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Peter Sobotta vor UFC Hamburg: „Es könnte nicht besser laufen“

Peter Sobotta ist bereit für UFC Hamburg (Foto: Elias Stefanescu/GNP1.de)

Peter Sobotta (15-5-1) steht vor einem seiner wichtigsten Kämpfe in der UFC. Nachdem er in Australien gegen Kyle Noke verlor und anschließend aufgrund einer Verletzung nicht gegen Dominic Waters in Rotterdam in den Käfig steigen konnte, wird der Planet Eater bei der Hamburg-Premiere der UFC ins Octagon steigen. Der Balinger trifft dort auf den Dänen Nicolas Dalby (14-1-1). Wir sprachen mit dem 29-Jährigen, der sich derzeit mit seinem Coach Yasin Mengüllüoglu auf den Auftritt am 3. September in der Hansestadt vorbereitet.

GNP1.de: Hallo Peter, wie laufen die Vorbereitungen derzeit und wie ist deine körperliche Verfassung?
Peter Sobotta: Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Im Prinzip trainiere ich seit Mitte Mai die ganze Zeit durch. Ich war einen Monat in Thailand und habe dort mit dem Training angefangen. Seit ich zu Hause bin, sind konstant gute Sparringspartner da, zum Beispiel Tero Pyylampi und Mikkel Parlo. Auch das Training mit Yasin läuft sehr gut. Ich trainiere sehr hart, zweimal am Tag. Ich werde sehr gut vorbereitet in den Kampf in Hamburg gehen. Im Moment bin ich zwar etwas müde von dem ganzen Training, aber ein bis zwei Wochen vor dem Kampf lässt das Training nach und der Körper erholt sich. Ich werde in Bestform kommen.

Wie schwerwiegend war deine letzte Verletzung und hat man diese auch nach der Freigabe des Arztes noch immer im Hinterkopf?
Peter: Meine letzte Verletzung war ein Bänderriss im Sprunggelenk, also nicht sehr schwerwiegend. Ich hatte schon schlimmere Verletzungen. Es ist so passiert: ich hatte die Triangel zu, mein Sparringspartner hat versucht sie aufzusprengen, aber das einzige was er gesprengt hat, waren meine Bänder. Das passiert einfach. Ich bin viel auf der Matte, trainiere viel, Verletzungen sind ein Teil des Sports. Ich habe das Gefühl, dass meine Bänder schwächer geworden sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr flexibel bin. Ein Arzt hat mir einmal gesagt, dass die Bänder umso schneller reißen, je flexibler man ist. Das war meine fünfte Bänderverletzung. Leider sind solche Verletzungen sehr langwierig. Es hat sechs Wochen gedauert, bis ich wieder fit war, aber jetzt merke ich gar nichts mehr. Ich bin körperlich wieder bei 100 Prozent.

Peter, wie wichtig ist die mentale Stärke als Kämpfer? Yasin, wie kompliziert ist es, mit seinem Schützling zu arbeiten und das Selbstbewusstsein wieder zu steigern?
Peter:
 Mentale Stärke ist mit das Wichtigste. Natürlich müssen auch das Körperliche und die Technik passen. Es gibt drei Säulen: das Körperliche, die Technik und den Geist bzw. die mentale Stärke. Am Kampftag ist es sehr wichtig, dass man siegessicher in den Kampf hinein geht. Das Gleiche gilt für die Vorbereitung. Wenn ich mal meine Vorbereitung anschaue, gehe ich wirklich aus meiner Komfortzone heraus. Ich habe mir in jedem Bereich Sparringspartner geholt, die besser sind als ich. Mit so starken Sparringspartnern darf man mental nicht schwach sein. Man muss sich immer vor Augen halten, dass MMA wie Zehnkampf ist. Man muss alle Disziplinen beherrschen, um zu gewinnen. Deshalb werde ich auch gewinnen, weil ich mich richtig vorbereite und immer hart trainiere.
Yasin:
 Jeder Kämpfer ist verschieden, da muss man individuell mit Feingefühl rangehen. Es gibt Leute, die stecken das einfach so weg. Im Kämpferbereich gibt es Leute, die sich viele Gedanken machen. Es gibt aber auch Kämpfer, die sich weniger Gedanken machen und einfach mit dem Kopf durch die Wand wollen. Denen macht eine Niederlage nicht so viel aus, die stehen auf und kämpfen wieder. Wenn man die Niederlage aber nicht reflektiert, wird man sich technisch nicht weiterentwickeln und nicht besser werden. Nach einem solchen Rückschlag wieder Selbstbewusstsein aufzubauen, ist nicht einfach. Ich persönlich passe mich an meinen Schützling an. Nach Peters Niederlage in Australien haben wir uns viel Zeit genommen und analysiert, wie so etwas passieren kann. In dieser Situation konnte ich ihm viele Einzelheiten erklären. Man kann außerdem mit mentalem Training arbeiten. Wie man einen Muskel trainieren kann, so kann man auch den Geist trainieren. Zu dieser Art von Training gehören unter anderem wiederholte Visualisierung, Atemtechniken sowie positives Denken. In letzter Zeit hat Peter sehr viel davon umgesetzt, das freut mich sehr.

Worin besteht das (mentale) Problem nach einer Niederlage oder einer Verletzung?
Peter: Man unterscheidet zwischen körperlichen und geistigen Verletzungen. Eine Niederlage gehört zu den geistigen Verletzungen. Solchen Verletzungen sind deutlich schwerer auszumerzen aus die körperlichen. Wenn ich in einem Kampf mein Bestes gegeben habe und körperlichen Schaden davon trage, ist das leicht zu ertragen. Wird man aber überrannt und kann sein volles Potenzial nicht abrufen, ist man sehr gekränkt und trägt eine tiefe geistige Verletzung davon. Diese ist schwer zu heilen.

Yasin, du warst vor kurzem in Brasilien und bist dort heiß begehrt, wie ich gehört habe. U.a. Erick Silva hat großes Interesse an dir. Erzähl uns die Geschichte dahinter.
Yasin: Ich reise zweimal pro Jahr nach Brasilien. Während meiner Zeit in Las Vegas im Wand Fight Gym habe ich Vitor Vianna kennen gelernt. Während eines Urlaubs habe ich in seinem Gym trainiert und er wurde auf meine Fähigkeiten als Trainer aufmerksam. So kam er auf die Idee, jährlich ein Sommercamp in seiner Heimat Vila Velha auszurichten. Dort habe ich dann mein eigenes Striking-System etabliert, das sehr gut ankommt. Über einen Besucher meiner Seminare bin ich mit Erick Silva in Kontakt gekommen. Er sagte mir, dass seine vorherigen Trainer zwar gutes Training gegeben haben, ihm aber immer etwas gefehlt habe. Als ich mit ihm trainiert habe, war er so angetan, dass er mich gebeten hat, zwei Wochen lang mit ihm zu trainieren. Er war von mir überzeugt und meinte, dass ich seine Lücke ausfüllen könne. Anschließend fragte er mich, ob ich ihn zwei Monate vor seinem nächsten Kampf trainieren könne. Leider hatte ich Verpflichtungen und konnte das Angebot nicht annehmen. Im November werde ich nach Brasilien zurückkehren und dort sieben Seminare geben und mit zwei UFC-Kämpfern trainieren.

Wie wählst du deine Schüler aus? Welche Kriterien müssen erfüllt sein und wann sagst du nein?
Yasin: Ich wähle meine Schüler nicht aus. Meine Tür steht jedem offen. Die meisten Leute, die zum Kampfsport kommen, führen einen Kampf mit sich selbst. Ich passe mich den verschiedenen Individuen an. Ich würde nur keinen Schüler annehmen, der rein aggressiv ist und das nur benutzt, um auf der Straße Leute zu verprügeln. Ansonsten würde ich jeden nehmen. Ich versuche jedem dabei zu helfen, sein inneres Gleichgewicht zu finden.

Du sprichst über inneres Gleichgewicht. Ist das für dich ein elementarer Bestandteil der Kampfkünste?
Yasin: Absolut. Mein Job ist es, aus einem ängstlichen Mann einen mutigen Mann zu machen und aus einem aggressiven Mann einen harmonischen Mann zu machen. Ich versuche, die negativen Punkte eines jeden Individuums zu beseitigen, sodass er sich in jedem Aspekt des Lebens verbessert. Das ist für mich der Geist der Kampfkünste. Dazu gehört auch tägliches Training. Ich trainiere nicht für einen Kampf von dreimal fünf Minuten, sondern für die Herausforderungen des Lebens.

Peter, du arbeitest jetzt seit zwei Jahren mit Yasin. Was hat sich dadurch bei dir geändert? Was macht er anders?
Peter:
 Ich bin sehr froh über meine Zusammenarbeit mit Yasin. Seit zwei Jahren trainieren wir zusammen, er ist mein Striking-Coach. Er begleitet und betreut mich bei meinen Kämpfen und ist ein sehr positiver Einfluss in meiner Entwicklung als Kämpfer, nicht nur technisch. Yasin beschäftigt sich sehr viel mit dem Sport, er ist ein richtiger MMA-Freak, so wie ich auch. Er ist eher auf andere Bereiche spezialisiert, was sich sehr gut mit meinem Game ergänzt. Ich bin sehr froh, dass ich einen Trainer habe, mit dem ich regelmäßig trainieren kann, der auf meine Technik schaut und mich verbessern kann. Durch meine Zusammenarbeit mit ihm merke ich, dass meine Fußarbeit, meine Reaktionen und meine Schläge besser geworden sind. Als Ergänzung dazu trainiere ich mit Simon Hinkel, der mehr Kicks reinbringt. Bei Yasin ist das Training eher auf Boxen ausgelegt. Die beiden zusammen sind eine super Mischung. Es könnte nicht besser laufen.

Du hast mit verschiedenen Trainern in deiner Karriere zusammengearbeitet. Man sieht ab und an Striking-Videos von Yasin. Sind seine Philosophie und seine Angriffstechniken anders?
Peter: Das stimmt, ich habe auf der ganzen Welt mit unterschiedlichen Trainern zusammengearbeitet und bin allen sehr dankbar, dass ich etwas lernen konnte. Ich glaube jetzt bin ich an einem Punkt in meiner Karriere angekommen, an dem ich damit zufrieden bin, mich mit einem Trainer vorzubereiten. Ich fühle mich von Yasin sehr gut betreut. Wir haben einen sehr guten Draht zueinander und ich merke, dass sein Training individuell auf mich zugeschnitten ist. Viele Trainer bringen ihr Zeug allen bei, weil sie davon überzeugt sind, dass genau das funktioniert. Yasin macht sich die Mühe, alles an mein Game anzupassen. Wir entwickeln meine Fähigkeiten kontinuierlich weiter, arbeiten aber auch an meinen Stärken, sodass ich dem Kampf meinen Stempel aufdrücken kann. Gegen Dalby werde ich noch mehr im Stand zeigen. Meine letzten Kämpfe gingen ja meist sehr schnell auf den Boden. Ich lasse die Kämpfe für mich sprechen, dann wird man die Verbesserungen sehen.

Lass uns über deinen Gegner sprechen. Die Begegnung hätte bereits im April 2013 stattfinden sollen, bei MMA Attack in Polen. Wolltest du den Kampf nachholen oder war es ein Zufall?
Peter: Das war Zufall, ich suche mir keine Gegner aus, zumindest momentan nicht. Vielleicht wenn ich in die Top 15 komme, aber das ist der Job der UFC. Die UFC kommt ja nach Hamburg, da macht ein Kampf gegen einen Skandinavier Sinn. Kopenhagen ist viel näher an Hamburg als meine Heimat Balingen, er wird also viele Fans mitbringen. Rein geographisch macht dieser Kampf sehr viel Sinn, aber auch stilistisch. Ich hätte schon damals gerne gegen ihn gekämpft, es hat aber nicht geklappt. Ich bin sehr froh, dass wir das jetzt nachholen können. Es ist für mich ein interessanter Kampf und ich freue mich darauf.

Was wisst ihr über Dalby und wie schätzt ihr ihn ein? Wovor müsst ihr euch hüten?
Peter: Ich weiß sehr viel über Dalby, weil ich mich schon das zweite Mal auf ihn vorbereite. Ich habe natürlich alle seine Kämpfe studiert. Sein Background ist Karate, was man an seinen guten Kicks sieht. Er schlägt gute Kombinationen, kämpft eher aus der Distanz und überbrückt diese dann durch Kombos. Am Boden würde ich ihn nicht so stark einschätzen. Auf jeden Fall ein interessanter und guter Gegner. Er ist fit und kann drei Runden komplett durchgehen. Ich konzentriere mich aber auf mich und bin sehr siegessicher. Eine interessante Kleinigkeit: Mein Sparringspartner Mikkel Parlo kommt auch aus Kopenhagen und hat fünf Jahre mit Dalby trainiert. Von ihm konnte ich noch den einen oder anderen Insidertipp bekommen. Solche Sachen spielen aber keine so große Rolle. Wichtig ist, dass man sich auf sich selbst konzentriert.
Yasin: Er ist nicht zu unterschätzen, aber er macht nichts zu 100 Prozent. Er macht sehr viel kickboxerisch und wird nicht müde. Davor muss man sich hüten. Man muss gegen ihn aufpassen, dass man sich nicht gegen ihn ermüdet. Vergleicht man die beiden aber, hat Peter unterm Strich mehr Vorteile. Peter kann stärker schlagen, ist besser am Boden und hat deutlich mehr Erfahrung.

Wie visualisierst du den Kampfausgang?
Peter: Ich benutze mehrmals täglich Visualisierungstechniken. Ich stelle mir vor, wie ich auf der Waage stehe und mich gut fühle. Dann visualisiere ich, wie ich mich warm mache in der Kabine, wie ich in den Ring laufe. Ich steige in den Ring und dann geht es los. Es gibt unterschiedliche Kampfausgänge in meinem Kopf. Vielleicht submitte ich ihn, vielleicht schlage ich ihn K.o., vielleicht gibt es ein T.K.o. oder es geht nach Punkten. Fest steht, dass meine Hand am Ende oben sein wird. Ich gehe es immer wieder in meinem Kopf durch, sodass es sich normal für mich anfühlt. Gemeinsam mit dem körperlichen Training werde ich top vorbereitet sein.

Wird der Heimvorteil zusätzliche Motivation bringen?
Peter: Es ist immer schön, in Deutschland zu kämpfen. Ich war ja bisher bei jeder deutschen UFC-Veranstaltung dabei, ich hoffe das bleibt so, darauf bin ich sehr stolz. Ich verbinde sehr viele Erinnerungen mit Hamburg, habe dort schon viel Zeit verbracht. Ich freue mich sehr darauf. Es ist natürlich schön, wenn einen die Leute anfeuern. Bei meinem letzten Kampf hatte ich 55.000 Australier gegen mich, aber ehrlich gesagt hat mich das auch nicht gejuckt. Ich kann da einen Schutzschild um mich aufbauen und mein Ding im Octagon machen. Dort kann mir keiner mehr helfen. Es ist nicht ganz so wichtig, aber natürlich positiv in Deutschland kämpfen zu können, weil ich nicht so weit fahren muss und meine Skills vor heimischem Publikum präsentieren kann.

Wohin bringt dich ein Erfolg gegen Dalby? Was willst du noch in der UFC erreichen?
Peter: Mein Erfolg gegen Dalby bringt mich erstmal straight nach Jamaica, weil das der Ort ist, an dem ich nach meinem Kampf Urlaub machen werde. Mein Ziel ist es, noch einige Jahre in der UFC zu kämpfen. Ich würde es gerne in die Top 10 schaffen, das ist mein nächstes Ziel. Ist natürlich keine leichte Aufgabe, aber so bin ich eben. Ich setze mir hohe Ziele. Das brauche ich, um mich zu motivieren. Ich möchte in nächster Zeit gegen einen starken Gegner kämpfen und ihn besiegen, um mir einen Platz in den UFC-Ranglisten zu schaffen. Das wäre super.

Letzte Message…falls du noch etwas loswerden willst, bzw. ihr.
Peter: Ich möchte mich bedanken bei meinen Trainern Yasin Mengüllüoglu, Simon Hinkel, meinem gesamten Planet Eater Team, die alle die gesamte Zeit für mich da sind. Paul, Sancho, alle unsere Trainer, die mir unter die Arme greifen. Ich habe ein hervorragendes Team hinter mir stehen. Mein Manager Tim Leidecker, der mir den Rücken freihält und mir bei unterschiedlichen Sache hilft, die man gar nicht sieht. Ohne euch hätte ich es niemals so weit gebracht und es würde nicht so gut laufen. Im Octagon stehe ich alleine, aber es ist ein Produkt des ganzen Teams. Deshalb vielen Dank an alle, Planet Eater Team Number One, wir sehen uns in Hamburg. 
Yasin: Ich möchte am Ende ein großes Dankeschön an euch für die tolle Arbeit sagen. Danke für die Unterstützung für Peters nächsten Kampf an sein ganzes Team. Mein ganzes Team wird auch dahinter stehen. Danke an alle, die dabei sind.