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UFC is my life

Carlos Eduardo Rocha ist enttäuscht über seine Entlassung – doch will zurück in die UFC. (Foto: Carlos Eduardo Rocha)

‚UFC is my life’ – dieser Schriftzug ziert die linke Brust von Carlos Eduardo Rocha. Der Waisenjunge aus dem brasilianischen Armenviertel schaffte es, über den Umweg Deutschland, 2010 in die MMA-Campions League und gab in seinem Debüt bei UFC 122 mit einer Erstrunden-Submission einen anständigen Ton vor. Nach zwei Niederlagen in Folge ist in der UFC nun aber Schluss für „Ta Danado“. GroundandPound verriet er, wie es ihm nun geht.

„Es geht so“, erklärt ein geknickter Rocha am Telefon. Noch hat er den Rauswurf nicht ganz verkraftet, erzählt er weiter. „Aber was soll ich machen?“

Er sitzt in seiner Wohnung in Hermosa Beach, Los Angeles, Kalifornien; einer Stadt, über der fast immer die Sonne lacht. Carlos Eduardo Rocha ist im Moment nicht zum lachen zumute.

„Dass ich jetzt aus der UFC geworfen wurde, kommt total überraschend. Ich finde das total scheiße. Ich wurde in meinen Kämpfen schließlich weder ausgeknockt noch submittet“, so Rocha. „Ich bin geschockt! Mein Manager (Ed Soares) ist einer der größten MMA-Manager der Welt und hat sehr gute Kontakte zur UFC. Aber die haben nicht mit sich reden lassen. Ich weiß nicht was da los ist, ich bin sehr enttäuscht.“

Das ungeschriebene Gesetz der UFC-Matchmaker lautet: Drei Niederlagen und du bist raus. Es gibt natürlich Ausnahmen. Wie den Briten Dan Hardy zum Beispiel, der auch nach vier Niederlagen in Folge seinen Job behalten durfte. Oder wie Rocha, der nun nach nur zwei verlorenen Punktentscheiden seine Papiere bekam. Seine Anhänger zeigten im Internet ihr Unverständnis. Auch Rocha selbst versteht die Welt nicht mehr:

„In meinem Kopf ist gerade alles sehr kompliziert, ich frage mich einfach was los ist. Warum haben die mich rausgeworfen, ich mache immer eine gute Show, mit meiner deutschen Musik. Ich liebe es zu kämpfen. Ich verstehe nicht, was ich getan haben soll, dass Joe Silva mich nun ansieht und sagt: Der passt nicht in die UFC!", so Rocha. „Niemand hat mir erklärt warum (ich entlassen wurde), ich habe nur die Nachricht bekommen, dass ich raus bin“, so der Brasilianer mit dem deutschen Pass. „Es gibt einfach sehr viel Politik in der UFC. Vielleicht liegt es daran, dass ich Brasilianer bin und die nicht so viele Brasilianer haben wollen?“

Es sind verzweifelte Mutmaßungen einen Mannes, der seines größten Traums beraubt wurde. Nach einem beeindruckenden Debüt gegen Kris MacCray hagelte es zwei Monate später eine geteilte Punktniederlage gegen das damalige Top Fünf-Weltergewicht Jake Ellenberger. Den konnte Rocha in Runde eins nach Belieben am Boden dominieren – doch nicht finalisieren. Die Runden zwei und drei spielten sich fast ausschließlich im Stand ab. Das rächte sich auf den Punktrichterzetteln.

Nach einer langen Verletzungpause kehrte er nun Anfang Juni bei UFC on FX: Johnson vs. McCall zurück und trat gegen Mike Pierce an. Der hatte vorher lauthals getönt, unbedingt einen Kampf gegen einen Brasilianer haben zu wollen, die seien schließlich alle „leicht zu besiegen“. Rocha nahm dankend an, aber blieb hinter den hohen Erwartungen zurück. Am Boden zeigte er zu wenig, konnte keine seiner gefürchteten Submissions anbringen und ließ stattdessen Pierce das Geschehen aus der Guard kontrollieren. Der Punktentscheid war einstimmig. Rocha hatte verloren. Rocha selbst findet:

„Meinen ersten Kampf habe ich gewonnen. Meinen zweiten Kampf habe ich mir immer wieder auf Video angesehen, den habe ich meiner Meinung nach auch gewonnen. [...] Und gegen Mike Pierce ist nichts passiert, der hat mich einfach 15 Minuten am Boden gegen den Käfig gepresst und letztlich nur durch Takedowns gepunktet. Das war für mich kein Kampf. Ich war bereit, im Stand und auch am Boden zu kämpfen. Er wollte aber taktieren und nur nach Punkten gewinnen, weil er Angst hatte. Das habe ich in seinen Augen gesehen. So wie er im Vorfeld geredet hat, dachte ich, er kommt um zu kämpfen. So war es aber nicht.“

Rochas Tätowierung lügt nicht. Der MMA-Sport ist da einzige, was der Junge aus Cabedelo, Paraiba, Brasilien hat. Die Nachricht vom Rauswurf schlug ein wie eine Bombe.

„Das ist jetzt eine sehr schwierige Zeit in meinem Leben“, erklärt er. „Ich bin gerade von einer schweren Operation zurückgekommen, nachdem mein Arzt mir gesagt hat, dass ich vielleicht nie wieder kämpfen könnte. Ich habe dann wirklich alles gegeben, hart und unter Schmerzen trainiert und ich habe es geschafft, wieder zu kämpfen. Und auf einmal: Bamm! Der nächste Rückschlag. [...] Als ich von dieser ganzen Sache erfahren habe, habe ich zu mir selbst gesagt, dass ich nie wieder kämpfe. Ich bin da immer noch hin und hergerissen.“

Doch Rocha braucht diesen Sport. Er braucht die UFC. Und er wäre nicht der Erste, der sich nach einem Abstieg in die kleineren Ligen der USA mit einigen beeindruckenden Siegen wieder oben zurückmeldet.

„Ich trainiere jetzt weiter und werde in ein, zwei kleineren Events kämpfen. Danach sehe ich weiter, ob ich wieder (in die UFC) reinkomme“, so Rocha. „Von der UFC habe ich nichts gehört, aber mein Manager sagt, wenn ich zwei Kämpfe gewinne, kann ich wieder zurück.“

Das Tattoo kann also bleiben. Der Traum UFC ist noch immer nicht ausgeträumt für den sonst so lebensfrohen BJJ-Schwarzgurt. Es wird eine Zeit geben, in der er seine linke Brust und den Schriftzug darauf wieder mit Stolz betrachten kann. Oder etwa nicht?

„Ich weiß nicht, ich bin sehr enttäuscht. Was die mit mir gemacht haben ist ungerecht und sehr gemein. [...] Ich habe in keinem meiner Kämpfe großartig Schläge abbekommen, ich habe immer mein Bestes gegeben und wollte etwas zeigen. Aber die Leute haben Respekt vor mir und vermeiden es deshalb zu kämpfen.“

So auch ein nicht näher benannter „Ex-UFC-Kämpfer“, auf den Rocha in nächster Zeit bei einer kleineren Show in den USA treffen sollte. Es wäre sein erster Kampf nach dem Rauswurf geworfen. Doch der Kampf kam nicht zustande.

„Eddie (Soares) wollte mich für eine Veranstaltung verpflichten, bei der ich gegen einen Ex-UFC-Kämpfer antreten sollte“, bestätigt Rocha. „Der hat dann aber gesagt, dass er nicht gegen mich kämpfen will.“ Bislang steht also noch kein Termin für „Ta Danados“ Comeback fest. Fest steht nur: Er will „so schnell wie möglich wieder kämpfen“.

„Ich bin als Kämpfer geboren. Ich kann das. Ich kann nur das. Das ist mein Leben. Ich hoffe, dass ich mit ein paar Siegen zurückkehre und wieder in die UFC komme.“