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Bellator 200: Beweist sich Carvalho oder läutet Mousasi eine neue Ära ein?

Bestreiten jetzt den Hauptkampf: Rafael Carvalho (l.) und Gegard Mousasi (Foto: Florian Sädler).

Am Freitag feiert Bellator Jubiläum. 200 Events sind vergangen, seit man 2009 mit Turnieren neue Reizpunkte im MMA setzte und Events mit zahlreichen heutigen UFC-Stars wie Eddie Alvarez, Jorge Masvidal und Hector Lombard abhielt. Die Turniere nach altem Format sind mittlerweile Geschichte und statt der UFC Kämpfer zu liefern, bedient man sich gerne selbst beim Marktführer. Ein Coup der letzten Monate war dabei Gegard Mousasi, der der UFC einen Korb gab und nun Rafael Carvalho um den Titel fordert.

Gegard Mousasi dürfte neben Rory MacDonald wohl der größte Star sein, den man der UFC abwerben konnte. Immerhin war der „Dreamcatcher“ nach Siegen über Vitor Belfort, Uriah Hall und Chris Weidman auf dem besten Weg in den UFC-Titelkampf, als sein Vertrag auslief und er das Bellator-Angebot annahm. Doch hier wirkte er in seinem ersten Duell wieder recht lethargisch. Gegen Alexander Shlemenko sprang ein knapper und nicht unumstrittener Punktsieg im Debüt heraus, wobei Mousasi früh eine Verletzung im Gesicht erlitt. Als Belohnung gab es im Anschluss den Titelkampf. Punkt 2 auf der Liste des Niederländers, der anschließend Titelkämpfe im Welter- und Halbschwergewicht anpeilt.

Doch nicht nur Mousasi hat etwas zu beweisen, auch der Champion Rafael Carvalho wird von Bellator bisher nur mäßig beworben und erneut auf einer europäischen Veranstaltung versteckt, die, Jubiläum hin oder her, in den USA nicht einmal live gezeigt wird. Doch der Brasilianer trägt da auch eine Mitschuld. Gegen Melvin Manhoef lieferte er in seiner ersten Titelverteidigung einen äußerst höhepunktarmen Kampf ab. Der Rückkampf und die anschließende Titelverteidigung gegen Alessio Sakara liefen besser, aber man wird das Gefühl nicht los, dass Bellator derzeit kein Vertrauen in sein Mittelgewicht hat. Immerhin hat erneut der Herausforderer Heimvorteil. Hier liegt es nun am Champion, zu zeigen, dass die Gewichtsklasse auch der UFC-Konkurrenz gewachsen ist.

Page und Chalmers sorgen für Spektakel

Diesen Anspruch hat Michael Page hingegen nicht. Dem Engländer scheint es zu reichen, einmal im Jahr seine Explosivität und sein Können im Käfig zu zeigen, um anschließend wieder von der Bildfläche zu verschwinden. So gab der 31-Jährige, der bei Bellator von Sieg zu Sieg eilt, zuletzt an, keine Eile mit einem Titelkampf zu haben. Und auch Bellator scheint kein Problem damit zu haben, Page als Spektakel zu vermarkten und stellt ihm in David Rickels wieder einen Gegner vor die Fäuste, der bereitwillig den Schlagabtausch mitmacht. Rickels kündigte an, Pages Kämpferherz zu testen und hatte dafür sogar Requisiten auf der Waage dabei. Ob sich das nicht rächt?

In die Kategorie Spektakel fällt auch Aaron Chalmers. Der 30-Jährige wurde durch die MTV-Serie Geordie Shore bekannt, dem englischen Pendant zum amerikanischen Jersey Shore, und hat sich nun dem MMA verschrieben. Bisher mit Erfolg, für seine drei bisherigen Kämpfe brauchte er zusammen keine vier Minuten. Sehr lang dürfte es auch gegen Ash Griffith nicht gehen. Das Weltergewicht hat seine letzten vier Kämpfe allesamt vorzeitig verloren und es in seiner zehn Kämpfe umfassenden Karriere nie bis zu den Punktrichtern geschafft.

Das dritte potenzielle Zugpferd ist die Russin Anastasia Yankova. Die 27-Jährige wurde schon nach ihrem zweiten Profi-Kampf verpflichtet und behutsam aufgebaut, um das Fliegengewicht Bellators anzuführen. Problem: Bisher schaffte sie es nicht unter das Gewichtslimit und blieb auch leistungstechnisch hinter den Erwartungen zurück. Nun bekommt sie mit der Engländerin Kate Jackson einen ersten Härtetest. Jackson stand bereits mit Joanna Jedrzejczyk und zuletzt Valerie Letourneau im Käfig und konnte sich bei der 23. TUF-Staffel bis ins Halbfinale vorkämpfen, wo sie der späteren Siegerin Tatiana Suarez unterlag.

Davis und Vassell kämpfen um Titelchance

Sportlich relevanter wird es zuvor im Halbschwergewicht. Champion Ryan Bader ist derzeit noch mit dem Schwergewichts-Grand Prix beschäftigt, ein echter Herausforderer derzeit noch nicht in Sicht. Das könnte sich nach dem Duell zwischen Ex-Champion Phil Davis und dem englischen Grappler Linton Vassell jedoch bereits ändern. Davis musste vor einem Jahr bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere Bader nach Punkten geschlagen geben, könnte aber davon profitieren, dass der frühere UFC-Kollege nun das Schwergewicht unsicher macht.

Immerhin hat „Mr. Wonderful“ bis auf Bader jeden Gegner bei Bellator besiegt. Ob „King Mo“ Lawal oder die Ex-Champions Liam McGeary und Emmanuel Newton, keiner konnte mit ihm mithalten. Ganz so erfolgreich ist Vassell bisher nicht gewesen, aber auch der „Swarm“ schwamm stets im Fahrwasser des Champions mit und kann bereits auf zwei Titelchancen verweisen, die jedoch beide erfolglos endeten. Ob der 34-Jährige mit seinem Stil nun gerade gegen einen dominanten Grappler wie Davis wieder in die Erfolgsspur kommt, ist jedoch die große Frage.

Das Programm im Überblick:

Bellator 200
25. Mai 2018
London, England

Titelkampf im Mittelgewicht
Rafael Carvalho vs. Gegard Mousasi

Michael Page vs. David Rickels
Aaron Chalmers vs. Ash Griffiths
Mike Shipman vs. Carl Noon
Kate Jackson vs. Anastasia Yankova
Phil Davis vs. Linton Vassell

Vorprogramm
Pedro Carvalho vs. Daniel Crawford
Kevin Fryer vs. Costello van Steenis
Charlie Ward vs. Martin Hudson
Vladimir Filipovic vs. Anatoly Tokov
Charlie Leary vs. Tom Green
Walter Gahadza vs. Kent Kauppinen
Jahreau Shepherd vs. Marcin Zywica
Mike Ekundayo vs. Tom Mearns
Amir Albazi vs. Iurie Bejenari