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Peter Sobotta: Ich bin auf einer Mission!

Peter Sobotta (Foto: Dorian Szücs/GNP1.de)

Bei UFC Stockholm steigt Deutschlands Top-Weltergewicht Peter Sobotta wieder in den Käfig. Gegen den zähen Veteranen Ben Saunders steht er der größten Herausforderung seiner UFC-Karriere bevor. Im GNP-Interview spricht er über seinen anstehenden Kampf, das Weight Cutting und seine Pläne für die Zukunft.

Peter Sobotta kämpft im Hauptprogramm der UFC Fight Night 109 in Stockholm gegen Ben Saunders. Die Fight Night wird im Rahmen des Black Pass von ranFighting.de übertragen. Sobottas Kampf findet zwischen 20:15 und 21:00 Uhr statt.

GNP1.de: Hallo Peter, jetzt sind es nur noch wenige Stunden bis zum Kampf gegen Ben Saunders, auf der Waage warst Du schon. Wie geht es Dir nach dem Wiegen?
Peter Sobotta: Der Weight Cut war wie immer sehr hart. Aber ich bin jetzt schon wieder bei 86 Kilo, also bei dem Gewicht, mit dem ich vor 24 Stunden angefangen habe. Es ist ziemlich abgefuckt, aber ich werde dieses mal wieder groß und stark in den Käfig gehen. Ich glaube, es gibt keinen, der mehr cuttet, als ich.

Ist das etwas, auf das man stolz sein kann? Es ist ja nicht gerade gesund.
Es ist ein legaler Vorteil, aber es ist einfach nicht mehr modern. Es ist ziemlich aus der Mode gekommen. Ich habe die anderen Kämpfer hier im Hotel ja rumlaufen sehen und die Sauna vor dem Wiegen war leer. Die anderen reisen schon mit weniger Gewicht an, cutten hier dann nur noch minimal. Aber ich bin ja mittlerweile auch schon in gewisser Weise ein Oldschool-Fighter und habe in meiner Karriere schon viel herumexperimentiert und Erfahrung gesammelt. Und das ich so viel cutten kann, ist für mich einfach ein großer Vorteil, vor allem für meinen Stil.

Hat es Dich überrascht, dass Saunders, der ja auch ein wenig größer ist als Du, sogar noch Luft nach oben hatte auf der Waage?
Das hat mich schon sehr gewundert. Er ist ein Veteran mit viel Erfahrung, da darf so etwas eigentlich nicht passieren. Es gibt ja auch viele Möglichkeiten, sich hinter den Kulissen vorab zu wiegen. Ich habe mich auch noch mal durchgecheckt, damit ich auf der Waage eine Punktlandung schaffe. Ich drehe da an jeder Schraube und versuche, jede Möglichkeit zu meinem Vorteil zu nutzen. Deswegen habe ich mittlerweile auch ein großes Team um mich, das mich perfekt vorbereitet. Da ist ein Arzt dabei, mein Coach für Strength & Conditioning und viele mehr. Ich habe mir mittlerweile eine Grundstruktur gelegt, von der ich glaube, dass sie mich zum Titel führen kann. Natürlich muss ich die Gegner noch alle selbst besiegen. Aber wenn ich gesund bleibe, kann es bis ganz nach oben gehen.

Auf dem Weg dahin wartet erstmal Ben Saunders in Stockholm. Als Du damals in Köln dein UFC-Debüt gegeben hast, war er auch im Programm, ihr habt euch also schon kennengelernt. Was hältst du von ihm?
Richtig, ich kenne ihn schon lange. Ich habe mir auch seine Fights immer gerne angeschaut, ich mag seinen Style. Ich habe nichts als Respekt für den Mann und werde nie ein schlechtes Wort über ihn verlieren. Er ist auch ein ziemlich netter Typ, wir sprechen hier ganz normal miteinander, ohne Trash Talk, ohne Hass. Einfach zwei Top-Sportler, die sich miteinander messen werden. Das sind genau die Jungs, an denen man auf dem Weg nach oben vorbeimuss.

Wie willst du gegen ihn vorgehen?
Seine Stärken sind recht klar. Sein Standkampf ist gut, er kann Leute K.o. hauen. Und ich kenne es ja noch aus Australien, wenn ein richtiger Treffer kommt, dann ist Feierabend. Er ist ein guter Kicker aus der Distanz und stark im Clinch. Außerdem ist er Linkshänder, was für mich auch eine Veränderung ist. Aber seine größte Stärke ist seine Guard. Die ist eine der besten im MMA. Seine Rubber-Guard, sein Omoplata, der Triangle, er ist einfach ein vielseitiger Grappler. Ich muss für ihn aus meiner Komfortzone raus, auch schon in meiner Vorbereitung. Als Sportler gesehen, ist es auf jeden Fall etwas Schönes, weil ich mich weiterentwickeln kann und er kann mir am Boden auf jeden Fall gefährlich werden, wenn ich einen Fehler mache.

Wie lautet dann Dein Gameplan?
Der Gameplan ist in erster Linie, zu gewinnen. Man kann vor dem Kampf viel analysieren und trainieren, aber erst, wenn man fühlt und spürt, wie ein Kampf läuft, entsteht der richtige Gameplan. Und ja, ich werde den Kampf früher oder später auf die Matte bringen. Entweder durch Takedown oder einen Niederschlag. Viele reden von mir immer nur als Grappler, die UFC betont das in ihren Promo-Videos auch immer. Aber das ist Vergangenheit, ich trete ja nicht mal mehr auf Turnieren an. Ich bin kein reiner Grappler mehr, ich bin mittlerweile auch sehr gut im Stand, aber hatte noch wenig Gelegenheit, das zu zeigen. Ich meide keine Distanz, nur auf den Clinch kann ich mit ihm verzichten.

Sobotta mit Kampfgewicht (li.) und Stunden später wieder aufgeladen (re.) (Foto: Peter Sobotta)

Möchtest Du Dich trotzdem mit ihm auf der Matte messen?
Ich muss mich auf der Matte auf jeden Fall vor keinem verstecken. Ich trainiere weltweit mit vielen guten Leuten und habe mich dort mit wirklich starken Leuten auf der Matte gemessen. Ich weiß, was ich machen muss, um zu gewinnen. Es gibt am Boden Positionen, in denen ich auf jeden Fall besser bin und ich werde ihm meinen Stempel aufdrücken.

Nach UFC Hamburg hast Du gesagt, Dein großes Ziel sei der Durchbruch in die Top Ten. Wie weit kommst Du diesem Ziel mit einem Sieg über Saunders?
In die Top Ten zu kommen, ist natürlich schwierig. Die Jungs sind alle gut. Aber wenn man gewinnt, geht es normalerweise nach oben und wenn ich ihn besiege, habe ich vier von fünf Kämpfen gewonnen, seit ich wieder in der UFC bin und habe mir dann wieder einen besseren Gegner verdient. Wer weiß, im Oktober findet eine UFC Fight Night in Danzig statt, die braucht bestimmt einen Co-Main Event. Ein Gegner wie Gunnar Nelson wäre auf jeden Fall sehr interessant für mich.

Wie steht es mit Emil Meek? Gegen den solltest Du ja ursprünglich antreten, er selbst hat sich ja später auch noch verletzt. War es vielleicht sogar Glück im Unglück, dass er den Kampf nicht angenommen hat?
Ich hätte mich über den Kampf sehr gefreut, weil es ein einfacher Sieg gewesen wäre. Ich halte ihn für überschätzt, er kam mit einem Lucky Punch über Palhares in die UFC, der in 99 von 100 Fällen anders ausgeht. Ich halte ihn nicht für einen richtigen Fighter, sondern für einen Clown. Ich glaube, die UFC hat ihm mit dem Kampf gegen Taleb die Pistole auf die Brust gesetzt, weil er mit seinem Standing eigentlich nicht ständig Kämpfe ablehnen kann. Gestern im Open Workout hat er Dehnübungen gemacht, die nicht mal ich machen kann. Also verletzt sieht er mir nicht aus. Aber das ist jetzt vorbei. Er ist ein Clown und interessiert mich einfach nicht mehr.

Dein letzter UFC-Kampf ist mittlerweile schon neun Monate her. Woran lag es, dass Du erst jetzt wieder im Octagon stehst?
Das lag an der UFC. Ich war eigentlich, von ein paar Wochen Urlaub auf Jamaika abgesehen, ständig im Training. Ich hätte auch schon früher kämpfen können, aber am Ende des Tages haben wir da recht wenig zu sagen. Jessin Ayari wollte schon im März kämpfen, Martin Buschkamp hätte im September debütieren sollen und hat immer noch keinen Kampf. Das liegt auch am Umbruch in der UFC mit den neuen Chefs und den neuen Matchmakern. Da ist die Kommunikation leider nicht besser geworden. Aber ich will nicht meckern, ich habe als Kämpfer und Trainer schon mit vielen Veranstaltern gearbeitet und nirgends geht es so gut und professionell zu, wie in der UFC. Aber in der Position, in der meine Freunde und ich uns befinden, haben wir leider nicht so viel mitzureden.

Es gibt ja auch gute Veränderungen in der UFC. Früher hast du über die Doping-Kontrollen gelacht, dass Du erst daran glaubst, wenn sie bei Dir in Deinem Gym vor der Tür stehen. Wie sieht es mittlerweile aus?
Mittlerweile sind sie sogar schon nach Balingen gekommen, um mich zu testen. Vier Tests musste ich schon machen. Da fliegt immer ein Tester aus Dänemark runter nach Frankfurt, nimmt sich dann einen Mietwagen und steht ein paar Stunden später vor meiner Tür. Ich finde das wirklich sehr gut, dass man den Sport sauberer machen möchte und befürworte, wie gewissenhaft die UFC da vorgeht. Viele denken nämlich, ich sei auf Stoff, weil ich so in die Breite gegangen bin. Aber ich habe einen sehr guten Coach und habe an meiner Ernährung gefeilt und kann dadurch jetzt einfach schwerere Gewichte stemmen.

Was steht dann nach Deinem Kampf auf dem Programm?
Ich lasse es mir ein paar Wochen gut gehen und werde ein bisschen was für meine Gesundheit tun. Aber lange ausruhen werde ich mich nicht. Ich bin auf einer Mission und der Kampf ist der nächste Schritt. Ich gehe davon aus, dass ich danach wieder einen Schritt gehen muss und darauf muss ich vorbereitet sein. Daher will ich mit meinem Striking Coach Yasin Mengüllüoglu nach Las Vegas und Kalifornien, um mir dort einmal das UFC-Trainingscenter und die Coaches anzuschauen. Ich wäre gerne schon letzte Woche beim großen Fighters Retreat dabei gewesen, aber mein Kampf hat das verhindert. Wir wollen uns neue Techniken, Taktiken und Trainingsmethoden anschauen, auch Bewegungsanalysen und was es da sonst noch so Neues gibt. Das wird eine gute Trainingsphase mit guten Techniken. Und dann geht die ganze Scheiße wieder von vorne los.

Abschließende Frage: Beim Wiegen wurde wieder die jamaikanische Flagge bei Dir gezeigt. Ist das jetzt etwas Dauerhaftes?
Allerdings. Aber mit der Kritik komme ich klar. Die gibt es auf der deutschen und der polnischen Seite. Die Deutschen sind da sogar richtig entspannt, da muss ich mir von den Polen deutlich mehr dazu anhören.

Dann danken wir Dir für Deine Zeit und das Interview und wünschen viel Erfolg für den Kampf bei UFC Stockholm. Die letzten Worte gehören an dieser Stelle wie immer Dir.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir die letzten Monate geholfen haben. Das American Top Team in Coconut Creek, das Phuket Top Team in Thailand und natürlich vor allem meine Teamkameraden von den Planet Eatern in Bisingen und alle Jungs, die meinem Ruf gefolgt sind, um mir bei der Vorbereitung zu helfen. Nicht zu vergessen bei meinem Mentor Dean Lister, der erneut den weiten Weg nach Europa auf sich nimmt, sowie meinen Coaches Yasin „Seiwasser“, Wolfgang Unsöld von YPSI und meinem Arzt Dr. Peter Lundgren, der mich auch in Stockholm begleitet. Und schlussendlich möchte ich noch meinen Eltern danken, die mich immer noch genauso unterstützen, als wäre ich noch ein kleiner Junge und nicht schon 30 Jahre alt. Ich verspreche, alles zu geben, um den Sieg zu holen. One Love!

Das Interview führte Alexander Petzel-Gligorea