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Nach K.o.-Sieg über Ben Saunders: Peter Sobotta will Demian Maia

Peter Sobotta feiert seinen Sieg über Ben Saunders (Foto: WME-IMG)

Es hätte kaum einen besseren Zeitpunkt für diese Premiere geben können: Im größten Kampf seiner bisherigen Laufbahn feierte Peter Sobotta bei UFC Stockholm den ersten vorzeitigen Sieg seiner UFC-Karriere. Gegen Ben Saunders zeigte der BJJ-Spezialist mit einem T.K.o.-Erfolg, dass auch im Stand mit ihm zu rechnen ist. Mitverantwortlich für diese Entwicklung ist sein Striking-Coach Yasin Mengüllüoglu. Mit uns sprachen die beiden über die Vorbereitung, den Kampfverlauf sowie Peters Forderungen nach einem Kontrahenten aus der Top 10 der UFC.

GNP1.de: Wie zufrieden seid ihr mit dem Kampfverlauf gegen Ben Saunders?
Peter Sobotta & Yasin Mengüllüoglu
: Wir sind sehr zufrieden! Es war im Vorfeld besprochen, dass Peter, sobald der Gegner im Stand Druck macht, ebenfalls Druck macht und hart schlägt. Deswegen haben wir einen K.o. angepeilt und dieser hat auch geklappt, weil wir gezielt darauf trainiert haben.

Welche Strategie habt ihr für diesen Gegner eingeübt? Ging sie auf?
Mengüllüoglu: Die erste Strategie war, dass wir alle Aspekte trainieren, sodass er dem Gegner in jeder Distanz überlegen sein wird, sei es am Boden oder im Stand. Dadurch, dass Peter im Stand noch unterschätzt wird, haben wir den Kampf nochmal verstärkt auf seine Fäuste verlagert. Harte Kicks und sehr harte Fäuste, dafür haben wir sehr viel trainiert. Im Endeffekt war genau das die Strategie. Wir haben die einzelnen Bewegungen, die man im Kampf sieht, sehr oft an der Pratze wiederholt.

Peter, als du Saunders das erste Mal zu Boden geschickt hast: Was ging dir durch den Kopf?
Sobotta
: Nicht viel (lacht). Im Kampf geht einem so gut wie nichts durch den Kopf, sondern man setzt die Sachen um, die man im Training gelernt hat. Ich habe gesehen, dass er fällt - und natürlich bin ich hinterher gegangen, um ihn zu finishen. Das war der Plan.

Du bist ihm auf den Boden gefolgt – wurdest dort zum Großteil von seiner Rubberguard neutralisiert. Hast du gedacht: Wäre ich lieber stehen geblieben? – bzw. hätte ich ihn aufstehen lassen?
Sobotta: Wie gesagt, der Gegner war angeschlagen und ich bin hinterher gegangen, um ihn ganz zu finishen. Er hat sich aber gut gefangen, indem er einen geschickten Move gemacht hat, der mich kurz aus der Balance gebracht hat. So hat er es geschafft, mich in seine Guard zu ziehen. Guard heißt ja auf Englisch "Schutz", und es ist eine Schutzposition, vor allem, wenn man sie so gut beherrscht wie Saunders. Also Respekt an ihn, er hat es geschafft, sich zu fangen und zu retten. Ein Fehler war es aber mit Sicherheit nicht nachzugehen, weil man das so macht, wenn man jemanden finishen will: Man geht hinterher und versucht es mit Schlägen zu beenden.

Wann hast du gemerkt, dass du ihm im Stand überlegen bist?
Sobotta: Das habe ich relativ schnell gemerkt. Ich denke, so nach zwei Minuten war ich zu 100 Prozent komfortabel, habe die Distanz gefunden, sodass er zu keiner Zeit gefährlich werden konnte. Ich habe relativ früh gespürt, dass ich besser bin als er. In den Clinch-Situationen war ich kräftiger, im Stand schneller und präziser als er. Seine Schläge habe ich kommen sehen und gut getroffen. Am Boden konnten wir uns leider nicht viel messen, aber ich habe relativ früh gemerkt, dass ich besser bin als er. Das war wichtig.

Wolltest du dann den vorzeitigen Sieg – oder kam es einfach dazu, weil du nichts überhastet hast?
Sobotta: Natürlich wollte ich den vorzeitigen Sieg, ich will immer den vorzeitigen Sieg. Nur manchmal ist es nicht ganz so leicht, den zu holen. Es ist mir aber bei meinen 17 Siegen in 15 Fällen gelungen, den Gegner vorzeitig zu schlagen. Natürlich freue ich mich jedes Mal, wenn es klappt. Ich gehe jedes Mal mit dem Gedanken in den Kampf, den Gegner zu finalisieren. Es funktioniert leider nicht immer, aber der Gedanke ist immer da.

Du hast dir während des Kampfes die Hand gebrochen. Wann hast du bemerkt, dass du dich an der Hand verletzt hast und was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Sobotta: Ich glaube Anfang der zweiten Runde habe ich gemerkt, dass sie mir weh tut. Die Coaches konnten gar nicht darauf reagieren, weil sie es nicht wussten. Ich habe es auch niemandem gesagt. Mir ging auch nicht viel durch den Kopf. Man hat es halt gemerkt und trotzdem weiter geschlagen. Im Adrenalin-Rausch spürt man die Schmerzen nicht so stark. Es war mir in dem Moment auch egal. Der richtige Schmerz kam erst ein paar Sekunden nach dem Jubelschrei. Da kam es richtig hoch, davor war es nicht so präsent.

Nach dem Kampf, als du auf dem Hocker Platz genommen hast, hast du Yasin eng an dich gezogen und hast ihm etwas ins Ohr geflüstert. Verrätst du uns, was du ihm in diesen Moment gesagt hast?
Sobotta: Ich weiß nicht mehr genau, was ich Yasin ins Ohr geflüstert habe, aber es muss etwas in der Art gewesen sein, dass ich froh bin, dass ich das umsetzen konnte, was wir schon längere Zeit trainiert haben. Ich wusste schon, dass ich mich im Stand sehr viel verbessert habe, hatte aber in meinen Kämpfen noch nicht so viele Möglichkeiten, das zu zeigen, weil ich den Bodenkampf vorgezogen habe und auch weiterhin vorziehe. Ich bin am Boden weiterhin viel besser als im Stand, aber es ist cool, dass ich zeigen konnte, dass unsere gemeinsame Arbeit Früchte trägt. Auch die Arbeit mit meinen anderen Striking-Trainern: Simon, Coach (Zbigniew) Raubo und mit allen meinen Sparrings-Partnern. Yasin ist mit Sicherheit ein sehr sehr  großer Teil des Erfolgs, aber es gibt auch noch andere, die mich im Stand unterstützen. Die will ich auch erwähnen, weil das der Sieg von uns allen ist.

Yasin, Peter wurde in der Vergangenheit vorgeworfen (im Stand) kein Finisher zu sein. Hast du das bewusst ändern wollen?
Mengüllüoglu: Ich weiß, dass Peter sehr gut am Boden ist und früher dem Standkampf bewusst ausgewichen ist. Er hat sich im Stand nicht vertraut. Das ist normal, er war jung und hatte nicht die richtigen Lehrer. Ich habe das gewusst und wollte ihn zu einem sehr guten Allrounder machen. Da ich selbst ein Striker bin, der die meisten Kämpfe vorzeitig gewonnen hat, wollte ich ihm diese Art des Finishens auch beibringen. Das haben wir trainiert und ihn jetzt von einem guten Grappler zu einem sehr guten Striker herantrainiert.

Im Stand habt ihr ihn auf das nächste Level gebracht. Was ist das nächste Ziel?
Mengüllüoglu: Das nächste Ziel ist einfach, geduldig sein und weiter hart trainieren. Das Ziel ist immer der Weg. Wir bleiben Schritt für Schritt auf dem Weg, diszipliniert und fokussiert. Wir machen ihn in allen Distanzen immer noch weiter besser, da es noch viel Kapazität gibt. Erst einmal muss er seine Verletzung auskurieren, danach konzentrieren wir uns auf den nächsten Gegner.

Wie wichtig war die Psyche vor diesem Duell und woran habt ihr nach der Niederlage gegen Kyle Noke gearbeitet?
Mengüllüoglu: Die Psyche ist bei einem Menschen der größte Muskel, der nicht sichtbar ist. Man kann an bestimmten Geräten die Kraft messen, die Psyche kann man jedoch nicht messen. Deswegen trainieren viele Menschen die Psyche nicht bewusst und nicht lange. Das ist ein unsichtbares, spirituelles Gewichtheben, das ich selbst schon lange mache und meinen Kämpfern, Anatolij Baal und Peter Sobotta, weitergebe. Wir arbeiten sehr stark an dem mentalen Aspekt und haben einige Dinge aus dem Kampf gegen Kyle Noke mitgenommen. Das hat uns Lücken aufgezeigt, die wir gefüllt haben.

Glaubst du, dass Kämpfer dem mentalen Aspekt oftmals zu wenig Beachtung schenken?
Mengüllüoglu: Ich denke, dass die meisten Menschen nicht wissen, wie sie mental trainieren sollen, obwohl sie wissen, dass es irgendwo wichtig ist. Sie wissen, wie man Kraft trainiert, wie man Ausdauer trainiert, wie man sich ernährt, aber nicht, wie man die spirituelle geistige Kraft entwickelt.

Wie habt ihr im Vorfeld die Tage vor dem Event und vor/nach der Waage erlebt? Wie wichtig war der Fokus auf den Gameplan und das eigene Selbstbewusstein?
Mengüllüoglu: Wir sind immer zusammen in einem Zimmer im Hotel. Wir gehen Schritt für Schritt vor: Zuerst die Diät, für die Peter selbst einiges besorgt. Er weiß ganz genau, was er essen wird und kann. Wir haben natürlich viel Gewicht zu machen. Das ist ein Ablauf, den wir die letzten Male auch gemacht haben. Kurz vor dem offiziellen Wiegen werden wir ein- oder zweimal im Schwitzanzug trainieren. 24 Stunden vor der Waage wird gar nichts mehr getrunken oder gegessen, nur noch einmal kurz trainiert, damit der Körper angeregt wird. Nach der Waage wird darauf geachtet, dass er gut isst und trinkt.

Der Fokus auf den Gameplan und das eigene Selbstbewusstsein ist natürlich eines der wichtigsten Dinge im Kampf. Wir trainieren darauf hin, dass sich der Kämpfer wie Wasser anpasst, also keiner vorgeführten Strategie folgt. Ich schaue mir den Gegner vor dem Kampf immer an, um zu sehen, wie er zuletzt und früher gekämpft hat. Daraufhin erstellen wir eine Basis-Strategie, aber keine festgelegte Strategie, denn das kann nach hinten losgehen. Deshalb haben wir die Strategie: Sei (wie) Wasser!

Nach dem Kampf forderte Peter einen Top-10-Gegner. Habt ihr einen bestimmten Namen im Kopf?
Mengüllüoglu: Peters Wunsch ist es, gegen Demian Maia zu kämpfen, da Maia für ihn ein großes Vorbild im Jiu-Jitsu ist. Das ist eine Herausforderung, die ihn reizt. Ansonsten gibt es keinen bestimmten Gegner. Wir nehmen jeden Gegner an, den uns die UFC gibt. Peter wird bereit sein. Wir nehmen die Leiter des Erfolgs Schritt für Schritt, denn wenn man versucht, Sprossen der Leiter zu überspringen, dann kann man böse auf die Schnauze fallen.

Welche Chancen gibst du Peter in der Top 10 seiner Gewichtsklasse? Wie schätzt du seine Fähigkeiten ein. Was muss getan werden, damit er es nach ganz oben schafft?
Mengüllüoglu: Um es ganz nach oben zu schaffen, braucht man alle Faktoren, die im Kampf wichtig sind, von A bis Z. Das heißt, wir müssen an allem arbeiten, er muss in jeder Distanz des Kampfes mit jedem Gegner mithalten können. Er hat jetzt einen hocheingeschätzten Gegner chancenlos besiegt. Ich weiß nicht, wie viele Kämpfer Ben Saunders so besiegt hätten. Wir haben das mit einer absoluten Top-Leistung hingekriegt. Ich denke, er hat sehr große Chancen, wenn wir genauso weiterarbeiten wie bisher. Man hat die Verbesserung von Kampf zu Kampf gesehen. Er ist mental stärker geworden, allgemein besser, fließender, schneller und präziser. Seine Kapazitäten sind aber noch nicht ausgeschöpft. Ich glaube an unser Training, an unsere Sache. Wenn wir so weitermachen, kommen wir auch irgendwann zum Titelkampf.