Vorberichte

Das Ende einer Freundschaft

Am Samstagabend findet eine der heißesten Fehden der jüngeren MMA-Geschichte ihr Ende.

Sie waren Trainingspartner. Sie waren Freunde. All das wird vergessen sein, wenn UFC Halbschwergewichtschampion Jon Jones und Herausforderer Rashad Evans am Samstagabend in der Philips Arena in Atlanta, Georgia, in das umzäunte Achteck der UFC steigen. Die Vorschau auf die Hauptkämpfe von UFC 145: Jones vs. Evans.

Er ist das Jahrhunderttalent, Jon Jones (15-1) wird schon jetzt von vielen als Muhammad Ali des MMA-Sports gefeiert. Bislang konnte der 1,93 Meter große Champion seinen Vorschusslorbeeren immer gerecht werden. 2011 feierte er eines der dominantesten Jahre der MMA-Geschichte. Mit einem Sieg über Ryan Bader qualifizierte er sich im Februar für einen Kampf um den UFC-Titel. Der eigentliche Pflichtherausforderer, Jones Trainingspartner Rashad Evans (17-1-1), war aufgrund einer Knieverletzung ausgefallen.

Wenige Wochen später, am 19. März, besiegte "Bones" Jones einen klar überforderten Mauricio „Shogun“ Rua und wurde somit der jüngste Halbschwergewichtschampion in der Geschichte der UFC. Es war das Ende einer Freundschaft.

Denn Jones erster Herausforderer sollte Rashad Evans werden. Aufgrund einer Handverletzung des Champions kam der Kampf zunächst nicht zustande. Stattdessen verteidigte der sein Gold wenig später gegen Quinton Jackson. Auch ein zweiter Termin für das Duell der einstigen Freunde platze, diesmal sagte Evans aufgrund einer Verletzung ab. Jones besiegte unterdessen Lyoto Machida und komplettierte damit ein perfektes Jahr 2011.

Nun ist es soweit, und Jones und Evans werden sich nach über einem Jahr des Wartens endlich im Octagon gegenüberstehen. Beide waren Schüler von Trainer-Guru Greg Jackson. Jones ist es bis heute, Evans verließ das Team, nachdem bekannt wurde, dass er gegen seinen Teamkameraden in den Käfig steigen wird – und Jackson lieber den Champion Jones statt seinen langjährigen Schüler Evans coachen würde.

Rashad Evans ist bei den meisten Buchmachern ein 5:1-Außenseiter, und das vermutlich zu Recht. Die immensen Reichweitenvorteile von Jones, sein unorthodoxer Stil und seine Vielseitigkeit machen es für Evans – ein konventioneller Ringer und Boxer – schwer, eine erfolgreiche Strategie zu implementieren.

Das Argument, Evans kenne Jones aus dem Training, und damit auch dessen Stärken und Schwächen, kann gleich mehrfach entkräftet werden. Zum einen haben sich beide Kämpfer seit Evans Trennung von Team Jackson weiterentwickelt. Zum anderen kennt auch Jones die Stärken und Schwächen von Evans – der Vorteil ist also auf beiden Seiten vorhanden und damit neutralisiert.

Die große Frage wird sein, ob Evans den Schlüssel gefunden hat, um Jones Stil zu knacken. Hat er das nicht, wird er sich in die Reihe namhafter Ex-Champions einreihen, die dem neuen König der Halbschwergewichtsklasse bereits zum Opfer gefallen sind.

Rory Macdonald vs. Che Mills

Hauptkampf top, Vorprogramm flop, so kennt man das von Fightcards mit starbesetzten Hauptkämpfen wie Jones vs. Evans. Auch bei UFC 145 ist das nicht wirklich anders, zumindest können aber einige aufstrebende Talente wichtige Octagon-Erfahrung sammeln. Eines dieser Talente ist Weltergewicht Rory MacDonald (12-1), der mit dem Briten Che Mills (14-1, 1 NC) eine mehr als lösbare Aufgabe im Co-Hauptkampf des Abends präsentiert bekommt.

Mills feierte sein UFC-Debüt im vergangenen November bei UFC 138 in Birmingham, wo er den The Ultimate Fighter-Veteran Chris Cope mit einem Knie und einigen Folgetreffern nach nur 40 Sekunden stoppen konnte. Ein beeindruckender Sieg, der angesichts eines Kalibers wie Rory MacDonald aber nicht mehr viel wert sein dürfte.

Der junge Kanadier stammt aus dem Dunstkreis von Georges St. Pierre und konnte zuletzt beeindruckende siege über Mike Pyle und Nate Diaz einfahren. Seine bislang einzige Karriereniederlage kam im Juni 2010, gegen den heutigen Interim-Weltergewichtschampion Carlos Condit. Dieser Kampf gegen Mills wirkt ein wenig wie Beschäftigungstherapie für MacDonald, den man momentan niemand nahmhaftes vorsetzen kann, dem man aber auf seinem Weg nach oben keine zu langen Pausen gönnen wil.

Brandan Schaub vs. Ben Rothwell

Brandan Schaub (8-2) musste zuletzt eine bittere Niederlage gegen PRIDE-Veteran Antonio Rodrigo Nogueira einstecken, womit eine beeindruckende Siegesserie über u.a. Mirko CroCop und Gabriel Gonzaga ihr Ende fand. Dieser Fight gegen Ben Rothwell (31-8) soll zeigen, ob er wirklich oben mitspielen kann oder nicht.

Rothwells UFC-Bilanz ist gelinde gesagt durchwachsen, von drei UFC-Kämpfen konnte er nur einen für sich entscheiden – unterlag dabei aber auch starken Gegnern, nämlich Mark Hunt und Cain Velasquez. Rothwells ist ein versierter Kickboxer, besitzt aber nicht das nötige Kinn um gegen den schlaggewaltigen Schaub bestehen zu können. Auch in diesem Fight ist das Ergebnis daher im Grund bereits abzusehen.

Miguel Torres vs. Michael McDonald

Neben dem Hauptkampf ist dies der sportlich gesehen wohl interessanteste Fight des Abends. Michael McDonald (14-1) ist ein extrem selbstbewusstes Nachwuchstalent, dass hier mit Ex-WEC-Champion Miguel Torres (40-4) den ersten großen Prüfstein seiner Karriere vorgesetzt bekommt. Von drei UFC-Kämpfen gewann der 21-Jährige bislang alle, seine einzige Niederlage kam 2009 gegen Cole Escovedo, in einer kleineren Organisation.

Torres war einst Bantamgewichtschampion der WEC und zählt auch heute noch zu den besten Bantamgewichten der Welt. Seit Niederlagen gegen Brian Bowles und Joseph Benavidez (2009/2010) hat der einst spektakuläre Fighter seinen Stil komplett geändert. Von GSP-Coach Firas Zahabi ließ er sich zum Strategen transformieren, agiert heute besonnener, arbeitet viel mit der Führhand. Ein Rezept mit Erfolg, zuletzt besiegte Torres Nick Pace bei UFC 139 einstimmig nach Punkten, unterlag davor Demetrious Johnson sehr umstritten nach Punkten, in einem Ausscheidungskampf für eine UFC-Titelchance.

Dass er aber dennoch beim Status des Gatekeepers angekommen ist, der als Härtetest für aufstrebende Talente fungiert, wird angesichts dieser Paarung klar. Sollte McDonald hier gewinnen, stehen ihm die Türen in die oberen Ränge des Bantamgewichts weit offen.

Mark Hominick vs. Eddie Yagin

Nach Niederlagen gegen Federgewichtschampion Jose Aldo und Chan-Sung Jung, befindet sich der einstige Titelherausforderer Mark Hominick (20-10) nun in Zugzwang. Während der Fight gegen Aldo noch hochspannend und sogar recht knapp verlief, musste der Kanadier gegen den „Korean Zombie“ Jung einen der schnellsten Knockouts der UFC-Geschichte einstecken, als er nur sieben Sekunden nach Kampfbeginn in einen rechten Konterhaken des Koreaners lief und am Boden mit Folgetreffern finalisiert wurde.

Der Filipino Eddie Yagin (15-5-1) ist allerdings ein dankbarer Gegner, um auf die Siegerstraße zurückzukehren. Yagin verlor sein UFC-Debüt gegen Junior Asuncao im vergangenen September. Der frühere Tachi Palace Fights-Champion dürfte es schwer haben, mit Hominicks Schnelligkeit und extrem technischen Thaiboxen mithalten zu können, solange der etwas bedächtiger an den Kampf herangeht, als beim letzten Mal gegen Jung.

Mark Bocek vs. John Alessio

Das Hauptprogramm eröffnen Mark Bocek (10-4) und John Alessio (34-14). Während Bocek bereits ein langjähriger UFC-Veteran ist, bestreitet Alessio seinen erst zweiten Fight in der MMA-Champions League, den ersten seit fast sechs Jahren. Seine letzte Niederlage musste Alession im vergangenen März gegen Siyar Bahadurzada einstecken, seitdem gewann er dreimal in Folge. Mit fast 50 bestrittenen MMA-Kämpfen ist Alessio ein absoluter Veteran und keine leichte Aufgabe für Bocek.

Bocek unterlag dem aktuellen Leichtgewichtschampion Benson Henderson im vergangenen April bei UFC 129 und besiegte darauf Nik Lentz, im vergangenen Dezember. Ursprünglich sollte er auf Matt Wiman treffen, der aber verletzungsbedingt absagte und nun durch Alessio ersetzt wurde.

Die gesamte Fightcard im Überblick:

UFC 145: Jones vs. Evans
22. April 2012
Philips Arena in Atlanta, Georgia, USA

UFC Halbschwergewichtstitelkampf (UFC.tv)
Jon Jones vs. Rashad Evans

Hauptprogramm (UFC.tv)
Rory MacDonald vs. Che Mills
Ben Rothwell vs. Brendan Schaub
Michael McDonald vs. Miguel Torres
Mark Hominick vs. Eddie Yagin
John Alessio vs. Mark Bocek

Vorprogramm (UFC.tv)
Travis Browne vs. Chad Griggs
Matt Brown vs. Stephen Thompson
John Makdessi vs. Anthony Njokuani
Mac Danzig vs. Efrain Escudero

Vorprogramm (Facebook)
Chris Clements vs. Keith Wisniewski
Maximo Blanco vs. Marcus Brimage