Sportlernahrung

Clean Eating - What the fuck?!

Foto: Arya Ziai/Flickr.com

Es scheint DAS Modewort für alle Lebensbereiche zu sein. Es scheint alles zu verbessern und dabei vollkommen simpel zu sein. Es scheint der einzig richtige Weg zu sein. So scheint es zumindest. Wo immer dieser Tage das Wort „clean“ vor steht, muss der Erfolg bereits mit eingebaut sein. Allen voran das „Clean Eating“.

Hat mit Sicherheit jeder schon mal gehört und vermutlich auch schnell verstanden. Einfach sauber essen. That´s the magic! Was allerdings nicht bedeutet, dass man seine Nahrungsmittel vor dem Verzehr bloß abwaschen sollte - das wäre dann doch etwas zu einfach. Es steckt offiziell eine Lebensphilosophie dahinter. Ein regelrechter Kult. Aber auch eine ganze Menge stiller Post. Hier einmal ein kritischer Blick auf das Allheilmittel der heutigen Ernährungsproblematik und wie gut es auf dem Prüfstand des Leistungssports noch scheint.

WHAT

Was ist schon clean? Englisch für „sauber“ - ja das wusste nun auch der Letzte. Im übertragenden Sinne ist damit jedoch die Einfachheit bzw. die Grundform der Nahrungsmittel gemeint. Sprich: unverarbeitete und weitestgehend vollwertige Kost. Das Ganze jedoch nicht in ein enges 4-Wochen-Programm gezwängt, sondern als Vollzeiternährung geltend. Ähnlich wie Paläo oder Vegetarismus. Überschneidungen gibt es viele und das Konzept ist auch nicht besonders neu, dafür aber aus Amerika also natürlich super fancy und awesome.

Ohne einige Regeln geht es aber dann doch nicht. Hier die Grundsäulen des Clean Eatings:

  • Unbedingt frühstücken! Denn um gut und wach in den Tag zu starten, braucht der Körper Energie.
  • kleine Mahlzeiten! Am besten drei vollwertige Mahlzeiten und zwei bis drei Snacks. Dabei stets Eiweiß und komplexe Kohlenhydrate kombinieren. Sorgfältig kauen nicht vergessen!
  • Viel trinken! Drei Liter sind Minimum - an heißen Tagen natürlich mehr. Der Körper soll optimal funktionieren. Aber bitte ohne Alkohol.
  • Ausgewogen essen! Proteine, Kohlenhydrate und Fette sind alle wichtig. Nur die Quellen müssen stimmen und sowohl hoch- als auch vollwertig sein.
  • Geschmacksverstärker, Farbstoffe, etc. meiden! Es sollen keinerlei negative Stoffe den Körper verschmutzen. Bedeutet: stets die Inhaltsstoffe checken!
  • Weißes Mehl, Zucker und ungesunde Fette sind ebenfalls tabu! Leere Kalorien und Insulin- sowie Heißhungertreiber müssen unbedingt gemieden werden.

THE

Im Grunde folgt das Clean Eating-Konzept dem alten Spruch: „die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“. Wie gesagt, nichts grundlegend Neues, aber zeitgemäß und nett verpackt. Schaut man einmal genauer hin ist das Clean Eating eine echt runde Sache. Man nutzt nur die guten Nahrungsmittel - soll dadurch gesünder und leistungsstärker werden. Aber da geht es nun schon los. Alles andere schließt diese Ernährungsweise grundlegend aus.

Sportler sind also nur bedingt die Zielgruppe dieses Konzeptes. Man denke an das Carb-Loading im Kraftsport, den guten alten Eiweißshake nach dem Training oder simple Cheatmeals. Alles Dinge, die bei vielen Athleten nicht mehr wegzudenken sind - mit der Philosophie des Clean Eatings aber nicht vereinbar scheinen. Nun kann man sich entscheiden: ist man lieber Sportler und jagt Erfolgen um jeden Preis hinterher oder schaltet man einen Gang runter und erfreut sich (vermeintlich) besserer Gesundheit?

Diese zwei Optionen bieten sich offensichtlich an. Wie gut aber, dass man selbst entscheiden kann und auch mindestens eine dritte Option hat. Das Stichwort lautet „Kombination“. Um als Sportler das Beste aus dem Clean Eating-Konzept zu nutzen ohne auf seine persönlichen Erfolgsrezepte verzichten zu müssen, adaptiert man einfach alles was möglich ist. Man ernährt sich zyklisch und braucht nur an Trainingstagen Kohlenhydrate? Kein Problem, anstatt eines Softdrinks vor dem Sport bedient man sich einfach eines kohlenhydrathaltigen Frühstücks aus Hafer und Vollkorn! Und wenn es partout nicht ohne einen Shake nach dem Workout geht, bitte gönnt ihn euch! Wenn ihr euch damit besser fühlt, ist es erlaubt. Denn jede Ernährungsform hat das Ziel euch leistungsstärker und gesünder zu machen. Und selbst wenn es nur mental ist, hat es sich bereits gelohnt.

FUCK?!

Tja, wie bewertet man nun also das groß getypte Clean Eating? Was ist von dem einstigen Schein noch übrig? Nun, besonders als Sportler sollte man sich nicht von dem ganzen Drumherum abschrecken lassen. Gut, selbsternannte Health-Gurus, die Verzicht und Körperkult anpreisen sind eine nervige Sache. Auch der Ruf, den man als Vertreter dieses puristischen Ernährungsstils bekommt, ist nicht immer angenehm. Was man aber dafür bekommt, ist umso wertvoller. Setzt man sich eine Weile mit dem eigenen Körper und dessen Verhalten auf natürliche Lebensmittel auseinander, merkt man doch einen großen Unterschied.

Vielleicht wird man von dem neu erlangten Grat an Wohlbefinden sogar so überzeugt, dass man auch weiterhin überwiegend clean essen möchte. Gar kein Problem! Wer sich allerdings weiterhin körperlich verausgabt, sollte auf jeden Fall mit Bedacht vorgehen. Es geht nicht immer ganz ohne kleine Schummeleien und das ist auch in Ordnung. Persönliche Erfolgsrezepte sollte man dann beibehalten, wenn man aus ihnen einen Nutzen ziehen kann und es nicht groß der Gesundheit schadet.

Wie immer gibt es dann doch nicht den einen Weg zum Glück, auch wenn es so scheint. Man muss probieren, lernen und auch Kompromisse eingehen. Was zählt, ist nur was unterm Strich steht. Und das sollte stets die eigene Gesundheit sein. Auch wenn man sich am Anfang denkt: What the fuck?!