Interviews

Westerman fordert Europas Bantamgewichte heraus

Robert Scott Westerman

Robert Scott Westerman ist der erste MMA-Kämpfer Stuttgarts, hat in seinen elf Jahren MMA-Sport aber selbst noch nie in der Schwabenmetropole gekämpft. Am 7. Juli bekommt der Stallion-Cage-Kämpfer endlich die Gelegenheit dazu, und zwar bei der Hausgala von Fitness Feuerbach, wo er auch als Trainer arbeitet. Mehr Heimvorteil ist im MMA-Sport wohl nicht möglich.

GroundandPound: Hallo Robert! Dein nächster Kampf findet in Stuttgart-Feuerbach statt – Dein erster Kampf in der Heimat. Was bedeutet es Dir, endlich einmal in Deiner Stadt vor Deinen Fans kämpfen zu können?
Robert Scott Westerman: Erst mal hallo und danke, dass ihr auch mal an mich denkt! Ich kämpfe jetzt schon seit elf Jahren in diesem verrückten Sport. Anfang hieß es bei uns noch Free Fight. Meine Kumpels und ich waren die einzigen in Stuttgart, die diesen „wunderschönen Sport“ betrieben und kämpften. Ich wurde in meiner Heimat schnell zum Aushängeschild des Sports. Und seit elf Jahren fragen mich die Leute: „Und Robert, wann kämpfsch mal wieder?“ – „Bald.“ – „Und wo?“ – „Im Osten.“ – Ach Mann, wenn du mal hier kämpfsch, sagsch mir bitte Bscheid.“ Jetzt kämpfe ich zu Hause, und zwar wirklich vor meiner Haustür. Mitten in der MMA-Metropole des Südens!
Das Westerman-Special, der Guillotine Choke. (Foto: Sebastian Unterreitmeier/Fight2Finish)
Ist ein Kampf in Deinem „Wohnzimmer“ eher Druck oder eher Motivation für Dich?
Es gab Jahre, da hätte ich geantwortet: Ja, es ist schon etwas Druck. Aber jetzt zurzeit bin ich so hungrig, ich würde meinen Gegner sogar in meinem echten Wohnzimmer zuhause kämpfen.

Im Federgewicht bist Du in der German Top Five, bei der Veranstaltung am 7. Juli kämpfst Du erstmals im Bantamgewicht. Welche Gründe waren dafür ausschlaggebend?
Ich habe jahrelang ohne richtig nachzudenken einfach Kämpfe angenommen, gegen Gegner, die oft schwerer als ich waren – entweder in der -70kg-Klasse oder sogar -72kg, obwohl ich meistens unter 70kg wog Und wenn ich mal einen Federgewichtskampf bekommen habe, haben die Jungs meistens viel gecuttet und wogen beim Kampf dann immer mehr als ich. Ich bin einfach auch zu leicht fürs Federgewicht – trotzdem würde ich noch einige im Federgewicht verprügeln (lacht)!

Wie schätzt Du das Bantamgewicht in Deutschland ein – gibt es da überhaupt genug Gegner für Dich oder müssen Kämpfer aus dem Ausland her?
Ich weiß, dass es momentan nicht so viele Bantamgewichtler mit meiner Erfahrung in Deutschland gibt, aber ich weiß, dass es einen starken Nachwuchs in den leichten Gewichtsklassen in Deutschland gibt und die Jungs auch alle bald ans Cutten denken werden. Ich habe persönlich oder durch Freunde schon einige Veranstalter in Europa kontaktiert, um für Bantamgewichtskämpfe zu betteln. Hallo Europa, ich möchte alle eure Bantamgewichtler herausfordern!
Westerman nach seinem Sieg über Rouven Kurath. (Foto: Sebastian Unterreitmeier/Fight2Finish)

Hast Du schon mal einen Test-Cut gemacht? Wie optimistisch bist Du, die 61kg am Tag des Wiegens auf die Waage zu bekommen?
Was?! 61kg?! Haha, Spaß. Werde ich schaffen. Bei meinen DGL-Kämpfen wog ich manchmal ein paar Gramm über 64kg und habe eine Stunde später einige Kämpfe bestreiten müssen.

Was ist Dein Schlüssel zum Sieg gegen Deinen ersten Bantamgewichtsgegner, Amanat Bekov?
Eine klasse Vorbereitung mit meinem Team.

Auch wenn Du jetzt ins Bantamgewicht wechselst, hast Du im Federgewicht noch eine Rechnung offen: Zwischen Dir und Johan Croes steht es seit der letzten Merseburger Fight Night 1-1. Hast Du mit ihm inzwischen das Kriegsbeil begraben oder willst Du irgendwann nochmal gegen ihn ran?
Ich würde normalerweise schon gern nochmal gegen ihn kämpfen. Aber nicht mehr in der -70kg- Klasse. Gegen ihn gibt es immer eine klasse Hitze, und auf so was stehe ich. Hahaha, bloß nicht falsch verstehen (lacht)!
Werden keine Freunde mehr: Croes und Westerman. (Foto: MFN)
In diesem Jahr haben alle Deine geplanten Gegner abgesagt. Wie frustrierend war das für Dich, in ständig in der Vorbereitung zu sein und dann nicht kämpfen zu können?
Ja schon, aber ich weiß, wie hart so eine Vorbereitung in diesem Sport ist. Und wie oft man sich da verletzen kann. Schade war es, aber auch, dass es nie einen Ersatz gab.

Abgesehen von Deinem Kampf – was erwartet die Zuschauer sonst noch alles am 7. Juli?
Sergej Lokhov, der Deutsche Meister im Grappling, und wie ich finde eines der größten Talente, kämpft gegen Artur Waiz. Und einer meiner und Alans Trainingspartner, Alessandro Plog, kämpft auch. Außerdem wird es noch einige knallende Amateur-MMA-Fights und K-1-Fights geben, unter anderem mit dem frisch gekrönten Deutschen Meister im Sanda und unbesiegt im K-1, Sebastian Mehler. Wenn man berücksichtigt, dass mein Gegner der aktuelle Deutsche Meister im Combat Sambo ist, kann man sagen, dass es eine wahre Fightnight of Champions ist.

Vielen Dank, dass Du Dir für uns etwas Zeit genommen hast, Robert! Dem Kämpfer gehört wie immer das Schlusswort.
Zum Schluss möchte ich auf jeden Fall meiner Familie danken, besonders meiner Frau, die die harte Zeit des Cutten mitmachen wird, und meine Jungs vom Stallion Cage und Arte Suave, weil wir mehr als nur Teamkollegen sind. Und meinem Sponsor Boxhaus. Und natürlich euch von GroundandPound, für das, was ihr für unseren Sport alles tut, und ganz besonders von eurem Verein danke ich dir, Jan, denn du weißt, ja was dir nach der Veranstaltung blüht.