Interviews

Yasin Seiwasser: Mission Kampfkunst und Leben

Meditiert: Yasin Mengüllüöglü

Yasin "Seiwasser" Mengüllüoglu ist als Trainer bekannt wie ein bunter Hund. Er ist kein gewöhnlicher Trainer, der sich in nur auf einen Aspekt des Trainings festgelegt hat. Seit nun mehr als 35 Jahren hat er Erfahrung und Praxis in Kampfsport, Kampfkunst, Selbstverteidigung und auch in den Bereichen als Mental- und Life-Coach. Nicht nur, dass er zahlreiche Top-Kämpfer aus Deutschland unterrichtet hat, er selbst ist unterwegs als Kampfsport-Referent und bereist so die Welt.

Im Kampfsport kann er selbst auf diese lange und intensive Trainingszeit in verschiedensten Stilen zurückblicken. Angefangen im Alter von 8 Jahren vom Karate über Judo, Jiu Jitsu, Muay Thai, Boxen, Ringen, Taekwondo, Wing Chun und Jeet Kune Do. Dazu begann er auch im Alter von 14 Jahren mit der Praxis der Meditation.

Als aktiver Kämpfer war er u.a. Deutscher Meister in einem frühen 8-Mann-Turnier und Europameister im MMA. Er hält dort den Weltrekord für den schnellsten Knockout in einem Titelkampf, mit 3 Sekunden. Er war im Team Nogueira in Rio und Miami, für Muay Thai in Thailand, für Boxen und Ringen in Kuba, in Las Vegas mit Wanderlei Silva, in Los Angeles im Kings MMA mit Rafeal Cordeiro, ebenso in Los Angeles Boxen mit Freddy Roach – die Liste ist lang. Auch war er als Bodyguard tätig, unter anderem für den König von Saudi-Arabien und zudem Nahkampf-Ausbilder für Spezialeinheiten mehreren Ländern

Stets unterwegs auf verschiedenen Kontinenten, gibt Mengüllüoglu jetzt dort Seminare und unterrichtet seine eigen kreierte Multivitaminkur für Geist und Körper in den besten MMA-Gyms der Welt. Die Kunst des Kämpfens und die Kunst des Lebens nennt er „Seiwasser“. Wir sprachen mit dem Weltenbummler, der uns über seine letzten Projekte und seine weiteren Ziele als Trainer aufklärte.

GNP1.de: Willkommen zurück nach Deutschland. Du sagtest uns im Vorfeld, dass „Kampfkunst und Leben“ deine Mission ist. Was meinst du damit?
Yasin Seiwasser: Ich habe mit einem offenen Geist alles ausprobiert was ich konnte und versucht es für mich zu perfektionieren. Die wichtige Frage war: Wie kann ich meine volle Kapazität ausschöpfen um allgemein erfolgreich zu sein, im Kampf, wie auch in meinem Leben. Da ich in meiner Zeit nie einen Trainer hatte, habe ich auch sehr sehr viel gelesen und ausprobiert. Aus über 1000 Büchern habe ich gelernt und selbst studiert, dann dazu noch die ganzen Reisen und extrem viel Training und Praxis. Was ich damit sagen will: Ich habe mich nicht nur auf eine einzige Sache konzentriert. Man braucht viele Jahre Geduld und Disziplin, um etwas zu meistern.

Im wahren und früheren Zen hat man nach 20 Jahren Praxis seine ersten Grad und Anerkennung bekommen. Heute sind die meisten wie bei McDrive. Schnell etwas machen und am besten auch noch viele Abkürzungen (lacht). Die gute Kampfkunst-Philosophie und mein Leben sind eins. Es hat mich entwickelt. Vom Prügelknaben zum Mister Miyagi (lacht). Ich habe gemerkt, wie man die Ruhe im Stress bewahrt, wie man unterschiedlichste Problemsituationen des Alltags meistert. Ich will mein Leben lang geistig und körperlich trainieren, da es mich zu einem besseren und freieren Menschen macht und gleichzeitig zu einem besseren Lehrer. Es räumt negative Blockaden zur Seite und mit richtiger Anleitung besiegst du auch dein Ego. Der bitterste Gegner aller Menschen, welches sie leicht übersehen. Wahre Kampfkunst, nicht der moderne Kampfsport, ist die Kunst des Lebens.

Warum ist es dir so wichtig deinen Schülern neben dem körperlichen Training auch meditative und philosophische Inhalte mitzugeben?
Meine Mission ist es, den inneren Kampf mit sich selbst in Einklang zu bringen. Man meistert den Kampf außen, wenn man ihn zuvor im Inneren meistern kann. Was ich damit meine ist, dass heutzutage im Kampfsport leider sehr viel von der wahren Kampfkunst verloren gegangen ist, aufgrund der Wettkämpfe. Wettkämpfe sind zum großen Teil Show. Events. Entertainment. Viele Leute geben alles für diesen einen Moment. Das geht bis hin zu Steroiden, um bei diesem einen Moment zu glänzen. Damit wird viel von der eigentlichen Kampfkunst vernachlässigt.

Der wahre Krieger ist in jedem Moment im Leben stabil in seiner Seele. Bei einem Sieg im Weetkampf rennst du durch den Käfig springst obendrauf und schreist „ich bin der beste“ und bei einer Niederlage gehst du in die Ecke und weinst. Das ist sicherlich nicht der Krieger, wie er sein sollte, sondern eher peinlich. In früheren Zeiten war diese Selbstkontrolle im Angesicht von Leben und Tod da, aber gleichzeitig auch ein sehr hoher Respekt und Hilfsbereitschaft, z.B. in Zeiten der Samurai. Woher auch die Verbindung von Zen (Geistiges Training) und Kampfkunst kommt.

Du willst also sagen, dass die Selbstkontrolle ein wichtiger Punkt ist, der heutzutage eher vernachlässigt wird?
Der wahre Kampf ist auch nie mit dem Gegner, sondern gegen einen selbst. Gegen die eigenen Emotionen und Gedanken. Der schwerste Kampf liegt in einem selbst. Heutzutage wird zu viel Wert aufs Außentraining gelegt. Viele Leute kümmern sich nur noch ums Körperliche, um körperliche äußere Kraft, wo man etwas sieht und vergleichen kann, sichtbare und messbare Ergebnisse. Das brauchen diese Menschen, da sie es sonst nicht glauben würden. Aber hier ein Beispiel einer sichtbaren und unsichtbaren Wichtigkeit.

Zum Beispiel das Essen. Es ist natürlich sehr wichtig.Aber man kann ohne Essen ca. zwei Monate auskommen, wenn man Wasser trinkt. Ohne Wasser 2-4 Tage und ohne Luft nicht einmal einige Minuten. Also, umso unsichtbarer die Energie, umso wichtiger ist sie.

Aber die Menschen legen viel zu viel Wert auf das, was sie sehen und das Unsichtbare wird gänzlich unterschätzt. Wie gesagt, mir ist es wichtig, dass meine Schüler den inneren Kampf meistern. Geist und Körper in Harmonie bringen. Zum meditativen Training gibt es auch sehr viele Techniken, sogar noch mehr als körperliche. Es ist mir eine persönliche Freude, wenn ich mein Wissen weitergeben kann.

Mit diesem Ziel bist du nahezu immer unterwegs, wie wir hören. Wie und wo hast du die letzten Monate verbracht?
In letzter Zeit war und bin ich wirklich viel unterwegs. 36 Flüge in den letzten 12 Wochen. Anstrengend, aber es gehört eben zu meiner Lehrer-Mission. Ende November bin ich nach Brasilien geflogen, da ich dort mehrere Einladungen von guten Kampfkünstlern bekommen hatte. Die Seiwasser-Philosophie, diese Mixtur, die ich lehre, von Distanzen über Taktiken, verschiedenen Stile, die effektiv sind, plus die ganzen Meditationstechniken, sorgen dafür, dass ich ein gern gesehener Gast bin. Unter anderem hat mich Anderson Silva in sein Gym eingeladen, hat mir aus dem Nichts eine sehr nette Audio auf Instagram gesendet. So habe ich in Marmeleiro, Parana, in Criciuma, Santa Catarina und Vitoria Espirito Santo, Rio de Janeiro und Sao Paolo unterrichtet. Sechs Seiwasser-Schulen gibt es inzwischen in Brasilien. Innerhalb der ersten zwei Wochen habe ich 15 Flüge dort absolviert.

Ging es dann wieder in die Heimat?
Ja. Danach habe ich wieder in Deutschland Seminare abgehalten und mich auch um soziale Projekte, Thema Flüchtlinge gekümmert, Anti-Aggressionstraining, in Tageskliniken, als Burnout-Hilfe, war als Coach für Firmen für Führungskräfte oder eben für/mit Profisportler(n) aktiv.

Du bildest nach deinem System auch aus?
Ja. Die Seiwasser-Methode ist sehr komplex. Es beinhaltet ein systematisch aufgebautes Programm in 8 Graden. In diesen Graden sind wirklich alle Vitamine und Mineralstoffe enthalten (lacht). Man kann es letztendlich auf verschiedene Arten anwenden. MMA-Trainer, Kämpfer, Selbstverteidigung, Mental Coach aber auch zum allgemeinen Lifecoach sehr geeignet. Man kann in all diesen Bereichen aktiv sein. Diese Ausbildung kann man nicht innerhalb kurzer Zeit absolvieren. Es geht um wirkliche nachhaltige Qualität, aber man weiss ja. Gut Ding will Weile haben - oder im alten Japan sagte man: Um ein guter Budoka zu werden, muss man viele Jahre hart trainieren (geistig und körperlich).

Auf Instagram konnte man dich in Indien sehen, wo du laut eigenen Angaben Geschichte geschrieben hast. Erzähle uns davon.
Genau. Aus Deutschland ging es nach Indien. Dort habe ich die größte Frauenselbstverteidigungsgruppe in der Kampfkunstgeschichte unterrichtet. 1000 Frauen an einem Stück sozusagen. Diese Schule dort, an der ich unterrichtet habe, ist u.a. bekannt aus dem Oscarprämierten Film „Slumdog Millionaire“, in Mumbai. Das war aufregend und eine Freude, dass ich den Frauen etwas mehr Sicherheit mitgeben konnte, besonders da man des Öfteren Schlagzeilen mit Gewalt und Unterdrückung gegen Frauen lesen muss. Dazu waren diese auch aus verschiedenen Religionen, welche ich an diesem Tag sehr gut zusammen bringen konnte.

Danach war ich in Neu-Delhi. Dort habe ich die Boxer und Judo-Olympioniken des Landes unterrichtet. Anfang Juli kommen einige nach Deutschland zu unseren Seiwasser-Trainingscamp. Ca. 40 Stunden Training die Woche mit Kampfkunst und Meditation. Dieses findet in Kochel am See statt vom 1. bis zum 7. Juli. Open Minds sind alle willkommen.

Daraufhin war ich nochmal kurz in Deutschland und dann ging es nach Miami. Dort habe ich den Ex-Sportpräsident von Kuba (Santiago de Cuba) getroffen, der jetzt in Miami lebt. Vor 10 Jahren habe ich Olympioniken in Kuba unterrichtet, u.a. Boxer und Ringer, und dieser Trainer ist seitdem mein Schüler und auch Seiwasser-Ausbilder in Miami. So kam der Kontakt zustande.

Dann ging es zu einem Seminar nach Costa Rica, wo auch eine Seiwasser-Akademie aufgemacht wurde. Mein dortiger Schüler ist auch MMA-Champion in Costa Rica und auf dem richtigen Weg seinen schlimmsten Gegner (sein Ego)zu besiegen (lacht).

Mengüllüöglü mit Dan Millman

In einem früheren Interview, hast du uns erzählt, dass Dan Millman - Peaceful Warrior eins deiner Vorbilder ist. Im Vorfeld hast du angedeutet, ihn wiedergetroffen zu haben. War das innerhalb dieser 12-Wochen-Tour?
Ja, nach Costa Rica habe ich Dan Millman besucht, der sein Peaceful Warrior-Camp abgehalten hat. Voraussichtlich sein letztes. Er ist bekannt durch den Film zu seinem Bestseller-Roman „Der Pfad des friedvollen Kriegers“. Er hat über 30 Millionen Bücher in 29 Sprachen verkauft. Er hat mir die Ehre gegeben, dort zweimal zu unterrichten und als er unterrichtet hat, hatte er dabei ein Seiwasser T-Shirt an, welches ich ihm zuvor geschenkt hatte. Das war mir eine Ehre und hat mir viel bedeutet. Sein Buch hat mir und vielen weiteren Millionen Menschen viel gebracht. Dafür bin ich immer dankbar.
Dann ging es nach Panama, ein Einführungs-Seminar zu dieser Kunst.

Hast du in dieser Hektik auch Zeit für dich?
Das ist natürlich sehr wichtig. Kurz vor den 12 Wochen war ich in Indien, am Himalaya, und zwar nicht, um zu lehren, sondern um selbst zum meditieren und für mich selbst zu lernen. Ich war ein paar Wochen dort alleine in verschiedenen Teilen und habe Übungen trainiert. Dann ging es weiter nach Japan, nach Kyoto, in die alte Samuraistadt, wo es viele alte Tempel gibt. Ich habe eine Samuraifamilie kennengelernt, die von Vorkriegszeiten noch im gleichen Haus lebt und mit ihnen zusammen verschiedenes trainiert. Dann ging es nach Okinawa, weit weg von allem. Das war sehr erfrischend und hat mich spirituell vorangebracht. Aber du weißt ja, wie mein Spruch lautet. Die Ruhe in der Ruhe ist nicht wirkliche Ruhe...das kann jeder... nur die Ruhe im Stress ist wirkliche Ruhe!(lacht). Aber so ist es nun mal wirklich.

Wie soll es weitergehen? Planst du auch weiterhin ein straffes Programm?
Die nächsten Pläne stehen schon. Im April und Mai werde ich in Brasilien in verschieden Städten wieder Seminare geben. Unter anderem organisiert der größte MMA Event Manager (HCC) von dem Staat Espirito Santo mein Seminar. Einige Projekte stehen an. Schreibe gerade an einem Kampfkunst-Buch mit der Philosophie des Kriegers mit einigen Übungen für den Alltag. Auch drehen wir gerade die Seiwasser-Programme auf Video. Bald wird ein Online-Teaching in mehreren Sprachen angeboten, so das auch Menschen aus verschiedenen Ländern diese Methode lernen können. Apropos, demnächst kommt auch der mehrmalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler zum Privatunterricht zu mir. Wir wollen auch für einige Projekte in der Zukunft zusammen arbeiten. Dann das Trainingscamp im Sommer und vieles vieles mehr. Aber jetzt komme ich wieder in das Hier und Jetzt (lacht).

Vielen Dank für die Einblicke, Yasin. Bleib gesund und viel Erfolg weiterhin auf deiner Reise.
Ich danke dir für deine Geduld, Elias. Danke GNP1, ihr macht wirklich einen tollen Job. Danke auch an alle Leser. Ich wünsche jedem einzelnen Besucher dieser Erde alles Beste auf diesem Lebensweg. Niemals vergessen, wir sind nur zu Besuch hier. Tu dein Bestes! (Verneigt sich und lächelt)

Das Interview führte GNP1-Chefredakteur Elias Stefanescu.