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Raja Amasheh: Jeder weiß, dass ich diesen Kampf gewonnen habe!

Raja Amasheh (Foto: Kwon)

Am 11. Oktober wurde Raja Amasheh, die mehrfache Weltmeisterin im (Super-)Fliegengewicht, zur Verliererin des Kampfes "Hamazaoui vs. Amasheh" erklärt. So jedenfalls auf Papier, denn die kontroverse Punktniederlage durch eine geteilte Entscheidung vor wenigen Monaten in Saarbrücken stieß auf Proteste und Empörung, nicht nur aus dem Lager der vermeintlichen Verliererin.

Inzwischen wurde das Kampfergebnis annulliert, die Niederlage gegen die Französin Amira Hamzaoui zu einen „No Contest“ geändert, zwei Punktrichter suspendiert und ein Rückkampf für das kommende Jahr angesetzt. Wir sprachen als einziges deutsches Medium exklusiv mit Deutschlands Boxerin des Jahres über die turbulenten Ereignisse der letzten Tage.

„Jeder, der den Kampf gesehen hat, weiß, dass ich ihn gewonnen habe“, so eine überzeugte Amasheh gegenüber Groundandpound.de. Der BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) und das WBC (World Boxing Council) gaben der Wahl- Karlsruherin Recht und haben vor einigen Tagen gemeinsam entschieden, den Kampf um die WBC-Silber-Weltmeisterschaft zwischen Raja Amasheh und Amira Hamzaoui zu annullieren.

Es standen allerdings zwei Gürtel auf dem Spiel, denn die Weltmeisterschaft des kleineren Verbandes WBF wurde ebenfalls ausgeboxt. Diesbezüglich gab es Diskrepanzen bei zwei der wertendenden Punktrichter. Die beiden WBF-Kampfrichter Vincent Dupas sowie Toni Tiberi werteten den Kampf für Hamzaoui, während WBC-Punktrichter Steve Mertz Amasheh vorne sah.

Nach Protesten von Amashehs Team MACH1 sowie Trainer Dominik Junge haben die Verbände DBD und WBC den Protest angenommen und die TV-Aufzeichnung des Kampfes erneut auswerten lassen und kamen zur Entscheidung, dass die Athletin aus Karlsruhe den Kampf hätte gewinnen müssen. Infolge dessen kam es zum „No Contest“, eine Entscheidung, die seitens der WBF allerdings nicht mitgetragen wird.

Problematisch allerdings war auch der Einsatz der beiden WBF-Offiziellen, die keine WBC-Lizenz besitzen, obwohl der Kampf nach WBC-Regeln durchgeführt wurde. Laut WBC-Regeln kann der Weltverband seine Genehmigung des Kampfes zurückziehen, wenn nicht alle Kampfrichter eine WBC-Lizenz haben und das Urteil anders ausfällt, als es mit einem qualifizierten WBC-Kampfgericht gewesen wäre, was hier der Fall war.

„In diesem Fall hatten wir keine andere Wahl, als die Ungerechtigkeit der Punktrichter-Entscheidung zu korrigieren“, erklärte BDB-Präsident Thomas Pütz. „Wir hatten schon in der Vergangenheit Probleme mit der WBF und ihren Offiziellen. Wir müssen dieses Zeichen setzen, um unseren geliebten Boxsport zu verteidigen.“ Die Punktrichter Vincent Dupas und Toni Tiberi wurden mit sofortiger Wirkung für jegliche Einsätze bei WBC-Kämpfen suspendiert.

Ein moralischer Sieg für die Deutsche mit Wurzeln in Jordanien. „Eine wirkliche Genugtuung ist das zwar nicht wirklich, denn ich bin der Meinung, wie übrigens alle außer der WBF, dass ich gewonnen habe, aber mir ist auch bewusst, dass man hier nicht einfach Tatsachenentscheide umdrehen kann auch wenn das der Gerechtigkeit entsprechen würde“, so die 32-Jährige.

„Der No Contest ist schon ein deutliches Signal. Man ändert ja Bewertungen im Boxen grundsätzlich nicht gern. Ich bin sehr dankbar, dass hier das WBC als auch der BDB den Mut hatte dieses zu tun. Man hat sich auch nicht leicht getan und sich genügend Zeit genommen alles mehrfach zu überprüfen und fair zu handeln. Von der WBF hingegen bin ich maßlos enttäuscht. Nicht nur wegen der Sturheit die eigenen Fehler nicht eingestehen zu wollen, auch wegen des Verhaltens direkt nach dem Kampf. Für mich ist dieses Kapitel grundsätzlich geschlossen und daher auch abgehakt.“

Der Rückkampf ist für Februar 2015 geplant, was eine Klausel im Vertrag besagt, wie uns Amasheh bestätigte. Ob es dort eine andere Herangehensweise im Kampf gegen Hamzaoui geben würde, wollten wir wissen: „Ich muss ja gar nicht so viel anderes machen, aber ich denke, dass ich mit noch mehr Druck und mit einer ordentlichen Wut im Bauch in den Ring steigen werde. Das wird allerdings kein Spaziergang.

Ob es zum Kampf im Februar kommt, weiß ich jedoch nicht, denn jetzt liest man auf der WBF-Seite, dass Amira diesen Rückkampf gar nicht möchte. Ich habe Amira als faire Sportsfrau erlebt und glaube es wird es noch weitere Gespräche geben. Für mich steht es jedenfalls außer Frage, ich stehe zu diesem Rückkampf und werde dort keine Fragen offen lassen. Ich kann mir auch nicht vorstellen warum Amira nicht kämpfen will, denn ich finde wir haben beide etwas klarzustellen. Ein No Contest ist in gewisser Weise ein Neustart, alles zurück auf Los!“