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Sebastian Baron Exklusiv-Interview

GroundandPound: Hallo Sebastian, herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Award als kultigster deutscher Kämpfer 2009. Hand aufs Herz: Was ging Dir als erstes durch den Kopf, als Du von dem Sieg in dieser Kategorie erfahren hast?

Sebastian Baron: Dass das der Trostpreis ist, weil ich in keiner der anderen Kategorien überzeugen konnte! Nein, ich hab mich schon ziemlich geehrt gefühlt, gerade weil es auch etwas abseits ist von messbarer Leistung...

Was war Deiner Meinung nach der ausschlaggebende Faktor für Deinen ziemlich eindeutigen Sieg?

Ich bin mir nicht sicher. Der Titel „kultig“ sagt ja nun erstmal aus, dass man schon eine ganze Zeit dabei ist und offenbar Eindruck hinterlassen hat - vor, während und nach den Kämpfen. Und irgendwie dachten da wohl viele Leute, dass das besser zu mir als zu den anderen Nominierten passt.

Sportlich ging das letzte Jahr mit zwei Niederlagen in Folge eher mager zu Ende. 2010 begann ebenfalls mit einer Niederlage. Wie willst Du den Hebel umlegen?

Indem ich wieder intensiver grappel – es waren immerhin drei Submission-Niederlagen. Ansonsten hab ich mir nichts vorzuwerfen, die Kämpfe waren alle gut, und ich konnte endlich wieder mein Standup einsetzen.

Trotz der Niederlage bleibt der Hauptkampf von Respect.3 gegen Nordin Asrih als einer der besten Kämpfe in der Geschichte des deutschen MMA-Sports in Erinnerung. Wie hast Du ihn als Beteiligter erlebt?

Es hat saumäßig Spaß gemacht! Ich war verletzungsbedingt so schlecht vorbereitet wie nie, noch auf dem Weg zum Ring hab ich mich gefragt, ob meine Wade wohl mitmachen wird. Aber ich wusste, dass Nordins Vorbereitung ebenfalls nicht glatt gelaufen war, zum einen war er drei Wochen vorher zum zweiten Mal Vater geworden, zum anderen wurde sein Gym dicht gemacht.

Das empfand ich als fair und war frei im Kopf. Ich konnte so viel Technik abrufen wie nie zuvor, und auch wenn alles nicht gereicht hat, um Nordin zu besiegen, war dieser Kampf sehr wichtig für mich, denn er hat mir klar gemacht, dass es Sachen gibt, die man in sechs Wochen harter Vorbereitung niemals lernen kann.

Sebastian Baron (r.) und Nordin Asrih nach ihrer Schlacht.

Asrih hatte bei der Wahl zum kultigsten Kämpfer den zweiten Rang hinter Dir belegt. Zudem trafen mit Euch beiden zwei grundverschiedene Charaktere aufeinander. Was war entscheidend dafür, dass nach dem erbittert hart geführten Kampf die epische Respektsbekundung die ganze Halle aus den Sitzen riss?

Das Auf und Ab des Kampfes sicher, und bestimmt auch die vielen Emotionen, die mitspielten. Das Team von Nordin, das durch sein Auftreten auf viele Zuschauer offenbar unangenehm wirkte, hat sich so sehr gefreut über den Sieg, und war wirklich sehr sportlich. Das war schön, und auch wenn es blöd klingt – ich hab's ihnen gegönnt!

Ich glaube, dass da im Publikum immer sehr viel projiziert wird, und egal wie es ausgeht, löst sich mit dem Ende eine ungeheure Spannung. Plötzlich ist halt einfach alles vorbei. Wir haben alles gegeben, das hat die Leute mitgerissen, und das Ergebnis ist so, wie es ist!

Ärgert Dich der kampfentscheidende Fehler, ohne Kraft kurz vor Ende zum Takedown zu gehen – Asrih zwang dich als Konter mit einem Choke zur Aufgabe -, heute noch?

Der Fehler ja, die Niederlage auf keinen Fall! Ich muss an dieser Stelle mal etwas richtig stellen: Es hat nicht der Falsche gewonnen! Ich habe das so oft gehört jetzt, so viele E-Mails bekommen deswegen, in meinen Augen stimmt es nicht!

Ich habe vielleicht insgesamt mehr Techniken gezeigt, und mehrfach Chancen gehabt, das Ding zu beenden - öfter als mein Gegner. Aber die Wahrheit ist, dass ich ohne den Referee einfach verreckt wäre in der Guillotine. So sieht's aus, und da gibt es nix schön zu reden. Das ist der Sport, und deshalb lieben wir ihn alle...

Bei Respect.4 triffst Du im September auf den Frankfurter Christian Eckerlin, der unter der Leitung von Daniel Weichel zu einem der größten Talente Deutschlands gereift ist. Was weißt Du von ihm, und was erwartest Du von ihm im Kampf?

Ich weiß nicht viel von ihm, aber was ich gesehen habe von ihm bringt mich zu der Ansicht, dass er mir vom Stil her sehr ähnlich ist. Das wird hart, und ich freue mich drauf. Mal sehen, was er so aushält - und was er so austeilt natürlich.

Nach drei Hauptkämpfen bei Respect.FC in Folge stehst Du nun erstmals nicht mehr an vorderster Stelle. Wie siehst Du die Tatsache, dass Du nun nicht mehr gegen die Elite des Landes sondern „nur“ gegen ein Talent ran musst?

Wer genau war noch mal die Elite? Nein, im Ernst, das bedeutet mir nichts! Ich habe mich geehrt gefühlt, dreimal den Hauptkampf machen zu dürfen, und zweimal hab ich es versaut. Aber auch sonst wäre es an der Zeit, das mal jemand anders machen zu lassen. Ich glaube im Übrigen, dass dieser ganze Record-Quatsch dem Sport eher schadet. Vielleicht nutzt er dem Einzelnen, oder zumindest glauben das viele...

Mal ehrlich: Wenn man jemand mit einem 10-0 Record hat, und jemand mit einem 10-10 Record, wer ist wohl der bessere Mann?! Für mich ist Kämpfen immer etwas sehr Persönliches, ich will etwas über mich herausfinden. Das kann ich nicht gegen jemand, der noch keine Kämpfe hat, sicher. Aber wenn er gut ist, im Stand wie am Boden, dann steht dem nichts im Wege, und ich nehme den Kampf an.

Baron präsentiert den GroundandPound Award.

Respect.4 wird ein großer Abend für dein Alligator Rodeo Team. Mit Dir, Björn Schmiedeberg und Alexandra Sanchez kämpfen die drei populärsten und stärksten Athleten an einem Abend. Wie wird deine Mannschaft diese Aufgabe stemmen?

Es sind ja nicht nur wir drei – es kämpfen noch fünf weitere Teammitglieder. Wir werden kleine Teams bilden, und auch das Coachen im Vorfeld ausgiebig besprechen und üben. Um mich selbst mache ich mir dabei am wenigsten Gedanken, das einzige, worauf ich achten muss ist, dass ich mich emotional nicht zu sehr in die Kämpfe der anderen rein hänge.

In meiner Ecke wird voraussichtlich Mario Stapel stehen, mit dem ich mich auch zusätzlich vorbereiten werde. Ach ja, und wir werden uns natürlich im August den Arsch abtrainieren. Schade um das Schwimmbadwetter, aber was soll's!?

Sebastian, wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft. Möge uns Dein mögliches Karriereende noch lange erspart bleiben!

Danke schön!