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Sebastian Heil: „MMA in Deutschland muss noch professioneller werden!“

Sebastian Heil (Foto: Sebastian Heil)

Als Sebastian Heil am 12. März den Ring von Respect.FC 15 betrat, war das Halbschwergewicht noch ungeschlagen und, in den Augen mancher, auch ungetestet. Zwei Minuten später sollten sich die Zweifel bewahrheiten, Marco Knöbel knockte Heil in der ersten Runde aus. Ein halbes Jahr später steht der Karlsruher vor seiner nächsten Aufgabe. Als Kapitän führt er die deutsche Mannschaft bei IFO Europe 2 in den Ländervergleich mit Polen. Er selbst steht Damian Skarzynski gegenüber. Mit GNP1.de hat er vorher exklusiv über seinen Kampf, seine Zeit im Gym von Greg Jackson und die deutsche MMA-Szene gesprochen.

GNP1.de: Sebastian, danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Wie geht es Dir? Wie lief die Vorbereitung?
Sebastian Heil: Mir geht es sehr gut, ich hatte keinerlei Probleme in der Vorbereitung und bin verletzungsfrei. Das Sparring ist auch rum, es gibt also auch keine Risiken mehr. Ich bin ganz froh, dass die Vorbereitung jetzt rum ist, das Training ist ja meist härter als der Kampf.

Du bist seit 14 Monaten wieder aktiv im Käfig, wie würdest du dein Jahr rekapitulieren?
Durchweg positiv. Unabhängig von meiner Niederlage, denn selbst die hat mich vorangebracht. Ich hätte aber lieber noch einmal mehr gekämpft, aber eine kleine Verletzung am Sprunggelenk hat das verhindert. Ansonsten war aber alles sehr positiv.

Du bist in der Vergangenheit immer wieder nach Albuquerque zum Jacksons-Winkeljohn-Gym geflogen. Was hast du von dort mitgenommen?
Ich war letztes Jahr im September und dann noch einmal im Frühjahr drüben. Insgesamt acht Wochen, in denen ich technisch so viel gelernt habe, wie noch nie. Das Niveau im Coaching und Sparring ist dort sensationell, alleine schon, weil man dort wirklich jeden möglichen Sparringspartner vorfindet. Wenn mein Kampf vorbei ist, fliege ich wieder rüber, dieses Mal noch länger.

Das Gym war im Sommer ja doch ein wenig in den Schlagzeilen, nachdem Jon Jones vor seinem Kampf bei UFC 200 gegen Daniel Cormier positiv getestet wurde und nicht antreten konnte. Wie hast du ihn kennengelernt?
Ich muss sagen, ich war sehr überrascht vom Test. Da muss man ja noch sehen, was da schlussendlich rauskommt. Aber von dem, was ich gesehen habe, kann ich nur Positives von ihm berichten, auch im Zwischenmenschlichen. Er hat sich als sehr sympathischer Teamplayer herausgestellt und nicht den Star raushängen lassen, sondern auch mit den unbekannteren Kämpfern wie mir Sparring gemacht und sie unterstützt. Er hat immer positive Stimmung verbreitet. Klar, wenn man die Videos sieht, wirkt er manchmal unsympathisch und er macht auch keinen Hehl daraus, dass er Cormier nicht leiden kann, aber er ist in keinster Weise ein schlechter Mensch.

Sebastian Heil (stehend, 2.v.l.) im Gym von Greg Jackson. Vor ihm knieend: Jon Jones (Foto: Sebastian Heil)

Kommen wir zurück zu Dir. Du hast im April gegen Marco Knöbel deine erste Niederlage eingesteckt. Was lief schief?
Ich war einfach zu hektisch. Ich habe das im Kampf auch selbst gemerkt, aber dann ist es meistens schon zu spät. Und meine Technik war nicht gut, Marco hat das sehr gut ausgenutzt, vor allem, dass mein Kinn oben war. Ich habe seitdem nicht nur an meinen technischen Fehlern gearbeitet, sondern auch daran, den Kampf ruhiger anzugehen. Ich habe gemerkt, dass ich mental nicht richtig eingestellt war. Ich war nicht demotiviert oder so, aber ich war bei den Kämpfen davor mental anders eingestellt. Die innere Ruhe hat mir gefehlt.

Weißt du, woran das lag?
Nicht an der Vorbereitung, die hat sich gut angefühlt. Vielleicht habe ich in Albuquerque zu lange zu hart trainiert und war deswegen nicht ganz so fit und locker in der letzten Woche vor dem Kampf, weil ich mich noch ein wenig erholen musste. Aber ich habe mich gut gefühlt, nur nicht ruhig genug. Letztendlich war es eine positive Erfahrung für mich. In den Kämpfen davor habe ich einfach meine Vorbereitung gemacht und bin in den Kampf gegangen, ohne mir groß Gedanken zu machen. Das waren Selbstläufer. Vielleicht habe ich mir gegen Marco zu viele Gedanken gemacht.

Jetzt geht es bei IFO Europe 2 gegen den Polen Damian Skarzynski. Er hat alle Siege vorzeitig geholt. Wie schätzt du deinen Gegner ein?
Er hat seine Stärken im Striking-Bereich, hat früher Tae-Kwon-Do gemacht, glaube ich. Ich weiß nicht, ob er richtige Schwächen hat, aber ich bin ihm in einigen Bereichen überlegen, sagen wir es mal so. Soweit ich seine Videos studiert habe, ist meine Strategie auch relativ eindeutig. Die wird man dann nächste Woche sehen, vorher gibt es da keine Informationen. (lacht)

Wie geht der Kampf aus?
Ich bin mir sicher, dass ich den Kampf vorzeitig gewinnen werde. Ob erste oder dritte Runde ist mir egal. Aber ich will auf jeden Fall dafür sorgen, dass er nicht wegen der Ringglocke, sondern wegen mir den Käfig verlässt.

Du gehst als Mannschaftskapitän in den Ländervergleich gegen Polen. Was bedeutet dir das?
Ich finde das Konzept ziemlich cool mit dem Ländervergleich zwischen Deutschland und Polen. Die Idee dahinter gefällt mir. Von dem her ist es für mich schon ein besonderes Event und kein 08-15-Ding. Man hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Aber letztendlich stehen da nur zwei Leute und ein Ringrichter im Käfig. Da macht es dann keinen Unterschied mehr, ob es ein Länderkampf ist, oder nicht.

Du kämpfst zum ersten Mal nicht in Baden-Württemberg. Macht das einen Unterschied, und gibt es sowas wie Heimvorteil überhaupt?
Ich muss ganz ehrlich sagen, für mich hat es bisher keinen Unterschied gemacht. Ich hatte in Karlsruhe viele Fans hinter mir, was mich sehr freut, aber ich blende das Drumherum im Kampf aus. Ich spüre da auch nicht mehr oder weniger Druck. Es hat auf mich nicht so den richtigen Effekt. Ich hätte auch am vergangenen Samstag bei Respect.FC 17 in Karlsruhe kämpfen können, aber ich wollte mal meine Routine durchbrechen. Mal neue Erfahrungen sammeln, ich bin ja trotz allem noch jung in diesem Sport.

Hast du auch etwas an deiner Routine im Training geändert?
Ich trainiere nach wie vor hart, aber wenn es Richtung Kampf geht, reduziere ich die Anzahl der Einheiten und die Länge. Es wirkt sich schon positiver aus, weil ich mich einfach frischer fühle. Ich fahre den Umfang ein wenig zurück, dafür die Intensität hoch. Ich trainiere immer noch zwei bis dreimal am Tag, nur habe ich ein paar Stellschrauben geändert.

Kommen wir zum Abschluss noch kurz auf UFC Hamburg zu sprechen. Wie fandst du die Leistung der deutschen Kämpfer?
Eigentlich durchweg positiv. Peter Sobotta und Jessin Ayari haben sehr starke Leistungen gebracht, aber damit hatte ich gerechnet. Jessin hat mich allerdings mit seiner Abgeklärtheit überrascht. Erster UFC-Kampf gegen einen starken Gegner vor ausverkauftem Haus, da gehen manchem ja schon mal die Nerven durch, aber er hat das super gemacht.

Glaubst du, dass dieser Event die nationale MMA-Szene weiter nach vorne bringt?
Ich hoffe, dass es nach vorne geht. Ich denke, der Knackpunkt ist, dass es wieder im Free-TV übertragen wurde. Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Damit es aber richtig nach vorne geht, müssen wir uns intern wieder besser verknüpfen. Wir brauchen endlich einheitliche Standards und Regeln auf nationaler Ebene und Dopingkontrollen. Da sind wir noch eher der Wilde Westen mit lauter Gesetzlosen. Da müssen wir einfach noch professioneller werden. Denn nur so kann man später auch mehr Fernsehgelder und Sponsoren bekommen, wodurch dann auch das ganze Niveau steigen kann. Da sind alle gefragt, Veranstalter, Manager, Kämpfer und da muss noch einiges passieren.

Was schwebt dir da genau vor?
Ich denke, die großen Veranstalter, Gyms und Manager müssen mehr zusammenarbeiten, sich einmal an einen Tisch setzen und dann vielleicht einen gesamtdeutschen Verband gründen, der wie die Kommissionen in den USA arbeitet. Von alleine wird das ja nicht passieren. Wir brauchen einheitliche Regeln und Standards und auch mehr Kontrollen. Es kann nicht sein, dass heutzutage jeder mit ein wenig Geld sagen kann, ich mache jetzt eine MMA-Veranstaltung und dann kontrolliert keiner, ob die Ärzte und Ringrichter auch richtig geschult sind. Damit habe ich ein Problem. Theoretisch darf hier jeder alles machen und es gibt keinen, der es überwacht. Nicht, dass das jemand ausnützen würde, aber es ist einfach unprofessionell. Ich war schon auf einem Event, da wurde ein MMA-Kämpfer angezählt wie beim Boxen. Das kann’s nicht sein. Es muss nur einmal ein Unfall passieren, wo ein Kämpfer vielleicht schwerer verletzt wird, weil im Vorfeld nicht genau hingeschaut und kontrolliert wurde. Dann war die jahrelange Arbeit komplett umsonst. Das fällt doch dann auf alle zurück. Das wäre ein gefundenes Fressen für Presse und die Landesmedienanstalt in Bayern, die nur darauf warten, dem Sport wieder Steine in den Weg zu legen. Wir haben in Deutschland super Veranstaltungsreihen, keine Frage. Aber eben leider auch welche, die noch nicht so super sind. Professionalisierung ist dringend notwendig.

Danke für die klaren Worte, Sebastian. Die letzten Worte gehören an dieser Stelle wie immer Dir.
Ich möchte allen Leuten danken die mich bei dem nie leichten Weg eines MMA-Profis unterstützen. Der Dank geht an meine Familie, meine Freundin Katja und allen Coaches. Speziell an meinen Box-Trainer Dominik Junge für die unzähligen Stunden an den Pratzen. Danke auch an alle Sponsoren, die mir das Leben als MMA-Profi ermöglichen: Cen-club und Gymstyle24.de.

IFO Europe 2 findet am 24. September in der Brandenburg-Halle in Frankfurt an der Oder statt. Karten findet man bei Eventim.de http://bit.ly/2a648Is, unter der E-Mail: info@ifoeurope.com, oder der Ticket-Hotline: 0162 35 666 39.