Interviews

Sven Neumann: Ein neues Zeitalter bei Respect.FC

Der neue Mann bei Respect.FC: Sven Neumann (Fotos: Neumann, Groundandpound.de)

Im letzten Jahr wurde es ruhig um eine der größten MMA-Veranstaltungsreihen Deutschlands, nun ist Respect Fighting Championship wieder zurück. Am 11. April gibt es in Wuppertal die 12. Ausgabe. Der neue Mann an Bord, Sven Neumann, hat große Pläne für die Zukunft. Er spricht von einer freundlichen Übernahme und von vier Shows pro Jahr. Und er machte kürzlich mit einem Statement zur deutschen Szene im Internet auf sich aufmerksam. wir haben mit dem Kickfighter-Chef und WKU-Offiziellen über seine neue Rolle bei Respect.FC gesprochen.

Groundandpound.de: Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Respect und dir?
Sven Neumann: Es ist ein offenes Geheimnis, dass Respect im April den letzten Event abgehalten hat und der September-Event dann ins Wasser gefallen ist. Das hat mich dazu bewogen, Kontakt mit den Veranstaltern Sebastian (Tlatlik) und Ben (Helm) aufzunehmen, um mal nachzuhaken was da genau Sache ist. Wir haben uns dazu entschlossen, Respect wieder aufleben zu lassen und das Ganze ein wenig umzustrukturieren.

Inwiefern?
In Form unseres nächsten Events. Die letzten beiden Jahre waren wir ja in Dormagen. Vor zwei Jahren war das eine große, gut besuchte Veranstaltung, im letzten Jahr wurde alles ein bisschen zurückgefahren, es gab keinen großen Walk-in, keine Bühne mehr. Wir wollen jetzt wieder daran anknüpfen, wo Respect vorher gestanden hat. Maßstab wird nicht die Show vom letzten Jahr, die zugegebenermaßen ja auch publikumstechnisch nicht so gut gelaufen ist, sondern wir wollen wieder etwas mehr bombastische Showelemente bringen, wie Respect es früher auch getan hat. Ich möchte Entertainment machen, d. h. nicht nur gute Kämpfe, sondern das Abendprogramm muss auch stimmen.

Du bist neben Tlatlik und Helm nun der dritte Mann am Steuer. Wie sind da die Aufgaben verteilt?
Wir teilen da schon kräftig auf. Ben ist weiterhin für das Matchmaking zuständig, Sebastian für die Eventorganisation und das Führen von Gesprächen mit Fightern, Clubs und Managern. Ich mache das Marketing, bin aber auch in das Matchmaking direkt involviert. Die Sachen gehen alle über meinen Schreibtisch und ich sage letztendlich ja oder nein. Ich mache außerdem auch meine eigenen Fights, die dann dazukommen. Personell hat sich also nicht viel geändert, geändert hat sich nur die Gesellschaftsform. Früher war es eine GbR, geführt von Sebastian und Ben, heute ist es eine KG, geführt von mir. Es war uns sehr wichtig, dass wir da keine Kompetenzen verschieben, sondern mit der altbewährten Crew weiterarbeiten. Das gilt natürlich auch für das Kampfgericht, die Organisation, usw.

UFC-Kämpfer Nick Hein mit Veranstalter Sebastian Tlatilik.UFC-Kämpfer Nick Hein mit Veranstalter Sebastian Tlatilik.

Respect wurde nun also wiederbelebt. Wie geht es nach dem April weiter?
Ab April starten wir voll durch! Wir werden aus Nordrhein-Westfalen rausgehen. Vorher war Respect sehr NRW-lastig, jetzt werden wir auch andere Standorte in Angriff nehmen. Im Juni gehen wir z. B. nach Karlsruhe und nach der Sommerpause wird es je einen Event in Hessen und Bayern geben.

Das wären vier Events pro Jahr. Stehen schon genaue Termine?
Der Termin für Karlsruhe steht schon fest, das ist der 13. Juni. Die anderen beiden Termine sind eher vage, es sind der September und der November angedacht.

Bei Respect werden nun WKU-Titel ausgekämpft. Was passiert mit den Respect-Titeln und Champions?
All unsere Respect-Champions bleiben erst mal weiterhin Champions. Wir werden aber nicht nur Respect-Titel auskämpfen, sondern in ausgewählten Kämpfen auch WKU-Titel auskämpfen lassen. Ein konkretes Beispiel: Im April kämpft Ania Fucz gegen Fran Vanderstukken. Nebenbei: Wir werden künftig ein größeres Augenmerk auf Frauen-MMA legen. Bei diesem Kampf wird der erste Respect-Frauen-Titel vergeben, und zusätzlich dazu wird es einen WKU-Europatitel geben, weil beide Frauen international erfolgreiche Kämpferinnen sind – aus Deutschland und Belgien. Eine der Damen wird an dem Abend also mit zwei Gürteln nach Hause gehen.

Wofür werden künftig Respect- und wofür WKU-Titel vergeben?
Es ist angedacht, WKU-Titel bei internationalen Kämpfen zu vergeben, bei denen die Sportler eine gewisse Qualität mitbringen. Kämpfe, die es würdig sind, da einen Europa- oder gar einen Welttitelkampf draus zu machen.

Muss man Respect-Champion sein, um sich für einen WKU-Titel zu qualifizieren?
Nein.

Es ist also theoretisch möglich, dass es pro Gewichtsklasse zwei Titelträger gibt – einen Respect- und einen WKU-Champion?
Ja, das ist möglich.

Superfights zwischen Respect- und WKU-Champions wären also künftig bei Respect denkbar?
Das ist alles durchaus machbar, da sind wir völlig frei und unabhängig von der WKU. Auch wenn ein Portal aus Süddeutschland geschrieben hat, die Kämpfe werden von der WKU organisiert. Das stimmt nicht. Die Kämpfe werden von uns organisiert, zwar in Rücksprache mit der WKU, aber von uns vollkommen unabhängig. Wenn sich die Möglichkeit eines Vereinigungskampfes bietet, dann machen wir den auch.

Respect-Champion Max Coga kämpft am Samstag bei M-1 Global in Russland.

Die WKU ist jetzt also nicht der Dachverband der über Respect steht?
Nein, das ist eine lockere Kooperation. Wir können WKU-Titel auskämpfen und haben dafür auch WKU-Offizielle da, aber Chef im Ring bei Respect ist und bleibt Respect selbst.

Du hast dich vor einigen Tagen in einem offenen Brief ein wenig kryptisch und kritisch über die deutsche Szene geäußert. Was genau war damit gemeint?
Ein Thema, das mir so ein bisschen Schmerzen bereitet, ist, dass in der deutschen Szene niemand dem anderen auch nur das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt. Viele rühmen sich ja immer damit, dass sie frei und unabhängig sind, das halte ich aber für einen Trugschluss. Und ich finde, es ist kontraproduktiv für die deutsche Szene, wenn verschiedene Presseportale gegeneinander arbeiten und keiner an dem anderen ein gutes Haar lässt. Wenn ich bei anderen Portalen da teilweise hanebüchene Geschichten lese, dann denke ich mir, die haben alle meine Nummer – sollen sie mich doch bitte anrufen und nachfragen, bevor sie irgend etwas schreiben.

Du bist WKU-Offizieller, Chef von Kickfighter und nun Mitveranstalter von Respect.FC. Wie groß ist die Gefahr, dass sich da Interessen vermischen? Hast du dich auf Gegenwind aus der Szene gefasst gemacht?
Natürlich merke ich auch, dass mir da ein bisschen der Wind ins Gesicht schlägt. Es ist bekannt, dass ich für den Kickfighter verantwortlich bin. Wenn man sich aber mal die letzten Tage anschaut, seitdem die Kooperation mit Respect bekannt ist, kann man sehr deutlich sehen, dass ich Respect und Kickfighter klar voneinander trenne. Ich bringe keine Exklusiv-Geschichten, weil ich den besten Zugang zu Respect und Kickfighter habe. Ich arbeite durchaus gerne mit allen Portalen zusammen und lasse ihnen gleichberechtigt Informationen zukommen. Da mache ich keine Politik, das ist nicht mein Ding, das ist nicht mein Weg. Hätte ein anderes Portal nachgefragt bzw. um eine Stellungnahme oder ein Interview gebeten so wäre ich diesem Wunsch genauso nachgekommen. Es ehrt mich aber, dass Groundandpound.de dieses Interesse zeigt.

Sven, wir danken für das ausführliche Gespräch.
Ich danke euch.