Vorberichte

Abraham vs. Bozic

Es gibt eine Menge gut zu machen. Am kommenden Samstag wird „King“ Arthur Abraham in Mühlheim an der Ruhr wieder in Ring steigen. Er will Selbstvertrauen tanken, Kräfte sammeln für den großen Fight gegen Superstar Andre Ward und das katastrophale letzte Jahr vergessenen machen.

„Niederlagen gibt es nicht mehr“ – Arthur Abraham vs. Stjepan Bozic

Mit Stjepan Bozic hat man ihm für dieses Unterfangenen einen recht bequemen Gegner hingestellt. Das Zuschauen lohnt sich trotzdem, denn auch über den „Aufwärmkampf“ Abrahams hinaus hat die Card einiges zu bieten. So stehen gleich zwei Weltmeisterschaften im Cruisergewicht auf dem Spiel: Enad Licina wird IBF-Weltmeister Steve Cunningham herausfordern, Yoan Pablo Hernandez Kämpft gegen Steve Herelius, um dessen WBA-Interims-Titel.

Doch die mediale Aufmerksamkeit wird auf Abraham ruhen. Er muss Basisarbeit leisten. Mit zwei Niederlagen in zwei Kämpfen im vergangenen Jahr,  vor allem der desolaten Leistung gegen Carl Froch, bröckelt das Fan-Fundament. Das heißt Fototermine in Mühlheim, Autogramme schreiben und – ein KO muss her. Auch für Abraham selbst. Mit Andre Ward hat er im Mai den schwersten Gegner seiner bisherigen Karriere vor den Fäusten, da muss er Selbstbewusst bleiben: „Vor dem Super-Six-Halbfinale gegen Andre Ward wollte ich unbedingt noch einen Kampf bestreiten, um mich mental wie auch sportlich zurückzumelden“, so Abraham.

Bozic (24-4-0, 15 KO) dürfte einigen deutschen Fans noch ein Begriff sein, da er hierzulande bereits mehrfach unterwegs war. Zuletzt verlor er im November 2008 in Kiel einen schmutzigen Kampf gegen Dimitri Sartison durch TKO. Auch für Abraham ist er kein Unbekannter: „Ich kenne Bozic aus gemeinsamen Sparringseinheiten. Er ist ein echter Kämpfertyp, das wird sicher kein leichter Kampf. Aber für mich geht es nur ums Gewinnen. Es steht viel auf dem Spiel.“

In der Tat. Die Öffentlichkeit begann sich nach dem Froch-Fight zu fragen, wie es weitergehen soll mit „King“ Arthur. Hatte er an der Weltspitze noch etwas verloren? Würde er im Super-Six-Turnier bleiben? Sollte er lieber ins Mittelgewicht zurückwechseln? Abraham beschwichtigt: „Ich bleibe im Super Six-Turnier und natürlich auch im Supermittelgewicht […] Die Vorbereitung auf den Froch-Kampf war sehr gut. Im Ring habe ich dann aber nicht die Leistung gezeigt, die notwendig gewesen wäre. Ich habe einfach einen rabenschwarzen Tag erwischt.“

Fehleranalyse wurde bereits betrieben. Schon lange wirft man Abraham vor, sein Stil würde ihn an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterbringen. Auf bestimmte Kaliber kann man nicht hinter der Doppeldeckung auf Lücken warten, in die seine gefürchteten KO-Fäuste passen. Der Punkt war im vergangenen Jahr erreicht, gegen Andre Dirrell, spätestens aber gegen Carl Froch. „Ich darf […] nicht mehr so passiv in den Kämpfen sein. Ich muss aggressiver agieren“, erklärt Abraham. Bozic ist ein handverlesener Gegner, doch auch die muss man erst einmal schlagen. Der Kroate schlägt gefährliche Haken, egal ob zum Kopf oder zum Körper. Abraham und Bozic kennen sich aus über 100 Sparringsrunden – für beide kann das Segen und Fluch zugleich sein. Abraham weiß das: „Ich bin zu 100 Prozent mit meinen Gedanken beim Kampf gegen Stjepan Bozic.“

„Ich denke nicht mehr daran, was im letzten Jahr geschehen ist", so Abraham. "Niederlagen gibt es nicht mehr - fertig! Im neuen Jahr muss alles besser werden.“ Es klingt wie eine Kampfansage an sich selbst.

Zwei WM-Kämpfe im Cruisergewicht - Das Vorprogramm

Zusätzlich stehen am Samstag in Mühlheim gleich zwei WM-Fights auf dem Programm. Der kubanische Cruisergewichtler Yoan Pablo Hernandez bestreitet den wichtigsten Kampf seiner Karriere, denn gegen WBA Interims-Weltmeister Steve Herelius wird er um das große Gold boxen.

Herelius (21-1-0, 12 KO) gewann den Titel im vergangenen Jahr kurios von Firat Arslan, der während des Kampfes aufgrund der großen Hitze in der Halle kollabierte und vollkommen dehydriert ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Herelius ist ein ehemaliges Schwergewicht und weiß seine Kräftevorteile zu nutzen. Der Wechsel ins Cruisergewicht tat dem Franzose außerdem gut, er schlägt viel und ist sehr aktiv – doch hat auch einige Lücken in der Deckung.

Herelius wartet seit seinem Titelgewinn im letzten Jahr auf einen Kampf gegen den tatsächlichen Champion Guillermo Jones, doch der lässt bislang auf sich warten. Bis dahin hat er andere Ziele: „Ich hoffe auch, einen Vereinigungskampf zu bestreiten. Es gibt eine Menge richtig guter Leute in diesem Limit, in Deutschland beispielsweise Marco Huck.“ Vor einem potentiellen Vereinigungskampf muss er aber zunächst an Yoan Pablo Hernandez vorbei.

Hernandez (23-1-0, 12 KO) ist derzeit Weltranglistenerster der WBA. Seine Titelchance verdiente er sich im vergangenen Dezember, in einem Kampf gegen Ali Ismailov, den er in der ersten Runde wortwörtlich aus dem Ring geprügelt hatte. Der 26-Jährige glaubt für Samstag fest an seinen Sieg: „Es ist ein großartiges Gefühl um die WM zu boxen. Doch man muss auch bereit sein dafür. Das bin ich.“

Dieser Abend ist alles, wofür Hernandez in den vergangenen Jahren gearbeitet hat. 2005 flüchtete er bei einem internationalen Turnier von seiner kubanischen Staffel und setzte sich in Halle an der Saale ab. Kurze Zeit später war er in Berlin – und unter Vertrag bei Sauerland Event. Wie die meisten kubanischen Boxer hat Hernandez eine dekorierte Amateurkarriere hinter sich und ist ein begnadeter Techniker.

Von seiner WM-Chance erfuhr er via SMS: „Wir treffen uns am 3. Januar pünktlich um 10.30 Uhr im Gym zum Training. Du bekommst einen WM-Kampf.“ Trainer Ulli Wegner ist kein Mann vieler Worte.

Der zweite Titelkampf des Abends wird ebenfalls im Cruisergewicht stattfinden. IBF Weltmeister Steve Cunningham verteidigt sein Gold gegen Herausforderer Enad Licina. Die Pflichtverteidigung der beiden sollte Ursprünglich im Rahmen des Sebastian Sylvester-Kampfes am 22. Januar in Neubrandenburg stattfinden. Aufgrund einer Erkrankung Sylvesters fiel der Kampf jedoch aus. Nun wird er nachgeholt.

Cunningham (23-2-0, 12 KO) hielt den Cruisergewichtstitel von 2006 bis 2008, wo er ihn schließlich gegen Tomasz Adamek verlor. Im vergangenen Jahr konnte er ihn gegen den Kanadier Troy Ross zurückerobern. Cunningham ist deutschen Fans sicher am besten von seinem Sieg über Marco Huck in Erinnerung, den er im Dezember 2007 durch TKO in der 12. Runde besiegen konnte. Der Amerikaner ist recht groß und schlagstark und geht als klarer Favorit in diesen Kampf.

Licina (19-2-0, 10 KO) besiegte im November vergangenen Jahres den Amerikaner Felix Cora Jr. in Manchester nach Punkten und sicherte sich so das Recht des Pflichtherausforderers. Licina ist bekannt dafür, viel Druck zu machen und Kämpfe in eine Schlacht zu verwandeln. Er hat sich fest vorgenommen, aus diesem Kampf eine Rocky-Story zu machen und als Außenseiter den Titel zu holen.

Ursprünglich war für den Abend auch ein EM-Kampf zwischen Alexander Frenkel und dem Franzosen Zakaria Azzouzi geplant. Da Frenkels Schlaghand nach einer Verletzung jedoch noch nicht 100-prozentig verheilt ist, wird dieser Kampf nicht stattfinden. Dafür wird Sauerland-Neuzugang Eduard Gutknecht in den Ring steigen. Das frühere Supermittelgewicht wird fortan im Halbschwergewicht antreten. Er trifft auf den Ukrainer Oleksandr Cherviak. Auch Karo Murat wird nach seiner Niederlage im vergangenen September wieder im Ring stehen. Er trifft auf den Amerikaner Christian Cruz.

Abraham vs. Bozic
12. Februar 2011
RWE Rhein-Ruhr Sporthalle in Muelheim, Nordrhein-Westfalen


Arthur Abraham vs. Stjepan Bozic

IBF Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Steve Cunningham vs. Enad Licina

WBA Interims-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht

Yoan Pablo Hernandez vs. Steve Herelius

Vorkämpfe
Karo Murat vs. Christian Cruz
Dominik Britsch vs. Joe Rea
Francesco Pianeta vs. Samir Kurtagic
Eduard Gutknecht vs. Oleksandr Cherviak
Erik Skoglund vs. Valerijs Rogozins