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Rany Saadeh Exklusiv-Interview

Rany Saadeh (Foto: Uwe Tersek/YouTe.info)

Der erst 19-jährige Rany Saadeh (4-1) feierte am vergangenen Samstag den größten Triumph seiner noch jungen Karriere. Im englischen Sunderland bezwang er den Lokalmatador Shamsul Haque vorzeitig und sicherte sich den „Made4TheCage“-Titel im Fliegengewicht. Groundandpound.de stand der Berliner Jungspund vom IMAG Berlin Rede und Antwort.

Groundandpound.de: Herzlichen Glückwunsch zum Titel, Rany. Wie fühlst du dich fünf Tage nach dem Triumph?

Rany Saadeh: Vielen Dank, auch an alle anderen, die mich beglückwünscht haben! Ich fühle mich super, bin unverletzt, selbstbewusst und schon wieder im Training, um aus meinen Fehlern vom Kampf zu lernen.

Die da wären? Erzähl uns bitte den Kampfverlauf kurz aus deiner Sicht.

Die erste Runde lief ziemlich schlecht für mich. Ich wusste, dass Haque mit mir zu Boden will, und dies hat er auch geschafft. Mehrere Versuche wieder aufzustehen endeten darin, dass er mich immer ein wenig später wieder zu Boden geholt hat. Der Anfang der zweiten Runde lief ähnlich. Nachdem ich ihn jedoch mit einem harten Knie am Kopf traf, kam die Wende.

Nachdem mehrere Submissionversuche meinerseits fehlschlugen, holte ich mir die Backmount und beendete die Runde stark. In der Pause zur dritten Runde wies meine Ecke mich an, meinen Gegner zu Boden zu bringen, was ich dann auch tat. Ich habe die längste Zeit der Runde auf seinem Rücken verbracht und ihn mit harten Schlägen und Ellenbogen bearbeitet, bis der Ringrichter dazwischen kam.

Rany Saadeh (l.) mit seinem ehemaligem Gegner und jetzigem Trainingspartner Pietro Menga.

Wieso hast du dem Titelkampf so kurzfristig – fünf Tage vorher – zugesagt?

Es war schon längere Zeit geplant, dass ich im März in Großbritannien kämpfe, jedoch war für mich kein Gegner frei. Als ich mitbekommen habe, dass einer der Fliegengewichtler im Made4TheCage-Titelkampf ausgefallen ist, musste ich einfach die Chance nutzen. Ich habe mich fit gefühlt und war mental bereit zu kämpfen. Tatsächlich kam am selben Abend auch das Angebot gegen Shamsul Haque, und ich habe es mit Begeisterung angenommen.

Konntest du dich da überhaupt noch spezifisch auf Haque vorbereiten?

Nein. Ich wusste, dass er sich 8-10 Wochen auf einen Kampf vorbereitet hatte, jedoch wusste ich auch, dass ich sowohl im Stand, als auch am Boden besser bin als er. Ich hatte das Selbstbewusstsein, als hätte ich mich ebenfalls 8-10 Wochen vorbereitet. Ich muss zudem sagen, dass ich in den letzten Wochen immer im Training war und mich bereit gemacht habe in Zukunft eine intensive Vorbereitung zu starten oder zu kämpfen.

Als du in Runde drei die Back Mount hattest und zum später finalen Ground and Pound übergingst, hattest du da im Hinterkopf, dass du in England nach Punkten wohl nicht gewinnen würdest?

Ich hatte ein wenig Sorge, dass die zweite Runde etwas knapp gewesen sein konnte, deshalb habe ich die Frequenz zum Schluss erhöht. Ich habe eigentlich auf eine Submission hingearbeitet, doch Haque hat als BJJ-Lilagurt gut verteidigt.

Wie groß war die Freude? Was bedeutet dir der Titel?

Die Freude war natürlich riesig. Noch mehr als über den Titel habe ich mich darüber gefreut, dass ich dieses Mal England als Sieger verlassen konnte.

Deine letzten beiden Kämpfe fanden im Fliegengewicht statt. In Deutschland kann man die Kämpfer der 57kg-Klasse an einer Hand abzählen. Bist du deshalb in England so aktiv?

Das ist sicherlich einer der Gründe. Es war immer schwer für mich, Kämpfe in Deutschland zu finden. Zudem hat mich die deutsche Szene nie wirklich gereizt. In England gibt es viele Kämpfer in meinem Gewicht, die sich auf technisch sehr hohem Niveau befinden. Die Kämpfe dort bringen mich in meiner Entwicklung und meine Karriere weiter als ein Kampf in Deutschland.

Rany Saadeh bei seinem MMA-Debüt im Ring von Respect.FC. (Foto via: Bas Uterwijk)

Sehen wir dich dann überhaupt noch einmal wieder in Deutschland kämpfen?

Ich hätte schon mal wieder Lust in Deutschland zu kämpfen und bin von guten Angeboten nicht abgeneigt, jedoch bin ich zur Zeit auch sehr glücklich mit den Möglichkeiten, die ich in England habe.

Wie kam es dazu, dass du ein Management in England hast?

Im Sommer 2011 habe ich eine Reise zur bekannten Wolfslair Academy in Liverpool gemacht. Dort habe ich viele Kämpfer und Trainer kennengelernt. Es war unter anderem im Gespräch, mich im Laufe des Jahres unter Vertrag zu nehmen, das Team hat sich jedoch dann größtenteils aufgelöst. Als ich Anfang des Jahres 2012 keine Kämpfe in Deutschland finden konnte, habe ich mich an Tony Moran, einen ehemaliger Kämpfer des Wolfslair, gewendet.

Er hat mir geholfen, in der englischen MMA-Szene Fuß zu fassen und mir den Kontakt zu meinem jetzigen Management hergestellt. Mittlerweile fliege ich regelmäßig nach Liverpool und Manchester, um in verschiedenen Gyms mit sehr guten Kämpfern zu trainieren.

Welche Ziele hast du als erst 19-Jähriger für das Jahr 2013?

Ich möchte zunächst meine Fähigkeiten verbessern um besser zurückzukommen, sodass ich Deutschland und mein Team weiterhin in internationalen Kämpfen siegreich und unverletzt vertreten kann.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

Ich danke euch!