Vorberichte

Amir Khan vs. Zab Judah

Am heutigen Samstag treffen im Mandalay Bay Resort & Casino in Las Vegas, Nevada, USA, World Boxing Association-Weltmeister Amir Khan und International Boxing Federation-Champion Zab Judah aufeinander, um ihre beiden Halb-Weltergewichtsgürtel zu vereinigen.

Es ist ein Duell alt gegen jung. Denn obwohl Zab Judah (41-6, 28 KO) mit gerade einmal 33 Jahren nicht eben zum alten Eisen gehört, war er bereits mehrfacher Weltmeister und hat eine beeindruckende Karriere hinter sich. Wahrlich hinter sich - der Judah von heute ist mit dem „Superjudah“ vom Anfang der 2000er Jahre nicht mehr zu vergleichen.

Während seines Comeback-Laufs zurück zur Weltspitze stand Judah bislang gegen drei Gegner im Ring: Jose Armando Santa Cruz, Lucas Matthyse und zuletzt Kaizer Mabuza, gegen den er sich den vakanten IBF-Gürtel sicherte. In keinem der drei Kämpfe sah Judah überragend gut aus. Santa Cruz war ein typischer Comeback-Gegner und wurde in der dritten Runde gestoppt, gegen Mathysse gewann Judah einen geteilten Punktentscheid, den viele für ein Geschenk hielten. Mabuza stoppte er in Runde sieben, doch Mabuza ist kein Amir Khan.

Judah ist deutlich langsamer und weniger kreativ als noch zu seiner Glanzzeit und vor allem die fehlende Schnelligkeit wird ihm – sowohl offensiv als auch defensiv – arge Schwierigkeiten gegen den blitzschnellen Briten bereiten. Der einzige Vorteil den Judah besitzt, ist seine enorme Erfahrung:

„Am 23. Juli geht es darum, wer die größten Fähigkeiten mitbringt, wer das klügere Köpfchen besitzt und wer mehr vom Boxen versteht“, so Judah während eines Q & A mit Khans Promoter Golden Boy Promotions. „Was wirst du tun (Amir Khan), wenn du im Ring stehst und dir gegenüber wartet ein hungriger Löwe namens Zab 'Super' Judah, der dir eisig in die Augen blickt und nur darauf wartet, dass die Ringglocke endlich ertönt? Dann kannst du entweder passen, oder die Karten die du hast ausspielen. Und ich? Ich spiele um zu gewinnen!“

Judah stand bereits mit Größen wie Kostya Tszyu, Cory Spinks und Floyd Mayweather Jr. im Ring. Und auch wenn er gegen all die eben Genannten verloren hat, so gehörten diese Leute zum damaligen Zeitpunkt zur absoluten Weltspitze (und tun es im Fall von Floyd Mayweather nach wie vor). Judah war vor Jahren schon dort, wo Khan heute hin will.

Doch Amir Kahn (25-1, 17 KO) ist kein Nobody. Der 24-jährige Brite pakistanischer Abstammung gehört zu den unbestritten größten Talenten die der Boxsport aktuell zu bieten hat. Er ist schnell, akkurat und so selbstbewusst in- und außerhalb des Rings, dass es fast schon an Arroganz grenzt. Nach einer peinlichen Erstrunden-KO-Niederlage gegen Breidis Prescott, im September 2008, wechselte er zu Box-Guru Freddy Roach nach Hollywood. Der nahm den Rohdiamant Khan, schliff ihn nach seinen Vorstellungen und formte daraus einen technisch überragenden Boxer.

Auch Khan hat mittlerweile Ring-Erfahrung mit den ganz Großen sammeln können. Im Gym von Roach trainiert er regelmäßig mit dem derzeit besten Boxer der Welt: Manny Pacquiao.

„Auf den Philippinen mit Manny (Pacquiao) zu trainieren war eine unglaubliche Erfahrung", so Khan. "Wenn man die Chance bekommt, mit einem der besten Boxer der Welt zu trainieren, dann sollte man die auch nutzen.“

So verwundert es nicht, dass Khan als Favorit in diesen Kampf geht. Der 2011-Judah spielt nicht mehr in der Liga eines Amir Khan. Khans ursprünglich angedachtes Duell gegen den World Boxing Council-Champion Timothy Bradley – ein Aufeinandertreffen der beiden besten Halb-Weltergewichte der Welt – fand aufgrund von Vertragsstreitigkeiten Bradleys mit seinem Promoter nicht statt.

“Nachdem Timothy Bradley unser letztes Angebot abgelehnt hat, haben wir einen Deal mit Judah abgeschlossen. Seit Anfang Juni konzentrieren wir uns nun ausschließlich auf ihn“, erklärt Khan.

Judah wirkt kaum wie ein würdiger Ersatz.

Doch im Boxen ist alles möglich. Und einen Veteran wie Judah darf man nicht unterschätzen. Das größte Fragezeichen bildet seit der Prescott-Niederlage Khans Kinn. Zwar konnte er im vergangenen November gegen Marcos Maidana beweisen, dass er durchaus in der Lage ist, einen Punch zu nehmen, aber dennoch wäre es Judahs beste Chance, das Kinn des Briten zu testen und auf einen vorzeitigen Sieg zu hoffen. Nach Punkten zu gewinnen, dürfte gegen einen begnadeten Techniker wie Khan praktisch unmöglich werden. Welches Ziel „Superjudah“ genau verfolgen wird, wollte er jedoch nicht preisgeben:

“Du wirst aus mir nichts zu meiner Strategie herausbekommen. Darüber sprechen wird nicht, das einzige was du wissen musst, ist, dass wir alles was wir tun hart und richtig tun. Vorbereitung ist das A und O - und wir sind vorbereitet. Überzeugt euch selbst am 23. Juli, das wird eine spektakuläre Vorstellung!“

Heute Abend wird sich entscheiden ob der Alte die Fackel an den Jungen übergeben muss, oder ob der "hungrige Löwe" Judah noch immer zubeißen kann.

Amir Khan vs. Zab Judah
23. Juli 2011
Mandalay Bay Resort & Casino, Las Vegas, Nevada, USA


WBA- & IBF-Weltmeisterschaft im Halb-Weltergewicht
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