Vorberichte

Bellator 149: Shamrock, Gracie, Kimbo Slice & Dada 5000 in Aktion

Morgen Nacht ist es soweit, zum dritten Mal in der MMA-Geschichte messen sich die UFC-Hall Of Famer Ken Shamrock und Royce Gracie, zum ersten Mal dabei außerhalb der UFC. Bellator ist die neue Heimat der beiden MMA-Pioniere, die den Hauptkampf von Bellator 149 bestreiten werden. Nicht weniger relevant ist der Co-Hauptkampf davor, denn auch hier stehen sich in Kevin „Kimbo Slice“ Ferguson und Dhafir „Dada 5000“ Harris zwei alte Weggefährten gegenüber.

Als Ken Shamrock (28-16-2) und Royce Gracie (14-2-3) zum letzten Mal einen Käfig teilten, war es der erste Superfight in der Geschichte der UFC, die bis dahin nur Turniere abhielt. 1995 war das und seitdem hat sich in der Welt des MMA sehr viel getan. Der zeit-, regel- und zügellose Kampf ist einem durchreglementierten Sport gewichen, der es heute in den Mainstream geschafft hat und dessen Stars bei beliebten Talkshows in den Sesseln sitzen. Nicht zur Freude aller Fans, die über die Idee des Wettkampfs zweier Stile zum MMA fanden und mit jeder Einführung einer neuen Regel das Interesse am Sport und seiner in den Hintergrund gerückten Grundidee verloren.

Genau diese Nostalgiker unter den MMA-Fans dürfen sich also auf morgen Abend freuen. Dass Royce Gracie seit achteinhalb Jahren keinen Kampf mehr bestritten hat, spielt ebenso wenig eine Rolle, wie die Tatsache, dass es Shamrock zuletzt nicht einmal gelang, Kimbo Slice aus aussichtsreicher Position zur Aufgabe zu bringen. Hier geht es einzig darum, die beiden Legenden noch einmal in Aktion zu erleben. Wer sich nicht an die ersten Duelle erinnert, bei der allerersten UFC-Veranstaltung gab Ken Shamrock nach einem missglückten Leglock-Versuch in einem Rear-Naked Choke auf. Vier Veranstaltungen später schaffte er es nicht, die Guard Gracies zu überwinden und musste sich nach der kompletten Kampfzeit von 36 Minuten mit einem Unentschieden begnügen.

Vor allem für Shamrock ist dieses Duell daher nicht nur ein Gradmesser seiner körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern auch die Gelegenheit, eine alte Scharte wieder auszuwetzen, wie er in Interviews immer wieder betonte. Der „Worlds Most Dangerous Man“ geht top-motiviert und zehn Kilogramm schwerer in die Begegnung. Ob diese Voraussetzungen dieses Mal für den Sieg reichen? Vor zweizwanzig Jahren sprachen Erfahrung und Physis schließlich auch schon gegen den Brasilianer. Wie es ausging, ist bekannt.

Kimbo Slice vs. Dada5000

Was für eine Freak-Show im Co-Hauptkampf. Hier messen sich Kevin Ferguson (5-2) und Dhafir Harris (2-0), in Fachkreisen „Kimbo Slice“ und „Dada5000“ genannt. Über Slice müssen nicht mehr viele Worte verloren werden. Der 41-Jährige wurde durch Hinterhofkämpfe in Florida zu einem Youtube-Phänomen, was ihm erst einen Vertrag bei EliteXC und später sogar eine TUF-Teilnahme mitsamt zwei UFC-Kämpfen einbrachte, bevor er entlassen wurde und sich zurückzog. Im vergangenen Juni kehrte der Knockout-Puncher dann gegen Ken Shamrock zum MMA zurück. Slice ist sich bewusst, dass es hier in diesem Duell nicht um großen Sport geht, sondern schlicht und ergreifend darum, eine alte Rechnung zu begleichen. Die größere Unbekannte in diesem Duell ist also Dada5000.

Der 38-Jährige ist ein früherer Weggefährte Fergusons in den Hinterhöfen Miamis und war zeitweise dessen Bodyguard, bevor er sich seine eigene Cinderella-Story bastelte. Als Veranstalter und Teilnehmer zahlreicher Hinterhofkämpfe gelangte Harris zu zweifelhaftem Ruhm und einer Netflix-Serie namens „Dawg Fight“. Für ihn wird das Duell gegen Erzfeind Ferguson der erste professionelle MMA-Kampf seit 2011, auf hochklassige Technik sollte man sich also nicht freuen. Vor allem nicht, wenn man Harris Arbeit an Pads und Sandsack gesehen hat. Ein Kampf zweier eindimensionaler Brawler, ganz nach dem Geschmack der Fans frühester UFC-Tage.

Wann und wie das Zerwürfnis der beiden genau begann, darüber besteht keine Einigkeit. Während Dada Kimbo vorwirft, seine Wurzeln und "Realness" vergessen zu haben, soll Harris laut Slice hinter dessen Rücken über ihn Geschichten verbreitet haben. Ein Affront, der nur mit den Fäusten geregelt werden kann. Und wenn die gestrige Pressekonferenz eines sicher gestellt hat, dann das sich morgen Nacht keiner der beiden zurückhalten wird.

Emmanuel Sanchez vs. Daniel Pineda

Die einzige Federgewichtsbegegnung des Abends stellt Bellator-“Eigengewächs“ Emmanuel Sanchez (12-2) und Neueinkauf Daniel Pineda (21-11) gegeneinander. Sanchez konnte mit vier Siegen in den letzten fünf Begegnungen auf sich aufmerksam machen. Der 25-Jährige musste sich dabei nur ex-Champion Pat Curran geschlagen geben, triumphierte ansonsten über den einstigen UFC-Kämpfer Justin Lawrence oder Henry Corrales. Der Roufussport-Athlet bekommt hier in Bellator-Debütant Pineda erneut ein früheres UFC-Federgewicht vor die Fäuste, um sich langsam aber sicher Richtung Titelkampf zu bewegen.

Emmanuel Newton vs. Linton Vassell

Das sportlich interessanteste Duell des Abends findet im Halbschwergewicht statt und auch hier bekommen Fans einen Rückkampf. Auf der einen Seite steht „Hardcore Kid“ Emmanuel Newton (25-9-1), seines Zeichens entthronter Halbschwergewichtschampion und im Turnier von Phil Davis ausgeschaltet. Mit zwei Niederlagen im Gepäck fährt der Kalifornier nach Texas. Newton, vielleicht Bellators talentiertestes Halbschwergewicht, will den Titel zurück, den er 2014 gegen Attila Vegh gewann und in der Folge zwei Mal verteidigen konnte, bevor Europas Nummer 2 im Halbschwergewicht Liam McGeary eine sieben Kämpfe umfassende Siegesserie stoppte und Newton nach Punkten bezwang.

Seine zweite Chance gegen Newton erhält Linton Vassell (16-5). Der Engländer durfte im Oktober 2014 um den Gürtel antreten, lieferte Newton auch einen engen und bodenlastigen Kampf, musste schlussendlich in der letzten Runde in einem Rear-Naked Choke abklopfen. Schade, nicht wenige Experten sahen das Duell zu dem Zeitpunkt ausgeglichen. Seitdem konnte der „Swarm“ Rameau Thierry Sokoudjou stoppen, zog anschließend genau wie Newton im Turnier bei Bellator 142 den Kürzeren. Vassell wurde dabei von „King Mo“ Lawal ausgepunktet.

Melvin Guillard vs. Derek Campos

Melvin Guillard (32-15-2 (2 NC)) gehörte im vergangenen Jahr zu den größeren Bellator-Transfers. Der TUF-2-Teilnehmer und langjährige UFC-Kämpfer wurde dabei aus seinem WSOF-Vertrag geholt, wo Guillard immerhin um den Titel hätte antreten sollen, wenn er denn das Gewicht gemacht hätte. Bisher scheint sich das Investment Cokers in den Kämpfer mit der auffällig blonden Haarpracht noch nicht gelohnt zu haben, gegen Brandon Girtz misslang das Debüt im August, Guillard verlor nach Punkten. In Derek Campos (15-6) trifft Guillard auf ein durschschnittliches Bellator-Leichtgewicht. Der 27-Jährige hat acht Kämpfe für die Organisation hinter sich, seine Bilanz dabei ist ausgeglichen. Verstecken muss sich Campos jedoch nicht, konnte er 2004 doch ex-UFC-Kämpfer Estevan Payan innerhalb einer halben Minute ausknocken.

Das Programm im Überblick:

Bellator 149: Shamrock vs. Gracie III
19. Februar 2016
Houston, Texas, USA

Ken Shamrock vs. Royce Gracie
Kevin Ferguson vs. Dhafir Harris
Emmanuel Sanchez vs. Daniel Pineda
Emmanuel Newton vs. Linton Vassell
Melvin Guillard vs. Derek Campos

Vorprogramm Justin Wren vs. Juan Torres
Daris Sylvester vs. Jeremy Mahon
Charlie Ontiveros vs. James Christopherson
Ruben Esparza vs. Clovis Hancock
Adrian Yanez vs. Daniel Santos
Ike Villanueva vs. Richard Knepp
Mike Trinh vs. Joe Zamora
Jason Langellier vs. Anthony Ivy