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Patrick Talmon ist zurück mit 5 Medaillen in 2 Wochen

Patrick Talmon (Foto: Patrick Talmon)

2013 war Patrick Talmons sportliches Jahr. Der Headcoach der Elite Fight Academy  in Ludwigshafen wurde in Brasilien BJJ-Weltmeister der Lilagurte nach Version der CBJJO. Talmon, der für die Farben des GF Teams auf die Matte geht, war am Ziel seiner Träume angelangt. Das lange Training hatte sich mit 37 Jahren endlich ausgezahlt. 2014 wurde es etwas stiller um ihn, er konzentrierte sich auf seine Akademie. 2015 ließ Talmon aber wieder die Muskeln spielen. In den vergangenen 14 Tagen sackte er mal eben fünf Medaillen ein. Zweimal Silber und dreimal Bronze aus der Schweiz und England.

GNP1.de: Herzlichen Glückwunsch zu deiner fetten Medaillen-Ausbeute. Fünf auf einem Streich, hast du das schon einmal geschafft?
Patrick Talmon: Vielen Dank für die Glückwünsche. In dieser Form ist mir das noch nie gelungen. Fünf Medaillen in 14 Tagen ist schon ein sehr, sehr gutes Resultat.

Warum hat es diesmal trotz des großen Erfolges nicht für einen ersten Platz gereicht?
(lacht) Da gibt es immer viele Gründe die man nennen kann, aber ich denke, ein Mix aus verschiedenen Dingen ist die richtige Antwort. Ich habe ein paar kleine Fehler gemacht und meine Gegner waren zur Stelle und haben diese ausgenutzt. Wir reden hier ja über das zweitgrößte Turnier in Europa, dass die IBJJF nach der Europameisterschaft veranstaltet. Es war abzusehen, dass das Niveau sehr, sehr hoch sein wird. Selbst Kämpfer aus Abu Dhabi hatten sich auf den Weg gemacht und du kannst dir vorstellen, dass bei dem Stellenwert dieses Turniers alle in ihrer Vorbereitung richtig Gas gegeben haben, da werden Fehler eben sofort bestraft. Aber das Gute daran ist: Ich weiß jetzt im Speziellen, woran ich arbeiten muss.

Du bist 2015 turniertechnisch ein wenig abgetaucht, was war der Grund dafür?
Ja, 2015 ist bis jetzt ein sehr schwieriges Jahr für uns gewesen. Ich habe ein paar falsche Entscheidungen getroffen, was die Zusammenarbeit mit Partnern betraf, wofür ich sehr viel Lehrgeld zahlen musste. Zudem kam privat auch ein Schicksalsschlag dazu. Alles in allem, gepaart mit Verletzungen, war es für mich unmöglich, mich auf große Turniere vorzubereiten. Nun denke ich, ist es an der Zeit, wieder anzugreifen. Ich war in der Lilagurtklasse auf Rang sieben der IBJJF-Weltrangliste, als ich meinen Braungurt von Rodolfo Vieira verliehen bekam. Die Ziele sind also hoch gesteckt.

Du bist einer der wenigen BJJ-Weltmeister in Deutschland. Denkst du noch ab und zu an den Tag im Juli 2013?
Wie du schon in der Frage erwähnt hast, gibt es nicht viele BJJ-Weltmeister in Deutschland. Somit gehört dieser Titel ganz klar zum Höhepunkt meiner Karriere. Es gibt zweierlei Gedanken an diesen Tag: Zum Einen denkt man an die Emotionen in diesem Moment und zum Anderen möchte man an diesen Erfolg natürlich anknüpfen.

Was hast du als nächstes vor?
Das nächste Ziel ist ganz klar die Europameisterschaft in Lissabon 2016 zu gewinnen! Die Vorbereitung dafür ist in vollem Gange. Auch dazu habe ich mir im Januar wieder starke Unterstützung geholt, für unser mittlerweile traditionelles Europacamp. Dieses Mal kommt Patrick Gaudio und eventuell ein Überraschungsgast

An was trainierst du gerade?
Ich trainiere eigentlich an nichts Speziellem. Ich versuche, das komplette Paket zu verbessern. Schneller auf Angriffe oder unvorhergesehene Situationen reagieren zu können, aber natürlich auch meine eigenen Angriffe schneller und präzise ausführen zu können.

Wie kann man sich den Tag eines Kämpfers und Trainers vorstellen?
(Lacht) Ich denke, der unterscheidet sich nicht so sehr von anderen Menschen, nur mit etwas mehr Sport. Ich denke, die größten Unterschiede sind, dass ich in der Wettkampfvorbereitung mein Training anders time. Je näher zum Wettkampf, desto weniger Krafttraining und mehr Sparringseinheiten absolviere ich. Mein Essen ist natürlich auch geplant. Es ist aber genauso wichtig, sich Auszeiten zu nehmen, deshalb gehören die Wochenenden ganz oft auch der Familie.

Du hast ja 2014 Rodolfo Vieira eingeladen, nach Deutschland zu kommen. Ist dies in Zukunft wieder einmal geplant?
Ja klar, Rodolfo steht immer auf unserem Plan. Das große Problem ist immer, Termine zu finden, die passen. Aber ganz klar versuche ich, Rodolfo 2016 wieder zu einem Seminar einzuladen.

Vieira gehört zur absoluten Bodenkampf-Weltspitze. Was konntest du alles von ihm lernen?
Das alles hier aufzuzählen, würde wohl den Rahmen sprengen. Ich konnte von Rodolfo so viel mehr als nur Technik lernen, da er auch menschlich absolut überragend ist. Aber klar konnte ich mein ganzes Game durch ihn um einiges verbessern. Jeder, der mich kennt, weiß, dass mir sein Game extrem liegt und die Details, die er mir bis jetzt gezeigt hat, waren einfach Weltklasse.

2014 hattest du außerdem deinen letzten MMA-Kampf. Wirst du nochmal in den Ring oder Käfig steigen?
Nein, absolut nein. Ich habe mich die letzten Jahre so extrem auf den Bodenkampf fixiert, dass ich, um in der MMA-Szene Fuß zu fassen, jetzt alles umwerfen müsste und so extrem an meinem Stand-Up arbeiten müsste, was für mich nicht in Frage kommt, da mein Bodentraining dadurch zu kurz kommen würde. Ich muss nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Wir haben so gute und große Talente in Deutschland, da muss ich alter Bock nicht mitmischen. Ich gehe fest davon aus, im BJJ noch einige Erfolge erzielen zu können, deshalb liegt mein Fokus absolut hier.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft.
Das letzte Jahr war wirklich schwierig für mich und auch wenn es viele Enttäuschungen mit sich gebracht hat, hat es mir auch gezeigt, dass Loyalität doch noch ein großes Wort in meinem Umfeld sein kann. Deshalb möchte ich als allererstes all meinen Schülern danken, die immer hinter mir standen. Meine Kraft ziehe ich immer aus meiner Frau, die so viel verzichtet und mich immer machen lässt, dass alles wäre ohne sie niemals möglich. Nicht zu vergessen natürlich mein Mentor, Trainer und Freund Gabriel Rainho, der mir von der ersten Sekunde an sein Vertrauen geschenkt hat und immer an mich geglaubt hat.