Vorberichte

Aller guten Dinge sind drei

Muhammad Ali vs. Joe Frazier, Arturo Gatti vs. Mickey Ward, “Sugar” Ray Leonard vs. Roberto Duran – die Liste historischer Trilogien im Boxsport ist lang. Am kommenden Samstag, wenn Manny Pacquiao und Juan Manuel Marquez ein drittes Mal gegeneinander in den Ring steigen, wird sie um einen weiteren Eintrag reicher.

Die Geschichte

Zum ersten Mal trafen Pacquiao und Marquez im Mai 2004 aufeinander, damals noch im Federgewicht. Marquez war Weltmeister in zwei Verbänden und so war es ein Schock, als Pacquiao ihn in der ersten Runde gleich drei Mal zu Boden schicken konnte. Doch „Dinamita“ erholte sich von dem Schock, zeigte Herz, und gewann später Runde um Runde, indem er den bedingungslos marschierenden Pacquiao immer wieder auskonterte.

Nach einer zwölf Runden andauernden Schlacht mussten das Punktgericht entscheiden. Von denen hatte einer den Kampf mit 115–110 bei Marquez, der zweite sah Pacquiao mit 115–110 vorn. Das Zünglein an der Waage war der dritte Wertungsrichter Burt A. Clements, der den Kampf mit 113–113 unentschieden wertete. Marquez konnte seine Titel behalten.

Keiner von beiden Boxern hatte sein Gesicht verloren, sondern stattdessen unzählige Fans hinzugewonnen. Und doch war keiner von beiden zufrieden.

Vier Jahre später, im März 2008, gab es den lang ersehnten Rückkampf: „Unfinished Business“ - eine offene Rechnung. Wieder stand ein WM-Gürtel von Marquez dabei auf dem Spiel – diesmal der im Superfedergewicht.

Erneut standen beide Boxer für volle zwölf Runden im Seilquadrat, lieferten sich einen Schlagabtausch nach dem anderen und verließen das Schlachtfeld schwer gezeichnet von Cutverletzungen und Beulen. Marquez hatte laut Computerstatistik die höhere Schlagzahl und Trefferquote, Pacquiao gelang jedoch erneut ein Niederschlag. In Runde drei schickte er den Champion auf die Bretter und gewann so einen knappen, geteilten Punktentscheid.

Bis heute behauptet Marquez beide Kämpfe gewonnen zu haben. Die Meinungen darüber sind geteilt. Manch einer gibt ihm Recht, andere wiederum sahen „Pac-Man“ in beiden Fights als rechtmäßigen Sieger. Wieder andere hätten Marquez zumindest den zweiten Kampf zugesprochen. Ein drittes Duell war also unumgänglich.

Die Kämpfer

Weitere dreieinhalb Jahre später ist es soweit: Der Mangel an hochklassigen Gegnern für den mittlerweile zum Superstar mutierten Pacquiao, und die kontroverse Geschichte beider Kämpfer führen am kommenden Samstag zum unvermeidlichen dritten Aufeinandertreffen beider Kontrahenten.

Pacquiao (53-3-2, 38 KO) ist seinem Stil von damals treu geblieben. Noch immer ist er ein aggressiver Boxer, der das Tempo bestimmen will und von seiner enorm hohen Schlagfrequenz und schier unglaublichen Schnelligkeit lebt.

Marquez (53-5-1, 39 KO) hingegen musste der Zeit ihren Tribut zollen. Die Reflexe des mittlerweile 38-Jährigen sind nicht mehr dieselben wie noch vor sieben Jahren. Aus einem pfeilschnellen Konterboxer wurde ein zäher Offensivkämpfer, der Gegner in Schlagabtausche lockt, um sie dort zu zermürben. Marquez besitzt das Herz eines Kämpfers und lebt davon.

Der Entscheidende Faktor in diesem Kampf ist das Gewicht. Pacquiao ist im Lauf seiner Karriere Gewichtsklasse um Gewichtsklasse aufgestiegen. Vom Halbfliegengewicht entwickelte er sich innerhalb von 16 Jahren zum Weltergewicht und fühlt sich dort pudelwohl. Seiner Geschwindigkeit taten die zusätzlichen Kilos keinen Abbruch, er wirkt weder träge noch übervorteilt – sogar im Halbmittelgewicht bestritt der 32-Jährige im vergangenen Jahr einen Kampf.

Marquez liegt das Gewicht weniger. Er ist ein natürliches Leichtgewicht und bestritt erst einmal einen Kampf bis 67 Kilo. Im Duell gegen Floyd Mayweather, im September 2009, ging er gnadenlos unter und verlor deutlich nach Punkten.

Der Kampf

Für diesen Kampf hat Marquez einen umstrittenen, weil früher in Dopingskandale verstrickten, neuen Kraft- und Konditionstrainer engagiert und konnte so offenbar einige Qualitätsmasse aufbauen. Die wird er auch brauchen, um gegen den schnelleren und vermutlich stärkeren Pacquiao mithalten zu können.

Hätte dieses dritte Duell vor fünf oder sechs Jahren stattgefunden, stünden die Chancen für Marquez gar nicht schlecht. Sein Konterbox-Stil war wie geschaffen, um einen offensiven Puncher wie Pacquiao immer wieder ins Messer laufen zu lassen. Doch dieser Stil ist Geschichte. Und sich mit dem Pac-Man von heute eine Schlacht in der Ringmitte zu liefern ist für keinen Boxer eine gute Idee.

Es ist schwer vorstellbar, wie Marquez diesen Kampf gewinnen sollte. Außer dem berühmten „Lucky-Punch“ fällt einem dazu nicht viel ein. Wer aber auf jeden Fall gewinnen wird, sind die Zuschauer. Denn ebenso schwer vorstellbar wie ein Sieg von Marquez, ist, dass dieser Kampf ein Stinker wird. Beide Boxer liefern actiongeladene Schlachten am Fließband ab und eine solche wird uns auch am Samstag erwarten.

Im Co-Hauptkampf des Abends wird Timothy Bradley den ersten Kampf unter dem Banner seines neuen Arbeitgebers Top Rank bestreiten und sein Halbweltergewichtsgold gegen Joel Casamayor aufs Spiel setzen. Bei einem Sieg würde er sich für einen künftigen Kampf gegen Pacquiao empfehlen, den er sich schon seit längerem wünscht.

Pacquiao vs. Marquez III
12. November 2011
MGM Grand in Las Vegas, Nevada, USA

WBO Weltergewichtstitelkampf
Manny Pacquiao vs. Juan Manuel Marquez

WBO Halbweltergewichtstitelkampf
Timothy Bradley vs. Joel Casamayor

Vorprogramm
Luis Cruz vs. Juan Carlos Burgos
Mike Alvarado vs. Breidis Prescott
Dennis Laurente vs. Ayi Bruce
Fernando Lumacad vs. Joseph Rios
Jose Benavidez vs. Samuel Santana
Victor Pasillas vs. Jose Garcia