Interviews

Ralph Fischer: Wir alle müssen den MMA-Sport nach vorne bringen!

Ralph Fischer

Ralph Fischer, der Macher des German Cagefight Championship, verriet uns vor wenigen Tagen das komplette Kampfprogramm für die Debütshow am 2. Oktober (GnP berichtete). Fünf Titelkämpfe stehen dabei auf dem Programm. Bevor die Athleten in den Käfig steigen, sprachen wir mit dem Mann, der MMA und K-1 nach Rottweil bringt.

Groundandpound.de: Ralf, wie kamst du zum Kampfsport?
Ralph Fischer: Ich betreibe selbst seit 34 Jahren Kampfsport und habe vor etwa zehn Jahren eine Ausbildung zum Jeet Kune Do und Inosanto Kali Instructor unter Udo Müller (Full-Instructor und Privatschüler unter Dan Inosanto) absolviert und mein eigenes Gym eröffnet. Und da für mich Bruce Lee der Vater des MMA ist und JKD alle Bereiche für das MMA abdeckt, ließ es nicht lange auf sich warten, dass ein paar Schüler an Wettkämpfen (Kickboxen, MMA und Grappling) teilnehmen wollten.

Warst du vorher selbst aktiv?
Ich habe selbst 10 Jahre lang aktiv gerungen und wurde mit 13 Jahren vom AB-Aichahlden gesichtet und verpflichtet. Dort habe ich dann zwei Jahre lang für die 1. Mannschaft in der zweiten Bundesliga gekämpft. In dieser Zeit habe ich ca. 250-300 Kämpfe bestritten und konnte  auch ein paar kleinere Meisterschaften und ein internationale Turnier gewinnen. Leider hatte ich mit vielen Verletzungen und mit dem Gewicht machen zu kämpfen, so dass ich nicht mehr viel Spaß mit den Ringen hatte und aufgehört habe. Danach habe ich dann mit Kickboxen begonnen (hauptsächlich Semi- und Leichtkontakt, aber auch Vollkontakt), auch dort  konnte ich ein paar kleinere nationale Titel erkämpfen, worauf ich aber im Prinzip nicht viel Wert lege, ich habe einfach nur gerne gekämpft.

Wenn die Gesundheit und Voraussetzungen stimmen sollten, würde es dich reizen wieder die Handschuhe anzuziehen?
Natürlich würde es mich sehr reizen, noch mal die Handschuhe anzuziehen um ein paar MMA Fights zu bestreiten, aber mit 44 Jahren und zwei Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule und einem akuten Vorfall im unteren Bereich der Wirbelsäule, wird das wohl leider nichts mehr, was dann schon manchmal sehr weh tut, wenn ich meine Schüler kämpfen sehe. Vor allem, da es MMA oder die UFC zu meiner aktiven Zeit für mich nur auf VHS-Kassetten gab (lacht).

Wie kam der Schritt zum Event-Veranstalter?
Durch eine schwerwiegende Verletzung am Knie habe ich leider mit dem Wettkampfsport aufhören müssen. Dafür habe ich mich dann aber für eine Trainerlaufbahn entschieden und mehrere Trainerausbildungen absolviert. Um meine Schüler noch weiter zu bringen, habe ich dann mit 40 Jahren noch eine BJJ-Instructorausbildung unter Michael Haselein gemacht. Da es hier ganz unten im im Süden Deutschlands, außer der Age of Cage Veranstaltung keine professionellen Veranstaltungen im Cage gibt, und auch wir selbst immer mehrere hundert Kilometer fahren müssen um zu kämpfen, habe ich mich entschieden mit meinem Eventpartner und Entertainer Jam Yaziki alias Jam von der Linde selbst eine Eventreihe auf die Beine zu stellen, so ist die 1. GCC entstanden.

Welche Erfolge hast du als Veranstalter gefeiert und welche Serien willst du weiterführen?
Seit 2013 gibt es die Offene Süddeutsche Meisterschaft für Amateure, die ich zusammen mit dem WFMC austrage, bei der wir immer an die 300 Starts haben, und das Teilnehmerfeld jährlich wächst, dies ist ein optimales Turnier um  erste Erfahrungen zu sammeln.

Wird es beide Eventreihen parallel geben, also GCC und SDM? Sieht man dort dann beide Sportarten MMA und K-1?
Ja, es wird beide Events parallel geben, zweimal im Jahr die GCC und einmal im Jahr die Süddeutsche, bei der sich die Amateure in allen Disziplinen, auch MMA, Grappling und K1, messen können.

Wie gehst du mit der Kritik um, zu viele Titelkämpfe zu stellen, oder dass sich manche Fighter  diese Titel (noch) nicht verdient hätten?
Kritik ist doch etwas Schönes (lacht). Wenn Sie angebracht ist, so weiß man wenigstens was man noch besser machen kann. Da die Veranstaltung German Cagefight Championship heißt, ist es auch logisch, dass dort Titel im MMA und K-1 ausgekämpft werden. Leider ist es in Deutschland nicht einfach, die Top-10-Leute gegeneinander antreten zu lassen (Hohe Gagen, Spesen usw.), aber man muss ja mal einen Anfang machen.  Somit haben wir versucht, bei der ersten Veranstaltung ein paar gute Paarungen auf die Beine zu stellen. Und mit Musa Jangubaev, der zu den Top-10-Fightern gehört, gegen Christoph Hector und Jürgen Dolch gegen David Ott ist uns dies, denke ich, auch ganz gut gelungen. Auch wenn die Bilanz von Jürgen Dolch nicht gerade dafür spricht, ist er doch ein sehr erfahrener Kämpfer. Auch der junge David Ott ist nicht zu unterschätzen, hat er doch im Amateurbereich den Titel des Deutschen Meisters im Jiu-Jitsu Allkampf und MMA der ISKA erkämpft. Auch Tim Müller gegen Matthäus Buschkamp dürfte ein sehr interessanter Kampf um den Pro/Am DM-Titel werden. Natürlich werden wir versuchen von Veranstaltung zu Veranstaltung, sowie es unser Budget zulässt, die besten Kämpfer Deutschlands gegeneinander antreten zu lassen.

Was ist das Ziel mit der Promotion/Organisation?
Wir wollen Amateuren und Profis die Möglichkeit geben unter professionellen Bedingungen regelmäßig hier im Süden im Cage vor einem großen Publikum zu kämpfen. Unser Ziel ist es, mit der Zeit in jeder Gewichtsklasse einen MMA A-Klasse German-Champion zu haben, und in der B-Klasse die Pro/Am DM-Titel auskämpfen zu lassen.

Wie glaubst du, kann man MMA in Deutschland noch populärer machen? Was muss geschehen, oder was kann man als Fan tun?
Natürlich kann man, und das muss man auch, den MMA Sport in Deutschland populärer machen. Dazu benötigt es aber noch mehr Veranstaltungen wie die GCC und die Süddeutsche Meisterschaft, und das TV-Verbot muss aufgehoben werden, was hoffentlich bald geschieht, und die UFC nach seiner Rückkehr nach Deutschland wieder ausgestrahlt wird. Und natürlich ist es ganz wichtig, dass die MMA-Fans jede Gelegenheit nutzen, um die angebotenen Events in Deutschland zu besuchen und den Sport somit unterstützen und nach vorne bringen. Nur mit Euch Fans ist dies auch möglich. Schön wäre es natürlich auch, wenn MMA vom Sportbund als Sportart anerkannt werden würde, was die Sache um einiges erleichtern würde.

Du hast ein eigenes Gym, erzähle uns davon. Auf welche Talente kann man in Zukunft hoffen?
Ich habe vor knapp 10 Jahren die Martial Arts Akademie Fischer (M.A.A.F.) eröffnet, die auch heute noch besteht. Da ich durch den Stress und den Aufwand, den ich als Kämpfer selbst hatte, keine Lust mehr auf den Wettkampfsport hatte, habe ich zu Beginn nur JKD und Inosanto Kali unterrichtet. Mit der Zeit kamen dann immer mehr Schüler zu mir und wollten an Wettkämpfen teilnehmen. Diesem Wunsch musste ich natürlich nachkommen, so dass ich auch noch zusätzlich Kickboxen unterrichtet habe, um die Schüler besser vorzubereiten, da JKD und Kali nun mal keine Wettkampfsysteme sind. Kurze Zeit später, wollte dann auch der erste im MMA kämpfen. Somit habe ich noch zusätzlich separaten MMA-Unterricht angeboten. Seit Bestehen meines Gyms konnten meine Schüler im Amateur- und Profi-Bereich einige regionale, DM-, EM- und WM-Titel in unterschiedlichen Disziplinen bei unterschiedlichen Verbänden erkämpfen. Was dafür spricht, dass es die richtige Wahl war doch wieder mit dem Wettkampfsport, allerdings dieses Mal als Lehrer, weiter zu machen. Aktuell haben wir ein paar gute Mädels und Jungs am Start, leider kann ich hier nicht alle nennen.  Aber zu erwähnen ist doch im K1-Bereich Tim Müller, Eric Wehrle, Tobias Gomez, Sabrina Schrenk und im MMA- und Grappling-Bereich  Michal Kasprzak, Andrej Gramlich und Naomi Staller, die zum Teil auch an der 1. GCC starten werden.

Welche Ziele hast du als Bundestrainer und Sportdirektor des WFMC? Was können wir dort von dir erwarten?
Der WFMC hat 2013 erst begonnen MMA und Grappling einzuführen. Da ich schon Landessportdirektor für den Ringsport war,  bekam ich vom Präsidenten Isa Akkus das Angebot, ob ich nicht gerne diese Aufgabe übernehmen möchte. Natürlich fühlte mich dadurch ein bisschen geehrt und habe sofort zugesagt. Zusätzlich konnten wir noch Tarik Ettaous vom Kampfsport-Gym Koblenz für diese Aufgabe gewinnen.  Seitdem wurden bei sechs Turnieren (Süddeutsche, Deutsche Meisterschaft und dem Mittelrheincup) schon erfolgreich MMA und Grappling angeboten und gekämpft. Zusätzlich haben wir im letzten Jahr bei der WM ein Nationalteam mit 22 Kämpfern stellen können, die sehr erfolgreich waren und  auch die Teamwertung gewinnen konnten. Es besteht auch die Möglichkeit, eine professionelle Instructor- und Kampfrichter-Ausbildung von der D- bis zur A-Lizenz  zu absolvieren. Die ersten zehn Trainer haben bereits im letzten Monat die Prüfung zum Übungsleiter (D-Lizenz) bestanden. Als nächstes steht Ende Oktober die WM in Kroatien an, wo wir wieder mit dem Nationalteam des WFMC vertreten sein werden.

Danke für die zahlreichen Einblicke. Wir wünschen dir viel Erfolg mit dem Debüt des German Cagefight Championship am 2. Oktober.
Vielen Dank an GroundandPound.de für das Interview.