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UFC 236: Zwei neue Interim-Champions gesucht

Holt sich Max Holloway bei UFC 236 seinen nächsten Titel? (Quelle: Zuffa LLC)

Am 13. April wird in vielerlei Hinsicht Geschichte geschrieben. Erstmals in der 26-jährigen Geschichte der Organisation stehen bei UFC 236 zwei Interim-Titelkämpfe auf dem Programm. So erhalten Israel Adesanya und Kelvin Gastelum trotz verletzungsbedingter Abwesenheit von Weltmeister Robert Whittaker die Chance, sich einen Mittelgewichtsgürtel zu erkämpfen. Gleiches gilt für die Anwärter auf das Gold im Leichtgewicht, Dustin Poirier und Max Holloway. Während Champion Khabib Nurmagomedov derzeit noch eine Sperre absitzt, strebt der amtierende Federgewichtschampion Holloway nach dem Status eines sogenannten „Champ-Champs“: Eine Leistung, die vor ihm nur drei Athleten gelungen ist. Das Scheinwerferlicht dieser Titelkämpfe wollen die anderen Sportler auf der Fightcard nutzen, um sich vor großem Publikum zu profilieren. Zu ihnen zählt Khalid Taha, dessen Aufeinandertreffen mit Boston Salmon in den USA auf ESPN übertragen wird.

Das Vorprogramm von UFC 236 wird auf dem UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist. Das Hauptprogramm wird vom UFC Fight Pass als PPV und außerdem von DAZN übertragen. Ein Abo kostet dort monatlich 9,99 Euro, der erste Monat ist gratis. Für UFC-Events fallen keine weiteren Kosten an.

Anbei die Startzeiten: 
Vorprogramm Teil 1 (ufc.tv): Sonntag, 03. März, 00:15 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (ufc.tv): Sonntag, 03. März, 02:00 Uhr
Hauptprogramm (ufc.tv/DAZN): Sonntag, 03. März, 4:00 Uhr

Der Main-Event: Max Holloway vs. Dustin Poirier

Was bis ins Jahr 2016 als schier unmöglich galt, ist inzwischen fast zur Normalität geworden. Seit dem Sieg von Conor McGregor über Eddie Alvarez, mit dem sich der Ire zum ersten amtierenden Weltmeister in zwei Gewichtsklassen krönte, konnten sowohl Daniel Cormier, als auch Amanda Nunes diese Leistung wiederholen. Am 13. April könnte dieser illustre Klub ein viertes Mitglied bekommen. Federgewichtschampion Max Holloway (20-3) steigt bei UFC 236 ins Leichtgewicht auf und tritt gegen Dustin Poirier (24-5-0(1)) um den vakanten Interimstitel an.

Es wird nicht das erste Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten sein. Bereits bei UFC 143 standen sie sich im Käfig gegenüber. Damals musste sich ein 20-jähriger Holloway, der zuvor lediglich vier Profikämpfe bestritten hatte, erstmals in seiner Karriere geschlagen geben. Nach einem starken Beginn wurden ihm seine Defizite auf der Matte aufgezeigt und er musste noch in der ersten Runde in einer Triangle-Armbar abklopfen.

Seitdem sind sieben Jahre ins Land gezogen. In dieser Zeit entwickelte sich der „Blessed“ von einem vielversprechenden Talent, zu einem der besten Federgewichte aller Zeiten. Nach seinem UFC-Debüt musste er sich nur noch Dennis Bermudez und Conor McGregor nach Punkten geschlagen geben, bevor er eine selten gesehene Siegesserie startete. Zehn Erfolge und ein Interimstitel waren nötig, bevor Holloway bei UFC 212 endlich um den unangefochtenen Titel kämpfen durfte. Auch diesen Test bestand er mit Bestnote, als er Jose Aldo über drei Runden derart zermürbte, dass der Ringrichter den langjährigen Weltmeister retten musste. Eine genauso beeindruckende Leistung zeigte der Weltmeister im Rückkampf, wieder endete das Duell durch T.K.o. im dritten Durchgang.

Es schien, als kehre wieder Ruhe in eine Gewichtsklasse ein, die zuvor von der Inaktivität des Champions Conor McGregor geplagt war. Dies war jedoch nicht der Fall: Zweimal wurde ein Kampf zwischen Holloway und Frankie Edgar angesetzt, zweimal kamen Verletzungen in die Quere. Ein geplanter Superkampf zwischen dem 27-Jährigen und Khabib Nurmagomedov um dessen Titel scheiterte an dem Weight Cut von Holloway, der von der zuständigen Kommission als unsicher eingestuft wurde. Auch ein Duell mit Brian Ortega musste abgesagt werden, da Holloway Symptome zeigte, die auf Gehirnschädigungen hindeuteten.

Seine Leidenszeit hatte erst bei UFC 231 ein Ende. 20 Minuten lang bearbeitete er einen unmenschlich zähen Brian Ortega, bevor dessen Ecke das Handtuch warf. Da es nun im Federgewicht kaum noch echte Aufgaben für Holloway gibt, wechselt er ins Leichtgewicht.

Dort trifft er auf ein bekanntes Gesicht. Dustin Poirier arbeitete sich nach seinem Sieg über Holloway im Jahr 2012 in die Nähe eines Titelkampfes im Federgewicht, wurde jedoch durch eine schnelle Niederlage gegen Conor McGregor weit zurückgeworfen. Der logische nächste Schritt: Ein Wechsel ins Leichtgewicht. Dort zeigte er sich stark wie nie und verlor nur einen seiner nächsten zehn Duelle. Siege über die ehemaligen Weltmeister Anthony Pettis, Justin Gaethje und Eddie Alvarez bringen dem „Diamond“ nach 21 Kämpfen in der Organisation nun seine erste Chance auf einen UFC-Titel ein.

Der Co-Main Event: Kelvin Gastelum vs. Israel Adesanya

Im Co-Hauptkampf von UFC 236 könnte das nächste Kapitel einer echten Underdog Story geschrieben werden. Kelvin Gastelum (15-3-0(1)) schaffte es 2013 als komplett unbeschriebenes Blatt mit niedrigen Erwartungen in die 17. Staffel der UFC-Reality-Show „The Ultimate Fighter“. Dort wurde er als letzter Kämpfer von Chael Sonnen ausgewählt. Es folgte ein unerwarteter Durchmarsch ins Finale, der dort mit einem Punktsieg über den haushohen Favoriten Uriah Hall endete.

Nach dem Sieg dieses Mittelgewichtsturniers wechselte Gastelum ins Weltergewicht, wo er sechs seiner nächsten acht Kämpfe für sich entschied. Immer wieder hatte der 27-Jährige jedoch mit Gewichtsproblemen zu kämpfen und wurde deshalb von der UFC angehalten, doch bitte ins Mittelgewicht zu wechseln. Trotz klar erkennbarer körperlicher Defizite sammelte Gastelum in der neuen Gewichtsklasse Triumphe über große Namen wie Tim Kennedy, Vitor Belfort, Michael Bisping und „Jacare“ Souza ein. Seine Chance auf UFC-Gold sollte er bei UFC 234 in Melbourne bekommen, Champion Robert Whittaker musste seine Teilnahme am Titelkampf jedoch wenige Stunden vor dem Event verletzungsbedingt absagen.

Stattdessen geht es für Gastelum nun gegen den ungeschlagenen Israel Adesanya (16-0). Der Neuseeländer startete als ehemaliger Glory-Kickboxer bereits mit großen Erwartungen in seine MMA-Karriere. Diesem Druck hielt er stand und gewann jeden seiner elf Kämpfe, bevor er den Anruf von der UFC erhielt. Auch beim Weltmarktführer hielt er sich mit fünf Siegen in fünf Auftritten schadlos. Zuletzt punktete er im neuen Hauptkampf von UFC 236 Anderson Silva aus und verdiente sich mit dieser Leitung seine Chance auf den Interimstitel. Vier Performance-Boni in fünf UFC-Kämpfen sprechen darüber hinaus eine eindeutige Sprache und schüren die Erwartungen der Fans auf den Co-Hauptkampf von UFC 236.

Das weitere Programm

Die hohe Qualität der Hauptkämpfe spiegelt sich im restlichen Programm nur bedingt wieder. Für die deutschen Fans dürfte die Vorfreude dennoch groß sein: Khalid Taha (12-2) wird in Atlanta seinen zweiten UFC-Kampf bestreiten. Nach der Punktniederlage gegen Nad Narimani bei seinem Debüt in Hamburg wird der Dortmunder erstmals in seiner angestammten Gewichtsklasse, dem Bantamgewicht, an den Start gehen.

Sein Kontrahent Boston Salmon (6-1) kam über „Dana White’s Tuesday Night Contender Series“ in die UFC und wird gegen Taha sein Debüt für die Organisation bestreiten. Der 28-Jährige agiert wie der Deutsche gerne im Stand, die Zuschauer dürfen sich also auf ein interessantes Gefecht freuen. Bereits im vergangenen Jahr sollten die beiden Athleten aufeinandertreffen, eine Knieverletzung Tahas verhinderte diesen Plan jedoch. Auskuriert und in Topform will sich der „Warrior“, so Tahas Spitzname, am kommenden Wochenende nun seinen ersten UFC-Sieg holen.

Im Hauptprogramm wollen die Halbschwergewichte Eryk „Ya Boi“ Anders (11-3) und Khalil Rountree (7-3-0(1)) auf die Siegerstraße zurück. Anders musste sich zuletzt Thiago Santos und Elias Theodorou geschlagen und kämpft möglicherweise um den Verbleib in der UFC. Für Rountree war nach seinem Überraschungs-Knockout über Gökhan Saki zuletzt gegen das Top-Talent Johnny Walker schon nach zwei Minuten Schluss.

Ähnliches gilt für Nikita Krylov (24-6) und Ovince St. Preux (23-12), die nach Niederlagen nicht im Niemandsland des Halbschwergewichts verschwinden wollen. Bereits 2014 standen sie sich im Octagon gegenüber. Bei UFC 171 sicherte sich St. Preux einen schnellen Triumph via Von Flue Choke.

Zuvor stehen sich zwei der besten Fliegengewichte der Welt gegenüber. Mit Wilson Reis (23-9) und Alexandre Pantoja (20-3) messen sich nicht nur die Nummer 4 und 5 der UFC-Rangliste, sondern auch potenzielle Herausforderer auf den Gürtel von Henry Cejudo, sollte die Gewichtsklasse auch in Zukunft noch bestehen.

Für den Kampf des Abends könnten Belal Muhammad (14-3) und Curtis Millender (17-4) sorgen. Beide sind schlagstarke Weltergewichte, die den Fans gerne ein Spektakel bieten.

Anbei findet ihr das komplette Programm in der Übersicht:

UFC 236
13. April 2019
State Farm Arena, Atlanta, Georgia, USA

Interim-Titelkampf im Leichtgewicht
Max Holloway vs. Dustin Poirier

Interim-Titelkampf im Mittelgewicht
Kelvin Gastelum vs. Israel Adesanya

Hauptprogramm
Eryk Anders vs. Khalil Rountree
Alan Jouban vs. Dwight Grant
Ovince St. Preux vs. Nikita Krylov

Vorprogramm Teil 2 (ufc.tv)
Jalin Turner vs. Matt Frevola
Wilson Reis vs. Alexandre Pantoja
Max Griffin vs. Zelim Imadaev
Khalid Taha vs. Boston Salmon

Vorprogramm Teil 1 (ufc.tv)
Curtis Millender vs. Belal Muhammad
Montel Jackson vs. Andre Soukhamthath
Lauren Mueller vs. Poliana Botelho
Brandon Davis vs. Randy Costa