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Vorerst keine MPL in Deutschland

MTBD-Präsident Detlef Türnau (alle Fotos von Detlef Türnau)

Die Muaythai Premier League ist seit ihrem Start im September in den USA in aller Munde. Auch gab es Pläne für einen Event in Deutschland der voraussichtlich im Januar / Februar 2012 in Hamburg hätte stattfinden sollen. Doch diese Ankündigung verursachte einen großen Wirbel. Weder beim WMC noch bei der MPL wusste man davon etwas. Da der WMC in Deutschland durch den MTBD vertreten wird, stand uns deren Präsident Deltef Türnau in einem Interview Rede und Antwort.

Hallo Detlef. Vielen Dank das du dir die Zeit für das Interview nimmst. Wie geht es dir?
Gut, danke der Nachfrage.

Die Muaythai Premier League (MPL) ist seit Monaten in aller Munde. Was hälst du selbst von der Serie?
Für mich das das nur eine von vielen Serien, welche über das World Muaythai Council (W.M.C.) laufen. Die MPL hatte einen guten Start in Amerika und man wird sehen, wie es jetzt weitergeht. Das Problem liegt in Thailand. Bangkok ist derzeit überschwemmt, der Kings Cup und der World Cup mussten abgesagt werden und wie es dort mit der MPL weitergeht, werden wir sehen.

Jetzt gab es vor einiger Zeit bei uns ein Interview über einen möglichen MPL-Event in Deutschland. Was ist dir beim durchlesen als erstes durch den Kopf geschossen?
Das sich da jemand ganz weit aus dem Fenster gelehnt hat. Wir begrüßen natürlich jegliches Interesse am Muaythai in Deutschland, versuchen auch in der Zukunft verbandsübergreifend zu arbeiten, aber das geht eben nur nach gewissen Richtlinien. Egal wer die MPL oder andere WMC Turniere hier in Deutschland organisiert, muss sich an gewissen Vorgaben und Regeln halten. Der MTBD ist der offizielle Vertreter des WMC und der IFMA und nur über uns laufen diese Serien.
Türnau mit dem Deutschen Team in Thailand.

Der WMC und die Warrior Caste Production haben die MPL gegründet, wo Clifton Brown der CEO ist. Allerdings wusste man dort nichts davon das es möglicherweise einen MPL Event in Deutschland geben soll. Überrascht?
Natürlich nicht. Was geschrieben oder gesagt wird, bedarf immer einer Überprüfung.

In einem Gespräch mit Stephan Fox, dem Vize-Präsidenten und General Sekretär des WMC, erklärte uns dieser das ihm weder bekannt ist das es einen Vertreter für Deutschland gibt, noch das jemand die Rechte erworben hat. Da es bei der IFMA-WM einige Gespräche gegeben hat bei denen auch du mit involviert warst, bring doch jetzt mal Licht ins Dunkle.
Jeder, welcher das nötige Kapital hat, kann die MPL ausrichten. Die Kosten hierfür liegen aber derart hoch, dass wir uns entschieden hatten, die MPL in Deutschland nicht zu organisieren. Dies wäre zu Lasten der anderen Serien wie European Muaythai League, Kings Cup Qualifikation, Muaythai Wild Bunch oder Muaythai Warrior Grand Challenge gegangen. Wir hätten auch nichts dagegen, wenn ein verbandsfremder Investor die MPL hier organisiert, aber es muss nach den Vorgaben des W.M.C. und des M.T.B.D. laufen.

Ebenso meinte Fox das auf gut deutsch jeder einen MPL-Event in Deutschland machen könnte, ganz gleich von welchem Verband. Ein klares Bekenntnis zum MTBD hört sich aber anderst an, oder?
Stephan braucht auch hier keine Bekenntnisse abzugeben. Er weiß wie der Laden läuft und ich weiß es auch. Warum soll man sich nicht anderen Verbänden gegenüber öffnen um ein größeres Ziel zu erreichen.

In unserem Interview meinte Human Nikmaslak das in Deutschland nur in der WKN & IPTA traditionelles Muaythai gekämpft wird. Wie sehr trifft dich eine solche Aussage für einen, der Muaythai in Deutschland maßgeblich mitgeprägt hat?
Von Human Nikmanslak hab ich im Muaythai bisher noch nichts gehört. Weder national, noch international. WKN und IPTA machen sicher auch gute Geschichten im Muaythai. Fakt ist aber, wenn man von traditionellem Muaythai spricht, ist die IFMA federführend. Diese hat bereits die vorolympischen Anerkennungen der GAISF, TAFISA, ARAFURA und SPORTACCORD erhalten und wird von der Sports Authority of Thailand, wie auch dem Nationalen Olympischen Komitee Thailands voll unterstützt. Man muss schon einen echten Bezug zu den offiziellen thailändischen Stellen haben, um auch seriös im Muaythai dazustehen.
Detlef Türnau bei einer Ehrung durch das Thailänd. Königshaus.

Man kennt den WMC, die IFMA und den MTBD. Erlär den Lesern doch mal wie die Verbindungen untereinander aussehen und wer welche Funktionen hat.
Das WMC (World Muaythai Council) ist laut Parlamentsbeschluss in Thailand  weltweit für die Verbreitung des Profi Muaythai zuständig. Hierüber laufen auch die meisten Muaythai Serien, wie Challenger, Thailand vs. Challenger, Kings Cup, MPL, European Muaythai League usw. Die IFMA (International Federation of Muaythai Amateurs) ist der Verband, welcher Muaythai olympisch machen möchte. Die Chancen stehen nicht schlecht. Der Muaythai Bund Deutschland vertritt beide Organisationen in Deutschland.

Erst It`s Showtime, nun die MPL. Ist Deutschland noch nicht bereit für solch große Events ?
Du kannst große Serien in Deutschland nur auf die Beine stellen, wenn die Finanzen stimmen. Solange es immer noch eine Zersplitterung hier in Deutschland im Muaythai gibt,
kannst Du das vergessen. Nur wenn alle an einem Strick ziehen, wäre so etwas möglich. Wir arbeiten schon mit der IKBO und der ISKA im K-1 zusammen und das klappt auch. Über diese Schiene kann man auch ganz leicht das Muaythai einigen. Aber solange es immer noch Muaythai Funktionäre gibt, welche ihre gekauften Khangraduierungen und Trainerausbildungen nicht von einem seriösen Verband anerkannt bekommen, sehe ich da schwarz. Diese Leute können einfach nicht über ihren Schatten springen und schaden damit wirklich den Schülern und Kämpfern ihrer Gruppierungen.

Die Thailand vs Challenger Serie und die Mix Fight Gala auf Eurosport. Die Stekos auf Sat1 und die Masters Fight Night auf Sport1. Ist das Thai- und Kickboxen auf einem richtigen Weg?
Ich kann hier nur für den MTBD sprechen. Wir waren dieses Jahr zweimal auf Eurosport und einmal auf SAT1 und SAT1 ran zu sehen. So soll das künftig auch weitergehen. Das Fernsehen bringt uns natürlich die gewünschte Popularität, aber wir sollten auch darauf achten, dass wirklich nur die besten Kämpfer gegeneinander antreten. Hier sollte man sich mal an einen Tisch setzen und verbandsübergreifend auf einen Nenner kommen. Es nützt keinem etwas, wenn irgendwelche Luschen im Fernsehen antreten, eine schlechte Leistung abliefern und dann noch erwarten, als die großen Champions gefeiert zu werden. Wir müssen Qualität liefern. Dann bleiben wir auch im Fernsehen.

Enriko Kehl gewann in Heidelberg das German Kings Cup Finale und qualifizierte sich für Thailand. Aufgrund der Unwetter in Bangkok wird es dieses Jahr kein Kings Cup Finale geben. Hat man schon einen Ersatztermin gefunden oder fällt er in diesem Jahr komplett aus?
Bisher noch nicht. Stephan Fox fährt jeden morgen mit dem Ruderboot zur Arbeit.
Detlef Türnau beim Interview.

Vor kurzem gab es die Ketas Fight Gala in München – eine Kooperation des MTBD und der ISKA. Wie fällt dein Fazit aus?
Der MTBD war für die Muaythai Kämpfe zuständig und die ISKA für K-1. Das hat wirklich wunderbar geklappt. Davut Sidal und ich haben uns auch mal eine Stunde
zusammengesetzt und eine weitere Zusammenarbeit beschlossen. Dies sollten auch andere Verbände aufgreifen, um endlich auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Das Fernsehen bringt uns einen großen Schritt weiter und hier können auch noch andere Verbände beim MTBD oder der ISKA mitmachen.

Wird es eine weitere Zusammenarbeit geben, was sicherlich sehr zu begrüßen wäre und wenn ja, wie wird diese aussehen?
Die ISKA konzentriert sich auf Kick Boxen und K-1 und der MTBD auf Muaythai. Beide Verbände unterstützen sich gegenseitig.

Zum Abschluß deine persönliche Meinung nochmal zur MPL. Wie siehst du die Chancen das es in Zukunft einen MPL-Event in Deutschland geben wird?
Ich kann da wirklich noch nichts drüber sagen, solange Stephan mit dem Ruderboot unterwegs ist.

Detlef, wir danken dir für das Interview und wünschen dir alles Gute für die Zukunft.
Keine Ursache.