Markos
Aiemann Zahabi vs. Reginaldo Vieira
Jack Marshman vs. Thiago Santos

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Gerald Meerschaert vs. Ryan Janes