Vorberichte

Auf Schmelings Spuren

Als der einstige Box-Superstar Arthur Abraham im vergangenen Jahr die Talsohle seiner Karriere erreicht hatte, schlug die Stunde von Muamer Hukic. Besser bekannt als Marko Huck, war der WBO Champion nun die Nummer eins im Hause Sauerland. Nach acht erfolgreichen Titelverteidigungen im Cruisergewicht will der 27-Jährige nun mehr: die Krone in der Königsklasse.

Da kommt es gelegen, dass der aktuelle WBA-Titelträger im Schwergewicht derzeit Alexander Povetkin (23-0-0, 16 KO) heißt und ebenfalls bei Sauerland Event unter Vertrag steht. Dass Wladimir Klitschko, bei der WBA zum „Super“-Champion gekürt, der tatsächliche Schwergewichtschampion ist, scheint da nur Nebensache zu sein. Marco Huck (34-1-0, 25 KO) will nach eigener Aussage in die „Fußstapfen von Max Schmeling“ treten und nach der 2005 verstorbenen Boxlegende der erste sein, der einen Schwergewichtsgürtel nach Deutschland holt.

Und seine Chancen stehen nicht schlecht. Alexander Povetkin ist nicht eben groß für ein Schwergewicht,  beide Boxer nehmen sich bei der Gegenüberstellung fast nichts. Fans, die „Käpt’n“ Huck auf Facebook verfolgen, wissen zudem, dass auch der stetige Gewichtsaufbau problemlos funktioniert zu haben scheint. Physisch sind die beiden sich ebenbürtig.

Und technisch? Stilistisch verschiedener könnten zwei Boxer kaum sein. Auf der einen Seite Povetkin, der als Amateur vom Europameister-, über den Weltmeistertitel, bis hin zur olympischen Goldmedaille alles abgeräumt hat, was geht. Und auf der anderen Seite Huck, der Puncher, der Mann fürs Grobe, der Junge aus Serbien und ehemalige Kickboxweltmeister, ohne große Amateurboxkarriere, dafür mit jeder Menge Selbstbewusstsein und Power.

„Das wird der spannendste und ausgeglichenste Fight, den es seit vielen Jahren im Schwergewicht gegeben hat“, verspricht Promoter Kalle Sauerland - und hat damit recht. Zwar wird Huck von den einschlägigen Buchmachern als 3:1-Außenseiter geführt, hat aber dennoch eine realistische Chance, den Gürtel am Samstag mit nach Hause zu nehmen. Zu viele defensive Schwächen offenbarten sich bei Povetkin in der Vergangenheit. Beim Titelgewinn gegen Ruslan Chagaev nahm der 32-jährige Russe immer wieder signifikante Treffer. Es ist Chagaevs mangelnder Aggressivität zu verdanken, dass er damals damit davon gekommen ist. Ein Huck ist da anders. Der hält drauf, wenn er Blut riecht.

„Marco ist kein Angsthase! Sicher sehen viele Experten Povetkin in der Favoritenrolle. Doch Marco wird alles aus sich herausholen und versuchen, das unmöglich Erscheinende möglich zu machen“, denkt auch Huck-Trainer Ulli Wegner.

Und während bei dem und seinem Schützling die Wettkampfvorbereitung kaum unkomplizierter hätte laufen können, gab es im Povetkin-Lager wochenlange Querelen um (Ex-)Trainer Teddy Atlas. Der kommt lieber seinen Verpflichtungen als Kommentator bei der freitäglichen Box-Sendung des US-Kanals ESPN nach, als für Povetkins Vorbereitung nach Russland zu fliegen.

„Er wollte, dass ich zur Vorbereitung in die USA komme“, erklärt Povetkin. „Allerdings war das nicht besonders sinnvoll, denn mein Kampf findet in Europa statt. Für ein paar Wochen in die USA zu gehen, sich an den Zeitunterschied zu gewöhnen und dann wieder zurück nach Europa zu fliegen, das wäre sicher nicht optimal gewesen. Die Umstellung hätte mich alleine mindestens zwei Wochen gekostet - mal abgesehen von den langen Flügen. Mein Management hat deshalb entschieden, dass wir in Chekhov trainieren und diese Zeit sinnvoll nutzen können. Mit Alexander Zimin hatten wir schon früher trainiert und wir verstehen uns einfach super. Deshalb hatte er sich auch bereit erklärt, aus Tokio rüberzukommen und mich für diesen Kampf vorzubereiten. Das Training läuft wie geschmiert.“

Das sollte man hoffen, wenn Povetkin tatsächlich „das beenden“ will, „was Denis Lebedev angefangen hat“, wie er selbst sagte. Lebedev hatte Huck im Dezember 2010 um ein Haar entthront.

Huck selbst, gibt sich wie immer unbeeindruckt: „Es gibt viele Leute, die nicht an mich glauben. Das war aber auch schon vorher der Fall. Und ich möchte auf jeden Fall zeigen, dass diese Leute Unrecht haben. Ich stelle mich dieser Aufgabe. Und das ist doch eigentlich das, was die Zuschauer sehen wollen - einen Kampf, bei dem man nicht weiß, was passieren wird.“

Das Vorprogramm
Im Vorprogramm wird Mittelgewichts-Nachwuchs Dominik Britsch (26-0-0, 9 KO) gegen den Spanier Roberto Santos (17-6-1, 9 KO) antreten und um den vakanten EU-Gürtel der European Boxing Union boxen. Seine Interkontinental-Titel legt er dafür nieder und verzichtet auf eine Pflichtverteidigung gegen Arena-Boxer Benjamin Simon. Britschs erklärtes Ziel: „Ich will Weltmeister werden!“ Der Gewinn des EU-Gurts wäre ein erster Schritt in diese Richtung.

Weltmeister – das war Sauerland-Neuzugang Jack Culcay (10-0-0, 6 KO) schon. 2009 gewann er in Mailand Gold bei den Amateuren. Kurz darauf feierte er bei Universum sein Profi-Debüt. Seitdem ist der 26-Jährige ungeschlagen und wechselte nun zu Sauerland, für die er am Samstag seinen ersten Kampf bestreiten wird. Sein Gegner wird der Italiener Salvatore Annunziata (15-5-4, 3 KO).

Außerdem: Österreichs Marcos Nader (14-0-0, 2 KO) will sich gegen Baker Barakat (36-11-4, 24 KO) für einen EM-Kampf empfehlen, Schwergewicht Edmund Gerber (18-0-0, 12 KO) trifft auf den Ukrainer Oleksiy Mazikin (17-6-2, 4 KO) und der Hallenser Robert Woge (6-0-0, 5 KO) eröffnet den Abend mit einem Halbschwergewichtsduell gegen den Italiener Roberto Cocco (10-8-1, 5 KO).

Die Kämpfe des Abends im Überblick:

Povetkin vs. Huck
25. Februar 2012
Porsche-Arena in Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht
Alexander Povetkin vs. Marco Huck

EBU EU-Meisterschaft im Mittelgewicht
Dominik Britsch vs. Roberto Santos

Vorprogramm
Marcos Nader vs. Baker Barakat
Edmund Gerber vs. Oleksiy Mazikin
Robert Woge vs. Roberto Cocco