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TUF 22: Artem Lobov im exklusiven Interview

Artem Lobov will in Conor McGregors Fußstapfen treten (Foto: Zuffa LLC).

Motivation war kein Problem für Artem Lobov, als er im Sommer im „The Ultimate Fighter“-Gym ins Octagon stieg. Monatelang war er seinem langjährigen Trainingspartner Conor McGregor um die Welt gefolgt, hatte Luxus und Triumph gesehen und anschließend seine eigene Chance auf den großen Durchbruch in die UFC bekommen. Und war gescheitert.

Kurz, nachdem McGregor sich am 11. Juli bei UFC 189 den Interimstitel des UFC-Federgewichts holte, standen in Sin City die Ausscheidungskämpfe der neuen „The Ultimate Fighter“-Staffel an. In der 22. Ausgabe der Reality-Serie trat zum ersten Mal ein ganzer Kontinent gegen ein einzelnes Land an – 16 US-amerikanische und europäische Talente kämpften in Las Vegas die zwei begehrten Final-Plätze untereinander aus.

Lobov, ein gebürtiger Russe, der jetzt in Dublin zuhause ist, hatte es als Teil des europäischen Teams in die engere Auswahl geschafft. Nur ein einziger Kampf stand noch zwischen ihm und seinem Sprungbrett in die UFC.

Lobov dachte, dass schon die ersten Kämpfe zwischen Europäern und Amerikanern ausgetragen würden. Die Nachricht, dass er erst einen Europäer schlagen musste, um überhaupt gegen einen Amerikaner antreten zu können, war dementsprechend ernüchternd. Anstatt mit einem leichten „B-Level-Gegner“ würde er es mit einem „richtigen Kämpfer“ aus Europa zu tun bekommen, um überhaupt ins TUF-Haus gelassen zu werden: „Ihr habt es selbst gesehen – man hat es in den Kämpfen gesehen, wie gut die Europäer waren“, so Lobov. „Das waren alles professionelle Kämpfer. Allesamt UFC-Kaliber, wenn du mich fragst.“

Lobov stieg natürlich trotzdem in den Käfig, gab nach zwei harten Runden jedoch eine knappe Punktentscheidung an den Franzosen Mehdi Baghdad ab. Aus der Traum von der UFC.

„Ich dachte, ich müsste wieder in der Bank arbeiten“

“Ich war am Boden zerstört (…). Ich dachte nur ‚Was mache ich jetzt?‘ Ich hatte meine Chance, in die UFC zu kommen und ich bin gescheitert. Ich dachte, ich müsste zurück nach Hause, einen normalen Job annehmen, wieder in der Bank arbeiten. Ich dachte, die UFC würde auch weiterhin nichts als ein Traum bleiben und ich würde die UFC-Handschuhe nie wieder anlegen dürfen.“

Ein paar Tage lang verkroch Lobov sich in McGregors für sein Trainingscamp für UFC 189 angemieteten Villa, der ‚MacMansion’. McGregor bot ihm einen Trainerposten für die Staffel an, „damit ich wenigstens noch ein wenig Geld verdienen konnte“, aber für Lobov war das Abenteuer UFC abgeschlossen. „An diesem Punkt war mir alles egal (…). Ich war mir sicher, dass ich nach Hause fliegen würde.“

Zwei Tage später klingelte das Telefon – Dana White teilte ihm mit, dass in dieser Staffel jeder Trainer einen ausgeschiedenen Kämpfer zurück ins Haus bringen dürfte. Mit einem langjährigen Freund und Teamkollegen Lobovs als Coach war schnell klar, welcher Europäer doch noch in die Villa einziehen würde...

„Als ich es erfahren habe, war es mir eigentlich relativ egal“, erinnert sich Lobov an seine etwas überraschende Reaktion auf die frohe Botschaft. „Ich habe es als neue Chance gesehen (…). Wenn mich jemand fragt, ob ich kämpfen will, werde ich immer Ja sagen. Das habe ich schon außerhalb der UFC getan – ganz egal, wie kurzfristig es auch war. Ich habe noch nie einen Kampf abgelehnt, deswegen habe ich jetzt auch nicht damit angefangen.“

Und so wurde der Rückflug nach Irland doch noch um sechs Wochen aufgeschoben. Ex-Gegner Baghdad war sichtlich überrascht, als sein geschlagener Kontrahent nachträglich durch die Tür hereinkam, „denn eigentlich war es nicht vorgesehen, dass er mich hier noch einmal wiedersehen würde“, lacht Lobov. Probleme innerhalb des Teams gab es dennoch keine: „Es lief alles gut. Für mich war es definitiv kein Problem. Ich habe in Europa bereits gegen (meine TUF-Trainingspartner) Saul Rogers und Martin Svensson gekämpft, für mich war das also nichts Neues.“

Kritik hagelte es dagegen vor allem online. Mit 11 Siegen und 10 Niederlagen in Lobovs Profi-Bilanz gäbe es sicherlich andere Kämpfer, die eine zweite Chance auf den ersten Blick mehr verdient hätten. “Ich weiß selbst, dass ich diese Chance nur wegen Conor bekommen habe. Das habe ich nie bestritten und das werde ich auch nie, weil es ein Fakt ist“, gibt Lobov zu.

Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen trotzdem nicht: „Es gibt viele andere Leute, die in meiner Position sein könnten. Sind sie aber nicht. Sie haben es nicht geschafft, sie haben nicht die harten Runden (mit McGregor) überstanden, die wir zusammen auf der Matte ausgefochten haben. Sie haben das jahrelange Sparring nicht ausgehalten, in der Kälte, als das Blut und der Schweiß durch das Gym gespritzt sind (…). Ich bin nicht sein Sparringspartner, weil ich gut aussehe. Ich bin sein Sparringspartner, weil ich es mir mit meinen Fäusten verdient habe.“

„Ich meine, was hat er mir wirklich ermöglicht? Er hat mir die dritte Runde gegeben, die ich nicht bekommen hatte – eine neue Chance, mich zu beweisen.

„Wenn ich es nicht schaffe, dann ist das halt so.“

Seine unspektakuläre Statistik ist laut Lobov allein darin begründet, dass er sich in der europäischen Szene seit jeher den härtesten Gegnern gestellt und keinen noch so schwierigen Kampf abgelehnt hat. Für den „Russischen Hammer“ ist das eine Frage der Mentalität.

„Ich hasse aufgebauschte Bilanzen“, so Lobov in einem Tonfall, der deutlich macht, dass er es ernst meint. “Ich könnte niemals einen Kampf annehmen, in dem ich nur zum Gewinnen in den Käfig steige. Ich will eine Herausforderung.“ Lobov redet sich in Rage. „Das gibt es in keinem anderen Sport (…). Kannst du dir einen Tennisspieler vorstellen, der gegen zehn Leute von der Straße gewinnt und dann Wimbledon spielt? Wenn wir als Sport ernst genommen werden wollen, dann müssen wir dieses Bilanzjagen loswerden.“

Hätte er diese Masse-statt-Klasse-Mentalität angenommen, wäre er schon längst in der UFC, ist sich Lobov sicher: „Ich habe mich vor längerer Zeit mit Sean Shelby (UFC-Matchmaker, d. Red.) unterhalten und er hat mir gesagt, ich solle meine Bilanz auf 15-10 aufbauen, dann würde er mich unter Vertrag nehmen. Und ich habe ihm gesagt ‚Keine Chance‘. Das würde ich niemals tun. Ich werde auch weiterhin gegen die härtesten Gegner kämpfen und wenn ich den Durchbruch nicht schaffe, dann ist das halt so. Aber wenigstens weiß ich dann, dass ich es auf die richtige Art versucht habe.“

Darüber muss Lobov sich momentan zumindest keine Gedanken machen. In den letzten Monaten wurden ihm seine Gegner vorgesetzt und falls er es in die UFC schaffen sollte, hätte es sich mit vermeintlich leichten Gegnern sowieso erledigt.

Seinen zweiten Kampf im TUF-Haus bestritt Lobov in der aktuellsten Episode gegen James Jenkins. Und obwohl seine „B-Level“-Kommentare gegen die amerikanischen Kämpfer auf den ersten Blick reichlich arrogant wirken mögen – seine Leistung gegen Jenkins lässt nicht viel Raum für Kritik. Lobov nahm den Amerikaner ohne Deckung mit harten Kombinationen auseinander und knockte ihn am Ende der ersten Runde aus.

Ausgeträumt ist der Traum von der UFC für Artem Lobov also doch noch nicht. Oder, vielleicht ist er das – als Zuschauer allerdings wird man sich bis zum Ende der im Sommer abgedrehten Staffel gedulden müssen, um sämtliche Ergebnisse zu erfahren. „Es war an mir, mich zu beweisen. Conor konnte ja nicht meine Kämpfe für mich ausfechten. Ob mir das gelungen ist oder nicht, kann ich euch natürlich nicht sagen, dazu müsst ihr euch schon die Show ansehen. Sie ist sehr gut geworden, an eurer Stelle würde ich das also nicht verpassen.“


The Ultimate Fighter: Team USA vs. Team Europa wird in Deutschland mit Verzögerung auf dem UFC Fight Pass sowie auf Youtube gezeigt.