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Sascha Weinpolter Exklusiv-Interview

Am Abend des 27. März wird Sascha Weinpolter den bedeutendsten Kampf seiner noch jungen Karriere ausfechten. Er trifft in Split auf den schier übermächtigen US-Amerikaner Bob Sapp. Jener 170-Kilo-Koloss, der ein Superstar in Japan ist und sich einen Namen bei PRIDE FC sowie K-1 gemacht hat. Zwei Tage vor dem Kräftemessen in Kroatien verriet er GroundandPound exklusiv, wie er die vermeintliche Mission Impossible angehen will.

GroundandPound: Hallo Sascha, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst. Wie nervös bist Du zwei Tage vor dem größten Kampf Deiner Karriere?

Sascha Weinpolter: Hallo, ja eigentlich gar nicht! Ich freu mich total darauf, dem Koloss gegenüber zu stehen! Besonders freue ich mich auf die Pressekonferenz und die vielen Fragen der internationalen Presse. Hab’ extra meinen eigenen Dolmetscher, Predrag Krsikapa, mitgebracht!

GnP: Da Du den Kampf kurzfristig angenommen hast, was kann man in nur einer Woche überhaupt tun, um gegen Bob Sapp nicht unterzugehen?

SW: Gegen Bob unterzugehen ist keine Schande, aber die Strategie liegt da eigentlich eh auf der Hand. Ich habe mir jetzt nochmal die Kämpfe, in denen er verloren hat, angeschaut, und in Wirklichkeit kann man da nur blitzschnelle Konterschläge und Schläge aus der Rück- und Seitwärtsbewegung machen! Ein Frontalangriff ist sinnlos und mit meinen unter 100 Kilogramm werde ich keinen Americana halten können (lacht). Der einzige Choke, der hier geht, ist glaube ich ein Blitzschneller Rear Naked - aber die Theorie ist halt immer schön.

Bob Sapp: ein wahrhaft dicker Brocken.

GnP: Reden wir nicht um den heißen Brei: Sapp ist haushoher Favorit, Du bist der Underdog. Wie siehst Du Deine Möglichkeiten, womit willst Du ihn überraschen?

SW: Ein paar Punches möchte ich schon landen und ihm ein paar in die Visage verpassen. Ich bin Rechtsausleger und habe da vielleicht ein bisschen Vorteile bei so einem Monster gegenüber der normalen Auslage, aber der Bursche hat ja eigentlich selten eine fixe Auslage. Das erschwert das ganze natürlich und als Defense Footballer werd ich mir schwer tun, da seitlich vorbei zukommen.

Ich werde probieren, tief über seinen linken Fuß hinter ihn zu kommen und jedesmal - sofern das klappt - eine Schlagkombination loszulassen. Wenn ich in die 2. Runde komme, sieht’s nicht mal schlecht für mich aus. Bob Sapp hat jetzt sogar 180Kg, da er sich gerade für den Film Conan auftrainiert hat.

GnP: Wirst Du Sapps vermeintlichen Schwachpunkt – sein Kinn - auf die Probe stellen?

SW: Ja wie schon gesagt: Ich muss Schläge abfeuern und mich schnell wieder herausbewegen. Aber ich werde sicher nicht versuchen, Hebel anzusetzen! Erstens liebe ich den Standkampf - auch das Publikum liebt den Standkampf - und zweitens hat selbst Minotauro Probleme gehabt, bei Sapp eine Technik anzubringen! Obwohl ich schon was kann am Boden… so ist es nicht! Aber wir trainieren MMA-Bodenkampf und nicht BJJ! Da besteht ein großer Unterschied für mich.

GnP: Den Kampf anzunehmen war – nicht zuletzt wegen guten 70kg Gewichtsunterschied – sicher keine leichte Entscheidung. Wie lange hast Du mit Gerhard Ettl, deinem Manager, überlegt, bis die Entscheidung stand?

SW: Die Ettl Bros. haben den Kampf an Land gezogen und hätten genug Gegner für Sapp gefunden, da jeder eine Chance sieht, in die Öffentlichkeit zu rücken. Aber ich habe Gerhard darum gebeten, dass ich unbedingt den Kampf will, und er hat mir nach einem Tag Bedenkzeit die Möglichkeit gegeben!

Echt super, dass ich so etwas durchziehen kann! Ich komme wirklich von ganz unten, hatte eine extrem harte Kindheit, war im Gefängnis, habe jede Scheisse durchlebt, aber der Sport hat mir vor drei Jahren geholfen, die richtige Bahn zu finden, und ich habe eine Wertigkeit erhalten!

Weinpolter (l.) mit seinem Trainer Gerhard Ettl (m.) nach seinem letzten Kampf.

GnP: Schon am 10. April – nur zwei Wochen später - kämpfst Du in Wien um den Österreichischen MMA-Titel. Riskierst Du für den Megakampf gegen Sapp nicht zu viel?

SW: Mein Manager Gerhard hat schon einige Kämpfe mehr in Zukunft für mich ausgemacht, z.B. in Schweden. Aber ich denke, bei jedem Kampf kann es schwere Verletzungen geben. Wenn ich einen Kieferbruch habe, falle ich zehn Monate aus! Das kann mir gegen einen 90-Kilo-Mann genau so passieren! Man darf im Leben nicht immer Angst haben! Respekt ist wichtig, aber zu viel Angst verbrennt dich.

GnP: Ein Wort zu den Kräfteverhältnissen im deutschsprachigen Raum: Wo siehst Du Dich momentan und speziell im Hinblick auf Deine bittere Niederlage in Nürnberg aus dem letzten Jahr.

SW: Ja meine Niederlage war schon schwer zu verdauen für mich! Ich weiß, jeder Kämpfer hat nach einem Kampf immer die Ausreden parat, aber ich hatte einen Todesfall in meiner Familie und zwei Monate vor dem Kampf null trainiert, kein Sparring - nichts. Mein Trainer wollte den Kampf absagen, aber ich wollte das unbedingt trotzdem machen! Alleine schon wegen der Kohle.

Aber ich habe kein Problem zu verlieren, und es bringt mich dazu, noch härter zu trainieren! Aber ich schwöre, es wird ein Rematch geben, und dann rechnen wir ab! Im deutschsprachigen Raum gibt es echt starke Leute, und es wird sich zeigen, wo ich stehe. Im Moment sagt Gerhard Ettl, dass wir noch nicht so weit sind. Aber ich bin ein Beißer!

GnP: Sascha, wir bedanken uns für das Interview, wünschen Dir am Abend des 27. März alles Gute und drücken Dir fest die Daumen.

SW: Auch Ground and Pound danke ich fürs Interview. Ihr seid echt die Besten im deutschsprachigen Raum! Obwohl eure alte Homepage übersichtlicher war! (lacht) Ich möchte mich noch bei meinem Team bedanken, und bin mir sicher, dass die Gemeinschaft noch vieles bewirken kann!