Sportlernahrung

Der Weight-Cut: Teil 2

Ruben Crawford beim Wiegen. (Foto: Valentino Kerkhof/Groundandpound.de)

Wenn es um “Gewicht machen“ geht, ist es unabdingbar, zu verstehen auf welche Weise überschüssiges Wasser verloren werden kann, ohne dass lebenswichtige Organfunktionen negativ beeinflusst werden.

Es gibt zwei verschiedene Wege, die den Gewichtsverlust durch Wasser bedingen: Erstens, das Ausschwitzen von Flüssigkeit durch eine Erhöhung der Körpertemperatur. Zweitens, die Beeinflussung des körpereigenen Elektrolythaushalts, zugunsten einer erhöhten Nierentätigkeit, die wiederum für mehr Toilettengänge sorgt.

In unserem hypothetischen Weight-Cut befinden wir uns gerade am Donnerstag Abend, einen Tag vor der offiziellen Waage.

Die einzige Nahrung, die ich jetzt noch zu mir nehme ist Mandelmus. Es ist arm an Kohlenhydraten, leicht verdaulich und wenige Gramm reichen aus, um mich mit etwas Energie zu versorgen. Das letzte Getränk am Donnerstag Abend ist ein sehr starker Löwenzahntee mit 100 ml destilliertem Wasser. Löwenzahn hat den Vorteil, Wasser auszuspülen, ohne den Kaliumgehalt des Körpers negativ zu beeinflussen. Ein weiterer Tipp ist simples Koffein. Es wirkt sowohl dehydrierend, als auch abführend. Ein weiterer großer Vorteil ist die Anregung des Kreislaufs, was das Schwitzen unterstützt. Als ein weiteres natürliches Abführmittel kann Pflaumensaft genutzt werden. Die Kombination dieser Mittel führt zu einem Wasserverlust, der zwar keine Wunder bewirkt, aber auch keine erhöhte Gefahr bedeutet, wie es z.B. bei chemischen Diuretika der Fall ist.

Die Erhöhung der Körpertemperatur sollte keinesfalls durch sportliche Aktivität erreicht werden, wie es leider schon oft vorgemacht wurde. Wenn bei “The Ultimate Fighter“ jemand auf dem Fahrradergometer, bei voll aufgedrehter Sauna an seine konditionelle Belastungsgrenze geht, muss irgend etwas falsch gelaufen sein. Im dehydrierten Zustand werden Muskeln stark belastet und eine Regeneration, die zu diesem Zeitpunkt, angesichts des anstehenden Kampfs benötigt wird, kann nicht gewährleistet werden.

Das gesamte Fitness Training eines Kämpfers kann durch einen extremen Weight-Cut kaputt gemacht werden, sodass er im Ring schwach auftritt. Der Weight-Cut sollte sich, abgesehen vom Durst und Hunger, immer in gewisser Weise einfach anfühlen. Es sollte nie das Gefühl von einer beklemmenden Hitze oder einer extremen körperlichen Erschöpfung eintreten. Die uneingeschränkte Performance am nächsten Tag muss immer im Mittelpunkt stehen!

Statt der allseits bekannten Saunagänge nutze ich eine heiße Badewanne, gefüllt mit 4 Kilogramm Salz, für die weitere Gewichtsabnahme. Das Salz zieht das Wasser größtenteils aus den äußeren Hautschichten, Bereiche die für Organfunktionen größtenteils irrelevant sind.

Das Wasser sollte so heiß sein, dass es am Anfang zwar unangenehm wirkt, aber natürlich nicht die Haut verbrennt. Du merkst, dass du die richtige Temperatur gefunden hast, wenn sich dein Puls leicht erhöht und sich die ersten Schweißperlen auf der Stirn bilden. Ich bleibe etwa 15 Minuten in der Wanne, dann steige ich vorsichtig aus, schmiere mich mit Albolene ein (ein Makeup-Entferner, der die Hautporen öffnet) und steige in einen Schwitzanzug. Anschließend lege ich mich mit einigen Lagen Kleidung ins Bett und schwitze 15 Minuten nach.

Diesen Prozess Beginne ich bereits am Donnerstag Abend, in einer etwas milderen Weise, sodass ich nicht zu durstig werde um noch gut schlafen zu können. Dabei sollte höchstens ein Kg ausgeschwitzt werden, was auf diese Weise wirklich schnell funktioniert. Über Nacht sollte ein weiteres Pfund verloren gehen, sodass am Freitag morgen vielleicht noch 2,5 Kg übrig sind. Dann beginnt das Spiel von neuem, das Badewasser wird eingelassen, ein Löffel Mandelmus und etwas Koffein zu sich genommen. So ist das Weigh-In bald geschafft. Direkt im Anschluss folgt dann der Prozess der Rehydrierung, welcher mindestens genauso wichtig ist, wie der Gewichtsverlust.

Fortsetzung folgt...

Teil 1 findet ihr hier.

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Ruben Crawford ist professioneller MMA-Kämpfer und Personal Trainer. Er ist Europameister im Leichtgewicht (GMC) und ehemalige Nummer eins Deutschlands in seiner alten Gewichtsklasse, dem Weltergewicht. 

Im Combat Club Cologne ist er seit 2008 als Trainer tätig und betreut sowohl Breiten- als auch Profisportler während ihrer Wettkämpfe in großen Ligen in den USA. Mit dem Combat Conditioning hat er sich zusammen mit seinem Trainer Mike Cüppers als Personal Trainer in Köln selbstständig gemacht, um seine Erfahrungen unmittelbar weiterzugeben. 

Er ist unter seinen Kunden und in seinem Team als motivierender und begeisterungsfähiger Coach bekannt und wird in Deutschland als eins der derzeit größten MMA-Talente gehandelt. 2012 erarbeitete er sich die Nummer eins der deutschen Ranglisten. Derzeit ist er auch im Leichtgewicht an erster Stelle gelistet. Bei Interesse an seinem Personal Training besucht ihn unter www.combat-conditioning.de oder auf seiner Facebook-Präsenz.