Interviews

Schlagabtausch

Oral und Sylvester (Foto via Sauerland Event).

Am 30. Oktober stehen sie sich im Ring gegenüber. Doch schon im Vorfeld kämpft der Herausforderer von IBF Champion Sebastian Sylvester, Mahir Oral, mit harten Bandagen. Während sich der Weltmeister im Presse-Interview mit Promoter Sauerland Event bedeckt hielt, zeigte sich Oral selbstbewusst und schoss einige Male scharf in Richtung seines Kontrahenten. Die brisantesten Aussagen der beiden Mittelgewichte.

Sebastian Sylvester:  „Ich will auf jeden Fall Weltmeister bleiben!“

Herr Sylvester, am 30. Oktober steigen Sie in Rostock in den Ring. Wie gut ist Ihr Gegner Mahir Oral?
Sebastian Sylvester: Er ist ein guter Boxer. Und er ist ein Kämpfer. Vor allem im Infight hat er seine Qualitäten. Er kann ein hohes Tempo boxen. Ich kenne ihn von gemeinsamen Sparrings aus dem Jahr 2008. Insofern weiß ich in etwa, was auf mich zukommt. Das wird nicht leicht!

Beim Kampf gegen Arthur Abraham im letzten Jahr musste Mahir Oral mehrfach zu Boden. Wird das in Rostock auch so sein?
Ich selbst habe mich auf zwölf Runden eingestellt. Und ein K.o. kommt sowieso aus dem Boxen heraus. Mahir Oral ist jemand, der Nehmerqualitäten hat. Darüber hinaus wird er hervorragend vorbereitet sein, denn er steht ja schon lange Zeit als Herausforderer fest. Es ist also nicht von einem vorzeitigen Ende auszugehen. Wenn aber mal so ein richtiger „Boddenhammer“ von mir trifft, dann könnte es auch schneller gehen.

Sie haben als Profi erst einmal in Rostock geboxt, das war im März 2007. Kommen Sie gerne wieder?
Natürlich. Das Publikum hat mich hier beim letzten Mal großartig unterstützt. Doch ich muss ehrlich sagen, die Messlatte ist hoch. Denn die Stimmung, die bei meinen letzten Kämpfen in Neubrandenburg herrschte, ist eigentlich nicht mehr zu überbieten.

Sie sind in Mecklenburg-Vorpommern wirklich unglaublich populär. Ist das im täglichen Leben eigentlich ein Vor- oder ein Nachteil?
Naja, das ist unterschiedlich. Natürlich ist es ein schönes Gefühl, wenn sich die Menschen mit einem Sportler über einen Sieg freuen. Aber im Privatleben ist das manchmal nicht so einfach. Es ist für mich nicht möglich, unbehelligt in Greifswald ins Eiscafé oder mal eben in der Gegend ins Kino zu gehen. Aber das bringt der sportliche Erfolg eben so mit sich.

Verspüren Sie Druck, weil das Publikum Sie unbedingt siegen sehen will?
Nein, mich motiviert das. Die Zuschauer peitschen mich wirklich mit der Unterstützung nach vorne. Dadurch bin ich in der Lage, noch mehr aus mir raus zu holen.

Am 30. Oktober kommt der Gegner aus Hamburg. Damit kommt es zum „Nord-Derby“ um den WM-Gürtel. Ist das für Sie besonders brisant?
Fakt ist, ich will auf jeden Fall IBF-Weltmeister bleiben. Dafür habe ich hart trainiert. Dass Mahir Oral aus Hamburg kommt, macht ihn nicht stärker. Es macht ihn aber auch nicht schwächer.

Mahir Oral: „Sylvester hat sich nicht weiterentwickelt!“

Herr Oral, am 30. Oktober boxen Sie zum zweiten Mal in Ihrer Profilaufbahn um den WM-Titel? Haben Sie sich diesmal intensiver vorbereitet als vor Ihrer WM-Chance im Jahr 2009?
Mahir Oral: Ja, das ist definitiv so. Diesmal wussten wir zehn Wochen vor dem Kampf Bescheid. Beim Kampf gegen Arthur Abraham waren es nur sechs Wochen.

Sie verloren gegen Abraham deutlich. Doch trotz der vorzeitigen Niederlage waren Sie danach populärer als zuvor…
Ja, das stimmt. Viele Leute sprechen noch heute von dem Kampf. Ich habe mich damals tapfer geschlagen und hätte der Trainer nicht das Handtuch geworfen, hätte ich es weiter versucht. Auch wenn ich am Ende verloren habe, ich habe ein großes Kämpferherz gezeigt. Und das war mir selbst auch sehr wichtig.

Sebastian Sylvester ist ein ganz anderer Kämpfer als Arthur Abraham. Ende 2008 haben Sie ein paar Sparringseinheiten mit ihm absolviert. War es deshalb leicht für Sie, sich auf ihn einzustellen?

Das kann man nicht sagen. Er hat inzwischen - genau wie ich - einen anderen Trainer. Im ersten Kampf unter der Regie von Karsten Röwer, seinem neuen Coach, konnte man sehen, dass er wieder viel mehr Spaß daran hat, im Ring zu stehen. Doch inzwischen fällt er zeitweise wieder in alte boxerische Verhaltensmuster zurück. Ich finde deshalb auch nicht, dass er sich sehr entwickelt hat.

Sie sind 13 Zentimeter größer als Sylvester. Wird das am 30. Oktober eine wichtige Rolle spielen?
Richtig, ich bin der längere Mann. Doch gerade gegen Sebastian Sylvester ist das kein großer Vorteil. Das weiß ich aus den Sparrings im Jahr 2008. Sylvester hat Arme wie ein Orang-Utan und eine Reichweite wie ein Segelflugzeug. Das ist auch sein Vorteil. Aufgrund der Größe könnte man ihn unterschätzen. Doch er hat dennoch eine große Reichweite.

Sie werden inzwischen von Bülent Baser trainiert. Wie würden Sie ihn beschreiben? Ist er eher ein stiller Vertreter oder ein Motivator für Sie?
Natürlich ist es eine Motivation, mit einem neuen Trainer zu arbeiten. Wir kennen uns aber schon zehn Jahre. Bülent Baser war mehrmals mit anderen Trainern bei mir in der Ecke. Er weiß, wie ich funktioniere. Er arbeitete in der Vergangenheit mit vielen anderen erfahrenen Trainern zusammen und hat sich ständig weitergebildet. Heute fehlt es ihm an nichts. Wir verstehen uns sehr gut. Es kommt hinzu, dass ich selbst auch reifer und stärker geworden bin. Insofern passt jetzt alles.

Konnte er Ihnen wichtige Tipps und Tricks mit auf den Weg geben, damit Sie den Ring als Sieger verlassen?
Im Detail möchte ich darauf nicht eingehen. Aber man wird definitv im Ring eine Veränderung feststellen. Ich glaube fest daran, dass ich gewinne. Ich hatte gute Trainingsbedingungen. Es muss für den Titel reichen.

Was denken Sie, wie wird der Kampf gegen Sylvester verlaufen?

Ich bin bekannt dafür, dass ich alles gebe. Doch in Rostock wird nicht nur das Kämpferherz gefragt sein. Die Taktik und die Ausdauer werden eine große Rolle spielen. Vom Stil her ist es eher unwahrscheinlich, dass der Kampf vorzeitig entschieden wird. Ich glaube, dass Sebastian Sylvester davon ausgeht, dass ich in den letzten Runden einbrechen werde. Doch ich kann mir aufgrund der guten Vorbereitung nicht vorstellen, dass dies passieren könnte.

Und wer wird am Ende der Sieger sein?
Ich, da bin ich zu 110 Prozent sicher.

Beide Boxer treffen am 30. Oktober in der Stadthalle Rostock aufeinander. Der Kampf wird live im Ersten übertragen. Eine ausführliche Vorschau zum Hauptkampf, sowie den wichtigsten Vorkämpfen, findet Ihr in Kürze auf GroundandPound.de.