Vorberichte

Andre Ward vs. Sakio Bika

Die Vorschau zum zweiten großen Fight des Wochenendes.

Das Super Six World Boxing Classic-Turnier startete als innovatives und enorm erfolgreiches Format, dass allerorts reichlich Lob einheimsen konnte. Endlich war der Boxsport wieder interessant, jubelten viele und aus sechs Boxern, die im Mainstream bislang noch nicht so recht angekommen waren, wurden bekannte Charaktere, auf dem besten Weg zum Superstar.

Doch unzählige Verletzungen, Terminverschiebungen und nachrückende Ersatzkämpfer, deren Daseinsberechtigung im Turnier bestenfalls als fragwürdig bezeichnet werden kann, ließen den Super Six-Stern zuletzt sinken. Eine dieser frustrierenden Kampfabsagen ist der Grund, warum eins der meist erwarteten Duelle des Turniers nun nicht wie geplant stattfinden kann: Andre Ward. gegen Andre Dirrell.

Für Dirrell ist nun Saki Bika eingesprungen, um Ward seinen geplanten Kampf absolvieren zu lassen. Ward gegen Bika - eine durchaus vertretbare Paarung, die jedoch außerhalb des Super Six-Modus ausgetragen wird. Auf dem Spiel steht dabei Wards WBA-Gold – läuft er Gefahr, es an diesem Wochenende zu verlieren?



Andre Ward (22-0-0, 13 KO) ist einer absolutes Supertalent, mit einer hochdekorierten Amateurkarriere, einer olympischen Goldmedaille und einer seit 12 Jahren anhaltenden Siegesserie. Seit 2004 ist er Profi, seinen Durchbruch auf großer Bühne erreichte er aber erst, nachdem er den Vertrag für die Teilnahme am Super Six World Boxing Classic unterschrieb und vor ziemlich genau einem Jahr WBA Champion Mikkel Kessler gnadenlos zerstörte. Im Juni dieses Jahres traf er schließlich auf Jermain Taylor-Ersatzmann Allan Green – und deklassierte ihn 12 Runden lang.  

Längst hatten Fans und Experten den „S.O.G.“ (Son of God, so der Kampfname Wards) als sicheren Turniersieger ausgemacht. Der Boxer, der ihm in der Super Six-Riege am gefährlichsten hätte werden können, war sein guter Freund und langjähriger Trainingspartner Andre Dirrell – doch der sagte den heiß erwarteten Kampf leider ab.

Sakio Bika (28-4-2, 19 KO) ist in Kamerun geboren und auch er vertrat sein Land bei den Olympischen Spielen. Er gewann zwar keine Medaille, wechselte im Dezember 2000 aber dennoch ins Profilager. Dort bekam er im Jahr 2006 zum ersten Mal die Chance auf WM-Gold. In Zwickau boxte er den damaligen WBC Supermittelgewichtschampion Markus Beyer. Der Kampf wurde nach einem unabsichtlichen Kopfstoß Bikas abgebrochen und endete unentschieden. Nur fünf Monate später boxte er gegen IBF und WBO Überchampion Joe Calzaghe – wieder um die Weltmeisterschaft, doch er verlor deutlich gegen die walisischen Legende. Kurz darauf verlor Bika gegen den heutigen IBF Supermittelgewichtsweltmeister Lucian Bute und nahm, um seine Karriere wieder etwas in Schwung zu bringen, an der Reality-Show „The Contender“ teil. Bika gewann die gesamte Staffel, die bis heute als beste der „Contender“-Serie gilt und lieferte teils unglaublich actiongeladene Kämpfe ab.

Zuletzt verlor Bika im Juni einen Kampf gegen Jean Paul Mendy. Bika war klar der bessere Mann, doch setzte in der ersten Runde unerlaubterweise noch einmal nach, als Mendy schon am Boden war. Er wurde daraufhin disqualifiziert. Eine Teilnahme am Super Six-Turnier hatte Bika von Beginn an abgelehnt. Er hätte schon zu einem früheren Zeitpunkt die Chance gehabt, einen Eliminator gegen Allan Green zu bestreiten und in das Turnier einzusteigen, doch er sagte den Kamof ab. Auch nun verweigerte Bika seine Teilnahme am Super Six, der Kampf gegen Ward wird daher nicht in die Turnierwertung eingehen.

Andre Ward ist weder der schlaggewaltigste, noch der schnellste Boxer aller Zeiten. Doch er ist im Vergleich zu Bika der komplettere Kämpfer und ihm technisch meilenweit überlegen. Wenn es sein muss, kann er all die Technik aber vergessen und richtig dreckig fighten. Seine Kopfstöße aus dem Kessler-Kampf sind unvergessen.

Bika ist ebenso aggressiv und ein brutaler, wirklich unbequemer Fighter. Es wird sich zeigen, inwieweit das mit Andre Wards „Pressure“-Stil zusammenpassen wird. Sehen die Zuschauer eine wahrhaftige Ringschlacht oder lässt sich Bika überwältigen? Wards Kinn wurde bis heute noch nicht wirklich getestet – ist Bika der erste, der das schaffen kann?

Seine bisherigen beiden Turnierkämpfe bestimmte Ward, indem er seinen Gegner konstant bedrängte, den Infight suchte und ihnen seinen Kampf aufzwang. Einer wie Bika lässt sich so etwas aber nicht so leicht gefallen und ist schwer zu überrumpeln. Was in beiden von Wards Super Six-Fights wirklich ausschlaggebend war, ist, dass der S.O.G. auf jeden Kampf perfekt eingestellt wurde und immer die ideale Strategie gefahren ist. Auch in diesem Fight wird das nicht anders sein. Gegen Bika wird Ward nicht wühlen und zäh arbeiten, wie gegen Kessler oder Green. Er wird sich bewegen, die Distanz wahren und den technisch klar unterlegenen Bika klassisch ausboxen. Und wenn er dies wirklich tut, besteht an einem Sieg des WBA Weltmeisters kaum noch ein Zweifel.

Andre Ward vs. Sakio Bika
27. November 2010
Oracle Arena in Oakland, Kalifornien, USA


WBA Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht
Andre Ward vs. Sakio Bika

Vorkämpfe
Javier Molina vs. Francisco Rios Gil
Stan Martyniouk vs. Khadaphi Proctor
Michael Ruiz Jr vs. Jonathan Alcantara
Kevin Hoskins vs. Luis Alfredo Lugo
Roman Andreev vs. Manuel Del Cid
Guy Robb vs. TBA
Matthew Villanueva vs. Adrian Aleman
Cornelius White vs. Demetrius Davis