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Peter Sobotta Exklusiv-Interview

Peter im Kampf mit Amir Sadollah bei UFC 122. (Foto ©Josh Hedges/Zuffa LLC)

GroundandPound: Kannst Du uns die letzten zwei Jahre Deines Lebens kurz zusammenfassen?

Peter Sobotta: Nach meinem Sieg über Kerim Abzailow bei KSW unterschrieb ich bei der UFC. Für den Kampf gegen Paul Taylor in Köln habe ich mich bei mir zu Hause in Balingen, in  Hamburg und in Polen bei den Berserkers vorbereitet. Zwischen diesen Mini-Trainingslagern hatte ich noch die theoretische Abschlussprüfung meiner Ausbildung zum IT-Systemkaufmann zu bewältigen, nach dem Kampf kam gleich die praktische Abschlussprüfung. Was folgte waren zehn Monate Zivildienst, während dessen ich auch mein eigenes Gym – Planet Eater in Balingen eröffnet habe. Nach Ende des Zivildienstes konnte ich endlich unter professionellen Bedingungen in San Diego für meine nächsten beiden Kämpfe gegen James Wilks in Kanada und gegen Amir Sadollah in Oberhausen trainieren. Dazwischen stehen aber noch sehr viele andere Reisen, Erlebnisse, Begegnungen, Freundschaften und Erfahrungen.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Du aus dieser Zeit gewonnen hast?

Ich habe lange überlegt um auf diese Frage zu antworten, da ich unheimlich viel in dieser Zeit gelernt habe. Ich beschränke mich auf drei Punkte, da es ansonsten viel zu viel werden würde. Erstens: Vor meinem Debütkampf in der UFC habe ich durch die Doppelbelastung ein Leben am absoluten Limit geführt. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass es nicht funktioniert und ich lernte zu wissen, was wirklich wichtig und was nur Energieverschwendung ist. Zweitens: Talent hilft, aber ohne extrem harte Arbeit kann man allerhöchstens das Mittelmaß erreichen. Zu guter Letzt: Man muss mit den Besten trainieren, um der Beste zu werden.

Was ist im Kampf gegen Amir schiefgelaufen?

Amir hatte eine gute Strategie und hat durch seine Lowkicks und seinen konstanten Druck viele Punkte eingefahren. Er hat easy und relaxt gekämpft und seine Kombinationen waren flüssig. Ich habe hingegen mehr Kraft in meine Schläge gesetzt und weniger getroffen. Ich konnte ihn nicht auf den Boden bekommen um meine Stärken auszuspielen und das zusammen führte zu der Punktniederlage.

Wild entschlossen im Kampf mit James Wilks. Foto: ©Josh Hedges/Zuffa LLC

Bereust Du den großen Schritt, im zarten Alter von 22 Jahren den Sprung zur UFC gewagt zu haben?

Nein! Die Niederlagen waren sehr schmerzhaft und zeitweise habe ich auch daran gezweifelt, das Richtige gemacht zu haben. Aber ich sehe meine Entwicklung als Kämpfer und als Mensch. Ich bin so viel besser, stärker, erfahrener und erwachsener geworden. Ich bin gereift als Kämpfer und als Mensch und obwohl ich meine Statistik verschlechtert habe, ist unterm Strich ein positives Ergebnis dabei rausgekommen. Ein Kluger Mann hat einmal gesagt: „A warrior is focused on the process, not the outcome. Although he may be measured by the outcomes, he knows he is made from the process.”

War die UFC-Erfahrung so, wie Du sie dir vorgestellt hast? Was war anders?

Ich hatte keine konkreten Vorstellungen und alles, was ich erfahren habe, war neu und sehr aufregend für mich. Die UFC ist meiner Meinung nach eine tolle Organisation. Sie haben mich immer gut behandelt und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

Du hast in Deinen drei UFC-Kämpfen insgesamt 45 Minuten im Octagon gestanden. Wie bewertest Du das Geschehen in diesen Begegnungen insgesamt?

Ich habe mich von Kampf zu Kampf stark verbessert und große Fortschritte gemacht. Leider habe ich alle drei Kämpfe nach Punkten verloren. Ich war in keinem meiner Kämpfe auch nur nah an einer vorzeitigen Niederlage durch Knockout oder Submission. Meine Gegner haben einfach geschafft mehr Punkte einzufahren. Ich konnte den Kämpfen nicht meinen Stempel aufdrücken. Ich bin ein Bodenkämpfer und habe in den 45 Minuten im Octagon nur 3-4 Minuten in meiner Welt verbracht.

Der Kampf gegen James Wilks war eine knappe Angelegenheit. Foto: ©Esther Lin

Hast Du das Gefühl, dass die UFC Dich verheizt hat?

Nein. Es hätte einfacher sein können, aber es hätte auch noch schwerer werden können. Nach meinem ersten Kampf haben viele gesagt, dass „Ultimate Fighter“-Gewinner Wilks mich umbringen wird und dass es erniedrigend und peinlich für mich werden wird. Ich hatte gerade mal ein professionelles Trainingscamp in Amerika und jeder der den Kampf gesehen hat, der weiß, dass ich genauso den Kampf hätte gewinnen können. Es war sehr knapp und selbst in der dritten Runde als ich mir den Takedown geholt, den Rücken erkämpft und über zwei Minuten aus der Backmount attackiert habe, hat man die Runde gegen mich gewertet. Die Entscheidung empfand ich als sehr ungerecht. Naja, was ich damit sagen will: Mit etwas mehr Erfahrung und mehr Training in Amerika hätte ich alle Kämpfe gewinnen können.

Würdest du rückblickend etwas anders machen?

Ja! Ich hätte anders trainieren müssen. Ich habe mich in meinem Training weiterhin stark auf den Bodenkampf konzentriert und ich habe viel gerungen. Wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte, dann hätte ich ein Camp in Holland oder Thailand verbracht, um nur an meinem Thaiboxen zu arbeiten. Manche sagen: Es war zu früh für die UFC. Ja, das stimmt! Ich war einfach noch nicht gut genug, um in der Champions League zu kämpfen. Aber die UFC hat sich für Deutschland angekündigt und sie haben mich ausgewählt. Es war und ist eine große Ehre für mich und seid mal ehrlich: Welcher Kämpfer würde so ein Angebot ablehnen? Ich habe die Herausforderung gesucht und ich war bereit alles dafür zu machen! Hätte ich gewusst, dass ich später irgendwann noch mal die Chance von der UFC bekommen hätte, dann würde ich mir mit Sicherheit noch mehr Zeit lassen, um erst mal meine Berufsausbildung und meinen Zivildienst beenden zu können. Ich hätte weiterhin außerhalb der UFC Erfahrungen gesammelt und an verschiedenen Orten, mit verschiedenen Teams hart an mir gearbeitet, um dann sehr viel stärker mein Debüt in der UFC zu geben.

Dein guter Freund und Teamkollege Pascal Krauss konnte sein UFC-Debüt erfolgreich gestalten. Wird der „Panzer“ bis zu Deiner Rückkehr für Dich die Stellung halten?

Oh ja, das wird er! Pascal ist ein toller Kämpfer und ein super Athlet. Ich freue mich sehr für ihn und wir werden uns weiterhin unterstützen und zusammen trainieren. Das haben wir gemacht als er noch nicht in der UFC war, das haben wir gemacht als wir beide in der UFC waren und das werden wir machen, wenn er in der UFC ist und ich einen neuen Anlauf nehme.

Welchen Ratschlag kannst Du einem jungen Kämpfer mit auf den Weg geben, der Profikämpfer werden möchte?

Follow your dream and don‘t give up! Es heißt ja: Ein Schwarzgurt ist ein Weißgurt, der nie aufgegeben hat! Das macht in meinen Augen einen Kämpfer aus: Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, Disziplin und Leidenschaft! Der eine lernt schneller, der andere langsamer. Aber beide können nur mit den genannten Eigenschaften große Kämpfer werden.

Peter will in Zukunft verstärkt an seinem Thaiboxen arbeiten. Foto: ©Michal Mucha

Wie sehen Deine Pläne für 2011 aus?

Anfang des Jahres bin ich etwas in Barcelona um zu chillen und BJJ zu trainieren. Jiu-Jitsu Lifestyle (lacht)! Dann bin ich eine Weile zu Hause und trainiere mit meinem Team hier. Ich bin gerade dabei, eine kleine Kooperation mit einem holländischen Team aufzubauen. Ich habe vor, alle paar Wochen nach Holland zu fahren an meiner Kickbox-Technik zu arbeiten. Im Frühjahr fliege ich dann für fünf bis sieben Wochen nach Thailand. Dort möchte ich Thaiboxen trainieren und zum Ende einen Kampf gegen Tong Po oder einen seiner Landsmänner machen. Dann bin ich wieder eine Weile zu Hause und dann geht's weiter zu meinem Team nach San Diego. Danach sind MMA und BJJ angesagt und dort wartet noch ein dunkler Gürtel auf mich. Schließlich heiratet noch meine Schwester und ich bin Hochzeitskoordinator. Für September ist eine ziemlich coole Aktion gemeinsam mit GnP-TV geplant. Ich schnappe mir einen Kameramann, einen Wohnwagen und gehe in Deutschland auf Tour. Wir besuchen verschieden Gyms und checken die Lage. Es wird ein cooler Roadtrip, gepaart mit Besuchen von Deutschlands MMA-Gyms. Zum Ende des Jahres möchte ich dann zu einem Freund nach Indonesien fahren. Genauer gesagt: Bali. Surfen, BJJ und chillen. Außerdem findet dort eventuell ein großes Turnier statt, an dem ich teilnehmen möchte.

Und wie sieht es mit einer Rückkehr in den Ring aus?

Das kann ich im Moment noch nicht beantworten. Ich weiß nur, dass ich eines Tages wieder in der UFC kämpfen werde. 2011 werde ich Jiu-Jitsu kämpfen und Thaiboxen und wenn ich spüre, dass ich meine Fähigkeiten verbessert habe, starte ich einen neuen MMA-Run. Vielleicht wird das schon bald sein, vielleicht wird es auch etwas länger dauern. Ich höre da einfach auf mein Gefühl. Darüber hinaus möchte ich natürlich mein Team und meine guten Freunde in Deutschland, Polen und in den Staaten bei ihren Vorbereitungen für kommende Kämpfe unterstützen.

Gibt es denn eine Veranstaltung oder ein Gegner, der Dich reizen würde?

Egal wer, egal wo. Ich habe immer noch einen Traum, den ich verfolgen werde. Aber auf meinem Weg zurück in die UFC würde ich doch ganz gerne einen kleinen Abstecher nach Japan machen.

Peter (rechts) mit den anderen beiden deutschen UFC-Assen Pascal Krauss (links) und Dennis Siver (Mitte). Foto: ©Tim Leidecker

Wenn Du etwas weiter in die Zukunft schaust, wo siehst Du Dich in fünf, zehn und zwanzig Jahren?

Also Geld und Ruhm sind mir egal! Das war noch nie meine Motivation. Ich möchte einfach das machen, was ich liebe mit den Leuten die ich liebe – dann bin ich schon glücklich! Ich möchte weiterhin trainieren, kämpfen und gewinnen. Ich möchte Leuten helfen in unserem Sport weiter zu kommen und besser zu werden. Ich möchte noch etwas die Welt bereisen und wenn ich mich satt gesehen habe, dann gründe ich eine Familie. Die passende Frau habe ich schon seit einer Weile.

Kannst Du uns ein wenig über dein eigenes Gym erzählen? Wie kam es dazu? Hast Du Schüler, die man für die Zukunft im Auge behalten sollte?

Das mache ich sehr gerne, ich bin nämlich sehr stolz auf unser Team! Wir nennen uns Planet Eater und unser Gym liegt in meiner Heimatstadt Balingen. Es ist kein „Ultra-High-Tech-Hochglanz-Studio“, aber wir haben alles, was man für ein gutes Training benötigt. Ich hatte mich während meines Zivildienstes dieses Jahr entschieden, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen um die Dinge selber in der Hand zu haben. Gesagt, getan. Nach weniger als einem Jahr haben wir beinahe einhundert Mitglieder. Die Leute haben die Möglichkeit zweimal täglich zu trainieren. Wir haben für jeden Bereich erfahrene Trainier, die alle aktiv kämpfen, oder früher gekämpft haben. Wir trainieren  MMA, BJJ, Thaiboxen, Boxen und Ringen. Unsere Kämpfer treten auch so ziemlich in jeder Disziplin an. Wir durften schon zahlreiche Top-Kämpfer der deutschen Szene bei uns begrüßen, wie Gregor Herb, Pascal Krauss, Alan Omer, Andreas Kraniotakes und Yasin Mengüllüoglu. Wir hatten aber auch schon Besuch aus Amerika, Russland und Brasilien. Aber auch junge ambitionierte Nachwuchstalente aus ganz Deutschland waren über die Sommerferien da und haben mit uns trainiert. Wir freuen uns über jeden Besuch!

Zu den Kämpfern: Im BJJ-Bereich ist Thomas Buschkamp ein vielversprechendes Talent. Er hat dieses Jahr die Advanced Klasse bei der Submissao bis 77 Kg gewonnen. Beim MMA gibt es gleich eine ganze Herde an guten Fightern. Martin Buschkamp hat dieses Jahr Bronze bei der Europameisterschaft im Shooto in Amsterdam abgesahnt und vor drei Wochen hat er in Reutlingen die Deutsche Meisterschaft bis 70 Kg gewonnen. Konstantin Götte hat mit 17 Jahren einen MMA-Rekord von 5-0 und auf BJJ-Turnieren lässt er seinen Gegnern in der U-18 Klasse keine Chance. Meistens müssen wir dann vor dem Finale auslosen, ob Konstantin oder sein etwas älterer Cousin Dimitri Götte (2-1 im MMA) die Goldmedaille mit nach Hause nimmt, da wir nicht gegeneinander kämpfen. Im Kickbox-Bereich mischen Paul Berdikov und Jürgen Götte (3-2 im MMA) erfolgreich mit. Leider kann ich hier nicht allen Wettkämpfern gerecht werden, da das den Umfang dieses Interviews sprengen würde. Aber so viel sei gesagt: Aus unserer Ecke wird man auf jeden Fall noch einiges hören!

Hast du zum Abschluss noch eine Nachricht an unsere Leser, deine Fans?

Meinen Fans möchte ich für ihre Treue danken! Als ich letztes Jahr in Las Vegas war, hat mir Dana White aufgetragen, als Botschafter zu fungieren. Er hat mir eine Kamera in die Hand gedrückt und mich gebeten, einen Videoblog über mein Leben zu machen. Das habe ich zu meinem Kampf bei UFC 115 in Kanada gemacht und es hat sehr vielen Leuten gut gefallen. Leute haben mir geschrieben: „Peter, wegen dir möchte ich anfangen MMA zu trainieren.“ Ein anderer schrieb, dass er so viel Motivation durch mich bekommen hat und es ihn wieder zurück auf den richtigen Weg gelenkt hat. Das hat mich sehr berührt und ich hätte nie mit einer solchen Resonanz gerechnet. Deshalb werde ich weiterhin Danas Cam in meinen Rucksack stecken und regelmäßig Videos auf meine Homepage stellen, damit alle Interessenten schauen können, wie ich so durchs Leben gehe. Das ganze nenne ich dann einfach: Mein Weg. Denn genau das mache ich. Ich laufe auf einer Straße und mein GPS navigiert mich zu meinem Ziel. Schritt für Schritt.