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Samuel Peter Exklusiv-Interview

Samuel Peter

Er ist einer der ganz wenigen Boxer in der Welt, die bereits zum dritten Mal gegen einen der Klitschko-Brüder in den Ring steigen dürfen. 2005 hatte Samuel Peter auf sich aufmerksam gemacht, als er Wladimir Klitschko gleich dreimal am Boden hatte, aber dennoch verlor. Sein Fight gegen Vitali Klitschko in Berlin machte ebenfalls wenig Hoffnung. Doch Peter hat sich zurückgekämpft und sich das Recht des Herausforderers verdient. GnP hatte sich am gestrigen Donnerstagabend, direkt nach dem Abschlusstraining mit dem sympathischen Boxer aus Nigeria im neu eröffneten MMA Spirit Gym in Frankfurt zu einem Interview getroffen. Der Herausforderer wirkte äußerst relaxed, gut aufgelegt und hatte eine Menge Lacher auf seiner Seite. Wie z.B. zu Beginn, als er GnP-Redakteur Tobias Gerold mit Spear-Versuch täuschte, nur um Sekunden später einen Lachkrampf zu bekommen.

GroundandPound: Samuel, Dein Kampf am Samstag ist auch gleichzeitig Dein zweiter Auftritt in Deutschland. Welche Stadt gefällt Dir besser, Berlin oder Frankfurt ?

Samuel Peter: Mir gefällt Deutschland generell sehr gut. Ich mag die Mentalität der Leute hier, alle sind so freundlich und aufgeschlossen. Man hat mich hier sehr gut aufgenommen und dafür bin ich auch dankbar. Außerdem ist es ein schönes Land, darum komme ich sehr gerne nach Deutschland.

...und wenn Du am Samstag gewinnst, dann gefällt Dir Frankfurt besser als Berlin?

Dann wird es mein "Wohnzimmer"!

Du bereitest Dich hier im neuen MMA Spirit Gym vor. Kann man dieses Gym mit denen in den USA vergleichen, in denen Du sonst trainierst oder ist es vielleicht sogar besser?

Das Gym hier ist einfach fantastisch. Großartig, wie wir hier von Niels und seinem Team aufgenommen wurden. Die Gyms in den USA sind vielleicht größer, aber bei weitem nicht so gut ausgestattet und längst nicht so schön wie dieses hier. Das MMA Spirit Gym ist echt cool, bietet optimale Trainingsbedingungen und es herrscht eine freundliche, entspannte Atmosphäre. Es macht einfach Spaß, sich hier vorzubereiten. Das Gym macht seinem Namen alle Ehre. Es herrscht wirklich ein guter Spirit hier.

Lass uns über Deinen Kampf am Samstag sprechen. Du trittst zum zweiten Mal gegen Wladimir Klitschko an. Was haben Du und Dein Team im Vergleich zum ersten Kampf in der Vorbereitung verändert ?

Im ersten Kampf ist leider einiges schief gegangen. Meine Vorbereitung war damals nicht so gut wie diesmal. Jetzt konnte ich mich viel professioneller vorbereiten als bei unserem ersten Kampf und ich bin wesentlich konzentrierter.

Obwohl Du Wladimir in eurem ersten Kampf gleich dreimal am Boden hattest, musstest Du Dich noch nach Punkten geschlagen gegeben. Was ist damals schief gelaufen?

Die Trainingsmöglichkeiten waren lange nicht so gut, wie sie jetzt sind. Hier im Gym habe ich jede Unterstützung bekommen, die man sich nur wünschen kann. Jetzt bin ich einfach nur happy, dass ich hier bin, und freue mich, wenn ich am Samstag endlich in den Ring steigen kann. Das wird ein ganz harter Fight.

Samuel Peter und sein Team mit Niels Schlägel vom MMA Spirit in Frankfurt.

Wo siehst Du die Schwächen von Wladimir, die für Dich der Schlüssel zum Sieg sein könnten?

Das wirst du am Samstag sehen!

War der Trainerwechsel vielleicht auch wichtiger Aspekt für Dich, damit Du Dich weiter entwickelst?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe einiges an Gewicht verloren, neue Techniken kennengelernt und bin mit der Zeit in vielen Bereichen immer besser geworden. Ich habe jetzt einen wirklich sehr guten Trainer. Er ist ein echter Profi. Ich würde gerne noch 50 weitere Titel gewinnen.

Wladimir hatte in einem Interview gesagt, dass er Dich für einen Brocken hält, der physisch sehr stabil und stark sei. Aber er hat auch gemeint, dass Du gerne mal Schläge auspacken würdest, die im Boxen nicht so ganz erlaubt seien. Er spielt auf die Nackenschläge aus dem ersten Kampf an. Wie denkst Du darüber?

Nun, Wladimir hat eben den Kopf bewegt. Wenn ich zugeschlagen habe, dann hat er sich abgedreht und da war es doch klar, dass ich auch den Nacken treffe. Er sollte mir besser ins Gesicht schauen und sich nicht wegdrehen.

Was macht Dich so zuversichtlich, dass die Gürtel am Samstag Dir gehören werden?

Der Glaube an Gott gibt mir die Zuversicht. Beim ersten Kampf dachten sie, dass ich und mein Team besiegt seien. Doch es sah nur so aus, als würden wir geschlagen nach Hause gehen, in Wirklichkeit haben wir uns hintenherum angeschlichen und sind plötzlich wieder da. Wir stellen uns dem Kampf erneut.

Als einer der ganz wenigen Boxer bist Du bereits mit Wladimir und Vitali im Ring gestanden. Wen von beiden hältst Du für den bessern Boxer?

Es gibt keinen Unterschied. Beide sind sehr gute Boxer und kämpfen auf die gleiche Art. Daher ist es völlig egal, welcher von beiden vor dir steht. Sie haben die Gürtel und sie sind die Champions. Wenn du der Beste sein willst, dann musst du eben den Besten schlagen.

Denken wir mal positiv und gehen davon aus, dass Du am Samstag den Ring als Sieger verlässt. Wer wäre ein möglicher Wunschkandidat für eine Titelverteidigung ?

Vitali!! Danach David Haye und dann habe ich sie ja alle...

Am Samstag werden wohl um die 50.000 Zuschauer in die Arena kommen. Macht einen alten Hasen wie Dich das noch nervös oder lässt man sich davon vielleicht beeindrucken?

Nein, das macht mich nicht nervös und es stört mich auch nicht. Ich finde es sehr aufregend. Außerdem haben wir zu tun, was wir zu tun haben. Im Kampf befinden wir uns in einem Krieg und die Zuschauer kommen, um genau das zu sehen. Es wird sehr spannend werden.
Hatten viel Spaß am gestrigen Donnerstag: Samuel Peter und GnP-Redakteur Tobias Gerold.

Man hört immer wieder, dass die Schwergewichtsszene tot sein. Liegt es vielleicht nur daran, dass es jetzt eine andere Generation von Boxern ist?

Die Klitschkos und ihre Art zu Boxen haben das Schwergewichtsboxen getötet. Wenn ich gewinne, dann wird wieder frischer Wind in das Schwergewicht kommen und das Interesse wird sicherlich auch wieder größer werden.

Ex-Schwergewichtsboxer James Toney, den Du selbst zweimal besiegt hattest, startete recht erfolglos in der UFC gegen Randy Couture. Wäre die UFC, Strikeforce oder MMA generell ein Thema für Dich?

Für mich? Wenn er wie James Toney 42 Jahre alt ist, dann können wir mal darüber nachdenken. Aber mit 30 Jahren ist er noch viel zu jung dafür! (Einwurf von seinem Manager)

Die finale Frage für Dich: Wie wird der Kampf am Samstag enden?

Es wird nicht lange dauern. Es wird ein KO-Sieg werden und zwar für mich. Gegen die Klitschkos musst du ein frühes KO erzielen.

Samuel, wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir viel Erfolg bei Deinem Kampf am Samstag.

Sehr gerne. Übrigens, euer Journal gefällt mir wirklich sehr gut.