Interviews

Vadim Finkelchtein über die UFC in Russland, TV-Quoten & Doping

Vadim Finkelchtein (Foto: Mark Bergmann)

Vadim Finkelchtein (Foto: Mark Bergmann)

Groundandpound.de hatte vor einigen Wochen die Gelegenheit, zu einem ausführlichen Gespräch mit M-1-Global-Präsident Vadim Finkelchtein. Der russische MMA-Zar sprach über die aktuelle Expansion der UFC nach Russland, den Konkurrenzkampf im TV, die Doping-Problematik und einen möglichen M-1-Event in Deutschland.

Hier eine kurze Zusammenfassung des Interviews, das Video findet ihr am Ende des Artikels:

M-1 Medieval

Ein wenig verwunderlich war es schon, als M-1 im letzten Jahr begann, in den Pausen ihrer Events plötzlich Ritter in den Ring zu schicken, die mit stumpfen Schwertern aufeinander losgehen. Das Konzept erfreut sich aber offenbar großer Beliebtheit, denn inzwischen wurde dafür ein eigenes Format namens “M-1 Medieval” angekündigt.

Bis das kommt, wird es allerdings noch ein wenig dauern. Vorerst wird es bei einzelnen Mittelalter-Duellen während der normalen M-1-Events bleiben, weil schlicht die Kämpfer für einen ganzen ritterlichen Kampfabend fehlen. Sollten die Kämpfe aber weiterhin derart gut ankommen wie bisher, soll später tatsächlich eine eigene Show mit Titelkämpfen und Champions daraus entstehen.

M-1 in Deutschland

Finkelchtein erklärt im Interview mehrfach, dass er unter anderem auch an deutschen Kämpfern und am deutschen Mark interessiert ist. Derzeit expandiert er mit seiner Organisation vornehmlich nach Osten, in Länder wie Georgien, Aserbaidschan oder China. Sollte sich in Deutschland ein starker Partner finden, wäre aber auch ein Event in der Bundesrepublik nicht ausgeschlossen.

Konkurrenz in Russland durch die UFC

Anfang des Jahres unterzeichnete die UFC einen Vertrag mit der russischen TV-Sendergruppe VGTRK, zu der neben mehreren kleinen Kanälen und Online-Plattformen auch der große staatliche Sender Russia 2 gehört. Russia 2 überträgt seit Jahren die Events von Bellator und M-1.

Dass er künftig mit der größten MMA-Liga der Welt auf seinem Heimatsender konkurrieren muss, stört Finkelchtein dabei nicht. Er sagt: Russia 2 zeigt jeden Event von M-1, mit bis zu 1,5 Millionen Zuschauern, allerdings nicht jeden Event der UFC. Kleinere Fight Nights werden auch von kleineren Sendern übertragen. 

Die Einschaltquoten des ersten UFC-Live-Events auf Russia 2 waren laut Finkelchtein zudem sehr niedrig. Es handelte sich dabei um den Schweden-Event mit Alexander Gustafsson und Anthony Johnson im Hauptkampf. Finkelchtein erklärt, dass der normale TV-Zuschauer in Russland M-1 schlicht besser kennt als die UFC, weil er damit bereits seit 17 Jahren dort am Markt sind. M-1-Veranstaltungen laufen in Russland außerdem live zur Hauptsendezeit, UFC-Events aufgrund der Zeitverschiebung meist mitten in der Nacht. Auch das hätte einen Einfluss auf die Quoten.

Je mehr Events im TV zu sehen sind, umso populärer wird der Sport, findet Finkelchtein. Und das sei auch gut für M-1 Global.

Groundandpound-Chefredakteur Mark Bergmann hat in Georgien mit Finkelchtein gesprochen.

Wechsel der M-1-Stars zur UFC

Finkelchtein ist ehrlich: Die Möglichkeit, dass seine großen Stars zur UFC wechseln, bereitet ihm Sorgen. Kämpfer wie Khabib Nurmagomedov oder Rustam Khabilov haben es vorgemacht. Er erklärt aber auch, dass die russische Amateur-Szene eine sehr starke ist und er sich auf der Suche nach Nachwuchskämpfern aus einem riesigen Pool von Talenten bedienen kann.

Doping

Finkelchtein ist sich des Problems bewusst, da es in Russland aber weder einflussreiche Sportkommissionen noch Anti-Doping-Verbände wie in den Vereinigten Staaten gibt, wird weniger aggressiv getestet als in der UFC. M-1 führt Doping-Tests selbst durch, allerdings auf kleiner, lokaler Ebene. Vornehmlich werden die Teilnehmer von Titelkämpfen getestet.

Finkelchtein sagt, es gibt definitive ein großes Dopingproblem. Er wisse derzeit nur noch nicht, wie groß. Er will einen sauberen Sport, halt Doping für gefährlich, weiß aber auch, dass daüfr noch eine Menge zu tun ist. Das will er anpacken.

Der Versuch der UFC, das Videomaterial von M-1 zu kaufen

Vor einigen Woche wurde bekannt, dass die UFC im vergangenen Jahr versucht hatte, die komplette Medien-Bibliothek von M-1 zu kaufen, um sie in ihren eigenen Streamingservice Fight Pass zu integrieren. Finkelchtein erklärt, er habe nicht die Absicht seine Inhalte zu verkaufen und besitzt inzwischen seine eigene Streamingplattform namens M-1 Global TV. Die UFC hätte ihm ohnehin nicht genügend Geld geboten.

M-1 will er nach 17 Jahren im übrigen true bleiben. Zumindest so lange, wie er Ergebnisse sieht, wie er erklärt.