Vorberichte

Böses Blut

Bald fliegen Fäuste statt Worte. (Foto: ran.de)

Es ist nicht einfach das gewohnte Geplänkel vor einem großen Kampf. Das Motto des Duells Felix Sturm gegen Sebastian Zbik hätte mit „Bad Blood – Böses Blut“ gar nicht treffender formuliert sein können. Beide Kontrahenten machen keinen Hehl aus ihrer gegenseitigen Abneigung, reden statt miteinander lieber in den Medien übereinander. Es ist aber nicht der Trash-Talk, der den Fight zu einem der größten der letzten Jahre in Deutschland macht, denn auch sportlich scheint es ein Faustkampf auf Augenhöhe.

Am Freitag ist es nun endlich soweit! Seit Jahren beharken sich Felix Sturm und Sebastian Zbik über die Presse. Eine Beleidigung des einen hier, eine Stichelei des anderen dort. Damit soll Schluss sein, zumindest für jene zwölf Runden in der Lanxess Arena der Domstadt. Es spricht sich sicherlich auch schwer mit einem Mundschutz zwischen den Lippen, und beide können sich dann ganz dem erlernten Beruf des Boxers hergeben.

Das Motto von Zbik für den Fight gegen den WBA-Superweltmeister lautet „Kein Sturm hält uns auf“. Unter den zahlreichen Anhängers des Mecklenburgers verkaufte dieser T-Shirts mit dem Slogan. Und zahlreiche Sympathisanten haben sich angekündigt für das Deutsch-Deutsche Duell in Köln.

Dabei müssen die Anhänger von Sebastian Zbik in der ganzen Halle verteilt sitzen. Es ist eine dieser Sticheleien von Felix Sturm. Sein Lager achtete strikt darauf, dass sich keine großen Gruppen bilden können. Auch befreundete Journalisten wurden vom Management Sturms kalt gestellt. Vereinbarte Interviews wurden nicht eingehalten.

Eines ist ganz sicher, egal wie der Kampf ausgeht, aus den ehemaligen Stallgefährten werden keine Freunde mehr. „Du hattest einen Micky-Mouse Titel“ blaffte Sturm Zbik auf der Pressekonferenz an. Eine Anspielung, weil der damalige WBC-Interims-Weltmeister Zbik kampflos zum regulären Champion wurde. „Das sagt mir einer, der drei Jahre lang vor der Pflichtverteidigung wegläuft und sich 'Superchampion' nennt“ konterte Zbik.

Und das Duell verspricht Brisanz auf mehreren Ebenen. In der Ecke von Felix Sturm steht inzwischen Trainerlegende Fritz Sdunek. Jener Coach, der Zbik bis zum Titel führte, sich dann zurückzog bei Universum und bei Sturm anheuerte. Das Verhältnis der beiden Mecklenburger Zbik und Sdunek ist nun eher frostig.

Inzwischen wird Sebastian Zbik von Artur Grigorian trainiert. Co-Trainer ist Michael Timm. Timm selbst trainierte bei Universum Felix Sturm, Grigorian war früher sogar Boxweltmeister mit Sdunek an seiner Seite. Noch heute nennt er seinen Ziehvater ehrfurchtsvoll „Papa-Fritz“. Es ist also auch hier ein Duell Lehrmeister gegen Schüler.

Beide Fighter sind hervorragende Techniker, richtige Strategen im Ring. Beiden wird zudem nachgesagt, nicht den nötigen Dampf in den Fäusten zu haben. Was nicht ganz stimmt. Sturm ist sicherlich der, der hierbei einen Vorteil haben dürfte.

Generell ist Felix Sturm der Kämpfer mit dem höheren Potenzial. Ein Potenzial, was er selbst aber schon eine ganze Zeit lang nicht mehr abrufen konnte. Seine Duelle waren zuletzt wie seine Gegner – zweitklassig. Auch fehlen die mahnenden Worte im Lager von Sturm. Jede kritische Stimme wird unterbunden, Bauchpinseln steht an der Tagesordnung. Da passt es zusammen, dass der gebürtige Leverkusener sich im Vorfeld des Aufeinandertreffens auch von seinem Fitness-Coach trennte.

Aber auch hinter Zbik stehen Fragezeichen. Nach seinem umstrittenen Titelverlust gegen den Mexikaner Julio Cesar Chavez jr. schloss er fast mit dem Faustkampf ab. Sein Boxstall Universum lag im Sterben und die Enttäuschung saß tief. Zbik machte Urlaub, aß mehr als eine warme Mahlzeit pro Tag. Zudem löste er seine Wohnung in Hamburg auf, zog zurück aufs Heimatdorf in der Nähe von Neubrandenburg. Es folgte die Einschreibung bei der Uni und später, als keiner mehr dran dachte, die Unterschrift unter dem Kampfvertrag mit Felix Sturm.

Plötzlich scheint nun alles wieder möglich, aber ob er den Ringrost abschütteln kann, steht auf einem anderen Blatt. An der Motivation dürfte es bei keinem hapern, dafür sorgen schon die Sticheleien. Die deutschen Fans selbst dürfen sich freuen, denn endlich gibt es ihn wieder... Einen großen Kampf.