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Peter Sobotta kann Enttäuschung der deutschen Fans verstehen

Peter Sobotta (Foto: Florian Sädler)

Am Samstag wird Peter Sobotta nach ziemlich genau einem Jahr verletzungsbedingter Pause seinen bereits fünften UFC-Kampf bestreiten. Statt, wie ursprünglich geplant, auf BJJ-Weltmeister Sergio Moraes, wird er dabei auf den recht unbekannten UFC-Debütanten Steven Kennedy treffen, der für den verletzten Moraes eingesprungen ist. Dass den Fans das Programm der Berliner UFC Fight Night nicht zusagt, kann er voll und ganz verstehen.

Die Absage von Moraes kam erst vor zwei Wochen, dementsprechend wird Sobotta sich nun umstellen müssen. Der Brasilianer ist mehrfacher BJJ-Weltmeister; sein Ersatzmann, der Australier Steven Kennedy, eher ein Standkämpfer.

„Ich habe natürlich einen anderen Gameplan als gegen Sergio, aber der lautet immer noch: siegen", so Sobotta im Anschluss an den UFC-Berlin-Medientag am Donnerstag.

Kennedy ist aktuell seit sieben Duellen ungeschlagen, gewann insgesamt 22 von 28 Kämpfen. Jedoch ist der 32-Jährige noch nie gegen Gegner angetreten, die annähernd UFC-Niveau besitzen. Dennoch musste er beim Angebot der UFC nicht lange überlegen.

„Ich hatte mich sowieso auf einen Boxkampf vorbereitet, meine Form war also in Ordnung. Und die UFC ruft ja nun auch nicht jeden Tag an. Ich bin der Meinung, ich kann Peter schlagen, deshalb habe ich den Kampf angenommen“, so Kennedy. „Ich denke, mein Jiu-Jitsu wird sein Jiu-Jitsu ausschalten. Und im Stand werde ich ihn auspunkten. Er wird mich nicht vorzeitig besiegen und ich ihn auch nicht, der Kampf wird an die Punktrichter gehen.“

Sobotta ist nach eigener Aussage perfekt auf den neuen Gegner eingestellt, erwartet keine Überraschungen und schätzt ihn schwächer ein, als seinen Gegner vom letzten Jahr, Pawel Pawlak. Dennoch begegnet er Kennedy mit Respekt. 

„Ich wusste, dass er sich auf einen Boxkampf vorbereitet, ich weiß auch, dass er fünf, sechs Profi-Boxämpfe hat, Kickboxkämpfe hat“, so Sobotta. „Ich unterschätze ihn nicht. Ich denke nicht, dass das für mich ein ganz einfacher Kampf wird und ich den einfach mal umhaue, ich stelle mich auf einen Kampf ein, einen richtigen Kampf.“

Im Gegensatz zu seinen deutschen Mitstreitern Nick Hein und Alan Omer, kann Sobotta den Unmut deutscher Fans in Bezug auf UFC Berlin, den die über die sozialen Netzwerke verbreiten, sehr gut verstehen.

„Ja, natürlich kann ich das nachvollziehen. Wir haben einen Titelkampf als Hauptkampf, das ist für mich persönlich ein geiler Fight“, so Sobotta. „(Joanna Jendrzejczyk) wird auch bestimmt einen Hammer-Kampf machen, aber sie ist eben noch nicht dieser große Name, der viele Leute in die Halle zieht. Es kommen bestimmt ein paar aus Polen um sie kämpfen zu sehen, aber das wird die Halle nicht füllen. Da ist ein Alexander Gustafsson natürlich schon sehr viel bekannter. Dann gibt es auch noch diese Sache, dass viele eben nicht so gerne Frauen-Kämpfe sehen, das ist jedem selbst überlassen. Und so was als Hauptkampf in Deutschland, das ist schon etwas mutig.“

Nicht nur der Hauptkampf ist Gegenstand der Fan-Kritik, auch der Rest der Programms weiß bei vielen nicht zu überzeugen. Auch das kann Sobotta nachvollziehen.

„Die anderen Fights sind ja nun auch nicht gerade voll mit irgendwelchen internationalen Top-Namen. Es kämpfen deutsche Kämpfer, das ist schön und das ist auch gut. Aber selbst wir, jetzt bis auf Dennis... der kämpft gegen einen bekannten Gegner. Wobei ich denke, die meisten deutschen MMA-Fans kennen (Tatsuya) Kawajiri nicht, weil der so ein Oldschool-Typ ist und die meisten UFC-Fans, zumindest in Deutschland, habe ich das Gefühl, kennen nur (Conor) McGregor und Jon Jones sozusagen, die neuen Fighter. Deshalb glaube ich jetzt auch nicht, dass Kawajiri besonders viele Leute in die Halle zieht. Wir deutschen Kämpfer, wir haben hier ein paar Fans, aus Balingen kommen zwei Busse, aber das macht die O2 Arena nicht voll. Wir haben hier keine Plattform, wir werden nicht im Fernsehen gezeigt, es ist schwer. Und wenn du wirklich die Leute von überall her ziehen willst, die Fans aus ihren Löchern rausbekommen, dann musst du zumindest einen richtig großen Fight auf die Beine stellen. Und der fehlt hier eben in Deutschland. Ich verstehe das, dass die Tickets sich nicht so gut verkaufen. Mir persönlich geht das aber relativ am Arsch vorbei. Ich mach hier meinen Kampf, ich hol mir den Sieg.“

Das komplette Interview mit Peter Sobotta: