Interviews

Paul Redmond will bei UFC Glasgow die Halle zum Kochen bringen

Keine gute Verfassung: Paul Redmond beim Wiegen vor UFC Stockholm (Foto: Florian Sädler/GnP1.de).

Das Wiegen am Tag vor dem Kampf ist oft ein guter Erfolgs-Indikator für diejenigen, die auf UFC-Kämpfe wetten. Eingefallene Wangen und hängende Schultern können einen oft wertvollen ersten Hinweis auf den Verlauf des anstehenden Kampfes liefern, und so wird vermutlich jeder, der im Januar vor UFC Stockholm auf Paul Redmond gesetzt hatte, seine Entscheidung noch einmal gründlich überdacht haben.

„Es war einfach der pure Horror“, erzählt Redmond im Rückblick auf sein Debüt bei der riesigen Stadion-Show in Schweden, bei der Anfang des Jahres 30.000 Fans Alexander Gustafssons Kampf gegen Anthony Johnson live mitverfolgt haben. Redmond hatte das Duell im Vorprogramm gegen Top-Talent Mirsad Bektic mit nur zwei Wochen Vorbereitungszeit angenommen, nachdem Alan Omer wegen eines verletzten Ellbogens nicht antreten konnte: „Ich war auf der Arbeit, es war ein Donnerstagnachmittag, als ich den Anruf bekommen habe“, erinnert sich der Ire. Obwohl es mit sieben Siegen in seinen letzten acht Kämpfen wohl ohnehin nur eine Frage der Zeit war, bis Redmond seinen Weg in die UFC machen würde, hätte das Timing nicht ungünstiger sein können: „Ich habe über mehrere Jahre immer in der Weihnachtszeit gekämpft und in diesem Jahr hatte ich zum ersten Mal keinen Kampf anstehen. Also habe ich Weihnachten dieses eine Mal so richtig genossen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Hätte der Kampf im Leichtgewicht stattgefunden, wäre es kein Problem gewesen, aber die UFC hat für das Federgewicht angefragt. Und wenn die UFC anfragt, dann kannst du nicht Nein sagen.“

Redmond machte sich also ans Schwitzen und Fasten und kam dem Federgewichtslimit von 66 Kilo stetig näher, entfernte sich dabei aber immer weiter von seiner körperlichen Bestform: “Es war Wahnsin… Mit der richtigen Vorbereitung wäre es kein Problem gewesen, ich hätte vermutlich um die vier Kilo machen müssen. Aber wir sind am Dienstag in Stockholm angekommen, spät am Abend. Wenn du eincheckst, wirst du bereits gewogen und ich war da glaube ich bei knapp 77 Kilo. Ich musste all das Gewicht also in nur drei Tagen verlieren. Es war einfach nur schrecklich.“ Redmonds grotesk ausgemergelte Erscheinung auf der Waage bezeugte am nächsten Nachmittag die Qualen der vergangenen Tage: “Als wir vor dem Wiegen hinter der Bühne gewartet haben, konnte ich mich kaum aufrecht halten. Du wiegst dich noch mal, wenn du da ankommst, da war ich bei 67,5 Kilo und wusste also, dass ich zu schwer war. Ich konnte da nicht mit einem Lächeln rausgehen und die Atmosphäre aufsaugen. Ich wusste, dass ich das Gewicht nicht gemacht hatte.“

“Ich war körperlich vielleicht bei 50 Prozent. Ich wurde eingewogen, dann sind wir zurück zum Hotel und ich habe versucht, Nahrung zu mir zu nehmen. Ich hätte mich aber zuerst rehydrieren sollen und daher hat mein Körper nichts bei sich behalten. Gut geschlafen habe ich auch nicht.“ Für Redmond waren im Rückblick weder die 20 Prozent Vertragsstrafe für das Verpassen des vereinbarten Gewichts noch die quälenden Stunden des Dehydrierungsprozesses das größte Übel – einen wirklich bitteren Nachgeschmack hat vor allem der Kampf selbst hinterlassen, den er in der darauffolgenden Nacht klar und deutlich nach Punkten verlor. „Es war einfach ein schlechter Gewichtscut und deswegen auch eine miese Leistung im Kampf. Ich hatte gedacht, dass ich mich ein bisschen besser zusammenreißen können würde. Du versuchst dein Bestes, um zu rehydrieren und etwas Nahrung zu dir zu nehmen, die richtigen Sachen zu essen und so weiter und letzten Endes kannst du nicht mehr tun als das. Ich wollte eine bessere Leistung abliefern, aber ich konnte die Teile einfach nicht zusammensetzen.“

Bektic zeigte sich im Octagon vergleichsweise wenig aggressiv und entschied sich trotz seiner offensichtlichen Überlegenheit für den ungefährdeten Sieg, indem er Redmond auf die Matte brachte und dort mit Positionskontrolle und Groundandpound einen meilenweiten Punktevorsprung aufbaute. Währenddessen wusste Redmond unter ihm zwar, was in dieser Situation zu tun war, sein Körper aber konnte dieses Wissen nicht mehr umsetzen: “Ja, das war wirklich frustrierend (, zu wissen, wie viel besser ich hätte kämpfen können). Der Typ hat mich einfach absolut zerstört. Ich war buchstäblich am Boden, nichts hat funktioniert, ich konnte einfach nichts mehr abrufen.“

Redmonds Zähigkeit und die Tatsache, dass er mit Bektic über die volle Distanz gegangen ist, mag von außen vielleicht wie ein solider moralischer Sieg aussehen, diese Sichtweise allerdings entspricht nicht Redmonds Mentalität: „Ich war da, um zu Gewinnen. Eine Niederlage war nicht Teil des Plans, ich war nicht da, um eine Lücke zu füllen, verprügelt zu werden und so in die UFC zu kommen. So sind die Leute aus meinem Gym nicht gestrickt. Ich wollte wirklich gewinnen und als daraus nichts geworden ist und ich obendrein eine so schlechte Leistung abgeliefert hab, war ich von mir selbst angewidert.“

Es war vielleicht nicht sein Plan, und trotzdem hat Redmond so nun seinen Platz in der UFC. Am 18. Juli wird er bei der Fight Night in Glasgow seine hochverdiente zweite Chance bekommen, allerdings nicht gegen Fallobst. Der Schotte Robert Whiteford hat zwar im Laufe seiner fast zweijährigen UFC-Laufbahn nur zwei Mal im Octagon gestanden und es lediglich ein Mal als Sieger verlassen, stellt seine Gegner dank seiner Zähigkeit, Aggressivität und einer Judo-Basis aber vor Probleme, die man nicht unterschätzen sollte. „Er ist ein harter Gegner, aber in der UFC gibt es ausschließlich harte Gegner“, erkennt auch Redmond an. “Ich denke, dass er eine sehr gute Ansetzung für mich ist. Er ist ein guter Kämpfer, sehr stark und mit guten Judo-Kenntnissen und harten Fäusten, da muss ich also vorsichtig sein. Er kämpft vor heimischem Publikum, also wird er eine Show abliefern wollen, genau wie ich.“

Anerkennung von den Fans in der Arena wird er für einen guten Kampf aber wohl erst im Nachhinein bekommen. Obwohl Redmond von Dublin nach Glasgow nur schlappe eineinhalb Stunden unterwegs ist, wird dem Schotten Whiteford die Unterstützung der Zuschauer sicher sein. Nicht, dass das Redmond stören würde: “Ich konzentriere mich auf den Sieg, ich werde mich nicht zurückhalten und vorsichtig sein, nur, weil wir in Schottland sind. Ich bin schon gegen mehrere lokale Kämpfer in ihrer Heimat angetreten und außerdem kämpfen auch Joe Duffy und Paddy Holahan am Samstag, es werden also bestimmt auch einige irische Fans rüberkommen.“ Nach dem Kampf hofft er auf eine andere Stimmung in der Halle: “Ich glaube nicht, dass die Fans es böse meinen, wenn sie ihren Kämpfer anfeuern. Sobald der Kampf vorbei ist, werden sie uns beiden applaudieren. Egal, wie der Kampf ausgegangen ist. So ist das, so sind MMA-Fans gestrickt.”

Ein Sieg gegen Whiteford ist immens wichtig für Redmond – nicht nur, weil eine zweite Niederlage in Folge ihn seinen Job bei der UFC kosten könnte, sondern auch, um weiterhin sein Potential auf höchstem Level verwirklichen zu können. Immerhin hat er vor UFC Stockholm seinen Job als Klempner gekündigt und alles auf eine Karte gesetzt. Jetzt muss er möglichst ein Ass daraus machen: “Ich glaube fest, dass ich es in der UFC zu etwas bringen und für lange Zeit ein Teil des Kaders sein kann. Ich will nicht hierher kommen, zwei schlechte Kämpfe abliefern und rausgeschmissen werden. Für mich ist das wirklich eine langfristige Sache. Ich bin ein unterhaltsamer Kämpfer – der letzte Kampf, das war nicht ich, ich will jetzt da rausgehen und einen spektakulären Kampf für die Fans abliefern, sie sollen auf den Rängen stehen und jubeln. Das ist es, was ich erreichen will.“

Und jetzt, im Rückblick auf die erste Jahreshälfte - wenn er eine Zeitreise zu jenem Donnerstagnachmittag im Januar machen könnte, als die UFC ihm die offene Stelle in Stockholm angeboten hat, würde er wieder akzeptieren? "Ja, ich würde es zu hundert Prozent wieder akzeptieren."


UFC Glasgow wird am Samstag ab 16 Uhr auf dem UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.


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Paul Redmond: „I want the fans to be on their feet and screaming“
Ireland’s „Redser“ wants to erase the memory of his octagon debut at UFC Glasgow.

The Weigh-In before a UFC event is a good indicator for those fans who like to bet on the fights. Shrunken cheeks and hanging shoulders can give a valuable forecast on the result of the actual fight and based on that, anyone who had placed a bet on Paul Redmond ahead of UFC Stockholm this past January will probably have reconsidered that decision when the Irishman stepped on the scale ahead of his Octagon debut.

„It was pure horror“, Redmond says looking back on his first UFC fight at the massive stadion show that draw 30,000 spectators earlier this year for Alexander Gustafsson’s title eliminator opposite Anthony Johnson. Redmond had accepted the bout against top talent Mirsad Bektic with only two weeks notice after Alan Omer had to withdraw with an elbow injury: „I was actually at work on Thursday afternoon when we got the call”, the Irishman remembers. Even though seven wins in his last eight fights made it seem like the UFC could come calling any time, timing couldn’t have been worse when they actually did: „I had been fighting around Christmas for a few years and this Christmas was the first one where I had time off and I enjoyed myself, to say the least. So when we got the call, I was a little bit heavier (than usual). I would have been okay if the fight was at 155 pounds but they asked me to go to a new weight class, to featherweight. When the UFC comes calling, that’s an opportunity you can’t say no to.”

Redmond started sweating and starving and while he came closer and closer to the 145-pound featherweight limit, he drifted further and further away from physical peak condition: “It’s pretty crazy… Having the proper camp, it’s no problem, like four Kilos but my last weight cut I think we got to the venue on Tuesday, late Tuesday evening and you check in, you pre-weigh-in and I think I was at 170 pounds, so I would’ve had to lose all that weight within three days. It was just horrific.” Redmond’s grotesquely shrunken and skinny appearance on the scale the next afternoon testified the suffering of the past few days: “When we were waiting in the back for the weigh-in to start, I could barely stand. They have a scale there when you arrive, so I stepped on it and it showed 149 pounds so I knew I was still a few pounds over. I couldn’t walk out with a smile on my face, I couldn’t soak up the atmosphere. I knew I had failed to make weight.”

“I was probably around 50 percent. I weighed in, we went back to the hotel and I tried to get food in me but you have to get yourself rehydrated first so my body would just reject anything I tried to feed it. I didn’t get a good night of sleep.” In the Redser’s mind, neither the 20-percent pay cut for failing to make the contracted weight nor the torturing hours of constant dehydration have stuck as the worst experience of the week. It was the fight that actually left a really bad taste in his mouth after he got dominated en route to a clear-cut unanimous decision loss the next day: „It was just a bad weight cut and a crappy performance because of that. I thought I’d get it together a little bit better than I did. You do your best to rehydrate and get some food in, eat the right food and actually, there is nothing more you can do. I wanted to give a better showing but I just couldn’t get it together.”

During the fight, Bektic didn’t show up as aggressive as usual when fighting Redmond and, despite his obvious advantages in every aspect that night, decided to go for the safe route by putting his opponent on the mat and race away on the judge’s scorecards. Meanwhile, Redmond knew what to do in this situation while being stuck underneath Bektic but his body just wouldn’t listen to the commands he was giving it: “Yeah, it was really frustrating, (knowing how much better I could’ve done). The guy was absolutely just punching my head in, he was just smashing me. I was literally on the bottom, I couldn’t get anything to work, there was just nothing there, you know?”

Redmond’s toughness and the fact that he managed to go the distance with Bektic might seem like a moral victory to some but that’s not the perspective Redmond has on it: “I was there to win. A loss wasn’t part of the agenda, I wasn’t there to fill a spot, get beat and that way get to the UFC. That’s not the way the guys in our gym are build. The plan really was to win and when I didn’t walk away with the win and gave that kind of performance, I was disgusted with myself.”

It might not have been the way he wanted it to happen but the Stockholm fight indeed got Redmond on the UFC’s roster. On July 18, he will get his much deserved second chance at UFC Fight Night Glasgow but again it won’t exactly be an easy task. Scotland’s Robert Whiteford might have only entered the Octagon twice since signing with the promotion almost two years ago and left it a winner just once, yet his toughness, aggressive fighting style and a background in Judo present challenges to his opponents that can’t be overlooked: „He’s a tough fight, but there are only tough fights in the UFC“, Redmond acknowledges. “I think I match up really well with him, he’s a solid guy, really strong, good judo player too, he has heavy hands so I’ve got to be careful with that. He’s fighting in front of his hometown, so he’ll be in for a scrap, I’ll be in for a scrap and I want to put on a really good fight for the fans.”

At the same time, he knows that the fan’s respect is something he’ll likely only get when the fight is over. Even though Redmond only has to travel one hour and a half from Dublin to Glasgow, Whiteford can probably count on the fan’s support once he makes his way to the cage. Not that it matters to Redmond anyway: “I just focus on winning this fight, I’m not going to coast and shy away from getting into a wild fight just because it’s in Scotland. I have fought local guys in their hometowns before and actually, with Joe Duffy and Paddy Holohan on the card, I think there will be quite a few Irish fans over there.” He only hopes for a different atmosphere after the fight is over: “I don’t think there is any malice in fans cheering for their fighter. As soon as the fight is finished, they’ll clap for me, they’ll clap for him, whatever way it goes. That’s it, that’s the way MMA fans go.”

A win over Whiteford is critically important for Redmond – not only because a second consecutive defeat might cost him his job with the UFC but also because Redmond wants to be able to fulfil his potential on the highest level of the sport. Additionally, he quit his job as a plumber ahead of UFC Stockholm and put all his eggs in one basket. Now, that decision has to pay off: “I really do think I can go a hundred percent and stay with the UFC and actually not only stay. I don’t want to come in, have two subpar fights and get dumped out, I’m really here for the longevity. I am an exciting fighter, that last fight wasn’t me and I want to go out there and put on an exciting fight for the fans for them to be on their feet and screaming. That’s what I want to achieve.”

Now, looking back on what this year has done for him so far - if he could travel back in time to the Thursday afternoon in January when the UFC offered him the open spot in Stockholm, would he accept again? "Yes, I'd accept it a hundred percent."


UFC Fight Night Glasgow will be streaming live this Saturday on UFC Fight Pass, starting at 3 PM GMT.