Vorberichte

Bisping, Leites, Pearson und Calderwood bei UFC Glasgow

Der Hauptkampf: Michael Bisping vs. Thales Leites (Foto: Zuffa LLC).

Nach UFC Berlin im letzten Monat wird das Octagon an diesem Wochenende schon wieder in Europa aufgebaut, genauer gesagt in Glasgow. Die Show mit Kult-Brite Michael Bisping und BJJ-Ass Thales Leites im Hauptkampf war in Windeseile ausverkauft, nachdem die UFC den Schotten jahrelang einen Live-Event versprochen hatte und es dann doch erst jetzt in den Norden der Insel geschafft hat. Neben der ausnahmsweise humanen Sendezeit sprechen vor allem einige vielversprechende Paarungen und eine handvoll junger Talente mit jeder Menge Potential dafür, am Samstagnachmittag einzuschalten.

Die UFC Fight Night 72 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Samstag, 18. Juli, 16 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Samstag, 18. Juli, 17 Uhr
Hauptprogramm (UFC Fight Pass): Samstag, 18. Juli, 19 Uhr

Hauptkampf
Beinahe fünf Jahre ist es her, dass Michael „The Count“ Bisping (26-7) zum letzten Mal im Vereinigten Königreich ins Octagon gestiegen ist: Bei UFC 105 in Manchester legte der britische Fanliebling nach seiner legendären K.o.-Niederlage gegen Dan Henderson ein gelungenes Comeback gegen Dennis Kang hin. Seitdem ist viel passiert. Anfang 2012 stand der „Count“ sogar kurz vor einem Titelkampf, eine hauchdünne Punktniederlage gegen Chael Sonnen durchkreuzte allerdings einmal mehr den langjährigen Traum des Veteranen, in der UFC um einen Gürtel kämpfen zu dürfen. Seitdem ging es auf und ab für Bisping, der Schlüsselduelle gegen Vitor Belfort, Tim Kennedy und Luke Rockhold verlor und währenddessen Gegner außerhalb der Top Ten zumeist überzeugend besiegen konnte. Zuletzt gelang ihm das im April gegen C.B. Dollaway, den Bisping mit seinem effektiven Mix aus technischem Kickboxen und solider Takedownverteidigung über drei Runden auspunkten konnte.

Am Samstag wird er nun auf Thales Leites treffen – noch vor wenigen Jahren hätte diese Ansetzung als völliges Missmatch gegolten, als Bisping kurz vor einem UFC-Titelkampf stand und Leites auf kleinen Shows in Schweden, Kanada und Brasilien seine Brötchen verdient hat. Seitdem BJJ-Experte und ehemalige UFC-Titelherausforderer sich auf eben jenen Veranstaltungen seinen Weg zurück ins Octagon gebahnt hat, hat sich die Situation allerdings deutlich geändert. Während Bisping seit 2012 präzise zwischen Sieg und Niederlage gewechselt hat, ist Leites seit 2010 ungeschlagen. Allein in der UFC hat er innerhalb von zwei Jahren fünf Siege eingefahren und dabei gegen Trevor Smith und Francis Carmont gefährliche Schlagkraft unter Beweis gestellt, die man von ihm so bis dato noch nicht kannte.

Nach einem Aufgabe-Sieg gegen Tim Boetsch bei UFC 183 steht Leites nun mit Bisping der bisher namhafteste Gegner seit seiner Rückkehr ins Octagon gegenüber. Ein Sieg in Schottland würde den Brasilianer bis auf weiteres in den Top Ten etablieren, während Bisping nach der Rockhold-Niederlage trotz zwei Siegen in seinen letzten drei Kämpfen um seinen Stammplatz unter den besten zehn Kämpfern der Gewichtsklasse antreten muss.

Co-Hauptkampf
Im zweiten Hauptkampf der Glasgow-Show dürfte es ordentlich knallen: Ross „The Real Deal“ Pearson (17-8-0(1)) und Evan „3D“ Dunham (15-6) hatten im Laufe ihrer langjährigen UFC-Karrieren bisher gemischten Erfolg, was zum nicht unerheblichen Teil an ihren risikofreudigen Kampfstilen liegt.

In diesem Jahr haben beide erst ein Mal gekämpft und konnten dabei jeweils einen Sieg einfahren. Pearson setzte bei UFC 185 mit einem spektakulären Knockout gegen Sam Stout ein dringend benötigtes Zeichen, nachdem er zuvor nur einen von vier Kämpfen gewinnen konnte. Die pure Statistik erzählt in diesem Fall allerdings nicht die ganze Geschichte, denn einer dieser Kämpfe endete nach einem illegalen Kniestoß von Melvin Guillard in einem No Contest, während Pearsons Punktniederlage gegen Diego Sanchez aus dem vergangenen Jahr als eine der größten Fehlentscheidungen in der jüngeren UFC-Geschichte gilt. Die einzige wirkliche Niederlage seit 2012 musste der Brite im vergangenen November gegen Al Iaquinta hinnehmen, der einen nach eigenen Angaben unmotivierten und schlecht vorbereiteten Pearson bei UFC Sydney ausknockte und ihn damit weit zurückwarf.

Vor fast mehr oder weniger heimischem Publikum will der mittlerweile in den USA trainierende Engländer nun auf den Sieg gegen Stout aufbauen und Evan Dunham mit einer Niederlage im Gepäck zurück in die Staaten schicken. Für Dunham indes ist die Reise nach Glasgow der zweite Trip ins Vereinigte Königreich – im Februar 2009 gewann er sein UFC-Debüt in London mit einem beeindruckenden K.o. gegen Per Eklund. Nach drei weiteren Siegen leitete eine kontroverse Punktniederlage gegen Sean Sherk allerdings eine Abwärtsspirale ein, während der Dunham nur drei von neun Kämpfen gewinnen konnte und gegen die gesammelte Elite der Gewichtsklasse verlor – Niederlagen gegen Top-Leute wie Rafael dos Anjos, TJ Grant oder Donald Cerrone sind sicherlich keine Schande, haben ihn aneinandergereiht aber trotzdem an den Rand einer Entlassung aus der UFC gebracht. Mit einem Punktsieg gegen Rodrigo Damm im Januar bei UFC 182 rettete Dunham gerade noch so seinen Vertrag und bekommt an diesem Wochenende gleich wieder eine große Chance, sich auf den Ranglisten wieder zurück nach oben zu kämpfen.

Restlicher Event
Wie so oft bei Europa-Events der UFC stehen auch in Glasgow statt bekannten Namen eher die vielversprechenden Newcomer im Fokus. Das prominenteste Talent dürfte die schottische Thaiboxerin Joanne „JoJo“ Calderwood (9-1) sein, die am Wochenende auf die amerikanische Ersatzkämpferin Cortney „Cast Iron“ Casey-Sanchez (4-1) treffen wird, nachdem Bec Rawlings verletzt absagen musste. Calderwood stand noch vor wenigen Monaten kurz vor einem Titelkampf, verlor dann jedoch im April ihren zweiten UFC-Kampf überraschend durch Aufgabe gegen Maryna Moroz.

Außerdem auf dem Programm stehen Joseph „Irish Joe“ Duffy (13-1), Paddy „The Hooligan“ Holohan (11-1-1) und Steven „Braveheart“ Ray (17-5). Duffy ist der letzte Mann, der den frischgebackenen Interims-Champion im Federgewicht, Conor McGregor, besiegen konnte – innerhalb einer Minute per Rear-Naked Choke. Nachdem er in seinem UFC-Debüt im März Jake Lindsey K.o. geschlagen hat, wird er nun auf Ivan „Batman“ Jorge (26-4) treffen, einen erfahrenen Veteranen, der in der UFC bisher zwei Siege und eine Niederlage vorzuweisen hat.

Der „Hooligan“ Paddy Holohan dagegen ist ein Trainingspartner von McGregor, mit ähnlich produktivem Mundwerk und völlig anderem Kampfstil. Der irische Tee-Liebhaber verlagert das Geschehen bevorzugt auf die Matte, wo er bereits acht Kämpfe beenden konnte. In Glasgow wird er nach zwei Siegen und einer Niederlage in der UFC nun auf den Briten Vaughan „Love“ Lee (14-10-1) treffen, der zuletzt in Berlin im Octagon stand. Allerdings nicht letzten Monat, sondern letztes Jahr, als er nach nur 25 Sekunden von Iuri Alcantara ausgeknockt wurde. Am Samstag braucht der 32-Jährige aus Birmingham, der jetzt in Thailand trainiert, nach nur drei Siegen in sieben UFC-Kämpfen dringend einen Erfolg in seinem Fliegengewichtsdebüt gegen den „Hooligan“.

Ein Auge sollte man außerdem auf Stevie Ray haben, der sein UFC-Debüt im April in Krakow durch technischen Knockout gegen Marcin Bandel gewann und  jetzt gegen den Brasilianer Leonardo „Macarrao“ Mafra (12-2) eine ähnliche Show abliefern will.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC Fight Night 72: Bisping vs. Leites
Samstag, 18. Juli 2015
SSE Hydro in Glasgow, Schottland


Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Michael Bisping vs. Thales Leites
Ross Pearson vs. Evan Dunham
Joseph Duffy vs. Ivan Jorge
Joanne Calderwood vs. Cortney Casey-Sanchez
Leon Edwards vs. Pawel Pawlak
Steven Ray vs. Leonardo Mafra

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Paddy Holohan vs. Vaughan Lee
Ilir Latifi vs. Hans Stringer
Mickael Lebout vs. Teemu Packalén
Robert Whiteford vs. Paul Redmond

Marcus Brimage vs. Jimmie Rivera
Daniel Omielanczuk vs. Chris De La Rocha