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Weltklasseringer Max Schwindt

V.l.n.r.: Ruslan Gert, Max Schwindt und Cengiz Dana. (Fotos via Max Schwindt)

GroundandPound.de sprach exklusiv mit Max Schwindt, einem der derzeit besten und erfolgreichsten deutschen Ringer. Unzählige Deutsche Meisterschaften und internationale Turniersiege zieren seinen Pokalschrank. Max Schwindt, Baujahr 1979, hatte schon sehr früh mit dem Ringen angefangen. Wer und was seine Motivation dafür war, lest ihr hier. Der Bundesligaringer vom KSK Konkordia Neuss hat noch einiges vor. Seine Wünsche, seine Ziele, exklusiv bei Groundandpound.de.

GroundandPound: Hallo Max, zunächst erst einmal vielen Dank das Du Zeit für ein paar Fragen an Dich hast!

Max Schwindt: Hallo GroundandPound-Team, ich habe zu danken!

Max, stell dich doch zu Beginn unseres Interviews unseren Lesern einmal vor.

Ich heiße Max Schwindt, bin 30 Jahre alt und Ringer des KSK Konkordia Neuss im griechisch-römischen Stil in der Klasse bis 84 Kilogramm.

Wie lange bist Du schon dabei?

Angefangen habe ich 1985 also mit sechs Jahren. Mein Vater hat es mir nicht leicht gemacht. Noch bevor ich eingeschult wurde, musste ich morgens mit ihm aufstehen und laufen gehen. Danach gab es meistens noch eine Einheit in der Trainingshalle mit der Ringerpuppe, denn Trainingspartner sind in dem Alter schwer zu finden. Und zum Abschluss gab es noch etwas Gymnastik zur Koordination.

Wie bist Du eigentlich zum Kampfsport gekommen?

Ich bin in Kasachstan geboren, dort ist diese Sportart sehr populär. Und wie ich schon sagte, mein Vater ist Trainer, ich hatte mehr oder weniger keine Wahl.

Du hast ja schon ziemlich viel Erfolg gehabt. Was hat Dich im Ringen so erfolgreich werden lassen?

Na ja auch wenn Ringen Einzelsportart ist, ist das Umfeld sehr wichtig. Dazu gehören wie ich finde viele Faktoren wie Familie, Freunde und Trainingspartner um erfolgreich zu sein. Da mein Vater auch mein Trainer war wurde ich von der ganzen Familie sehr stark in jeglicher Hinsicht unterstützt. Meine Freunde haben zu mir gehalten auch wenn es mal nicht so rund lief. Das ist ganz wichtig den nur ein zufriedener Sportler ist ein guter Sportler. Hinzu kam, dass ich in einer tollen Gruppe trainieren durfte. Wir waren in etwa 8-10 Mann fast alle in gleichem Alter und ähnlich gleiche Gewichtsklasse und alle sehr ehrgeizig. Somit war bei jeder Trainingseinheit „Wettkampf“ vorprogrammiert egal, um was es gerade ging, ob Krafttraining, laufen, ringen oder was sonst so auf dem Plan stand. Jeder wollte der Beste sein, so kann man sich sehr schnell entwickeln. Das hat mich persönlich sehr weit gebracht.

Gab es einen besonderen Kämpfer, der Dich inspiriert hat Ringer zu werden?

Es gibt so viele großartige Ringer wie Alexander Karelin, Hamza Yerlikaya, Mnazakan Iskandaryan, um nur einige zu nennen. Aber im Grunde genommen war es mein Vater, der mich gelehrt hat, diese Sportart zu lieben. Ich wollte so sein wie er und ihm habe ich am meisten zu verdanken.  

Was war Dein bedeutsamster Sieg/Turniersieg?

Ich denke, für jeden Sportler ist jeder Sieg in irgendeiner Weise bedeutsam, denn jeder Sieg bringt dich deinem Ziel ein wenig näher. Ich konnte leider meinen Traum bei den Olympischen Spielen teilzunehmen nicht verwirklichen, deshalb würde ich sagen, dass die Weltmeistertitel meine bedeutsamsten Siege sind.

Was machst Du, wenn Du nicht trainierst?

Leider kann man das Ringen in Deutschland nicht professionell ausüben, was außer den vielen Verletzungen mit der Grund war, warum es mit den Olympischen Spielen nicht geklappt hat. So gehe ich einer ganz normalen Beschäftigung nach. Ich bin Sozialversicherungsfachangestellter bei der AOK Rheinland/Hamburg und sonst versuche ich, so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau Irina und meinem Sohn Nikita zu verbringen.

Welche Technik ist Deine Spezialität?

Im Standkampf ist es der Hüftangriff und im Boden der seitliche Ausheber.

Was sind Deine Stärken, was Deine Schwächen?

Ich denke, zu meinen Stärken zählt ein starker Charakter und der Siegeswille. Meine Schwächen liegen in Moment im Bodenkampf (Verteidigung), aber wir arbeiten dran.

Wenn es im Ringen auch so etwas wie eine Kampfbilanz gibt, wie sieht diese bei Dir aus?

Im Ringen ist es ganz schwer zu sagen. Den es geht bei den Einzelmeisterschaften nicht um die einzelnen Kämpfe, sondern um Turniersiege und dort hat man je nach Teilnehmerzahl und je nachdem wie weit man kommt teilweise  vier bis sechs Kämpfe am Tag. Dazu kommen dann am Ende des Jahres noch die ganzen Bundesligakämpfe hinzu, das macht einiges aus. Also ich schätze mal, in den knapp 25 Jahren hatte ich locker über tausend Kämpfe.

Wer trainiert Dich?

In Moment sind es Oleg Dubov und Ayhan Aytemiz.

Wie gehst Du mit Niederlagen um?

Ich hasse es zu verlieren, aber ich bin ein fairer Verlierer. Mein Vater hat mir beigebracht, dass man aus einer Niederlage manchmal mehr lernt als bei einem Sieg. Nach dem Motto „War dieser Tag nicht dein Freund, dann war er wenigstens dein Lehrer." Er hat nie ein Wort gesagt, wenn ich verlor, solange ich alles gegeben habe. Aber er hatte ständig etwas zu verbessern nach einem Sieg.

Mit welchem Teil Deines Repertoires bist Du am meisten zufrieden und woran arbeitest Du am härtesten, um noch besser zu werden?

Ich denke, wenn man im Sport ein bestimmtes Level erreicht hat, dann gibt es nicht mehr viel Luft nach oben. Und dann versucht man halt noch an den Feinheiten zu feilen.

Was möchtest Du rein sportlich gesehen noch erreichen?

Ich bin zufrieden, so wie es ist und bin für den sportlichen Teil fast am Ende meiner Karriere angekommen. Als nächstes werde ich mir mal überlegen, ob ich nicht als Trainer dieser Sportart etwas zurückgeben kann.

Wenn Du einen Wunschgegner hättest, und den hat ja bekanntlich jeder, gegen wen würdest Du am liebsten einmal auf die Matte gehen und weshalb?

Nach zehn Jahren Nationalmannschaft und 15 Jahren Bundesliga hat man schon fast gegen alle Weltklasseringer gekämpft, aber gegen den amtierenden Olympiasieger Andrea Minguzzi würde ich schon gerne mal ringen. Der Grund ist ganz einfach, man möchte sich mit den Besten messen. Und beim Ringen geht nichts über den Olympiasieg hinaus.

Über das Thema MMA-Sport kann man derzeit überall etwas lesen. Was hälst Du davon?

Meine Meinung ist ganz einfach. Seitdem es die Menschheit gibt, werden Kämpfe Mann gegen Mann ausgetragen, um zu gucken, wer der Stärkere ist. Ob es jemandem gefällt oder nicht. Bei den Griechen war es halt Pale (Ringen) oder Pygme (Boxen) oder Pankration, was eine Mischung aus beidem war. Ich finde nicht anderes ist MMA, Pankration der Neuzeit in einer reglementierten Form. Die Sportler werden professionell trainiert und betreut, wie in allen anderen Sportarten auch. Ich schätze das Verletzungsrisiko ist nicht höher als beim Boxen, Kickboxen oder Ringen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was es da zu diskutieren gibt? Ich interessiere mich nicht für Politik, deshalb wird man Politik trotzdem nicht verbieten.

Hast Du es schon einmal in Betracht gezogen, selbst einen MMA-Kampf zu machen?

Ja, natürlich! Es gibt da nur ein Problem, auf Grund meiner vielen Verletzungen musste ich meiner Familie versprechen, dass ich bald mit dem Leistungssport aufhöre. Wahrscheinlich schon nach dieser Bundesliga-Saison. Dann kann ich nicht mit MMA-Kämpfen ankommen... Außerdem bin ich viel zu ehrgeizig. Wenn ich schon etwas anfange, dann möchte ich auch darin erfolgreich sein. Ich habe diese Sportart einfach viel zu spät für mich entdeckt. Dennoch macht es mir sehr viel Spaß, mit den Jungs vom Combat Club Cologne zu trainieren. Das ist eine coole Truppe mit sehr vielen talentierten Jungs und einer geilen Atmosphäre. Das erinnert mich an meine besten Zeiten.

Welche Ziele hast Du Dir für dieses Jahr gesetzt?

Ich würde gerne die Bundesliga-Saison ungeschlagen beenden. Und die Ringerschuhe an den Nagel hängen.

Wo siehst Du Dich zukünftig?

Ich sehe mich als Familienvater von hoffentlich zwei Kindern und vielleicht als Trainer, vielleicht sogar für MMA.

Für welche Dinge kannst Du Dich abseits vom Kampfsport begeistern?

Für meine Familie und meine Freunde, ich lese gerne, wenn ich genug Geld hätte, würde ich gerne viel reisen.

Hast Du als Kämpfer irgendwelche Vorbilder?

Es kling vielleicht lustig, aber als Kind fand ich Bruce Lee richtig toll.

Wie ist Deine Philosophie?

Mir gefällt der Satz von Philip Rosenthal: "Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!"

Vielen Dank für das Interview, Max!

Vielen Dank an das GroundandPound.de-Team für die tolle Berichtserstattung!