Interviews

UFC Nederland: Fans bringen UFC ins niederländische TV

Giovanni Tjin

Die niederländischen Kampfsportfans klagten viele Jahre über dasselbe Problem wie ihre deutschen Nachbarn: Die UFC wurde nicht im Fernsehen übertragen. Giovanni Tjin, Chefredakteur von EpicMMA.nl, und sein Team haben die Initiative „UFC Nederland" gegründet, um TV-Macher davon zu überzeugen, die UFC ins Programm zu nehmen – mit Erfolg: Seit diesem Wochenende überträgt der TV-Sender „FOX Sports NL" die UFC.

Im Interview mit Groundandpound.de spricht Tjin über die niederländische MMA-Szene, sein Projekt und dessen deutschen Gegenpart „Wir wollen UFC im deutschen TV".

Die UFC wird ab sofort im niederländischen TV übertragen! Dein Projekt „UFC Nederland" hatte dabei einen großen Anteil.
Wenn ich auf all die harte Arbeit zurückblicke, die wir in dieses Projekt gesteckt haben, muss ich sagen, dass ich extrem glücklich bin, dass wir damit endlich erfolgreich waren. Wir machen das alles freiwillig und haben Jobs und Familien, um die wir uns kümmern müssen. Es ist schön zu sehen, dass all die Zeit, die wir in diese Community gesteckt haben, sich ausgezahlt hat.
Die MMA-Szene in den Niederlanden ist noch nicht sehr groß, aber wir können ein stetiges Wachstum feststellen. FOX Sports ist ein Bezahlsender, aber „The Ultimate Fighter" und die europäischen Veranstaltungen werden im frei zugänglichen FOX-Network gezeigt. Ich glaube, dass die UFC-Übertragung auf FOX Sports NL der erste große Schritt sein wird, der niederländischen Öffentlichkeit den MMA-Sport vorzustellen.

Bitte erzähle uns, wie es zu dem Projekt gekommen ist.
Als 2013 angekündigt wurde, dass FOX Sports ins niederländische Sendernetzwerk aufgenommen wird, dachte ich sofort an den UFC-Deal in den USA, aber der galt eben nur für die USA, also war ich ein wenig enttäuscht. Ich erstellte eine Facebookseite, mit dem Ziel, dass die UFC auf FOX Sports übertragen wird. Nach ein paar Monaten tat ich mich mit anderen Jungs zusammen, um eine Community zu gestalten und wir begannen, Artikel über Veranstaltungen und Kämpfer zu verfassen. Jetzt sind wir sechs Mitglieder und ich hätte es nicht ohne sie stemmen können.
Nach einer Weile bemerkten wir, dass die Sportler das mochten, was wir taten, also bekamen wir Unterstützung von Kämpfern wie Bas Rutten, Urijah Faber, Gegard Mousasi, Miesha Tate und vielen mehr – nur der Liebe zum Sport wegen.
Eineinhalb Jahre später besteht unserer Community aus knapp 30.000 Mitgliedern und sie wächst noch immer täglich.

Mit welcher Strategie wolltet ihr den Sender überzeugen, die UFC auszustrahlen?
Ich habe in einer Firma für Informationssicherheit gearbeitet, die eine Top-down-Mentalität verfolgte. Sie haben Entscheider und Leiter angesprochen, um zu beeinflussen, wie eine Firma über die Informationssicherheit bei ihr denkt. Ich habe das genauso gemacht. Ich habe die Entscheider von FOX Sports Benelux und UFC UK kontaktiert und habe in beiden Organisationen von oben nach unten alles abgeklappert, von den Entscheidern bis zu den Marketingmitarbeitern.

Seit Kurzem gibt es in Deutschland ein ähnliches Projekt, „Wir wollen UFC im deutschen TV". Welche Ratschläge würdest du ihnen geben?
Ja, wir haben die Seite schon gesehen und wir lieben sie (und teilten sie)! Es gibt viele Menschen aus anderen Ländern, die daran interessiert sind, dasselbe zu tun, und es ist ziemlich toll zu sehen, dass wir eine Bewegung geschaffen haben. Ich rate, so viele Likes wie möglich zusammenzubekommen, indem man UFC-Kämpfer kontaktiert und sie um ihre Hilfe bittet. Die meisten UFC-Kämpfer sind sehr freundlich und offen. Denkt an Interviews, Videoclips mit „Ich will die UFC im deutschen TV", so etwas in der Richtung. Oder kontaktiert einfach uns, wir werden euch helfen.

In Deutschland fehlt es dem MMA-Sport in der breiten Öffentlichkeit nach wie vor ein wenig an Akzeptanz. Wie sieht es in den Niederlanden aus, ist der Käfig dort immer noch verpönt?
MMA im Käfig ist in den Niederlanden nicht verboten. Ich denke, manche Städte fürchten sich vor der schlechten Publicity, die ein „Käfig" mitbringt. Du und ich wissen, dass er der Sicherheit der Kämpfer und der Zuschauer dient, aber manche Städte sehen das nicht so. Ich denke, dass es noch zu früh ist, um zu beurteilen, wie groß der MMA-Sport in der breiten Öffentlichkeit ist. Ich denke, dass die UFC-Übertragung im TV erst der Anfang ist. Kickboxen ist hier noch immer recht groß, aber ich denke, dass der MMA-Sport letztendlich größer sein wird.

In der niederländischen Kickboxszene gab es in den vergangenen Monaten einige Gewaltverbrechen. Wie hat das die niederländische MMA-Szene beeinflusst?
Ich kenne die genauen Umstände dieser Verbrechen nicht. Kickboxer kamen auf brutale Weise ums Leben, das ist wahr, aber ich denke, diese Verbrechen waren nicht „typisch für Kickboxer". Es ging um Menschen und unglücklicherweise geschehen manchmal solche Dinge. Vielleicht hat es einen Teil der MMA-Szene beeinflusst, da wir die besten Kickboxer der Welt haben und manche dieser Kämpfer wahre Lokalhelden waren.

Wie ist es in den Niederlanden derzeit um den MMA-Nachwuchs bestellt?
Reine MMA-Veranstaltungen kommen hier derzeit nicht richtig in Gang, das liegt an der Angelegenheit mit dem Käfig, über die wir vorhin gesprochen haben. Kickbox-Veranstalter nehmen ein paar MMA-Kämpfe in ihr Programm auf, aber die finden in einem Ring statt. Und wir haben keine große Sportkommission, also gibt es auf jeder Veranstaltung andere Regeln.
Es gibt einige Talente in den Niederlanden, aber meistens müssen sie im Ausland kämpfen, um Erfahrung zu sammeln. Paulo Boer ist ein gutes Beispiel, ein niederländischer Meister, der in den USA beim American Top Team trainiert, um seinen Traum von der UFC zu verfolgen. Pieter Buist und Mellony Geugjes sind zwei weitere Toptalente, die man im Auge haben sollte. Es gibt noch weitere Talente, aber man muss sie erst entdecken, und das wollen wir als nächstes tun. Wir wollen uns mehr mit den nationalen Talenten zusammentun und ihnen auf ihrem Weg helfen, damit sie eines Tages, wenn die UFC in Amsterdam oder Rotterdam veranstaltet, verpflichtet werden.

Giovanni, vielen Dank, dass du dir für uns etwas Zeit genommen hast. Hast du ein paar letzte Worte an unsere Leserinnen und Leser?
Vielen Dank, dass ihr das Interview gelesen habt! Und wenn ihr ein Ziel habt, verfolgt es. Wenn die Menschen sagen, dass etwas unmöglich ist, beweist ihnen das Gegenteil.