Vorberichte

Amir Khan vs. Paul McCloskey

Am kommenden Samstag wird der derzeit heißeste britische Export im Box-Geschäft, Amir „King“ Khan, seinen World Boxing Association Weltmeistertitel im Halbweltergewicht zum vierten Mal aufs Spiel setzen. Sein Gegner ist dabei der unbequeme Rechtsausleger Paul McCloskey, der dem Champion einige Probleme bereiten könnte.

Bevor endlich feststand, dass Khan und McCloskey tatsächlich aufeinandertreffen würden, gab es jede Menge Hin- und Her und Namen wie Lamont Peterson, Victor Ortiz und Junior Witter wurden als Gegner für Khan in den Raum geworfen. Jemand, der schon lange auf einen Fight mit ihm wartet, ist zudem der World Boxing Organisation und World Boxing Council-Weltmeister Timothy Bradley, der erst im Januar Devon Alexander geschlagen hat und nun mit Khan ausmachen will, wer der unbestritten beste Boxer in der Halbweltergewichtsdivision ist. Vorher wollte Khan aber offenbar noch einmal einen „leichteren“ Kampf, um vor heimischem Publikum in der M.E.N. Arena in Manchester noch einmal genug Selbstvertrauen und Kraft tanken zu können. Immerhin hatte er im vergangenen Dezember gegen Marcos Rene Maidana den härtesten Kampf seiner Karriere hinter sich gebracht. Doch Paul McCloskey ist keiner, denn man leichtfertig unterschätzen sollte.

Paul McCloskey (22-0-0, 12 KO) ist ein harter Hund und hat sich seinen Titelkampf wirklich verdient. Soll heißen, er ist nicht aufgrund von Box-Politik ins Rampenlicht gerückt, sondern hat sich zuerst den britischen Titel, dann den EBU-Titel erkämpft und sich so in den Weltranglisten nach oben gearbeitet. McCloskey ist Rechtsausleger und hat einen wirklich seltsamen Stil, auf den man sich nur schwer einstellen kann. Bislang ist er ungeschlagen und dementsprechend selbstbewusst. In den Medien wird der Nord-Ire gemeinhin unterschätzt – zu Unrecht. McCloskey ist ein solider Boxer mit einer Menge Power, sein größtes Problem wird es sein, dass er mit Khans Schnelligkeit nicht mithalten kann. Er muss dem Briten also seinen Stil aufzwingen, muss ran an den Mann und sich durchwühlen.

Amir Khan (24-1-0, 17 KO) ist einer der talentiertesten und erfolgreichsten Boxer, die Europa momentan zu bieten hat. Seinen Weltmeistergürtel schnappte er sich im Juli 2009 vom damaligen Titelträger Andriy Kotelnik, den er nach Punkten besiegte. Seitdem verteidigte Khan das Gold drei Mal, gegen Dmitriy Salita, den er in der ersten Runde abfertigte, Paulie Malignaggi, gegen den er sein US-Debüt gab, und zuletzt gegen den gefährlichen Puncher Marcos Rene Maidana. Gegen Maidana konnte er zeigen: ich kann einen Punch nehmen, ich kann mich durchbeißen. Maidana machte es dem Champion nicht einfach, doch Khan bewies Kämpferherz und überstand den bislang wohl fordernsten Fight seiner Karriere – und fuhr heim mit dem Punktsieg.

Khans bislang einzige Niederlage war ein KO durch den eigentlich unbedeutenden Breidis Prescott, im August 2008. Seitdem hat er einiges verändert. Er trainiert nun im weltberühmten Wildcard Gym, in Los Angeles, bei Trainerguru Freddy Roach. Dort ist er in guter Gesellschaft, denn mit Manny Pacquiao, Bernard Hopkins, Julio Cesar Chavez Jr. und anderen, tummeln sich dort jede Menge adäquate Sparringspartner. Khan ist blitzschnell und ein unglaublich guter Techniker. Als seine große Schwäche wird gemeinhin sein Kinn betrachtet, im Kampf gegen Maidana hatte er jedoch gezeigt, dass er durchaus einen harten Treffer nehmen kann. Doch was, wenn wieder einmal eine Hand bei ihm genau ins Schwarze trifft? Wer weiß.

Amir Khan (l.) und Paul McCloskey. Foto via khanvsmccloskey.com.

McCloskey hat nicht dieselbe Schlagkraft wie Maidana – aber er hat Schlagkraft. Khan sollte sich hier nicht noch einmal auf eine solche Materialschlacht einlassen, wie in seinem letzen Fight, denn ein Treffer kann mitunter reichen. Nur weil Maidana den großen Killer-Punch nicht landen konnte, heißt das nicht, dass es McClosley nicht vielleicht schafft. Khan sollte stattdessen seine Reichenweitenvorteile und seine Schnelligkeit nutzen, um den Kampf aus der Distanz zu kontrollieren und gelegentlich mit seinen rasend schnellen Kombinationen anzugreifen.

McCloskey muss das genaue Gegenteil tun. Er ist wie gesagt ein guter Boxer – mit Amir Khan mithalten kann er jedoch nicht. McCloskey muss es daher schaffen, den Champion in eine Schlacht zu verwickeln, wie Maidana es getan hat, denn dort liegen seine Chancen. Im Infight muss er versuchen, mit Seit- und Aufwärtshaken die Doppeldeckung Khans zu durchbrechen. McCloskey braucht einen schmutzigen Fight. Dass er den führen kann, hat er in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, unbemerkte Kopfstöße und kurze Ellenbogen sind kein Problem für den Iren. Und die wird er auch brauchen. Gelingt es ihm nicht, das Momentum dementsprechend in seine Richtung zu drehen, wird er Runde für Runde von Kahn auseinandergenommen werden und den Kampf letztlich, vielleicht sogar vorzeitig, verlieren.

Die Veranstaltung wird im deutschen Fernsehen leider nicht übertragen, sondern ist nur in Großbritannien als Pay-Per-View-Event erhältlich. Der Hauptkampf zwischen Amir Khan und Paul McCloskey wird zudem zeitversetzt in den USA, als Teil des Andre Berto vs. Victor Ortiz-Weltergewichtstitelkampfes, auf HBO ausgestrahlt, zu dem es hier eine Vorschau gibt.

Alle Kampfpaarungen des Abends im Überblick:

Khan vs. McCloskey
16. April 2011
M.E.N. Arena in Manchester, Lancashire, Großbritannien


WBA Weltmeisterschaft im Halbweltergewicht
Amir Khan vs. Paul McCloskey

WBA Internationaler Titelkampf im Mittelgewicht
Martin Murray vs. John Anderson Carvalho

Vorprogramm
Rendall Munroe vs. Andrei Isaeu
Craig Watson vs. Lee Purdy
Gary Buckland vs. Rafael Hernandez
Graeme Higginson vs. Andy Murray
Richard Towers vs. Raman Sukhaterin
Jamie Kavanagh vs. Sid Razak
Kid Galahad vs. Dai Davies
Tasif Khan vs. Pavels Senkovs

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound, sowie Redakteur für Fighters Only Germany. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.