Interviews

Tupac Israel: „Nur Loser schlagen sich auf der Straße“

Der Grappling-Champion mit dem außergewöhnlichen Namen: Tupac Israel.

Tupac Israel trainiert erst seit Oktober 2013, doch gilt der junge Schüler von MMA-Urgestein Mario Stapel bereits jetzt als großes Grappling-Talent. Bei der diesjährigen NAGA in Paris konnte er mehrfach die Goldmedaille sichern und darf sich inzwischen auch Shooto-Grappling-Champion nennen. Wir sprachen mit dem jüngsten Blaugurt (15) vom Team Serious Fighter.

Wie wir erfahren haben, hattest du keine leichte Kindheit. Kannst du uns ein wenig darüber erzählen und wie du den Weg zum Kampfsport gefunden hast?
Tupac Israel: Ich bin in einem Problemviertel der Gießener Weststadt groß geworden. Durch meine Familie wurde mir das alles quasi vorgelegt. Die Freunde, die ich hatte, haben mir schon mit 8 Jahren gezeigt wie man Autos knackt und vieles mehr. Sagen wir mal so viel: Ich habe alles anders angefangen, als ein - ich sage mal "normales" Kind. Auch einen Vater, der es mir hätte besser zeigen können, hatte ich nie. Wie ich zum Kampfsport gekommen bin? Das weiß ich noch ganz genau (lacht).

Das ist eigentlich ganz zufällig gekommen. Ich saß mit einem Schulkameraden vor Mario Stapels Gym. Ich habe überlegt was das hier sein kann. Diese große Halle und dann das coole Logo. Ich hörte vorher wie mein Kollege am Telefon sagte: „Ja ich bin hier gerade vor dieser Freefight-Halle.“
Da wurde ich neugierig und bin rein. Mario hielt mir dein Hand hin und sagte: „Hi, ich bin Mario.“
Ich sagte: „Hallo, Tupac.“ Mario haute meine Hand weg und sagte sowas wie: „Laber keine Scheiße, Junge, Lügenmärchen kannst du deinen Freunden in der Schule erzählen.“ (lacht)
Naja, wir hatten uns ein bisschen unterhalten und ich kam am nächsten Tag direkt zum Probetraining.

Wenn du zurückblickst, was hat sich geändert durch dein Training. Oder anders gefragt, wäre dein Lebensweg deiner Meinung nach anders verlaufen ohne den Kampfsport?
Es hat sich sehr viel geändert. Mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Ich war ein „Streuner“, oder wie Mario immer sagt „ein kleiner Assi“. Immer unterwegs, kannte keine Regeln, keinen Respekt, aber Jiu-Jitsu hat mich komplett umgekrempelt. Ich lernte neue Sachen wie Disziplin, Respekt und Gehorsamkeit kennen. Ich bin durch Jiu-Jitsu total ausgeglichen und gechillt. Wie mein Leben ohne BJJ wäre? Ich denke, ohne den Sport wäre ich jetzt eine ganze Weile weg. Also im Knast - und das denke ich nicht nur, ich weiß es. Mario hat sich für mich eingesetzt und mich vor einer längeren Gefängnisstrafe bewahrt. Dafür bin ich Mario sehr dankbar.

Wirst du beim Grappling bleiben, oder willst du dich in Zukunft auch im MMA, Boxen oder Kickboxen messen?
Ich denke Grappling und Jiu-Jitsu liegen mir ganz gut. Natürlich mache ich auch viele Wettkämpfe und habe bei vielen auch gut abgeschnitten, dennoch verspüre ich jetzt immer mehr den Drang zum MMA. Ich will dort Wettkämpfe bestreiten und mich auch dort beweisen.

Wie war dein Erlebnis bei der NAGA und wie stolz warst du, dort mehrfach Gold gewonnen zu haben?
Oh Mann, das war schon ein tolles Gefühl, die Naga Europeans zu gewinnen. Echt jetzt, das hat mich richtig stolz gemacht. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich noch mehr im Gi trainieren muss. Ich habe bei den Erwachsenen Gold geholt, das war schon eine geile Sache.

Was hast du für Ziele für das kommende Jahr? Wo willst du angreifen?
Ich habe jetzt vor, die deutsche Qualifikation für die Abu Dhabi-Jiu-Jitsu-Pros zu machen. Das ist dann gleichzeitig die Ausscheidung für die Abu Dhabi Worlds. Mal sehen. Wenn Mario denkt, dass ich soweit bin, gebe ich eventuell auch nächstes Jahr mein MMA-Debüt.

Vielen Dank für das Interview. Hast du abschließend eine Nachricht an andere Jugendliche, die auch eine schwere Kindheit erleben, um sie zu motivieren?
Ich danke euch. An die Kids da draußen, habe ich folgendes zu sagen: Glaubt an euch und macht was aus euch. Harte Arbeit zahlt sich früher oder später immer aus, das ist nicht nur ein Spruch. Hört auf, Scheiße zu bauen und euch auf der Straße zu schlagen. Das machen nur Loser. Glaubt an eure Träume und arbeitet hart dafür, sonst bleiben sie nur Träume.