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Peter Sobotta Exklusiv-Interview

Alle Fotos via Zuffa LLC.

Am vergangenen Wochenende bestritt der deutsche UFC-Kämpfer Peter Sobotta seinen zweiten Kampf auf der großen Bühne der amerikanischen Vorzeigeliga. Mit dem Gewinner der neunten "Ultimate Fighter"-Staffel, James Wilks, lieferte er sich bei UFC 115 über drei Runde einen knappen Kampf – unterlag am Ende aber einstimmig nach Punkten.

Doch die Wertungen der Punktrichter waren teils zweifelhaft, über manche Strecken konnte Sobotta den Fight dominieren. Mit uns sprach er nun über den Kampf, die Punktrichter und wie schön es ist, wieder zu Hause zu sein.

GroundandPound.de: Hi Peter, zunächst erst einmal vielen Dank für das Interview. Bist Du wieder gut in der Heimat angekommen? Hast Du alles schon verarbeitet?
Peter Sobotta: Ja, ich bin gestern Abend gesund und munter in Stuttgart gelandet. Ich bin sehr glücklich, nach so einer langen Zeit wieder zu Hause bei Familie, Freundin und Freunden zu sein. Das fühlt sich einfach nur gut an.

Der Kampf war sehr knapp, mindestens die erste Runde war nach Meinung vieler Experten Deine. Dennoch werteten zwei Punktrichter den Fight 30-27. Deine Meinung dazu?
Direkt nach dem Kampf habe ich gefühlt, dass es knapp wird. Ich dachte dennoch, dass es gereicht hat. Wilks und ich nahmen beide die Hände nach dem Kampf hoch. Wir trafen uns zur Urteilsverkündung in der Mitte und er sagte: „Ich weiß nicht wer gewonnen hat.“ Ich antwortete: „Lass abwarten, ich weiß es auch nicht.“ Und wir nahmen wieder beide die Hände hoch, um den Punktrichtern unsere Zuversicht zu signalisieren. Als das Urteil verkündet wurde, war ich einfach nur sehr, sehr enttäuscht.

Bei den Bewertungskriterien scheiden sich ja die Geister, aber 30-27 ist wirklich ein absoluter Witz. Das war an diesem Abend nicht die einzige krasse Punkteentscheidung. Schaut euch mal Dunham vs. Griffin an. Einer der Punkterichter hatte den Kampf für Griffin, obwohl er drei komplette Runden nach Strich und Faden vorgeführt wurde!

Der Body Triangle in Runde drei war sehr gut. Auch wenn der Choke nicht klappte, hattest Du sehr lange eine dominante Position. Zu Beginn der Runde musstest Du aber einige Jabs nehmen, zum Ende drehte sich Wilks in Deine Guard. Denkst Du trotzdem, die Runde hätte an Dich gehen müssen? Zählt man die erste dazu, die, wie erwähnt, ebenfalls an Dich hätte gehen können, wäre das ein Punktsieg.
Ich habe sehr spezifisch für den Kampf trainiert. Wir hatten sehr viel Videomaterial von Wilks und wussten, dass seine größte Stärke der Clinch ist. Diesen galt es zu neutralisieren. Es war nicht ungewollt, den Kampf am Käfig zu halten und Wilks dort zu kontrollieren. Wenn man diese Sache realisiert und das auch in die Punktewertung einbezieht, hätte man den Kampf anders werten müssen.

Na ja, egal wie man es betrachtet: Es war verdammt knapp und es ging hin und her. In der ersten Hälfte des Kampfes konnte ich die besseren Treffer setzen, in der zweiten Hälfte hat er besser getroffen. Er hatte kurz die Mount, konnte aber nicht gefährlich werden, weil ich sofort zum Elbow Escape ansetzte und ihn zurück in die Guard brachte. Ich hatte die Backmount und konnte ihn hier stark unter Druck setzen. Ich hatte fast den Rear Naked Choke und als ich zur Reverse Triangle ansetzte, konnte er sich herausdrehen. Wäre ich nicht aktiv gewesen und hätte ihn einfach nur festgehalten, dann hätte der Kampf in der Backmount geendet. Ich hatte außerdem einen Takedown mehr als er und hatte ihn über große Zeit an den Käfig gepresst und somit kontrolliert. Randy Couture gewinnt seine gesamten Kämpfe mit dieser Taktik.

Ich sehe natürlich auch, was ich hätte besser machen können: Gerade in der Zeit, als ich ihn an den Käfig gepresst hatte, hätte ich öfter loslassen, schlagen und wieder greifen sollen. Ich habe hier zu viel Energie verschwendet, weshalb meine Kombinationen in der dritten Runde langsamer geworden sind. Ich hätte ihn außerdem im Stand mehr unter Druck setzen sollen.

Große Fortschritte im Stand - hier hatte Sobotta zunächst die Nase vorn.

Seit dem UFC-Debüt gegen Paul Taylor scheinst Du unglaubliche Fortschritte gemacht zu haben, vor allem im Stand. Lernt man all das in acht Wochen San Diego?
Ich habe sehr viel in San Diego gelernt, aber lange nicht alles! Bei meinem Octagon-Debüt war ich viel zu nervös und angespannt. Alles war neu und aufregend. Ich habe auch sehr viel aus meinem ersten Kampf gelernt und es hatte oberste Priorität, diese Fehler auszubessern. Das ist mir auch gut gelungen. Ich war in bester Verfassung für den Kampf, mental und körperlich.

Ich habe mein eigenes Gym eröffnet und konnte schon in der Zeit vor San Diego effizienter und, vor allem, wann ich will trainieren. Ich habe ein gutes Team zu Hause! Ich bin viel herumgereist und habe mit vielen verschiedenen Leuten in Deutschland und Polen trainiert. Das Trainingscamp in San Diego hat die Sache aber natürlich abgerundet und auf das nächste Level gebracht. Mein Manager meinte nach dem Kampf: Du hast gekämpft wie ein richtiger Ami! Ich glaube, das fasst meinen Fortschritt gut zusammen. (grinst)

Ich habe mein Leben in den letzten Monaten so ausgerichtet, dass es mir möglich ist, von meinem Sport leben zu können. Ich bin sozusagen seit drei Monaten MMA-Profi Sportler, was natürlich nicht lange ist, aber es ist auch erst der Anfang!

Macht es einen großen Unterschied, wenn ein (evtl. erfahreneres) US-Team Dich trainiert und coacht?

Ja, es hat einen großen Unterschied gemacht. Ich konnte vor allem von der Routine und Erfahrung meiner Coaches profitieren. Die Jungs haben schon viele, viele Fighter für die UFC vorbereitet. Sie wussten schnell, was meine Stärken, was meine Schwächen sind und fingen ab Woche zwei an, daran zu arbeiten. Immer spezifisch auf den Gegner bezogen. Die Armee guter Sparringspartner rundet alles zusätzlich ab. Auch das Gewichtmachen verlief super!

Der größte Unterschied dort ist die Herangehensweise an das gesamte Training. Der Sport wird als Ganzes gesehen: MMA! In Europa hatte ich bisher die Erfahrung gemacht, dass das Gesamtpaket eher aufgeteilt wird: BJJ, Ringen, Stand-Up.

Dominante Position - mit dem Choke wurde es aber leider nichts.

Es scheint, als hätten Dich die Takedownversuche in Runde zwei viel Kraft gekostet. Danach wirktest Du sehr erschöpft. War dem so?
Ja, das war mein größter Fehler in diesem Kampf. Ich hätte öfter loslassen sollen, schlagen und wieder greifen müssen. Mix it up! Ende der zweiten Runde waren meine Arme schwer. Ich konnte mich in der Rundenpause zwar gut erholen, als ich aber den Rücken von Wilks in Runde drei hatte, konnte ich den Kampf nicht beenden. Meine schweren Arme waren ein Grund dafür. Er hatte allerdings auch tadellos verteidigt.

War es rückblickend überhaupt richtig, den Takedown zu suchen? Zu Beginn wirktest Du im Stand sehr gut.
Ich wusste, dass Wilks den Clinch gesucht hat, was seine mit Abstand beste Position ist. Das habe ich gut verhindert, indem ich ihn an den Käfig gedrückt habe. Wie schon oben erwähnt: Ich bin da irgendwie drauf hängen geblieben. Ich hatte ständig im Kopf: „Clinch gefährlich - an den Zaun drücken“. Es stimmt, ich hätte es mehr mixen müssen.

In Deutschland warst Du bekannt als sehr guter Grappler. Die Submissions von Wilks konntest Du gut vermeiden, dafür selbst welche anbringen. Siehst Du in Diesem Bereich überhaupt Nachholebedarf oder reichen Deine Grapplingfähigkeiten für die UFC aus?
Für mich gibt es kein “es reicht“. Ich liebe Jiu-Jitsu und werde es trainieren, bis mein Körper es nicht mehr zulässt.

Wilks ist selbst ein sehr guter Grappler. Er hat lange mit Erik Paulson trainiert und ist auch BJJ-Braungurt. Ein tougher Gegner am Boden. Ich habe mich trotzdem am Boden überlegen gefühlt und deshalb probiert, ihn runter zu nehmen.

Gab es etwas, was geplant war, Du aber nicht umsetzen konntest? Wenn ja, was?
Ja, ich habe viel an meiner Beinarbeit gearbeitet. Gepaart mit Schlagkombinationen wollte ich Wilks damit zusetzen. Das klappte in der ersten Hälfte des Kampfes auch ziemlich gut. Aber im Eifer des Gefechts habe ich das nicht mehr so umgesetzt, wie ich das gerne gemacht hätte.

Offenbar kommt die UFC am 13. November mit UFC 121 nach Oberhausen. Sehen wir Dich dann wieder im Octagon?
Das kann ich im Moment nicht beantworten.

Willst Du Deinen Fans und Freunden zum Abschluss noch etwas mitteilen?
Vielen Dank für die Unterstützung! Ich habe mich sehr über den großen Support gefreut. Danke für die vielen E-Mails und die Aufmunterungen. Das bedeutet mir wirklich viel.

Ich gratuliere auch James Wilks zu dem Sieg. Er ist ein sehr guter Kämpfer und ein fairer Sportsmann!

Vielen Dank für das Interview, Peter!