Interviews

Vincent Feigenbutz: Ein K.o. lässt keine Fragen mehr offen

(Bilder: Heiko Schmidt)

GNP1.de sprach exklusiv mit dem aufstrebenden Talent im Supermittelgewicht, Vincent Feigenbutz (19-1, 18 K.o.), der am 18. Juli im Gerry Weber Stadion in Halle/Westfalen um den Interim-Titel im Supermittelgewicht nach Version der WBA gegen den Peruaner Mauricio Reynoso (15-1, 11 K.o.) antreten wird. 

GNP1.de: Du bist gerade mal 19 Jahre alt. Erzähl uns, wie du zum Boxsport gekommen bist?
Vincent Feigenbutz: Mit 14 Jahren hat mich ein Freund vom Fußball zum Boxen zu Jürgen Lutz ins Bulldog Gym mitgenommen. Es hat mir toll gefallen, Regina Halmich kommt auch vom gleichen Club und Trainer, da bin ich geblieben. Beim Fußball war ich immer auf die anderen Mitspieler angewiesen, beim Boxen liegt es in meinen Fäusten alleine, das ist das alles Entscheidende.

Da du keine Amateur-Karriere hinter dir hast, fällt es dir dadurch schwerer, mit Leuten mitzuhalten, die schon seit ihrer Kindheit boxen?
Nein, im Gegenteil. Das Amateurboxen ist nichts für mich und ich bin dankbar, dass ich nicht beim Amateurboxen war, denn dort hätte ich meinen Stil nicht boxen können.

Da du ja mit 19 Jahren fast noch als Jugendlicher zählst, gehörst du zu der jungen Garde in Deutschland. Ist dein junges Alter eher ein Vorteil oder ein Nachteil?
Ganz klar ein Vorteil, ich bin GBU- und WBO-Interkontinental Champion, der jüngste echte deutsche Boxer in der Geschichte überhaupt. Mit 18 Jahren bereits habe ich diese Gürtel erkämpft. Jetzt kommt die WM. Die Mitkonkurrenten, bis auf Tyron Zeuge, gegen den ich irgendwann auch boxen werde in den nächsten Jahren, sind bald in Rente und wir Jungen sind dann ganz weit vorne.

Mit einer Bilanz von 20 Kämpfen und 18 Knockouts konntest du die meisten Duelle vorzeitig für dich entscheiden. Fehlt dir wegen der wenigen Runden im Ring vielleicht ein wenig Erfahrung?
Mike Tyson hatte das gleiche Problem. Immerhin konnte ich gegen (Balasz) Kelemen neun Runden gehen. Ein K.o. ist immens wichtig, dann gibt es keine offenen Fragen mehr.

Wie laufen die Vorbereitungen für das anstehende Duell gegen Reynoso? Wird speziell für diesen Kampf anders trainiert, da nun die Interims-Weltmeisterschaft auf dem Spiel steht?
Südamerikaner sind immer sehr gefährlich. Sie können hauen und auch was einstecken. Reynoso hat auch die meisten seiner bisherigen Gegner ins Reich der Träume befördert. Er war dreimal Fedebol-WBA-Champion und ist die Nummer acht der WBA-Weltrangliste, noch vor (Julio Cesar) Chaves Jr. Wir trainieren auch in der Höhe, so wie Reynoso in die peruanischen Anden, fahren wir zur Vorbereitung in die unberührte Natur der slowenischen Alpen. Logarska Dolina heißt das kleine aber unberührte Tal in den Wäldern, wo es noch Bären und Wölfe gibt. Ich werde dort in eine ewige Schneehölle gehen, um der Natur zu trotzen, große Bäume fällen, Überlebenstraining machen usw. Mein Trainer Hansi Brenner lässt sich da immer die wildesten Sachen einfallen.

Arthur Abraham wird sich im Hauptkampf der Veranstaltung zum vierten Mal mit Robert Stieglitz messen. Es ist bekannt, dass du beide öffentlich herausgefordert hast, bisher kam von beiden Seiten noch nichts zurück.
Ja, klar, es ist doch logisch, dass die nicht gegen mich boxen wollen, die beiden haben nichts zu gewinnen. Wenn ich gewinne, heißt es: Ein 19 Jahre alter Jüngling hat dich verprügelt. Und das ist realistisch! Sollte einer der beiden durch Zufall gewinnen, dann heißt es: Gegen den jungen Feigenbutz gewonnen, war nichts Besonderes. Der Einzige, der was zu gewinnen hat, bin ich. Und natürlich kann ich jeden Schlagen, auch die großen Stars haben ihre Schwächen und können K.o. gehen.

 

Du hast Regina Halmich erwähnst, trainierst bei ihrem alten coach, in ihrem Gym. Was hältst du von Frauen-Boxen?
Mein Trainer Hansi Brenner ist ebenfalls ein Schützling von Jürgen Lutz, der auch Regina Halmich und auch mich entdeckte. Wir alle sehen großes Potential im Frauen-Boxen. Damals, als Regina an der Macht war, gab es eben nur zwei Weltverbände die Frauen boxen sanktionierten, die WIBF und die GBU. Frauen-Boxen live im Zweiten, mit Daisy Lang, (Natascha) Ragosina, Alesia Graf, Regina Halmich, Ina Menzer, Susi Kentikian u. v. m. war deswegen so interessant, weil es eben nur WIBF und GBU gab. Dann haben die sogenannten vier großen Herrenboxverbände beschlossen, dass es doch besser sei, man kopiert die Regeln der WIBF und der GBU und verkauft auch Champions-Gürtel an die Damen, als herauskam, was denn so die ARD an Frau Halmich bezahlte. Auf einmal gab es statt zwei Weltmeisterinnen pro Gewichtsklasse 10. Und das war dann eindeutig zu viel. ZDF hat das auch nicht mehr mitgemacht und das Frauen-Boxen, so schade wie es ist, ging den Bach runter.

Wie sieht es mit internationalen Kämpfen gegen Leute wie Andre Ward, Fedor Chudinov oder James DeGale aus? Wird man bald dich auch im Ausland zu sehen bekommen?
Ich boxe regelmäßig im Ausland und immer nur die Besten. Ich war bereits zweimal in Polen, um die dortigen Champions im Halbschwer- und im Supermittelgewicht, (Andrzej) Soldra und (Maciej) Miszkin K.o. zu schlagen, dann war ich schon in Ungarn und im November letztes Jahr durfte ich in Liverpools Echo Arena ran.

Am 18. Juli wird Vincent Feigenbutz in Halle/Westfallen siegen, weil…?
Weil ich das Gen eines Krieger habe und ich in die deutsche Boxgeschichte als deutscher Boxer eingehen möchte, meine Familie und mein Land ehren möchte und Vorbild für die Jugend sein möchte. Man kann auch stark ohne Gewalt sein!

Was wir schon immer über Vincent Feigenbutz wissen wollten...
Das sage ich nicht... meinen geheimen Angelplatz, wo ich immer nach Karpfen fische.